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Wenn Reichtum Kriege fördert
Das Geschäft mit BlutdiamantenEtliche inner- und zwischenstaatliche
Konflikte Afrikas können so scheint es auf einen einfachen Grund gebracht
werden: Es gibt Diamanten. So betrachtet ist dann auch die Unterbindung der Konflikte
einfach: Der Weltmarkt, der zur Finanzierung völlig unsinniger Kriege zweckentfremdet
wird, gehört in seiner Unterabteilung 'afrikanischer Edelsteinhandel' unter politische
Aufsicht gestellt, und der Weltsicherheitsrat verhängt eine Handelssperre über
Diamanten, die aus 'Unruhegebieten' kommen. Wurde früher mal beklagt, dass so viele
Länder Afrikas so sehr "einseitig" von ein oder zwei Rohstoffen abhängig sind,
so zeigt sich jetzt die praktische Seite dieser "Einseitigkeit": Mit einem
Schlag kann man einem als Unruheherd definierten Staat den Hahn zudrehen. Über die
Hintergründe und die ersten Massnahmen berichtet Hans-Ulrich Stauffer.
Nach etlichen Jahren Bürgerkrieg in Ländern wie Angola, Sierra Leone und dem Kongo
setzt sich eine neue Erkenntnis durch: Die Menschen könnten wahrscheinlich in Frieden
leben, wären ihre Länder nicht zu reich an Diamanten. Eine Studie der Weltbank hat
herausgefunden: Wertvolle Rohstoffe, beispielsweise Diamanten sind viel häufiger die
wahren Ursachen von Bürgerkriegen als "politische, ethnische oder religiöse"
Spannungen. Reine Geldgier treibe Rebellengruppen in den Kampf, um den Regierungen die
Kontrolle über diese rentablen Schätze zu entreissen. Die Anführer von Aufständen
gäben zwar zumeist vor, für Rechte unterdrückter ethnischer und religiöser Gruppen
oder für die Beseitigung sozialer Missstände zu kämpfen. Dies sei jedoch oft nur ein
Vorwand.
Dieser Diagnose schloss sich in der Folge der Weltsicherheitsrat an: Das schon für
Angola geltende Embargo auf Diamanten wurde auch auf Sierra Leone ausgedehnt. Darüber
hinaus erhielten die führenden Industriestaaten den Auftrag, sich über ein
Zertifikatswesen zu verständigen, durch das künftig die sogenannten Blutdiamanten von
legal exportierten Steinen zu unterscheiden sind. Nicht zuletzt sollen so auch lokale
afrikanische Profiteure kaltgestellt werden. So ist etwa bekannt, dass der jetzige
Präsident von Burkina Faso, Blaise Compaoré, die Rebellen in Sierra Leone mit Waffen
versorgte und im Gegenzug deren Diamanten verhökerte. Auch die Diamanten der Unita gingen
teilweise durch seine Hände.
Die angolanischen Diamanten
Diamanten oder allgemeiner gesagt: Bodenschätze spielen in zahlreichen
regionalen Konflikten nicht immer die gleiche Rolle. Am Beispiel Angolas lässt sich dies
aufzeigen. Während mehr als einem Jahrzehnt herrschte in Angola Bürgerkrieg. Der
offiziellen Regierung stand die ehemalige Befreiungsbewegung Unita gegenüber, die nach
verlorenen Wahlen erneut zu den Waffen gegriffen hatte. Dabei ging es wohl nicht so sehr
um politischen Einfluss auf die Geschicke Angolas, als vielmehr um den weiteren Zugriff
auf Rohstoffe. Während sich die MPLA-Regierung in Luanda auf die Milliardeneinnahmen aus
der Erdölförderung stützen und sich an diesen auch ungeniert privat bedienen konnte,
flossen der Unita-Führung die Einnahmen aus dem illegalen Diamantenabbau im Nordosten des
Landes zu. Aus den Verkäufen auf den Märkten Europas erzielte sie zwischen 1992 und 1998
Gewinne von mindestens 3,7 Milliarden US-Dollar. Angolanische Diamanten gehören mit
durchschnittlich 250 Dollar pro Karat zu den besten weltweit.
Wichtiger Abnehmer der Unita-Diamanten war jahrzehntelang der Grosskonzern De Beers.
Seit 60 Jahren dominieren das südafrikanische Unternehmen und seine Central Selling
Organization CSO die internationale Diamantenindustrie, indem sie über 65 Prozent der
weltweiten Produktion klassifizieren, bewerten und verkaufen. Im Zuge der gigantischen
Werbekampagne zum Jahrtausendwechsel stieg das Verkaufsvolumen der CSO um 57 Prozent auf
5,2 Milliarden US-Dollar. De Beers und andere Diamantenkonzerne haben in den vergangenen
Jahren mit Unita-Diamanten Millionen verdient, die Summe lässt sich jedoch nicht exakt
beziffern.
Diamanten als Bestandteil der Kriegswirtschaft
Während Jahren war der Zugriff auf Bodenschätze und die Verwendung der
Verkaufserträge durch die Unita bekannt. Doch zur Zeit des kalten Krieges war daran
offenbar nichts auszusetzen: In Zeiten des Ringens um Einflussgebiete im rohstoffreichen
Angola gehörte der Aufbau einer "Kriegswirtschaft" zur Logik der
Kriegsführung. Das wirtschaftlich Paradox: Während die unter Regierungskontrolle
stehenden Erdölquellen durch amerikanische Firmen erschlossen und ausgebeutet wurden,
kämpften Unita-Rebellen mit amerikanischer Unterstützung gegen die Regierung in Luanda.
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des "sozialistischen Lagers"
erfolgte eine Neupositionierung der USA bezüglich Angola. Mit der Abhaltung allgemeiner
Wahlen von 1992, die international überwacht und als mehrheitlich frei und fair
bezeichnet wurden, wechselten die USA ihren Partner und arrangierte sich mit der
siegreichen MPLA-Regierung in Luanda. Die Unita wurde fallengelassen und ihr haftete in
der Folge das Etikett des kriegstreibenden Wahlverlierers an, der sich zudem an den
Bodenschätzen des Landes vergriff. In diesem Zeitpunkt kam der Begriff der
"Blutdiamanten" auf und damit die Kritik an der Verwendung von Bodenschätzen
zur Kriegsführung.
In den gleichen Zeitraum fällt der Sierra Leone-Konflikt, in dem sich die
Kriegsparteien ebenfalls durch Diamantenabbau ihr Einkommen sicherten. Schon seit
längerem wurden hingegen illegal geschürfte Diamanten aus Mobutus Zaire auf den
Weltmarkt geschleust. Mit dem Bürgerkrieg im Kongo nach Mobutus Sturz wurde die
Vermarktung jedoch Bestandteil der "Kriegswirtschaft" einzelner Rebellengruppen
oder ausländischer Interventionstruppen und der sie kontrollierenden Kräften. Zu den
Diamantenexporten aus Kongo kam dann in jüngerer Zeit auch der Abbau und der Export von
Coltran dazu, einem begehrten Metall, das für die Computer- und Kommunikationstechnologie
wichtig ist (siehe Kasten).
Handelsembargo gegen Kriegsdiamanten
Zur Unterbindung des Handels mit Blutdiamanten verabschiedete der UN-Sicherheitsrat
1998 eine Resolution, die den direkten oder indirekten Export von nicht-offiziellen
Diamanten aus Angola und Sierra Leone verbietet. Das Embargo richtete sich gegen
Diamanten, die kein Herkunftszeugnis (Certificate of Origin) besitzen und schliesst daher
die von offiziellen Regierungen gehandelten Steine, so undemokratisch oder korrupt sie
auch sein mögen, nicht mit ein. Die sogenannten Kriegsdiamanten machen zwischen 4 und 15
Prozent des Welthandels aus, wobei bereits 4 Prozent einem Wert von ca. 270 Millionen
US-Dollar entsprechen. Doch dieses Embargo griff nicht, wie sich durch verschiedene
Beispielen zeigte. So tauchten etwa vermehrt Diamanten mit gefälschten Zertifikaten auf.
Auch kamen vermehrt Diamanten mit der Herkunftsbezeichnung "Zambia" auf den
Markt, obwohl es in diesem Land gar keine Diamantenvorkommen gibt.
De Beers wiederum passte sich rasch an. Vor dem Hintergrund der UNO-Kampagne kündigte
der Konzern an, dass er sich vollständig vom Markt in Angola und Sierra Leone
zurückziehe und damit über die Vorgaben des UN-Embargos hinaus zu gehen. Der Konzern
wirbt mittlerweile mit seiner neuen Geschäftsidee der konfliktfreien Diamanten und
betont: "Mit der Entscheidung, diesen Schritt zu machen, versucht De Beers, die
internationalen Bemühungen für einen Frieden in mehreren afrikanischen Staaten zu
unterstützen und sicherzustellen, dass der legale Diamantenhandel kein negatives Image
bekommt durch die Diamanten, die von Rebellen zur Finanzierung von Kriegen eingesetzt
werden" (Geschäftsbericht De Beers 2000). Hinter diesem Gesinnungswandel steckt
nicht blosse Einsicht oder Menschenliebe. Vielmehr ist De Beers zur Zielscheibe der Kritik
zahlreicher Nichtregierungsorganisationen geworden. Amerikanische Bankanalysten raten
bereits wegen der "drohenden Kampagne von Dritte-Welt-Gruppen" zum Verkauf von
De Beers-Aktien.
Die Angst vor einem Imageschaden hat nicht nur De Beers, sondern auch die offiziellen
Gremien in der Diamantenindustrie zum Handeln gebracht: Ende Juli 2000 fand in Antwerpen
der World Congress of Diamonds statt und beschloss, in Zukunft keine Schlupflöcher für
Kriegsdiamanten zu zulassen: Händler, die mit nicht-zertifizierten Steinen Handel
treiben, sollen auf eine schwarze Liste gesetzt und von allen 23 Diamantenbörsen
ausgeschlossen werden. Zudem sollen weitere Prüfinstanzen, besetzt mit internationalen
Experten, eingeführt werden. Unterzeichnet wurde die Resolution vom Internationalen
Diamantenherstellerverband und dem Weltbund der Diamantenbörsen.
Die Kimberley-Deklaration
Auf den 1. Januar 2003 ist nun nach zweijähriger Vorbereitungszeit die
"Kimberley-Deklaration" in Kraft getreten. Diese regelt den Handel mit
Rohdiamanten. Zustande gekommen ist diese Deklaration an einem Treffen vom November
letzten Jahres in Interlaken, an dem Vertreter von Förderländern, internationalen
Organisationen, des Diamantenhandels wie auch Nichtregierungsorganisationen teilnahmen.
Insgesamt haben 50 Nationen die Konvention unterzeichnet.
Die Konvention hat den Charakter eines Selbstregulierungsmechanismus. Alle Rohdiamanten
müssen mit einem einheitlichen Ursprungszertifikat begleitet sein, die von der dafür
zuständigen Behörde des exportierenden Landes
ausgestellt wird. Darin müssen Exporteur, Importeur, das Gewicht in Karat und der Wert
in Dollar und andere Angaben enthalten sein. Staaten, die sich nicht an diesem
Zertifikationssystem beteiligen, dürfen keine Diamanten ein- und ausführen.
Transitländer müssen sicherstellen, dass die Sendungen nicht manipuliert werden. Zudem
muss sichergestellt werden, dass die Diamantenschürfer eine staatliche Lizenz haben und
alle am Handel und der Vermarktung Beteiligen registriert sind. Den Vorsitz hat für ein
Jahr Südafrika.
Damit ist ein erster Schritt getan. Es wird sich zeigen, wie weit sich das mit einem
relativ grossen administrativen Aufwand verbundene Regelungswerk in der Praxis bewährt.
So stellt sich etwa jetzt scho die Frage, ob die entsprechenden Strukturen in den
bürgerkriegszerstörten Ländern wie Angola, Kongo oder Sierra Leone überhaupt
geschaffen werden können. Eine andere Gefahr ist die Korruption: Wie kann sichergestellt
werden, dass nicht Gefälligkeitbestätigungen ausgestellt werden? Und letztlich ist auch
der Handel gefordert: Halten sich die Händler in Antwerpen und Tel Aviv an die strengen
Einfuhrbestimmungen oder werden nicht wie bis anhin "unter der
Hand" angebotene Steine verarbeitet? Diese haben nämlich einen Vorteil: Sie sind
billiger im Einkauf und damit ist der Gewinn höher. |
| Der Kampf um Coltan Einer der Rohstoffe, um den die Kriegsparteien in
der Demokratischen Republik Kongo (DRK) kämpfen, ist Columbit-Tantalit, kurz Coltan. Das
Metall ist ein hitzebeständiger und aussergewöhnlich leitfähiger Puder und wird in der
Computer- und Kommunikationstechnologie verarbeitet, weshalb es auch von der US-Regierung
als "strategisches Gut" eingestuft wird. Coltan ist unverzichtbarer Bestandteil
von Mobiltelefonen oder Spielkonsolen. Ein Netz von Geschäftsleuten kauft allen
Kriegsparteien Coltan ab und leitet es an Konzerne im Norden weiter. Der Preis für ein
Kilo lag Ende 2000 bei 360 US$; Anfang 2002 wurden 400 $ gezahlt.
Das Metall wird ohne besondere Maschinen von Arbeitern vor allem im Ost-Kongo gewonnen:
Die Erdoberfläche wird auf die Seite geschaufelt und die darunter liegende Schicht in
Siebe gefüllt. Im Wasser sinkt das Metall auf den Grund der Behältnisse. Ein Arbeiter
kann pro Tag bis zu einem Kilo Coltan gewinnen und so bis zu 50 Dollar pro Woche
verdienen, während das Durchschnittseinkommen bei 10 $ pro Monat liegt.
"Der Kongo wird systematisch ausgeplündert", stellt die UN in einem Bericht
fest, in dem die USA und Deutschland als wichtigste Kunden ausgemacht werden. Deutsche
Firmen wie die Bayer-Tochter H.C. Starck und die BASF-Tochter Kraft sind an der
Förderung, der Verarbeitung und dem Handel mit dem wertvollen Stoff beteiligt. Starck
soll nach Angaben der Washington Post der wichtigste Handelspartner sein. Der UN-Bericht
kommt ungewohnt deutlich zu dem Ergebnis, dass Sanktionen gegen alle Länder verhängt
werden müssten, die an der illegalen Ausfuhr von Gütern aus dem Kongo beteiligt sind.
Profiteure müssten darüber hinaus zu Reparationszahlungen verpflichtet werden, denn die
Zerstörung der Umwelt durch den Coltan-Abbau ist beträchtlich. Auch vor dem Kahuzi Biega
National Park machen die Umwelt-Räuber nicht Halt. Anders als bei den Blutdiamanten ist
es bis heute jedoch zu keinem Beschluss internationaler Organisationen gekommen.
(Quelle: Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Kriegsdiamanten; Weltmission
heute, Studienheft 46; Hamburg 2002) |
| Amnesty International handelt AI. "Der Kimberley-Prozess ist ein wichtiger
Schritt in die richtige Richtung, um Menschenrechtsverletzungen durch den Handel mit
Konfliktdiamanten zu unterbinden - er weist jedoch noch Schwächen auf." Die
Organisation betont, dass
- ein internationales Zertifizierungssystem effizient und transparent sein muss,
- ein solches System für alle beteiligten Länder juristisch bindend sein soll,
- dass die betroffenen Länder auf nationaler Ebene Gesetzgebungen für den Handel mit
Diamanten einführen müssen, und
- dass der Handel mit Diamanten in den Herkunftsländern von der Förderung bis hin zum
Export kontrolliert werden muss, aber auch in den Ländern, in denen Diamanten bearbeitet
und gehandelt werden.
"Angesichts des Abschlusses des Kimberley-Prozess besteht die Gefahr, dass die
Regierungen und die Diamantindustrie glauben, das Problem sei nun gänzlich gelöst",
erklärte AI. "Dies ist jedoch nicht der Fall, solange die genannten Punkte nicht
berücksichtigt werden." Deshalb werden AI und die anderen beteiligten NGOs weiterhin
Druck ausüben, damit der Kimberley-Prozess wirksam und transparent umgesetzt wird.
Auch die Schweizer Sektion von Amnesty International hat sich gegen den Handel mit
Konfliktdiamanten engagiert. So haben die Aktivmitglieder und Gruppen der Organisation
rund 400 Juweliere und Diamanthändler in der Schweiz per Brief auf das Thema angesprochen
und sie auf die Problematik aufmerksam gemacht. Auch ein Gespräch mit der Vereinigung
Schweizerischer Edelmetallbranchen (Ubos), die den Kimberley-Prozess unterstützt, fand
statt. Die Reaktionen der Angesprochenen waren im Allgemeinen gut. Neben kritischen
Stimmen versicherten zahlreiche Juweliere gegenüber AI, in Zukunft von ihren Lieferanten
transparente Angaben über die Herkunft der gelieferten Diamanten zu verlangen. |
| Wer mischt im Kongo mit? red. Am Raubbau von Bodenschätzen in der D.R.
Kongo sind nach einem UNO-Report 85 ausländische Firmen beteiligt, darunter auch Anglo
American, Anglovaal Mining, De Beers und Iscor, alles südafrikanische Firmen. Diese
verneinen direkte Beteiligungen, schliessen aber teilweise Tätigkeiten von Tochterfirmen
nicht aus. Weiter hält der Report fest, dass Rohstoffe im Betrag von schätzungsweise 5
Milliarden Dollar über private Gesellschaften aus dem Land gebracht wurden, die von
kongolesischen und zimbabwischen Interessen kontrolliert werden, wobei insbesondere
hochranginge Militärpersonen und Politiker beteiligt sind. Der UNO-Report nennt
schliesslich 54 Personen aus Zimbabwe, Kongo, Uganda und Rwanda, gegen die Sanktionen
erlassen werden sollen. Genannt werden u.a. der Sprecher des Parlaments von Zimbabwe,
Emmerson Mnangagwa, und der Generalstabschef von Uganda, Mwanke. |
| Blutdiamanten: Weiterführende Literatur Hintergründe zu den Kriegsdiamanten
In einer vom Evangelischen Missionswek in Deutschland herausgegebenen, gut
recherchierten Broschüre wird auf die Hintergründe des internationalen
Diamantengeschäfts eingegangen. Dabei wird auch auf den internationalen Handel und die
Vermarktung eingegangen. Die südafrikanische Gesellschaft De Beers kontrolliert im
Wesentlichen den Handel und ist durch die Nähe zur Vermarktung von illegalen Diamanten
unter Druck gekommen. Die Broschüre geht jedoch auch auf die Bedeutung weiterer Rohstoffe
in Bürgerkriegen sein, so auf das Erdöl (Angola) und Coltran (Kongo).
Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Kriegsdiamanten; Weltmission heute,
Studienheft 46; Hamburg 2002 (Bezugsadresse: EMW, Nennenweg 17 21, D 20537 Hamburg;
e-mail: service@emw-d.de).
Die Bedeutung des illgalen Diamantenhandels in Angola
Der 124 Band von "Prokla Zeitschrift für kritische
Sozialwissenschaft" steht unter dem Titel "Schmutzige Geschäfte, Kapitalismus
und Kriminalität". In einem Beitrag geht Peter Custers der Bedeutung des illegalen
Diamantenhandels in Angola (und auch Kongo-Zaire) nach. Er stellt die illegale Ausbeutung
von Diamanten ausserhalb der offiziellen Strukturen als "Disparater Tausch" dar,
ein nutzloser Tausch, weil damit vor allem nutzlose oder gar zerstörerische Produkte
gekauft werden, nämlich Waffen. Die systematische Ausbeutung von Diamanten zur
Kriegsfinanzierung ist von der angolanischen Rebellenbewegung Unita institutionalisiert
worden. Als die Unita die Mehrparteienwahlen von Angola 1992 verlor, nahm sie den
Bürgerkrieg wieder auf. Diesen konnte sie nur finanzieren, indem sie über eingespielte
Absatzkanäle verfügte. Dabei spielte die südafrikanische De Beers-Gruppe eine
bedeutende Rolle, kaufte sie doch in dieser Zeit illegal geförderte und exportierte
Diamanten aus Angola und Zaire. Die Einnahmen der Unita aus dem Diamantengeschäft werden
für die frühen neunziger Jahre auf rund 1 Milliarde Franken geschätzt. De Beers
wiederum kontrollierte mit ihrer Verkaufsorganisation CSO rund 60 Prozent des Weltmarktes
und konnte so die Preise diktieren. Auf der anderen Seite setzt die angolanische Regierung
die sprudelnden Erdölquellen für ihre Zwecke ein. Die Produktion ist bereits auf Jahre
hinaus verpfändet für Kredite und Waffengeschäfte (und ein erklecklicher Teil
versickert im Kreis der Nomenklatura, vgl. Afrika-Bulletin 106). Der Verfasser beleuchtet
diese Tatsachen ausgehend von Statistiken und Forschungsergebnissen. Damit leistet er
einen wertvollen Beitrag zu einem noch wenig thematisierten und erforschten Thema.
Prokla 124, Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft, Münster 2001 (Verlag
Westfählisches Dampfboot) |
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Zimbabwes militärisches
Engagement im Kongo
Private Bereicherung mit BodenschätzenSeit 1998 hat Zimbabwe Truppen in der
Demokratischen Republik Kongo, dem ehemaligen Zaire, stationiert. Präsident Mugabe
entsandte sie, um seinem damaligen Amtskollegen Laurent Kabila im Kampf gegen die von
Uganda und Rwanda unterstützten kongolesischen Rebellen beizustehen. Der Militäreinsatz,
der noch immer andauert, verschlingt Unsummen an Staatsgeldern. Einige Auserwählte der
zimbabwischen Elite profitieren davon. Ein Bericht von Ruedi Küng.
Am 30. Juli 2002 unterzeichneten die Präsidenten der DR Kongo und Rwandas, Joseph
Kabila und Paul Kagame, in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria ein Friedensabkommen.
Damit soll der grösste und komplexeste Krieg auf dem afrikanischen Kontinent, in den
mehrere afrikanische Staaten und Guerillaorganisationen seit vier Jahren verwickelt sind,
ein Ende finden. Die Chancen, dass dies auch gelingt, sind allerdings gering. Denn
während Uganda und Burundi ihre Truppen weitgehend aus Ostkongo abgezogen und ihre
Positionen den Rebellenverbänden überlassen haben, standen zumindest gegen Ende 2002
noch immer rund 20 000 kampferprobte, schlagkräftige rwandische Soldaten auf
kongolesischem Boden. Sie werden diesen erst verlassen, wenn die rwandischen Hutu-Milizen,
die für den Völkermord von 1994 verantwortlich waren und nach der DR Kongo flüchteten,
zusammengezogen und entwaffnet sind. Wer dies bewerkstelligen soll, weiss allerdings
niemand zu sagen.
Ein massiver Militäreinsatz...
Und so werden auch die Truppen Zimbabwes den Kongo so schnell nicht verlassen. Es soll
sich nur noch um rund 3000 Mann handeln, um weniger als eine Brigade, erklärte der
kongolesische Generalstabschef Liwanga bei der Vertragsunterzeichnung in Pretoria, aber
«man könne sie doch nicht vor den anderen zum Gehen auffordern». Weiter sind noch
angolanische Verbände auf Regierungsseite im Kongo präsent, Namibia hat wie Tschad seine
Einheiten schon vor längerem abgezogen.
Wie stark die zimbabwischen Einheiten im Kongo heute tatsächlich sind und früher
waren, kann von unabhängiger Seite kaum ermittelt werden. Einschlägige Berichte der UNO
und der «International Crisis Group» gehen im Jahr 2002 von 11 000 professionellen
zimbabwischen Soldaten aus, das ist etwa ein Drittel der Armee Zimbabwes. Sie umfassen
Infanterie- und Artillerieeinheiten, gepanzerte Fahrzeug- und Tankbataillone, Genietruppen
sowie Staffeln von Hawk- und Hunter-Kampfjägern britischer Bauart und bilden das
Rückgrat der Streitkräfte der kongolesischen Regierung.
...von Mugabe im Alleingang orchestriert
Vor knapp fünf Jahren begann die Rebellion gegen Laurent Kabila, der selbst erst ein
Jahr zuvor durch den gewaltsamen Sturz Mobutu Sese Sekos in Zaire an die Macht gekommen
war. Mugabe war von Anfang an entschlossen, dem bedrängten Kabila zu Hilfe zu kommen. Als
Vorsitzender des Verteidigungs- und Sicherheitsorgans der Entwicklungsgemeinschaft des
südlichen Afrika (SADC) oblag ihm die Aufgabe, zwischen den Kriegsparteien zu vermitteln.
Doch Mugabe fackelte nicht lange. Nach einer Dringlichkeitssitzung der
SADC-Verteidigungsminister, an der nur wenige Minister anwesend waren, liess er
verkünden, die Regierungen der 14 SADC-Staaten seien einstimmig übereingekommen, Laurent
Kabila «mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln» gegen die Rebellion zu
unterstützen. Dieser sei der legitime Staatschef der DR Kongo. Südafrikas Außenminister
hielt dieser zweifachen Lüge noch entgegen, sein Land bevorzuge Diplomatie statt Waffen,
doch das Militärengagement Zimbabwes, Angolas und Namibias in der DR Kongo war nicht mehr
zu stoppen.
Was aber hatte Mugabe, dessen Herrschaftsbereich keine gemeinsame Grenze mit der DR
Kongo aufweist, zu diesem eigenmächtigen Kraftakt bewogen? Viele Beobachter verweisen
dabei auf die wirtschaftlichen Vorteile für Zimbabwe. Gemäss Vereinbarung zwischen
Kabila (Senior) und Mugabe vom 4.9.1998 sollte das Engagement «selbsttragend» sein.
Konkret hiess das, dass die zimbabwische Firma Ridgepoint das Management der berühmten
Kobalt- und Kupferminen Gécamines im Süden des Kongos übernahm und 37,5% des Gewinns
erhalten sollte.
Doch die Rechnung geht nicht auf
Der berühmte Wirtschaftsmagnat Billy Rautenbach, der von Mugabe an die Spitze der
Gécamines gesetzt worden war, musste nach einem Jahr den Sessel wieder räumen, weil das
verschuldete und desolate Unternehmen keinen Gewinn abwarf (er wird heute steckbrieflich
von Interpol gesucht). Besser sieht es bei den reichen Diamantenvorkommen der Region
Mbuji-Mayi aus, wo Kabila der zimbabwischen Firma Osleg (Operation Sovereign Legitimacy)
Schürfrechte gewährte. Doch vom Gewinn profitieren allein die Osleg-Aktionäre, allen
voran der Kommandant der zimbabwischen Streitkräfte Vitalis Zvinavashe sowie weitere hohe
Militärs. Das Gleiche gilt für Joint-Ventures mit der zimbabwischen Firma Cosleg, die
unter anderem riesige Urwaldgebiete Kongos ausbeutet, wie die Nichtregierungsorganisation
Global Witness herausgefunden hat. Darüber hinaus gibt es auch in der Landwirtschaft, im
Energiebereich, im Bankenwesen und in der Luftfahrt kongolesisch-zimbabwische
Zusammenschlüsse von Unternehmen. Dem zimbabwischen Staat, der den Militäreinsatz von
mehreren hunderttausend US-Dollar pro Tag zu berappen hat, bringen sie alle kaum etwas
ein.
Wie klein die Gruppe der Profiteure der verheerenden Politik des zimbabwischen
Präsidenten ist, zeigt die Sanktionsliste der Europäischen Union, die neben dem
Mugabe-Clan nicht viel mehr als ein Dutzend Namen umfasst Namen, die auch bei den
kongolesisch-zimbabwischen Joint-Ventures auftauchen. Mugabe selbst jedoch dürfte weniger
von Profitgier getrieben sein als vielmehr von seinem unstillbaren Machthunger. Der von
Nelson Mandela seit dessen Freilassung in den Schatten gestellte Mugabe konnte sich dank
der Kongo-Intervention wieder als regionaler Machtbroker in Szene setzen so wie er
es auch mit seiner so genannten Landreform-Politik tut.
Der Autor ist Afrikakorrespondent von Schweizer Radio DRS. Der Artikel erschien im
"Wendekreis" 10/2002 mit dem Themenschwerpunkt Zimbabwe (Redaktion Wendekreis,
Postfach 62, 6405 Immensee).
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Die Rechnung folgt nach...
red. Zimbabwe steckt in einer katastrophalen wirtschaftlichen und politischen
Situation. Die Jahresteuerung ist mittlerweile auf über 200 Prozent angelangt. Und erst
im Februar wurde der Zimbabwe-Dollar gegenüber dem US-Dollar um das 16-fache abgewertet
(heute: 800 Z$ = 1 US $; Schwarzmarktkurs: 1600 Z$). Für das Militärengagement in der DR
Kongo stellte nun Zimbabwe vor kurzem auch noch Rechnung: 1,8 Milliarden US$ werden von
der Regierung in Kinshasa gefordert. Dort ist die Überraschung gross, hat doch bis anhin
Zimbabwe stets verlauten lassen, sie verlange nichts für ihr Engagement. Und hat doch
Zimbabwes Militär- und Politelite ganz offen an den Reichtümern des Kongos partizipiert. |
| Afrika in Kürze ......................................
Äthiopien/Eritrea
Äthiopische Provokationen gefährden Frieden
Die äthiopische Regierung verlangt
Änderungen am Verlauf der Grenze zu Eritrea. Die neutrale internationale
Schiedskommission hat die Grenzziehung zwischen den beiden Staaten geregelt. Jetzt folgt
die Phase der Markierung der Grenze mit dem Einbetonieren der Grenzpfähle. Die
Grenzziehung ist von beiden Staaten bereits im letzten Jahr akzeptiert worden. Nun will
jedoch Äthiopien, dass in der Ebene von Badme die Grenze weit westlicher im eritreischen
Gebiet verlaufen soll. Diesem Ansinnen widerspricht die neutrale Kommission. Sie habe die
Grenze aufgrund der Verträge aus der Kolonialzeit festgelegt, so wie es das Mandat
gewesen sei. Eine Änderung der Grenzziehung zu Gunsten von Äthiopien liesse sich nur mit
dem Einverständnis Eritreas durchführen. Die neutrale Schiedskommission hat im weiteren
Äthiopien gerügt, weil es seit mehr als einem halben Jahr in besetztem eritreischen
Gebiet angesiedelte Personen nicht wieder zur Rückkehr aufgefordert hat. Wieweit die
neusten äthiopischen Forderungen mehr als ein Zündeln ist, kann noch nicht gesagt
werden.
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Eritrea
Kritische Situation der Menschenrechte
Die Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch mit Sitz in New York hat ihren Jahresbericht 2003 herausgegeben. Darin wird
auch über die Menschenrechtslage in Eritrea berichtet. Die Mitglieder der sogenannten
G-15 Gruppe, die im September 2001 nach einem kritischen offenen Brief an Präsident
Isayas Afeworki verhaftet worden waren, werden nach wie vor ohne Anklage festgehalten. Elf
Herausgeber und Journalisten privater Medien, die ebenfalls im September 2001 verhaftet
und seitdem in einer Polizeistation in Asmara festgehalten wurden, sind im April 2002 in
einen Hungerstreik getreten, um ihre Freilassung zu erwirken. Nach drei Tagen wurden sie
an einen unbekannten Ort gebracht, und jeglicher Kontakt mit der Außenwelt wurde
unterbunden. Alle privaten Zeitungen blieben geschlossen. Die Regierung inhaftierte
Dutzende anderer Personen, die mit den Kritikern zu sympathisieren schienen, darunter
einen früheren Generalkonsul, Journalisten der Regierungspresse, Geschäftsleute, den
Generalanwalt, örtliche Regierungsbeamte und Familienmitglieder von zuvor inhaftierten
Personen. Auch zwei eritreische Mitarbeiter der US-amerikanischen Botschaft werden
weiterhin in einer Polizeistation in Asmara festgehalten.
Im Januar 2002 hat die Regierung die Interim-Nationalversammlung wieder einberufen, die
seit September 2000 nicht mehr zusammengetreten war. Die Versammlung besteht aus 75
Mitgliedern des Zentralkomitees der PFDJ und 75 Parteimitgliedern, die 1993 von der
Führung ausgewählt wurden. Die Versammlung billigte die Verhaftungen der Regierung und
das Schließen der Presse und verabschiedete ein Wahlgesetz, nach dem keine andere
politische Partei außer der PFDJ zugelassen werden soll. In der Erklärung kritisierte
die Versammlung frühere Versuche, politischen Pluralismus zu erlauben. Obwohl Präsident
Isayas Afeworki Ende Januar 2002 eine fünfköpfige Wahlkommission ernannte, wurden bis
Oktober keine Wahlen festgelegt. Der obligatorische National Service wurde Mitte 2002 um
zwei Jahre verlängert. Landesweit wurden Razzien durchgeführt, und hunderte von
Eritreern flohen ins Ausland. Malta hat im Oktober 2002 über zweihundert Flüchtlinge
abgeschoben. Bei ihrer Ankunft in Asmara wurden sie verhaftet und in ein Militärcamp
gebracht, wo sie keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Dem Präsidenten der Studentenunion,
Semere Kesete, der im Juli 2001 verhaftet wurde, gelang im Juli 2002 mit einem seiner
Bewacher die Flucht nach Äthiopien. In 2002 ordnete die Regierung an, dass alle
Gotteshäuser, die nicht den eritreisch-orthodoxen, römisch-katholischen oder
lutheranischen Glauben verkünden oder moslemische Moscheen sind, geschlossen werden
müssen. Davon betroffen sind die Zeugen Jehovas sowie Anhänger der Seventh Day Adventist
und der Pfingstler. Positiv wertet der Bericht den Beitritt Eritreas zum Vertrag über die
Ächtung von Minen am 27. August 2001. Minenerfassung und -räumung sowie
Aufklärungsarbeit über die Gefahr von Minen haben stark zugenommen. Die Vereinten
Nationen teilten mit, dass von November 2000 bis Dezember 2001 über 10 Mio Quadratmeter
Land und 989 km Straßen von Minen geräumt wurden.
Die Europäische Kommission begrenzte ihre finanzielle Unterstützung weitgehend auf
humanitäre Hilfe. Insgesamt wurden 23,775 Mio Euro für Projekte zur Verfügung gestellt.
Im September 2002 verpflichtete sich die Kommission auf 27 Mio Euro zur Unterstützung der
Demobilisierung von Soldaten, einem Programm, das die eritreische Regierung 2001 und 2002
häufig angekündigt hatte aber kaum umsetzte. Dänemark, das ungefähr 40 % des
Haushaltes des Landwirtschaftsministeriums bereitstellt, kündigte an, seine finanzielle
Hilfe 2005 zu beenden, weil es nicht "Diktatoren an der Macht halten will". (EHD)
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USA-Afrika
Weniger Nahrungsmittelhilfe, mehr Geheimdienst
Der US-Kongress beginnt, die Nahrungsmittelhilfe für Afrika zu kürzen. Afrikanische
Länder, die unter Nahrungsmittelknappheit leiden, werden zusätzliche Nahrungsmittelhilfe
von den Vereinigten Staaten erhalten, aber nur weniger als die Hälfte dessen, was
ursprünglich vom Kongress erbeten wurde und was Hilfsorganisationen als notwendig
betrachten. Die Vereinigten Staaten stellen normalerweise mindestens die Hälfte der
benötigten Nahrungsmittelhilfe zur Verfügung, oftmals weit mehr. Etwa 40 Millionen
Menschen in Afrika sind vom Hungertod bedroht. Nahrungsmittelknappheit, die sechs Länder
im südlichen Afrika seit letztem Jahr plagt, hat sich kürzlich auf Äthiopien, Eritrea
und andere Länder auf dem Kontinent ausgeweitet. Im Januar hatte der Senat 500 Mio. US $
für Nahrungsmittelhilfe für Afrika gebilligt, 100 Mio. $ weniger als führende
Demokraten auf der Grundlage von Bedarfsschätzungen gefordert hatten, doch während der
Beratungen diese Woche kamen beide Häuser darin überein, nur 250 Mio. $ für
zusätzliche Hilfe bis September 2004 bereitzustellen. Im Dezember 2002 hatte die
"Coalition for Food Aid" mit Sitz in Washington geschätzt, dass 600 bis 778
Mio. $ an zusätzlichen Mitteln gebraucht würden, damit die USA die Hälfte der
Nahrungsmittelhilfe für Afrika übernehmen könne. (EHD)
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Namibia
Tritt Nujoma ab?
Die Präsidialzeit von Sam Nujoma, dem namibischen Präsidenten, endet 2005. Nujoma ist
seit der Unabhängigkeit 1990 an der Macht. Die Verfassung Namibias sieht eine Wiederwahl
des Präsidenten für eine weitere Amtsperiode vor. 1999 wurde die Verfassung geändert,
damit Nujoma noch einmal kandidieren konnte für eine weitere, dritte Amtsperiode. Bereits
heute rufen nun traditionelle Führer dazu auf, den heute 73-jährigen Nujoma nochmals
antreten zu lassen und die Verfassung ein weiteres Mal zu ändern. Zwei Führungskonzepte
stossen aufeinander: Die traditionellen Führer kennen keine Amtszeiten, sondern sind in
Amt und Würde bis zu ihrem Tod. Auf der andern Seite steht die westliche Auffassung der
demokratischen Legitimation und der Amtszeitbeschränkung. Die Regierungspartei SWAPO hat
sich bis anhin gegen eine Amtszeitverlängerung ausgesprochen. Über die Nachfolge soll an
einem Parteikongress im nächsten Jahr entschieden werden. (Daily News Bulletin South
Africa)
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Zimbabwe
Wirtschaftliche Talfahrt hält an
Im Oktober 2001 ist der offizielle Kurs des Zimbabwe-Dollars zum US-Dollar letztmals
festgelegt worden: 55 Zim$ = 1 US-$. Seither hat die Regierung den Kurs nicht meher
verändert. Wer US-Dollars (oder andere harte Devisen) einnahm, musste die Hälfte davon
zum offiziellen Kurs der Reserve Bank verkaufen. Und sie später, wenn etwa importierte
Güter zu bezahlen waren, auf dem Schwarzmarkt wieder zurückkaufen. Der Schwarzmarktpreis
für einen US-$ kletterte in den letzten Monaten unaufhörlich und stand zuletzt bei
1600:1. Mitte Februar ist nun der Zim-Dollar, einst eine für afrikanische Verhältnisse
harte Währung, erneut abgewertet worden, und nicht wenig: 800:1 ist die heute gültige
Austauschformel. Beibehalten wurde der Abgabezwang für die Hälfte der erwirtschafteten
Devisen. Ob mit dieser Massnahme ein Ende des wirtschaftlichen Zerfalls in Sicht ist, wird
bezweifelt. Die aktuelle Jahresinflation steht bei 208 Prozent. Neu ist ein Lohn- und
Preisstop verfügt worden. Doch der Schwarzmarkt reagiert bereits: Waren sind verknappt
worden, da die Händler nicht zu Preisen verkaufen wollen, die kaum ihre Einstandskosten
decken. Der Benzinpreis ist aufgrund der Abwertung um das Doppelte gestiegen. Flugbenzin
ist um das Vierfache gestiegen und beträgt 227 Dollar für einen Liter. Die Flüge sind
massiv teurer geworden.
Von der Gesamtbevölkerung von 13,7 Millionen Menschen leiden heute 7 Millionen an
Nahrungsmittelmangel. Nun ist auch noch in weiten Gebieten die Maul- und Klauenseuche
ausgebrochen, deren Ausbreitung im ganzen südlichen Afrika befürchtet wird.
Die Energiekrise spitzt sich zu: Bekanntlich sind Benzin und andere Erdölprodukte nur
eingeschränkt zu haben. Nun wird auch Elektrizität knapp. Da Rechnungen nicht bezahlt
wurden, stellt die südafrikanische Eskom und Mozambiques Cabora Bassa-Elektrizitätswerk
einen Unterbruch in den Stromlieferungen in Aussicht. Die zimbabwische
Elektrizitätsversorgerin ZESA schuldet diesen beiden Gesellschaften rund 200 Mio.
Franken. Zimbabwe ist zu rund einem Drittel von ausländischen Stromlieferungen abhängig,
am stärksten von Cabora Bassa.
Nach der Wahlniederlage ist es lange Zeit ruhig um die oppositionelle Bewegung MDC
geblieben. Doch jetzt meldet sich die MDC wieder auf der Politbühne zurück. Ein von der
MDC und anderen Organisationen initiierter Streik ist Mitte März von Tausenden von
Arbeitnehmern befolgt worden, und dies bei einer Arbeitslosigkeit von weit über 60
Prozent. Die "Crisis in Zimbabwe Coalition", ein Bündnis von 250
Bürgerorganisationen, wertet denn auch den Streik als erneutes Erwachen der Opposition.
Diese sieht sich zunehmend schärferer Unterdrückung ausgesetzt. Mittlerweile wird die
Verfolgung Oppositioneller, die bis anhin oft von Parteiorganisationen der ZANU-PF
ausging, zunehmend von Polizei und Armee durchgeführt. (IRIN, Zimbabwe Independent,
Financial Gazette)
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Mozambique
Hintergründe zum Tod von Samora Machel
17 Jahre nach dem Tod des ersten Präsidenten von Mozambique, Samora Machel, wird das
Schweigen über die Todesumstände gebrochen. Dieser kam 1986 bei einem Flugzeugabsturz
ums Leben, in einer Phase, in der sich der damalige Frontstaat Mozambique und das
Apartheidregime in Südafrika gegenüberstanden. Ein nicht namentlich genannter
pensionierter Polizeigeneral Südafrikas hat Angaben gemacht, wonach das Flugzeug mit
Machel von Südafrika aus fehlgeleitet und auf südafrikanischem Gebiet bei Mbunzi in der
Nähe von Komatipoort am 19. Oktober 1986 zum Absturz gebracht wurde. Eine
Krankenschwester sagt aus, dass Machel nach dem Absturz noch lebte, sie jedoch an der
weiteren medizinischen Versorgung gehindert worden sei. Dies wiederum wird bestätigt von
einem Mitglied der früheren mozambiquanischen Rebellenbewegung Renamo, der für die
südafrikanische Armee Texte aus dem Portugiesischen in Afrikaans übersetzte und ein
entsprechendes Memorandum übersetzt haben will. Weitere Zeugen sagen aus, sie hätten mit
tragbaren Boden-Luftraketen das Flugzeug abschiessen sollen.
Die Aufarbeitung dieses Kapitels der gemeinsamen Geschichte steht noch an.
Mozambiquanische Regierungsstellen haben bereits verlauten lassen, dass sie weitere
Untersuchungen wünschen. Diesen Wunsch hat auch Gracia Machel, die Witwe von Samora
Machel geäussert, und ihr jetziger Ehemann Nelson Mandela. Mittlerweile ermitteln
verschiedene südafrikanische Stellen, darunter auch die Spezialeinheit
"Skorpions". Die aktuellen Berichte sind in südafrikanischen Medien erschienen.
(Daily News Bulletin South Africa)
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Südafrika
Auf dem Wachstumspfad
Für dieses Jahr wird in Südafrika ein Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent erwartet.
2002 betrug das Wachstum noch 3 Prozent. Für 2004 wird eine weitere Steigerung auf 3,7
Prozent erwartet. Die Investitionen haben in Südafrika im vergangenen Jahr um 6,3 Prozent
zugenommen, was auf ein Vertrauen von Investoren in die Zukunft des Landes schliessen
lässt. Die Inflation betrug 2002 rund 10 Prozent und soll dieses Jahr auf 7,7 Prozent
sinken. Ziel ist, die Inflationsrate bis 2005 auf unter 6 Prozent zu drücken. Positive
Signale sind die gesunkenen Preise für weissen Mais (von 2000 Rand/Tonne auf 940 Rand).
Lähmend wirkt sich jedoch auch auf die südafrikanische Wirtschaft die Entwicklung im
Irak aus.
Als Folge der Aids-Durchseuchung wird von südafrikanischen Wissenschaftern ein
Absinken der durchschnittlichen Lebenserwartung bis im Jahr 2009 auf 40 Jahre
prognostiziert. Zudem wird Aids dannzumal die häufigste Todesurache sein. Dieses
pessimistische Szenario wird von Wissenschaftern der Universität von Kapstadt
aufgestellt. (Daily News Bulletin South Africa) |
Das besondere Buch
Frantz Fanon Auch heute noch
aktuellhus. Seit seinem Tod sind mehr
als 40 Jahre vergangen. 1961 starb der von der französischen Antilleninsel Martinique
stammende Psychiater Frantz Fanon im 36. Altersjahr an einer unheilbaren Krankheit. Ein
kurzes Leben, aber ein sehr wechselvolles, hat doch Fanon an der Befreiung Frankreichs als
Freiwilliger mitgewirkt und später durch seine Beteiligung am algerischen Befreiungskampf
und seine theoretischen Arbeiten zu Fragen des Rassismus, des Kolonialismus und der
Befreiung Spuren hinterlassen. Sein wohl bekanntestes Buch trägt den Titel "Les
Damnés de la Terre" (Die Verdammten dieser Erde), ein Buch, das Fanon in den Tagen
vor seinem Tod schrieb. Dieses Buch, das sich im Titel an die Internationale "Wacht
auf, Verdammte dieser Erde!" anlehnt, war in den sechziger Jahren ein Schlüsselwerk
für die sich anbahnenden Befreiungskämpfe unterdrückter Völker. Fanon analysierte
darin Machtstrukturen und zog seine Schlüsse: "Dieses Volk, dem man immer gesagt
hat, dass es nur die Sprache der Gewalt verstehe, beschliesst, sich durch Gewalt
auszudrücken. Im Grunde hat der Kolonialherr ihm seit jeher den Weg gezeigt, den es
wählen muss, wenn es sich befreien will." Kein Geringerer als Sartre schrieb das
Vorwort zu "Les Damnés de la Terre": "Europäer, schlagt dieses Buch auf,
dringt in es ein! Habt den Mut, es zu lesen, weil es euch beschämen wird und weil die
Scham, wie Marx gesagt hat, ein revolutionäres Empfinden ist."
Von Fanon sind verschiedene Bücher auch in Deutsch erschienen, so etwa "Für eine
afrikanische Revolution" (1969, März), "Aspekte der Algerischen
Revolution" (1969, suhrkamp). Zudem sind verschiedene Publikationen über das Leben
und Werk von Fanon erschienen, etwa von David Caute (1970, dtv) oder von Renate Zahar
(1969, EVA). Das UN-Centre against Apartheid widmete 1978 Fanon eine Tagung. Seither ist
es ruhig geworden. Umso erfreulicher ist es, wenn heute Alice Cherki, eine algerische
Psychiaterin mit jüdischen Familienwurzeln, zu Fanon eine umfassende Publikation auflegt,
die bescheiden unter dem Titel "Ein Porträt" erscheint. Cherki selbst hat sich
auch im algerischen Befreiungskampf engagiert und kannte in den späten fünfziger Jahren
Fanon persönlich. Nicht zuletzt arbeitete sie mit Fanon in Tunesien und in Algerien in
der psychiatrischen Klinik von Blida zusammen. Im Buch geht Cherki auf beide Aspekte des
Wirkens Fanons ein, als Psychiater wie als politischer Beobachter, Analysten und
Praktiker. Cherki zeigt Fanon als innovativen Psychiater, der mit seiner Arbeit ein neues
Verständnis für Kranke und Therapien entwickelt hat, Errungenschaften, die heute oft als
selbstverständlich scheinen, offensichtlich jedoch vor einem halben Jahrhundert schier
undenkbar schienen.
Hat das (politische) Wirken von Frantz Fanon heute noch eine Bedeutung? Auf diese Frage
geht Cherki im abschliessenden Kapitel "Fanon heute" ein. Nach dreissig Jahren
Ruhe oder war es schon Vergessen ? ist diese Frage berechtigt. Doch die
Antwort liesse sich bereits vor Jahrzehnten geben: Fanon hat bereits in "Les Damnés
de la Terre" die Frage nach der Sprache, der Macht und der Herrschaft nach der
Entkolonialisierung aufgeworfen als Frage, doch offenbar auch in Erwartung von
neuem Ungemach für die Bevölkerung. Bereits damals stiess diese Fragestellung bei den
"Tiers-Mondisten" auf wenig Begeisterung, wie Alice Cherki im Gespräch mit dem
Afrika-Bulletin sagt. Und gerade da liegt die Bedeutung von Fanon: Schon früh erkannte
er, dass die Frage der Befreiung nicht mit dem Hissen einer neuen Fahne erledigt sei (wie
es Amilcar Cabral einnmal festgestellt hat). Neue Machtverhälnisse, neue Unterdrückung,
neue Abhängigkeiten, dies sah Fanon voraus und befürchtete es wohl auch. Gerade diese
Themen stellen sich heute, ein knappes halbes Jahrhundert nach der Welle der
"Unabhängigkeit" zahlreicher Staaten der Dritten Welt, unübersehbar. Es lohnt
sich, Fanon wieder hervorzunehmen und zu lesen!
Alice Cherki, Frantz Fanon, Ein Portrait, Hamburg 2002 (Edition Nautilus) |
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