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 Damit alle mehr davon haben
    Fair Handeln - auch im Tourismus

"Something Out of Nothing" - etwas aus dem Nichts zaubern - heisst die Werkstätte von Sarah Mhlangu, die in Mhluzi bei Middleburg, Südafrika, Abfälle sammelt, aus Blechdosen Kunst und aus Lumpen Gewänder herstellt. Mit ihrem Recycling- und Kunstzentrum hat Sarah Mhlangu nicht nur für sich und weitere AnwohnerInnen Arbeit geschaffen, sondern auch eine Touristenattraktion: Immer mehr Gäste besuchen die Werkstätte, geniessen die von ihr zubereiteten Speisen und lassen sich von ihrer Tochter die verschiedenen Facetten des Lebens im Township zeigen. Von Christine Plüss.

Sarah ist nicht die Einzige, die aus dem Nichts ein einladendes Tourismusangebot hervorzaubert. Seit der Abschaffung der Apartheid sind die Tourismusangebote in Südafrika und Namibia vielfältiger geworden. Die früher unterdrückte Bevölkerungsmehrheit bietet heute attraktive Alternativen und Ergänzungen zu den herkömmlichen Safaris und Badeferien an. Lokale Guides führen durch die Townships, Einheimische bieten in den ehemaligen Homelands Wanderungen, Reitausflüge und kulturelle Darbietungen an, Dorfgemeinschaften halten Gasthäuser und Zeltplätze bereit. Oft arbeiten die neuen AnbieterInnen zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen und den Reisenden einmalige Erlebnisse und Begegnungen zu bieten. Dabei haben sie sich ambitiöse Ziele gesetzt, die sich auch an den Kriterien des Fairen Handels orientieren. Die lokale Bevölkerung soll im Tourismus mitwirken und davon profitieren, man will gute Arbeitsbedingungen schaffen, setzt auf Angebote, welche die lokalen Traditionen respektieren, und die Umwelt schonen.

Nicht allein im südlichen Afrika, sondern weltweit, im Süden wie in den Schweizer Alpen, sind heute - immer unter anderen Vorzeichen - neue Tourismusinitiativen mit ähnlicher Zielsetzung am Entstehen. Besonders eindrücklich zeigt sich in Südafrika und Namibia, wie diese neuen Tourismusprojekte auch Ausdruck des politischen Wandels sind. Ehemals benachteiligten Bevölkerungsgruppen im Tourismus neue Chancen und Einkommensmöglichkeiten zu verschaffen, ist auch erklärtes Ziel der südafrikanischen Regierung. Sie unterstützt die Entwicklung eines verantwortungsvollen Tourismus mit umfassenden Richtlinien. Diese Guidelines erklären den Fairen Handel zum Bestandteil der Kultur eines verantwortlichen Tourismus und bilden - wenn sie von den verschiedenen Akteuren denn auch effektiv umgesetzt werden - einen weltweit vorbildlichen Rahmen für eine umwelt- und sozialgerechte Tourismusentwicklung.

Diese neuen Ansätze im Tourismus Südafrikas und Namibias wollte der Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung (akte) einem breiten Publikum von interessierten Reisenden und Tourismus- wie Entwicklungsfachleuten hierzulande zugänglich machen. akte-Mitarbeiterin Marianne Frei hat Ende 2001 während zwei Monaten in Südafrika und Namibia recherchiert. Aus ihren Erfahrungen und Gesprächen mit Verantwortlichen von gemeinde-orientierten Tourismusinitiativen, Gewerkschaften, NGOs sowie mit Angestellten und lokalen UnternehmerInnen im Tourismus entstand der Ende 2002 publizierte Reiseleitfaden: "fair unterwegs in Südafrika und Namibia", der Reisenden Anregungen gibt, wie sie selber zu einem Fairen Handel im Tourismus beitragen können.

Erstmals veranschaulicht der in sorgfältiger Vernehmlassung mit allen Beteiligten erarbeitete Reiseleitfaden, wie weit der Faire Handel im Tourismus heute bereits realisiert ist, wo aber auch die Schwierigkeiten liegen und jetzt angesetzt werden muss, um Schritt für Schritt im vielschichtigen Tourismus auf einen Fairen Handel zwischen den zahlreichen Akteuren hinzuwirken. Mit der neuen Publikation und darauf basierenden Informationsmaterialien führte akte im Winter 2003 eine erste breite Sensibilisierungskampagne auf den Ferienmessen in der Schweiz und Deutschland durch. Die Vorstellung vom Fairen Handel im Tourismus fand erfreulich grossen Anklang beim Messepublikum. Viele BesucherInnen erklärten gleich am akte-Stand ihre Bereitschaft, selber aktiv zu werden, selber einen Beitrag zum Fairen Handel im Tourismus zu leisten, aber auch die Reiseveranstalter aufzufordern, ihr Angebot nach den Prinzipien des Fairen Handels neu auszugestalten und entsprechend klar zu deklarieren.

Da gibt’s in der Tat Handlungsbedarf: Kaum auf Resonanz gestossen sind nämlich die Anregungen, die akte anhand der Forderungen aus den Tourismusprojekten und der südafrikanischen Richtlinien für einen verantwortlichen Tourismus speziell für Reiseveranstalter erstellt hat. Erst ein einziger Schweizer Reiseveranstalter hat mit neuen Tourismusinitiativen in Südafrika partnerschaftliche Beziehungen geknüpft; so wird Sarah Mhluzis "Something Out of Nothing" mit guten Hintergrundinformationen versehen bei den Schweizer Reisenden bekannt macht. Das ist die grosse Ausnahme. Noch haben die Reiseanbieter hierzulande nicht erkannt, dass sie mit neuen Partnerschaften aktiv zu einem umwelt- und sozialverträglicheren Tourismus beitragen können, der erst noch Abwechslung in ihre stereotypen Angebote bringen und dem wachsenden Bedürfnis der Kundschaft nach verantwortlicheren Ferienformen entgegenkommen würde.

Mehr zum Fairen Handel im Tourismus beim: Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung, Missionsstr. 21, CH-4003 Basel, Tel +41 (0)61 261 47 42, Fax +41 (0)61 261 47 21, info@akte.ch, www.akte.ch. Christine Plüss ist Geschäftsführerin des Arbeitskreises Tourismus & Entwicklung

 Was Südafrika und Namibia auch noch zu bieten haben
     Handlungsspielräume entdecken

Der Tourismus weckt viele Hoffnungen. Doch die Interessen und Erwartungen der Behörden, der etablierten Tourismusunternehmen, der lokalen Bevölkerung und der Umweltorganisationen im Gastland sowie der Tourismusanbieter und Reisenden aus Europa sind selten deckungsgleich. Damit die Rechnung für alle aufgeht, braucht es ein Engagement von allen Seiten. Wir möchten auch Sie ermuntern, Ihren Handlungsspielraum auszuloten.

Die eigenen Sehnsüchte und Wertvorstellungen, aber auch Bücher, Zeitungen, Bilder, Filme und Erzählungen von Bekannten beeinflussen, was man auf Reisen wahrnimmt, was man übersieht, und wie man das Erlebte interpretiert. Die Tourismusindustrie greift die (vermeintlichen) Sehnsüchte und Bilder auf. Sie schafft entsprechende Reiseangebote, eingebettet in "typisch" namibische oder südafrikanische Bilderwelten. Die Namibia-Prospekte lassen "ein Schauspiel der Natur" erwarten. Auf "komfortablen Safaris mit einem Sprutz Abenteuer" ist noch heute die "rauhe Wildnis Afrikas hautnah spürbar". Mit Namibia wählt man eines der "ursprünglichsten Länder dieser Erde", in dem "weite Gebiete noch unerforscht" sind und der Mensch "im Verhältnis zur Landschaft eine unbedeutende Figur" bleibt. Südafrika dagegen präsentiert sich als "eine Welt in einem Land". Hier kann man Vielfalt und Gegensätze erkunden und "von grossen modernen Städten in den Busch, von traditioneller Goldgräberromantik zu mythischen Stammesritualen" gelangen. Landschaften und Wildtiersafaris stehen im Vordergrund. Hinzu kommt das europäische Erbe, eine "grossartige Aufbruchstimmung" nach der politischen Wende sowie "Romantik und Luxus der guten alten Zeit", die man im nostalgischen Luxuszug oder auf "Colonial-Reisen" geniessen kann.

Ein internationales Netz von Akteuren arbeitet daran, diese Erlebnisse Wirklichkeit werden zu lassen: Angefangen bei der Reisebuchhandlung über Fluggesellschaften bis zum Souvenirladen und Safarianbieter vor Ort. Reisehandbücher, Routenvorschläge der Autovermieter und Gruppenreisen bringen die Reisenden sicher durch die Bilderwelt. Häufig sieht man entlang der "Routen" nur einen kleinen Ausschnitt der Lebensrealität der einheimischen Bevölkerung. Denn die Ferieneinrichtungen sind oft als "Gegenwelten" gestaltet, in denen man mit der Mühsal und den Widersprüchlichkeiten des Alltagslebens nicht in Berührung kommt. Zudem baut der Tourismus in Südafrika und Namibia auf Strukturen auf, die während der Apartheid gelegt wurden, als "weisse" Unternehmen ihre Angebote auf die Bedürfnisse der "weissen" Minderheit zuschnitten.

Menschenleere Weiten und zeitlose Naturschönheiten standen bereits in den 1950er Jahren im Mittelpunkt, als Wohlhabende in Namibia begannen, den "Busch" im Landrover zu erkunden. "Auf Pad gehen", nannten Deutschsprachige diese Wochenendausflüge, auf denen sie in freier Natur campierten und Naturliebe, Kameradschaft und Verbundenheit mit ihren deutschen Wurzeln in Namibia zelebrierten. Die Menschen entlang des Weges waren nur als Fotosujet interessant. Der namibische Historiker Dag Henrichsen deutet dies als Rückzugstendenz einer "weissen" Siedlergesellschaft, die sich seit den 50er Jahren mit wachsenden politischen, sozialen und später kriegerischen Konflikten konfrontiert sah. Das Fahren im Geländewagen abseits der Strassen entwickelte sich zu einer der beliebtesten Freizeitaktivitäten der "weissen" Eliten Namibias und Südafrikas. Weniger Betuchte konnten die neuen Naturschutzgebiete ab den 60er Jahren in normalen Autos auf geteerten Strassen erreichen. Unzählige "Ruhelager" und Zeltplätze entstanden.

Bis zur politischen Wende war der Tourismus ganz auf die Bedürfnisse einer einheimischen Minderheit ausgerichtet. In Südafrika sah das Apartheidregime im Tourismus aber auch die Chance, die internationale Isolation zu überwinden und Devisen zu verdienen. Unter dem Slogan "Eine Welt in einem Land" präsentierte es eine Nation, in der "Modernität" (westliche Kultur und Industriezonen) und "Primitivität" (Natur und Stammesleben) nebeneinander existierten und eine "getrennten Entwicklung" nahe legten. Ende der 60er Jahre wurden die ersten "cultural villages" – nachgebaute traditionelle Dörfer – errichtet, in denen das "zeitlose Afrika" bestaunt werden konnte. Für die modernen Seiten im Leben der tanzenden Angestellten war kein Platz.

Seit den 90er Jahren setzen beide Regierungen auf die gehobene, devisenstarke Kundschaft aus Übersee und hoffen, sich so eine lukrative Nische im internationalen Tourismusmarkt zu sichern. In Namibia hat sich die Bindung an die frühere Kolonialmacht über den Tourismus vertieft: Deutschsprachige prägen die Branche, das Marketing zielt primär auf den deutschsprachigen Markt. Da die Anreise aus Europa lang ist, setzen beide Länder auf jene Trümpfe, die Europa nicht bieten kann: eine afrikanische Tierwelt, Wüste, Nationalparks und afrikanische Kulturen. Damit bauen sie auf den bisherigen Freizeitaktivitäten und Infrastrukturen auf. Auch die Bilder und Angebote, mit denen Südafrika und Namibia präsentiert werden, haben sich kaum verändert. Der Apartheid-Slogan "Eine Welt in einem Land" ist noch heute in den Prospekten der Schweizer Veranstalter zu finden. Um den gestiegenen Ansprüchen der internationalen Kundschaft zu genügen, haben ausländische Investoren seit 1990 in Namibia luxuriösere Unterkünfte gebaut. Auch in Südafrika sind ausländische Firmen seit 1994 vermehrt präsent.

Daneben sind viele Kleinunternehmen entstanden, die den Reisenden Erlebnisse anbieten, welche die Erfahrungen der Bevölkerungsmehrheit widerspiegeln und der Begegnung mit Menschen Raum geben – zum Beispiel durch den Besuch von Townships. Nicht immer ist es für diese Jungunternehmen einfach, einen Platz innerhalb der Pole "Modernität" und "Primitivität" zu finden. Zudem ist das Erbe der Apartheid bei den Eigentumsverhältnissen und beim Arbeitsmarkt im Tourismus noch sehr präsent. Die "weisse" Bevölkerungsgruppe ist in Südafrika mit 31,5 Prozent aller touristischen Arbeitsstellen stark vertreten. Die meisten qualifizierten Stellen und Führungspositionen sind mit "weissen" Männern (und Frauen) besetzt.

Doch trotz dieser Kontinuität hat sich das politische Umfeld des Tourismus stark verändert. In ihren Richtlinien hat die südafrikanische Regierung ihre Vision eines "verantwortungsvollen Tourismus" entwickelt, der zum Motor eines langfristigen Wirtschaftswachstums und sozialen Umbaus werden soll. Kein anderer Wirtschaftssektor hat nach Ansicht der Regierung ein derart grosses Potenzial, neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Armut zu vermindern. Mit der Zielsetzung, Benachteiligte zu stärken, dürften die Tourismusrichtlinien weltweit einzigartig sein. Sie stehen jedoch im Widerspruch zur Art und Weise, wie die internationale Tourismusindustrie funktioniert. Die Regierung setzt auf das Engagement und die Investitionen der Privatwirtschaft, um die wirtschaftliche Teilhabe der Bevölkerungsmehrheit zu verwirklichen. Investoren werden ermuntert, Partnerschaften mit den Menschen vor Ort einzugehen und/oder sie zu Teilhabern zu machen. Gewerkschaften und NGOs (Nichtregierungsorganisationen) kritisieren die wirtschaftspolitische Regierungsstrategie "Growth, Employment and Redistribution" (GEAR 1998), zu dessen Kernstück der Tourismus gehört, als "neoliberalen" Kurswechsel. Sie bezweifeln, dass sich die Entwicklungsziele der Regierung mit den privaten Geschäftsinteressen vereinbaren lassen. Wirtschaftswachstum führe nicht automatisch zu einer gerechteren Verteilung des Wohlstands. Hier kommen die Reisenden ins Spiel. Bei der Wahl des Ferienangebotes können Sie entscheiden, welche Anbieter Sie berücksichtigen und damit, welches "Südafrika" und "Namibia" Sie zu sehen bekommen.

Informationen zum Tourismus in Südafrika und Namibia: Can Tourism Save South Africa? Idasa-Magazin "Siyaya!", Issue 7, Summer 2001 (www.idasa.org.za/magazine.htm)

 Richtlinien für einen verantwortungsvollen Tourismus
      Das südafrikanische Tourismuskonzept

1996 hat die südafrikanische Regierung ein Tourismuskonzept verfasst. Darin stellt sie fest: "Die Mehrheit der südafrikanischen Bevölkerung ist nie wirklich mit dem Tourismussektor in Kontakt gekommen". Auch sieben Jahre später lautet ihre Einschätzung ähnlich: Der Tourismus baue zwar darauf auf, den Lebensraum anderer Menschen in "Zeithäppchen" zu vermieten. Doch die betroffene Bevölkerung profitiere viel zu wenig von den Einnahmen, die in ihrem Lebensraum erwirtschaftet werden. Der Ausschluss der Bevölkerungsmehrheit vom Tourismus habe zur Armut und Kriminalität im Land beigetragen.

Dies soll sich ändern. Im Mai 2002 hat die südafrikanische Regierung Richtlinien für eine verantwortungsvolle Tourismusentwicklung präsentiert. Sie unterscheidet zwischen der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Verantwortung, die Unternehmen und Organisationen übernehmen sollen. Die Regierung erwartet von allen, die im Tourismussektor tätig sind, dass sie ihr eigenes Aktionsprogramm entwickeln und dort aktiv werden, wo sie das Angebot, die Situation in der Region oder die Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung wesentlich verbessern können. Verantwortungsvoll zu handeln bedeute, mehr als bloss das Minimum zu tun.

Zum Beispiel in Sachen soziale Verantwortung: Die Regierung will erreichen, dass die lokale Bevölkerung in die Planung, die Entscheidungsfindung und die Entwicklung des Tourismus miteinbezogen wird und als Angestellte, Unternehmerinnen, aber auch als Touristen am Wirtschaftszweig teilhaben kann. Dazu sei es wichtig, dass sich die Tourismusindustrie künftig nicht mehr bloss auf die Bedürfnisse einer Minderheit ausrichte, sondern die Interessen der bislang benachteiligten Bevölkerungsgruppen einbeziehe. Die Kultur dieser Menschen sei als wertvoll anzuerkennen und vor Ausbeutung zu schützen.

Die Tourismuswirtschaft ist aufgerufen, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung innovative Produkte zu entwickeln und so die Angebotspalette zu erweitern. Damit kämen nicht nur die einheimischen, finanzschwächeren Feriengäste eher auf ihre Kosten. Auch die Arbeitsuchenden aus der früher benachteiligten Bevölkerungsmehrheit erhielten die Chance, ihre spezifischen Fertigkeiten in die bestehende Tourismuswirtschaft einzubringen – sei es als Angestellte oder als Anbieter von Dienstleistungen und Produkten. Dazu brauche es Aus- und Weiterbildungsangebote für Jungunternehmen, aber auch einen Zugang zum Markt. Aus diesem Grund ruft die Regierung die Tourismusunternehmen auf, innovative und sozial verantwortliche Angebote beim Einkauf zu berücksichtigen und in ihre Reiserouten aufnehmen.

South Africa’s Responsible Tourism Guidelines: www.environment.gov.za, www.theinternationalcentreforresponsibletourism.org

 Was bringt der Tourismus der lokalen Bevölkerung?
    Tourismus im ländlichen Namibia

Was der Tourismus den Menschen vor Ort tatsächlich bringt, ist schwieriger zu beurteilen, als die Formel "neue Arbeitsplätze und Einkommen" vermuten lässt. Die Erfahrungen in den nordnamibischen Provinzen Kunene und Caprivi zeigen, auf was es sonst noch ankommt.

In diesen abgeschiedenen Gegenden haben die Menschen eine Reihe von Strategien entwickelt, um ihren Lebensunterhalt zu sichern und der stets drohenden Dürre zu entrinnen. Die Landwirtschaft ist das Kerngeschäft. Doch allein auf sie zu setzen, wäre ein Risiko, das sich ärmere Haushalte ohne Notreserven nicht leisten können. Die meisten versuchen daher, das Risiko auf mehrere Tätigkeiten zu verteilen. Die einen Familienmitglieder kümmern sich ums Vieh oder verrichten Feldarbeit, andere suchen bezahlte Erwerbsarbeit oder beziehen Renten, wieder andere sammeln Wildpflanzen, um Nahrung, Medizin und Baumaterialien zu gewinnen.

Der Tourismus könnte eine wertvolle Ergänzung sein, die auch in Dürrezeiten Geld bringt und die Dorfwirtschaft diversifiziert. Damit die Risiken nicht grösser werden als der Nutzen, muss der Tourismus sich in die Lebensstrategien der Haushalte einfügen und darf weder vorhandene Arbeitstätigkeiten konkurrenzieren noch den Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Weiden und Wasser verhindern. Der Zugang zu Buschland und Flussuferzonen ist gerade für ärmere Haushalte und besonders für Frauen elementar und in Zeiten der Dürre überlebenswichtig. Exklusive Touristen- oder Wildtierzonen bedeuten für sie oft eine Gefährdung.

Die Forscherin Caroline Ashley hat festgestellt, dass es viele Menschen in Kunene und Caprivi dem Tourismus anlasten, dass die Zahl der Wildtiere und somit die Wildschäden an Viehbestand, Ernte und Infrastruktur zunehmen. Die Tourismuseinnahmen mögen die Ernteschäden geldmässig aufwiegen, doch die Schäden betreffen mehr Menschen und gefährden die Ernährungssicherheit der Haushalte. Es erstaunt daher nicht, dass es den meisten Gemeinden, die in Verhandlung mit Tourismusinvestoren standen, wichtiger war, diese Risiken gering zu halten, als möglichst hohe Einnahmen zu erzielen.

Auch die Anzahl fester Vollzeitstellen ist primär für die privilegierteren Haushalte mit den nötigen Qualifikationen interessant. In Kunene und Caprivi haben meist nur ein bis fünf Prozent der Haushalte von den Arbeitsplätzen profitiert. Ärmere Haushalte sind vor allem darauf angewiesen, Gelegenheitsarbeiten verrichten und Produkte (Kunsthandwerk, Feuerholz, Nahrungsmittel, Gras) verkaufen zu können. Dies bringt zwar weniger Geld, kommt aber weit mehr Haushalten zugute. Vielen ist es besonders wichtig, dass der Tourismus ihnen die Chance bietet, sich weiterzubilden und neue Fähigkeiten zu erwerben. Zudem lassen sich mit dem Tourismus kollektive Dorfeinnahmen zu erzielen, die etwa zur Linderung der Dürre eingesetzt werden können. Damit die Vorteile und Risiken sorgfältig abgewogen werden können, muss die lokale Bevölkerung massgeblich mitbestimmen können, ob und wie ihr Lebensraum touristisch entwickelt wird. Ihre Bedürfnisse, Wünsche und Prioritäten sollten im Vordergrund stehen.

Caroline Ashley, The Impacts of Tourism on Rural Livelihoods: Namibia’s Experience: www.propoortourism.org.uk

 Fair Trade in Tourism South Africa (FTTSA)
Südafrikas Anlaufstelle für Fairen Handel

Für Reisende ist es oft schwierig, zu beurteilen, wie ökologisch und sozialverantwortlich ein Tourismusangebot ist. "Fair Trade in Tourism South Africa" (FTTSA) bietet Ihnen eine Orientierungshilfe: Mit ihrem Markenzeichen zeichnet die Organisation Tourismusangebote aus, die die FTTSA-Kriterien erfüllen und so einen Fairen Handel zwischen Gastgebern und Gästen unterstützen. Damit will FTTSA erreichen, dass auch benachteiligte Gemeinden und Bevölkerungsgruppen Zugang zum Tourismusmarkt erhalten.

Für Gastbetriebe gelten folgende Prinzipien: faire Verteilung der Einnahmen, Demokratie, Respekt, Zuverlässigkeit, Transparenz und Nachhaltigkeit. FTTSA wurde 1999 als unabhängiges, nicht-gewinnorientiertes Programm der Naturschutzorganisation "World Conservation Union" (IUCN) in Südafrika gegründet und ist Mitglied des internationalen Netzwerkes für einen Fairen Handel im Tourismus. Ausführliche Informationen zu den Prinzipien von FTTSA sowie zu den Reiseangeboten erhalten Sie auf der Homepage www.fairtourismsa.org.za.

Kontakt: FTTSA, Kutlwanong Democracy Centre, 357 Visagie Street, P.O. Box 11563, Hatfield, Pretoria 0028, Südafrika, Tel. +27 (0)12 3222106, Fax +27 (0)12 3202414, info@fairtourism.org.za

 Namibia Community Based Tourism Association (NACOBTA)
Namibias Anlaufstelle für gemeinschaftlichen Tourismus
 

In Namibia hat der von Gemeinden getragene Tourismus eine nationale Dachorganisation und eine zentrale Anlaufstelle – die "Namibia Community Based Tourism Association" (NACOBTA). Die nicht-gewinnorientierte Dachorganisation wurde 1995 von Gemeinden gegründet, die selber im Tourismus aktiv werden wollten. NACOBTA unterstützt sie dabei, mit dem Tourismus Einkommen und Arbeitsplätze zu schaffen und so die Lebensbedingungen in den ländlichen Gebieten Namibias zu verbessern.

NACOBTA zählt heute 45 Mitglieder. Diese Unternehmen befinden sich alle im Gemeindeeigentum und werden von einer Gemeinde, einer Gemeindeorganisation oder einer Einzelperson betrieben, die in der Gemeinde wohnt und Teil dieser Gemeinschaft ist. Die Angebote des "community based tourism" sollen keine Nische bilden, sondern in die konventionelle Tourismusindustrie integriert werden. Den Mitgliedern steht NACOBTA mit Weiterbildung, Beratung, Marketingunterstützung und Finanzierung zur Seite. Zudem vertritt sie die Interessen ihrer Mitglieder in der nationalen Tourismuspolitik und in Verhandlungen mit anderen Tourismusunternehmen. NACOBTA ist Mitglied des internationalen Netzwerks für einen Fairen Handel im Tourismus.

Die aktuellsten Informationen über die Angebote der NACOBTA-Mitglieder finden Sie auf der Homepage www.nacobta.com.na. Kontakt: NACOBTA, P.O. Box 86099, Windhoek, Namibia, Tel. +264 (0)61 25 05 58, Fax +264 (0)61 22 26 47

 Kapverde: Die Inseln des Winds und der Abfall
     Kulturschaffen auf Kapverde mit Schweizer Input

Im Sommer 2002 sammelten etwa 30 Schweizerinnen und Schweizer zusammen mit ebenso vielen Einheimischen in und um die kapverdische Hauptstadt Praia Abfall, der dann vom Zürcher Künstler Giovanni Huber vor Ort zu phantasievollen, farbigen Bildern und Skulpturen verarbeitet wurde. Diese spannende Geschichte wird in einem schmalen, aber reich bebilderten Werk unter dem Titel "Project Cabo Verde Recycling Art" geschildert. Von Peter Lienhart, Projektleiter Cabo Verde Recycling Art.

Herumliegender Abfall ist ein akutes Problem auf den westlich vor Senegal liegenden Kapverdischen Inseln. Die Einheimischen und die Touristen gebrauchen importierte Konsumgüter, doch mit Entsorgung hapert es. Die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Auswüchse der modernen Wegwerfgesellschaft – sowohl in der Schweiz als auch auf den Inseln selber – ist die Vision des Künstlers Giovanni Huber, der die Kapverden bei mehreren Besuchen kennen und lieben gelernt hat. Mit seinen Kunstwerken will er auf plakative und emotionale Weise zeigen, dass Abfall einen Wert hat und Materie ist, die vielfältig wieder verwertet und kommerziell genutzt werden kann.

Wie kann diese Vision umgesetzt werden? Das folgende Konzept wird dazu entwickelt:

  • Kunst: Der Beitrag des Künstlers zu einer besseren Welt. Die Werke von Giovanni Huber spiegeln eine konkrete gesellschaftliche und ökologische Situation, die uns alle etwas angeht.
  • Kulturaustausch: Durch intensive Zusammenarbeit in gemischten Teams von freiwilligen Schweizern und Einheimischen soll Verständnis füreinander entwickelt werden.
  • Unterstützung: Hilfe zur Selbsthilfe ist gefragt. In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden sollen die teilnehmenden Einheimischen befähigt werden, das Projekt nach Abschluss zu übernehmen und nach ihren Anforderungen weiterzuführen. Der am 22. August 2002 von den Stadtbehörden unterschriebene "Accord de Praia" regelt die Weiterführung der Säuberungsaktionen in vorderhand zwei Quartieren, den Betrieb eines Kunstateliers, das von den Quartiervereinen zur Verfügung gestellt wird, sowie die Überwachung der künstlerischen Arbeit durch das Palais de Culture.

Zur Finanzierung des Projekts wird ein unkonventionelles Verfahren gewählt. Der etablierte Marktwert von Giovanni Huber wird der innovativen Finanzierung des Projekts zugrundegelegt. Durch den Verkauf von Optionen auf die in Kapverde zu schaffenden Kunstwerke wird das Projekt vorfinanziert. Die Umweltabteilung von Hotelplan ist zudem grosszügiger Hauptsponsor.

Die Arbeit in Praia

Das harte Tagwerk des Junk Team – jener 15 bis 20 Freiwilligen, die tagein, tagaus Abfall sammeln gehen – beginnt mit dem methodischen Zusammenstellen des Materials: Abfallkörbe, Tragsäcke, Schaufeln, Rechen, Metallscheren, Gartenhandschuhe und Funkgeräte. Giovanni schwenkt eine Checklist in der Hand. Heute braucht der Meister roten Plastic, kleine Metallteile, Schreibmaschinen und Autotüren.

Abfall ist in und um Praia an vielen Orten zu finden. Haushaltabfall liegt im Umkreis der Häuser. Technischer Abfall bis hin zu Autowracks findet sich im flachen Gelände abseits der Strassen. Am Zielort tun sich Zweierteams zusammen. Singend und schwatzend durchstreifen sie das Gelände, heben allerlei Brauchbares auf und verstauen es in Körben und Taschen. Die gemeinsame Arbeit schweisst die Freiwilligen zusammen. Die Verständigung ist problemlos, obwohl die telnehmnden SchweizerInnen anfänglich kein Wort Kreol verstehen. Die Bevölkerung schaut belustigt zu, manchmal verunsichert. Oft ergibt sich jedoch ein klärendes Gespräch, und schon wird die Arbeit unterstützt, meistens von Kindern.

Die Arbeit in der Werkhalle

Waschen, putzen, schweissen, hämmern, streichen, sägen, malen, dazwischen lachen, singen und ein Sprachengewirr aus Kreol, Schweizerdeutsch und Französisch. So tönt es aus der Werkhalle, wenn die Equipe im vollen Einsatz ist und Abfall zu Kunst wird. Hinter der Halle stapelt sich das Material, das vom Junk Team eingesammelt worden ist. Auf Anweisung des Atelierchefs werden die Fundstücke erst sortiert, gewaschen, dann mit der Drahtbürste bearbeitet und zum Teil farbig bemalt. Da wächst ein Berg Schuhe neben einem Stapel Bremsscheiben, dort türmen sich Zahnräder neben Stossstangen und rostigen Pfannen.

Aus der inspirierenden Formen- und Farbenvielfalt wählt Giovanni Huber die Elemente für seine Werke aus und Popas, der einheimische Schweisser, lässt die Funken stieben. Dann greift der Meister zum Pinsel, Spachtel oder zu den Schriftschablonen. So entstehen im Lauf des Sommers Plastiken, Reliefs, Bildtafeln – die Werkhalle verwandelt sich langsam in eine Kunstgalerie und Lixo (Abfall) verwandelt sich in Luxo (Luxus). Über 100 Kunstwerke, Reliefs, Bilder, Skulpturen sind in diesem heissen Sommer entstanden.

Zum Projekt ist ein Katalog erschienen, in dem auch eine grosse Zahl der geschaffenen Kunstwerke abgebildet ist. Bezugsadresse: Giovanni Huber, Atelier Alte Spinnerei, Spinnereiweg 6, CH-8310 Oberkemptthal

 Zimbabwe: Dramatische Lage 

Gb (Juli 2003). Die Lage in Zimbabwe hat sich in den letzten Monaten erneut dramatisch verschlechtert, die negativen Schlagzeilen reissen nicht ab. Die Hungersnot hält an, Menschen sterben vor Hunger. Die Regierungspartei Zanu-PF hat die Hungerhilfe verpolitisiert: Wer im Verdacht steht, SympathisantIn der Oppsitionspartei MDC zu sein, erhält keine Hungerhilfe. Die Prognosen für die neue Ernte sind schlecht, weil die Dürre in vielen Landesteilen anhält und dort, wo es regnete, fiel der Regen so heftig, dass er alles zerstörte. Offensichtlich ist auch, dass die Hungersnot keine Naturkatastrophe ist, sondern hausgemacht ist und zu 90 Prozent politische Gründe hat. Die chaotische und brutale Vertreibung der weissen Grossbauern und der generelle Niedergang der Wirtschaft haben auch zu einem dramatischen Rückgang der Agrarproduktion im Lande selber und damit zur heutige Hungerkatastrophe geführt.

Der wirtschaftliche Niedergang ist katastrophal. Benzin ist kaum mehr erhältlich. Benzinpreiserhöhungen haben zu einer massiven Erhöhung der Buspreise geführt. Viele Leute können sich nun keine Busfahrt zum Arbeitsplatz mehr leisten und müssen statt dessen stundenlange Fussmärsche unternehmen. Elektrizität ist nur noch stundenweise erhältlich, weil die Stromlieferanten von Zimbabwe, die Elektrizitätsgesellschaften von Mozambique und Südafrika, ihre Stromlieferungen auf einen Viertel respektive die Hälfte der ursprünglichen Menge reduziert haben. Darüber hinaus muss Zimbabwe die Stromlieferungen im Voraus bezahlen. Der Grund liegt in den hohen unbezahlten Stromrechnungen Zimbabwes von gesamthaft über 100 Millionen US-Dollar.

Die Inflation ist enorm und betrug im Mai 300 Prozent, bis Ende Jahr soll sie laut Prognosen 1000 Prozent betragen. Der offizielle Wechselkurs von einem US-Dollar beträgt 824 ZDollar, auf dem Schwarzmarkt wurden dafür im Juni noch zwischen 2000 bis 2500 ZDollar bezahlt, im Juli schon 3900.

Die Preise steigen astronomisch. Ein Leib Brot kostete im Juni 550 ZDollar, im Juli schon 1000, ein Kilogramm Fleisch kostete im Juni 2000 Dollar, sieben Deziliter Kochöl 2200. Das Grundnahrungsmittel Mais ist nicht mehr erhältlich, eben so wenig Reis oder Geflügel. Während die Löhne der normalen Angestellten mit den Preissteigerungen überhaupt nicht Schritt halten, genehmigte sich die Regierung eine grosszügige Gehaltserhöhung: Mugabes Gehalt beträgt neu jährlich 20 Millionen ZDollar, ein Minister erhält 16,5 Millionen und ein Parlamentarier 11,2 Millionen ZDollar jährlich.

Die Mehrheit der Bevölkerung kämpft ums tägliche Überleben. Einige aber kommen mit den wirtschaftlichen Problemen besser zurecht. So kauft eine Gruppe Neureicher mit guten Kontakten zur Regierung wie Mutumwa Mawere, Phililip Chiyanga oder Simba Mangwende Firmen zusammen und baut ein Wirtschaftsimperium auf. Der selbsternannte Kommandant der War-Vets (Kriegsveteranen) Joseph Chinotimba, der vor drei Jahren noch einfacher Mitarbeiter einer Bewachungsfirma war, hat es ebenfalls zu grossem Reichtum gebracht. Er besitzt nicht nur eine Bewachungsfirma, sondern auch mindestens eine Farm. Chinotimba, der bei den Landbesetzungen an vorderster Stelle mitmachte, gibt freimütig zu, seinen neuen Wohlstand der "harten Arbeit für Mugabe" und den engen Beziehungen zur Zanu-PF zu verdanken.

Untersuchungen belegen immer wieder, wie korrupt die Elite ist. Sie bereichert sich am Handel mit kongolesischen Diamanten, am Handel mit Hungerhilfe und am international finanzierten Viehaufstockungsprogramm. Viele der von den weissen Grossbauern enteignete Farmen werden nun von Ministern und deren Familien, von höheren Beamten oder höheren Zanu-PF-Mitgliedern bearbeitet.

Für Mugabe ist die Erklärung für die Misere klar. Nicht seine Politik ist schuld daran, sondern die Sanktionen der EU und der Amerikaner, die diese wegen der Landenteignungen und Menschenrechts-Verletzungen verhängten.

Die Regierung kämpft mit allen Mitteln um die Erhaltung der Macht. Sie setzt dabei auch auf die Jugend. Die Jugend-Miliz der Zanu-PF, die "Green Bombers" werden in grossen Camps darin geschult, den politischen Gegner einzuschüchtern oder sogar zu töten. Aber auch zwangsweise eingezogene Jugendliche werden hier auf die politisch richtige Linie gedrillt. Mugabe will diese Camps weiter ausbauen. Nach Südafrika geflüchtete Jugendliche berichteten über den Terror in den Camps und über Mordaufträge.

Zur Machterhaltung wurde der Terror gegen die MDC verschärft. Die zimbabwische Menschenrechts-Liga listet für das vergangen Jahr 1061 dokumentierte Folterungen auf, 227 Entführungen und 232 grundlose Verhaftungen. Die Repression gegen die MDC und generell gegen Nicht-Zanu-PF-Mitglieder hat neue Dimensionen angenommen. MDC-Mitglieder werden nicht nur willkürlich verhaftet, sondern im Gefängnis auch gefoltert oder sogar getötet. Einige Parlamentsmitglieder der MDC, die um ihr Leben fürchteten, mussten deshalb auch untertauchen oder sind nach England geflüchtet.

Nachdem es zu Beginn dieses Jahres schien, dass die Kraft der MDC unter der Repression zerbricht, hat die MDC seit April neue Kraft gewonnen. Mitte März und Ende April fanden landesweite Streiks statt, die trotz Drohungen der Regierung landesweit befolgt wurden und zu einem totalen Stillstand führten. Obwohl der Oppositonschef Tswangirai wegen dem Streikaufruf verhaftet wurde und nur gegen Kaution freikam, wird nun der MDC attestiert, dass diese Streiks eine Trendumkehr herbeiführten. Die MDC kann seit den Streiks wieder agieren und nicht nur reagieren. Neue Streiks werden vorausgesagt.

Prompt kursierten nach den Streiks auch wieder Gerüchte über einen baldigen Abgang von Regierungschef Mugabe. Es hiess, Mugabe verhandle nur noch über eine sichere Ausreise und eine finanzielle Absicherung und die Parteien verhandelten über eine Übergangsregierung. Beides wurde später dementiert. In der Zwischenzeit legte die MDC ein Drei-Punkte-Programm vor. Danach strebt sie nach wie vor den Rücktritt von Mugabe an, die Bildung einer Übergangsregierung und die Durchführung von Neuwahlen. Einige Minister der Regierung Mugabe debattieren schon seit längerem über die Bildung einer Übergangsregierung mit der MDC, allerdings wollen sie den Chef der MDC, Tswangirai, nicht dabei haben. Beobachter schliessen nicht aus, dass die grosse Repression gegen die MDC einen gegenteiligen Effekt hat und zusammen mit dem ökonomischen Niedergang schliesslich der Tropfen sein wird, der das Fass zum Überlaufen, respektive zur grossen Erhebung führen wird.

Der internationale Druck auf Mugabe nimmt ebenfalls zu. Nachdem sich Südafrika lange vor Mugabe gestellt hat, mehren sich nun die Anzeichen, dass Mugabe auch von Südafrika unter Druck gesetzt wird, mit der MDC zu verhandeln. Auch der südafrikanische Gewerkschaftsbund Cosatu drängte die südafrikanische Regierung, das Drei-Punkte-Programm der MDC zu anerkennen. Die EU will ihre Sanktionen verschärfen und die Commonwealth-Länder riefen Mugabe auf, bis im September Zimbabwe zu verlassen.

 

Afrika in Kürze

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Südafrika
Auf dem Wachstumspfad

Für dieses Jahr wird in Südafrika ein Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent erwartet. 2002 betrug das Wachstum noch 3 Prozent. Für 2004 wird eine weitere Steigerung auf 3,7 Prozent erwartet. Die Investitionen haben in Südafrika im vergangenen Jahr um 6,3 Prozent zugenommen, was auf ein Vertrauen von Investoren in die Zukunft des Landes schliessen lässt. Die Inflation betrug 2002 rund 10 Prozent und soll dieses Jahr auf 7,7 Prozent sinken. Ziel ist, die Inflationsrate bis 2005 auf unter 6 Prozent zu drücken. Positive Signale sind die gesunkenen Preise für weissen Mais (von 2000 Rand/Tonne auf 940 Rand). Lähmend wirkt sich jedoch auch auf die südafrikanische Wirtschaft die Entwicklung im Irak aus.

Als Folge der Aids-Epidemie wird von südafrikanischen Wissenschaftern ein Absinken der durchschnittlichen Lebenserwartung bis im Jahr 2009 auf 40 Jahre prognostiziert. Zudem wird Aids dannzumal die häufigste Todesurache sein. Dieses pessimistische Szenario wird von Wssenschaftern der Universität von Kapstadt aufgestellt. (Quelle: Daily News Bulletin South Africa)

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Lösegeld - Kauft Südafrika eigene Domain frei?

Auch Südafrika kommt nach jahrelangen Rechtsstreiten nun nicht umhin, für teures Geld die "eigene" Domain zu kaufen: Derzeit laufen mit dem Inhaber Virtual Countries Inc. Verhandlungen über die Domain "southafrica.com". Gerüchteweise spricht man von einem Kaufpreis von knapp 10 Mio. Rand (1,8 Mio. CHF).

Da der zunächst von Virtual Countries geforderte Betrag astronomisch hoch war, bestritt Südafrika vor etwa zwei Jahren den Klageweg, allerdings ohne jeden Erfolg. Nun muss man wieder an den Verhandlungstisch. Und obgleich der Staat bereits seit längerem die Domain "southafrica.net" besitzt, kommt man an der ".com"-Domain nicht vorbei, denn die Top Level Domain ".com" ist weltweit gesehen nunmal weitaus populärer. (Quelle: www.domain-recht.de)

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Das leidige Plastiksackproblem

Unübersehbar ist in Drittwelt-Ländern das Plastiksack-Problem: Säcke auf Feldern, an Zäunen, in Bäumen, an Ufern, und jeder Windstoss setzt weitere Säcke in Bewegung. Wissenschafter der Universität Pretoria und die Firma "Evergreen Environmental" in Johannesburg haben nun ein Verfahren entwickelt, nach dem sich Plastiksäcke bei Sonnenbestrahlung zersetzen und auflösen. Der Zersetzungsprozess, bei dem nicht schädliche Stoffe frei werden, dauert 18 Monate. Doch schon regt sich Widerstand: Die Plastik verwertende Recycling-Industrie befürchtet, dass zahlreiche Personen arbeitslos würden, wenn die neuen Plastiksäcke flächendeckend eingeführt werden. (Quelle: The Star Online; Daily News Bulletin South Africa)

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Eritrea
Schlüsselprojekt Kraftwerk Hirgigo am Netz

Ein neues Kraftwerk, das die Stromkapazität Eritreas beträchtlich erhöhen wird, wurde in der Nähe der Hafenstadt Massawa eröffnet. Das Hirgigo-Kraftwerk wird Strom für fünf der grössten eritreischen Städte produzieren. Mit ihrer Inbetriebnahme wird die Anlage zur grössten im Lande und erhöht das nationale Stromangebot um das Dreifache. Die Baukosten betrugen 178 Mio US $. Energieminister Tesfay Gebresellasie unterstrich die Bedeutung des Kraftwerks und dankte allen, die für den Bau der Anlage Kredite gegeben hätten, darunter die Entwicklungsfonds von Saudi-Arabien, Abu Dhabi, Kuwait, der OPEC und anderer Partnerländer. Mit dem Bau war bereits 1997 begonnen worden.

Die Fertigstellung verzögerte sich durch den Krieg mit Äthiopien, denn am 28. Mai 2000 beschossen äthiopische Kampfflugzeuge die Baustelle.

Hauptziel dieses Kraftwerks sei die zuverlässige Energieversorgung ohne Unterbrechungen für private Unternehmen und Haushalte, sagte Abraham Woldemichael von der Eritrea Electric Authority. Die Anlage sei auch ein wichtiger Schritt bei der Sanierung des Stromnetzes, gegenwärtig gäbe ein intensives Elektrifizierungsprogramm. Das Kraftwerk hat vier Generatoren, die jeweils 22 Megawatt produzieren und die Städte Massawa, Asmara, Keren, Mendefera, Dekemhare und zwei weitere Städte versorgen werden. Die Stromproduktion in Eritrea wird damit auf einen Streich verdoppelt. Projektleiter ist im Übrigen Abraham Gebrehiwet, der 1996 aus der Schweiz nach Eritrea zurückgekehrt ist, und der stets im Schweizerischen Unterstützungskomitee für Eritrea aktiv war.

Mitarbeiter der Eritrea Electric Authority schätzen, dass etwa 20 Prozent der Bevölkerung Eritreas ständigen Zugang zu Strom hat. Die Regierung sagte, sie habe langfristige Pläne, den Stromsektor zu privatisieren, doch im gegenwärtigen Zustand sei das Stromnetz einfach nicht vermarktungsfähig. (Quelle: UN IRIN und www.shaebia.org [Website der Regierungspartei])

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Moçambique
Antikorruptions-Kampagne

Die Orgnisation "Ética Mozambique" macht weiter von sich reden (wir berichteten im Afrika-Bulletin 108, Nov./Dez. 2002). Neu legt die regierungsunabhängige Organisation eine Liste vor, in der Schwachstellen in Gesetz und Staat erfasst sind. So werden etwa als fundamentale Schwachstellen festgestellt, dass Parlamentarier ohne Beschränkungen als Geschäftleute tätig sein können, dass Regierungsmitglieder keine Auskunft über ihr Vermögen geben müssen und dass keinerlei Beschränkung für Minister und Staatsangestellte besteht, Geschenke anzunehmen. Staatsangestellte und Regierungsmitglieder sind so für Korruption anfällig. Das soll sich nun ändern mit der Verabschiedung eines Antikorruptionsgesetzes. Abdul Carimo, Präsident von Ética Mozambique, erklärt jedoch, dass alleine ein neues Gesetz nicht viel ändern wird. Vielmehr müssten private und öffentliche Institutionen zusammenarbeiten mit dem Ziel, korrupte Praktiken zu diskutieren, zu denunzieren, zu untersuchen und zu bestrafen. (Quelle: AIM, Maputo)

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