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Mehr
als Hilfe – Nachhaltige Entwicklung
Von einander Lernen – Basel-Tshwane
Linkages
beyond aid für Nachhaltigkeit: Das Austauschprogramm «Voneinander
Lernen» zwischen Basel und der südafrikanischen Hauptstadt
Tshwane (Pretoria) bringt Menschen zusammen, die sich auf lokaler
Ebene unter unterschiedlichsten politischen, sozialen und kulturellen
Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung engagieren
– und gerade deshalb viel voneinander lernen können.
Im letzten September unterzeichneten beide Stadtregierungen
eine Vereinbarung zur Unterstützung des sich seit Anfang
2002 entwickelnden Projektaustausches. Von Daniel Lehmann.
Welches sind die
Hauptprobleme, die einer zukunftsfähigen Entwicklung einer
afrikanischen Grossstadt im Wege stehen? Was wird in Schweizer
Städten zur Förderung einer nachhaltige Entwicklung
unternommen? Welche Ideen aus dem Süden könnten im
Norden wirksam umgesetzt werden? Und umgekehrt: Welche Anstösse
aus nördlichen Gemeinden könnten Verbesserungen in
südlichen Gemeinden bewirken?
Diese Fragen stellte
sich Ende 2001 der gesamtschweizerisch tätige Verein Lokale
Agenda 21 (LA 21) nicht zuletzt aufgrund des damals bevorstehenden
UNO-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg
im September 2002 und motivierten ihn, die Antworten mit der
Entwicklung des Austauschprogrammes «Voneinander Lernen»
zu suchen. Der Verein LA 21 erhielt die Unterstützung der
Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und
konnte im Januar 2002 den Austausch lancieren, zusammen mit
dem mit dem Projektmanagement beauftragten Basler Büro
ecos, spezialisiert auf Kommunikation und Prozessgestaltung
für eine nachhaltige Entwicklung.
Ziel des Projektaustausches
ist die Entwicklung und Konsolidierung eines vielfältigen,
gleichberechtigten Austausches zwischen engagierten Menschen
verschiedener Kulturen, die sich in ihrer Stadt, in ihren Organisationen
und Netzwerken an Projekten einer nachhaltigen Entwicklung beteiligen.
Im Vordergrund steht dabei der partnerschaftliche Wissens- und
Erfahrungsaustausch und damit der Aufbau von so genannten «linkages
beyond aid», von Partnerschaften, die über das reine
Geben und Empfangen von Hilfe hinausgehen, sowie der Realisierung
einer «globalisation among people».
Ein solcher Austausch
ist ein Mosaikstein einer anderen Globalisierung, die sich von
einer rein wirtschaftlichen und häufig asymmetrischen,
wenn nicht gar ausbeuterischen Globalisierung abhebt und vielmehr
den partnerschaftlichen, gleichberechtigen Austausch zwischen
gleichwertigen Partnern in den Vordergrund rückt:
Akteurinnen und Akteure
der Zivilgesellschaft, die sich am Austausch im Rahmen von «Von
einander Lernen» beteiligen, erhalten Einblick in den
Alltag auf einem anderen Kontinent, machen Bekanntschaft mit
Menschen einer fremden Kultur, erfahren, wie diese die Zukunft
ihrer Gemeinde zu gestalten versuchen und erkennen in den Unterschieden
auch die Ähnlichkeiten im Handeln und die Gemeinsamkeit
der globalen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung. Damit setzt
das Projekt «Voninander lernen» in einer Welt der
zunehmenden Ausgrenzung und der zunehmenden Globalisierung ohne
gegenseitige Annäherung ein Zeichen der Solidarität.
Es ist ein gelebtes Beispiel für den oft geforderten partnerschaftlichen
Austausch zwischen gleichwertigen Partnern der globalen Zivilgesellschaft.
Dieser angestrebte
Austausch zwischen «bottom-up»-Initiativen in Nord
und Süd wurde aber sinnigerweise «top-down»
eingefädelt, denn auf Vermittlung von DEZA-Direktor Walter
Fust erhielt «Von einander Lernen» von der südafrikanischen
Botschaft in Bern volle Unterstützung bei der Suche nach
einer Partnergemeinde in Südafrika und bei der weiteren
Entwicklung des Austausches.
Agenda
21 und Südafrika
Im Herbst 2002 konnte
der Verein am UNO-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung
in Johannesburg bekannt geben, dass Basel und Tshwane einen
solchen Austausch aufbauen wollen. Sowohl in Tshwane als auch
in Basel arbeiten und engagieren sich u.a. Stadtbehörden,
Nichtregierungsorganisationen, Quartiervereine, private Unternehmen,
Kirchen und Hochschulen in verschiedenen Projekten für
die lokale Umsetzung der globalen Zielsetzung einer nachhaltigen
Entwicklung.
Südafrika konnte
1992 zwar die Agenda 21 in Rio nicht unterzeichnen, da das Land
damals wegen seiner Apartheidspolitik von der Weltgemeinschaft
gemieden wurde. Nicht zuletzt wegen der Apartheid steht Südafrika
seit dem Umbruch von 1994 vor grossen Herausforderungen. Tshwane
bedeutet «Wir sind gleich» und ist der Name einer
neuen Gemeindestruktur, die seit Anfang 2001 die südafrikanische
Hauptstadt Pretoria und 13 umliegende mehrheitlich «schwarze»
Gemeinden/Townships vereint.
Anschliessend knüpften
die Partner in Basel und Tshwane bei zwei gegenseitigen Besuchen
in beiden Städten erste Kontakte zu Projekten und Initiativen
für eine nachhaltige Entwicklung, bei denen ein Austausch
im Sinne des Projektes «Von einander Lernen» erfolgversprechend
und sinnvoll erscheint.
Die Partner in Tshwane
und der Schweiz erkannten es als am vielversprechendsten, vorerst
den Aufbau einer ersten Austauschbeziehung zwischen dem Gundeldinger
Feld in Basel und dem Eersterust Sports & Recreation Centre
(ESRC) in Tshwane voranzutreiben. Beides sind Quartierzentren,
die, zwar in einem völlig unterschiedlichen Kontext, das
gleiche Ziel verfolgen: Bereitstellung von Infrastruktur und
Dienstleistungen für die Quartierbevölkerung und für
eine nachhaltige Quartierentwicklung. Und beide interessierten
sich spontan für den Austausch.
Im März 2004
reiste eine kleine Delegation aus Basel nach Tshwane, um mit
den Partnern des ESRC in Tshwane und der Stadt Tshwane die konkreten
Austauschaktivitäten auf Projektebene zu erarbeiten und
zu planen und das Feld für mögliche weitere Austauschaktivitäten
in weiteren Themenbereichen und zwischen weiteren städtischen
Organisationen der Verwaltung und der Zivilgesellschaft abzustecken.
Die Delegation wurde
während des Workshops im Stadtteil Eersterust privat untergebracht
und hatte dadurch optimale Gelegenheit, den Stadtteil, seine
Bewohner-Innen und die Lebensumstände näher kennenzulernen.
Resultat dieses Workshops
waren eine Reihe von Projektideen in den vier Bereichen Austausch,
Recycling, Energie und Netzwerk. Dabei erwies sich die ursprüngliche
Abgrenzung des Austauschpaars Gundeldinger Feld-ESRC von anderen
Austauschbeziehungen als zu einengend. Beide Zentren sind mit
der Stadt mehr oder weniger verknüpft, resp. eine Reihe
der diskutieren Themen lassen sich nicht an einem Quartier,
resp. einem Quartierzentrum fest machen. Die diskutierten Projekte
haben je nachdem in Basel und Tshwane eine ganz unterschiedliche
Reichweite (Quartierzentrum, Quartier, Stadt).
Der Aufenthalt der
kleinen Delegation aus Basel in Tshwane war in sich ein gelungener
und für alle Seiten lehrreicher und intensiver Prozess
des «Von einander Lernens». Während die Basler
Seite eine Reihe innovativer Konzepte in verschiedenen Bereichen
nachhaltiger Entwicklung kennenlernte (z.B. im Bereich Energie
oder bezüglich Gemeinschaftsentwicklung im Quartier), hob
June Matlala, die Koordinatorin von «Von einander Lernen»
in der Stadt Tshwane, hervor, dass sie mit der während
des Aufenthaltes praktizierten Kontakt- und Netzwerkarbeit innerhalb
der eigenen Stadtverwaltung eine wertvolle Erfahrung gemacht
hat, die ihr auch in Zukunft nützlich sein wird.
Natürlich
konnte von diesem Reigen von Ideen aus Kapazitäts- und
Finanzgründen nicht alle diese Projekte gleichzeitig angepackt
werden. Gemeinsam wurde die Konzentration auf die Ausarbeitung,
Finanzierung und Realisierung folgender Projekte beschlossen:
-
ein Austausch im Bereich Sport, z.B. von Sportstudierenden
oder Sportlehrkräften
-
ein Austausch im Themenbereich «häusliche Gewalt/Gewalt
gegen Frauen»
-
der Austausch von Kunstschaffenden «Artist-in-residence»
-
ein Pfadfinderaustausch
- gemeinsame
studentischen Arbeiten im Bereich Energiesparen im Haushalt
als erster Schritt einer möglichen Hochschul- und Verwaltungskooperation
zu Energiefragen zwischen Basel und Tshwane.
Rasche
Entwicklung des Recycling-Projekts
Am raschesten angepackt
und folglich am weitesten gediehen ist im Moment das vom baselstädtischen
Fonds für Entwicklungszusammenarbeit unterstützte
Projekt «Ausbildung und Arbeitsplätze durch Recycling»
Wichtiger Moment
für den sich nun langsam entwickelnden Austausch war dann
aber am 24. September 2004 die Unterzeichung einer gemeinsamen
Vereinbarung (Memorandum of Understanding) durch die Stadtministerin
für Gesundheit und Soziale Entwicklung in der südafrikanischen
Hauptstadt Tshwane (Pretoria), Matshidiso Nyatlo, und Regierungsrätin
Barbara Schneider als Vertreterin des Kantons Basel-Stadt im
Basler Rathaus Darin bekräftigen beide Regierungen ihre
Unterstützung für das entstehende Austauschprogramm
«Von einander Lernen – Basel-Tshwane».
Die Unter-zeichnung
war ein erster Höhepunkt des Besuches einer Delegation
aus Tshwane (Pretoria), welche auf Einladung des Regierungsrates
vom 21. bis 26. September in Basel weilte. Zweiter Höhepunkt
war die Feier zum Nationalen Tag des Kulturerbes (Heritage Day),
welchen die südafrikanische Botschaft im Rahmen ihrer schweizweiten
Kampagne «10 Jahre neues Südafrika – die Schweiz
feiert» in Basel feierte.
Um die vorgesehenen
Austauschprojekte zu planen und zu konkretisieren führten
MMC Matshidiso Nyatlo und June Matlala anlässlich ihres
Besuches eine Reihe von Gesprächen mit möglichen Partnern
in Basel. Damit konnte eine gute Grundlage gelegt werden für
weitere Schritte im ständig wachsenden Austausch.
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Der Verein Lokale Agenda 21
Die Agenda 21, eines
der Schlussdokumente der UNO-Konferenz für Entwicklung
und Umwelt in Rio de Janeiro 1992, stellt die lokale Ebene in
den Vordergrund. Viele globale Probleme haben ihre Wurzeln im
alltäglichen Handeln von Menschen und Organisationen in
Städten, Quartieren, Dörfern und Regionen. In Kapitel
28 der Agenda 21 wird daher jede Gemeinde aufgefordert, ihre
eigene LA 21 in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft zu
entwickeln.
Entsprechend sind
LA 21-Prozesse partizipative Prozesse: Die Menschen sollen mitentscheiden,
wie sie leben wollen, und sie sollen ihre Anliegen wirkungsvoll
in die öffentliche Diskussion einbringen können. Eine
LA 21 ist in ein thematisch breit gefächerter Prozess.
Konkrete Projekte für eine gesündere Umwelt, weniger
Armut, fairen Handel und mehr Lebensqualität sollen sich
daraus entwickeln.
Das Projekt «Von
einander Lernen» ist ein Projekt des Vereins Lokale Agenda
21. Dieser Verein ist eine einmalig breite Koalition von 14
wichtigen Schweizer Nichtregierungsorganisationen (Umwelt-,
Entwicklungs- und Gesundheitsorganisationen, Parteien, Kirchen
und Gewerkschaften). Er wurde 1995 gegründet mit dem Ziel,
der Lokalen Agenda 21 auf nationaler Ebene zum Durchbruch zu
verhelfen, indem er in der ganzen Schweiz Menschen für
die Erarbeitung einer Lokalen Agenda 21 zu begeistern versucht
und ihnen Ausbildung und Hilfestellung anbietet. Als Teil der
Zivilgesellschaft will er einen Beitrag leisten zu einem globalen,
zukunftsfähigen Wandel, der «von unten» getragen
wird. Das Globale soll im Lokalen sichtbar werden und Anstoss
geben für ein weltverträgliches Handeln der Menschen
«vor Ort».
Weitere Informationen:
www.agenda-21.ch/ |
Recycling für Ausbildung und Arbeitsplätze
Ein zweites Leben für Velos, Computer
und Nähmaschinen
In
Basel vom Projekt „Gundeldinger Feld“ gesammelte,
nicht mehr gebrauchte, aber funktionstüchtige Geräte
und Gegenstände (Fahrräder, Nähmaschinen, Computer
und Musikinstrumente) finden in Tshwane (Eersterust Sports &
Recreation Centre, ESRC) Verwendung in Ausbildungskursen und
helfen Jugendlichen, Arbeitslosen und Frauen, Arbeit zu finden
oder gar eigene kleine Unternehmen aufzubauen. Von Daniel Lehmann.
Wir waren doch ziemlich
beeindruckt, als unsere kleine Gruppe im Sommer 2002 auf der
ersten Abklärungsreise zur Entwicklung von «Von einander
Lernen» in Kapstadt vor dem rostigen Container stand und
uns von einem jungen Mann in druckreifen Worten erklärt
wurde, was seine im Container eingerichtete Velowerkstadt mit
den globalen Auseinandersetzungen um eine nachhaltige Entwicklung
zu tun hat.
Wir waren nach Kapstadt
gekommen, um zu sehen, wie Kapstadt und Aachen in ihrer schon
laufenden Partnerschaft zur Lokalen Agenda 21 zusammenarbeiten.
Andrew Wheeldon vom
Bicycle Empowerment Network (BEN) erklärte uns das Prinzip,
wie Velos, die im Norden nicht mehr gebraucht werden, in Südafrika
jungen Menschen eine neue Perspektive und ein praktisches Transportmittel
geben.
Die Idee schien uns
attraktiv, weil einfach und rasch realisierbar, so dass wir
sie im März 2004 beim nächsten gemeinsamen Workshop
in Tshwane den Partnern im Stadtteil Eersterust zugegebenermassen
doch mit einiger Skepsis vorschlugen. Denn obwohl uns von Grösse,
Verkehrsaufkommen und Mobilitätsbedürfnissen der Stadtteil
Eersterust und die Nachbarquartiere für Kurzstreckenmobilität
per Fahrrad sehr gut geeignet scheint, sind dort praktisch keine
Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. In Südafrika ist Fahrradfahren,
anders als in vielen Ländern Afrikas, wenig bekannt.
Der Erfolg von BEN
mit der Idee in Kapstadt, wo die Förderung des Fahrradfahrens
in den Vororten und Townships der Städte auf gute Resonanz
stösst und das grosse Interesse der Partner in Tshwane
bewogen uns, es auch in Tshwane zu versuchen - umso mehr, als
BEN uns volle Unterstützung zusicherte und im Moment, nicht
zuletzt wegen unserer Initiative, daran ist, eine Zweigstelle
der Organisation im Raum Johannesburg/Pretoria aufzubauen. Fahrradfahren
ist dabei ausdrücklich als Mittel für eine bessere
Kurzstreckenmobilität für Menschen ohne Auto (Frauen,
Jugendliche, Schüler, Arbeitslose) gedacht. Es geht also
weder darum, Autofahrende zum Fahrradfahren zu überzeugen
(ist wegen des Statuswertes des Autos praktisch aussichtslos)
noch das Pendeln von den Vororten in die Innenstadt per Fahrrad
zu fördern (ist wegen den grossen Distanzen und auch den
Gefahren des Strassenverkehrs und der Kriminalität nicht
angemessen).
Das «Recyclingprojekt»
beschränkt sich aber nicht nur auf Velos. Bei unserem Besuch
in Tshwane resp. im Stadtteil Eersterust konnten wir verschiedene
Ausbildungskurse für Nähen, Computernutzung und Musik
kennenlernen. Diese werden heute im ESRC von selbständigen
Organisationen und Personen erfolgreich angeboten. Gegen ein
relative geringes Entgelt im Sinne eines Mitgliederbeitrages
können sich seit Jahren vor allem Jugendliche und Frauen
Grundfertigkeiten aneignen, die ihnen erlauben, mit grösseren
Chancen eine Arbeit zu finden oder ein eigenes kleines Geschäft
aufzubauen. Mit relativ geringem Mitteleinsatz wird so effektive
Hilfe zur Selbsthilfe vermittelt. Die Nachfrage ist entsprechend
gross, kann aber aufgrund fehlender Infrastruktur nur unzureichend
befriedigt werden.
Mit der einmaligen
Lieferung gebrauchter, aber voll funktionstüchtiger Geräte
im gleichen Container wie die Velos möchten wir einen Beitrag
zur Verbesserung der Infrastruktur der Kurse und damit eine
Ausweitung und Verbesserung der Ausbildung leisten.
Das Projekt «Recycling
für Ausbildung und Arbeitsplätze» ist Teil des
Austauschprogrammes «Von einander Lernen – Basel-Tshwane»
und verbindet letztlich drei Hauptziele:
- Empowerment: Integration
von nicht zuletzt durch die Bedingungen der Apartheit benachteiligten
Menschen (nicht-weisse Arbeitslose, Jugendliche, Frauen) in
die neue südafrikanischen Gesellschaft durch die Unterstützung
von einfachen Ausbildungsinitiativen und die Schaffung von
neuen Arbeitsplätzen.
- Recycling: Initiative
für eine sinnvolle und nutzenstiftenden Weiterverwendung
von an sich gebrauchsfähigen, aber überflüssigen
Geräten, die in Estrichen, Kellern und Schränken
verstauben und damit ein Beitrag zur Verminderung des Ressourcen-
und Energieverbrauchs.
- Linkages beyond
aid: Vernetzung von Organisationen in Südafrika (Eersterust
Sports&Recreation Centre Tshwane, BEN, Kapstadt) und der
Schweiz (Transform Basel, Drahtesel Bern), die unter verschiedenen
Rahmenbedingungen Menschen ohne Ausbildung, Arbeits- und Berufserfahrung
oder mit körperlichen oder biographischen Benachteiligungen
(nicht-weisse Jugendliche, Behinderte, Frauen, Arbeitslose)
auf ihrem Weg zur (Wieder-) Eingliederung in den Arbeitsprozess
unterstützen, indem sie einfache Ausbildungen in verschiedenen
Fertigkeiten und/oder betreute Arbeitsstrukturen anbieten.
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Recyling für Afrika
Das Sammeln und Verschicken
von nicht mehr gebrauchten Geräten und Materialien in den
Süden und Osten ist gewissermassen eine alte Tradition
der Unterstützung aus dem Norden. Die Vorbehalte dagegen
sind bekannt und sicher teilweise berechtigt. Voraussetzung
dafür, es dennoch zu tun, ist aus unserer bescheidenen
Erfahrung, dass klar sein muss, wer der Empfänger ist und
was damit geschieht.
Am meisten Erfahrung
mit dem Recyling von Velos für Afrika hat sicher die Berner
Organisation «Drahtesel» (www.drahtesel.ch/).
Drahtesel unterstützt auch die Initiative des FEPA (Fonds
für Entwicklung und Partnerschaft in Afrika) , die auch
im letzten Sommer Velos für Zimbabwe sammelte.
Ein spannendes Projekt
ist auch das ebenfalls von der FEPA und vom Afrika-Komitee unterstützte
Projekt des Exportes von alten Computern, Monitoren und Druckern
für Südafrika: Im Hilltop-Linux-Center in der Nähe
von East London werden junge Menschen aus der näheren Umgebung
auf Computern und dem Betriebssystem Linux ausgebildet. Sie
lernen Computer und Netzwerke bereitzustellen und zu warten,
die später in Schulen zum Einsatz kommen. Hierfür
wird eine spezielle Linuxdistribution eingesetzt. Diese macht
es möglich, auch sehr leistungsschwache Hardware einzusetzen
(Terminalserver Umgebung) und trotzdem mit einem aktuellen,
modernen Betriebssystem zu arbeiten. So können Hardware-
und Lizenzkosten gespart werden. Die «Lehrlinge»
verlassen nach drei Monaten das Center mit der Möglichkeit,
eine oder mehrere installierte Schulen zu warten. Im Weiteren
werden die Lehrer mit dem Linux-Betriebsystem vertraut gemacht
und Schulungsmaterial zur Verfügung gestellt. www.vorortsupport.ch/
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Hier
engagiert sich Basel-Tshwane
Das
Eersterust Sport & Recreation Centre (ESRC)
Dieses Gemeinschaftszentrum
entstand 1996 in den Gebäuden eines noch vom Apartheitsregime
gebauten, kaum genutzten Mehrzweckzentrums. Für die Führung
des Zentrums und die Koordination der Aktivitäten sind
zwei Mitarbeiterinnen der Stadt Tshwane verantwortlich. Die
Stadt, der die Gebäude gehören, übernimmt ebenfalls
den Unterhalt. Die Aktivitäten stützen sich stark
auf Freiwilligenarbeit und das Prinzip «Hilfe zur Selbsthilfe».
Das Ziel des ESRC ist es, Frauen zu fördern, die Jugend
für die Zukunft aufzubauen und alle auf die Nutzung der
Technologie der Zukunft vorzubereiten («to empower women,
build up the youth for the future, prepare everyone to use the
technology of the future»). Angeboten werden Computerkurse,
Pfadfinder- und Klettergruppen, Wanderlager, Handarbeitsausbildung
etc. Das Angebot wird von selbständig arbeitenden Projektgruppen
konzipiert und getragen.
Erklärtes Ziel der Stadt
ist es, in allen Stadtteilen solche Gemeinschaftszentren aufzubauen.
Eine besondere Priorität liegt dabei natürlich auf
den teilweise entlegenen, im offiziellen Amtsjargon als «früher
benachteiligt» bezeichneten Gebieten mit der afrikanischen
Bevölkerung. In diesen Gebieten fehlte es 1994 nach dem
Ende der Apartheid oft an jeglicher Infrastruktur.
The Bicycling
Empowerment Network (BEN)
BEN (Bicycling Empowerment
Network) in Kapstadt engagiert sich für die Armutsbekämpfung
durch die Förderung des Fahrrads als nachhaltiges, kostengünstiges,
nicht-motorisiertes Transportmittel, das Benachteiligten bessere
Zugangsmöglichkeiten zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten
ermöglicht. BEN organisiert Fahrräder, Ausbildungskurse
und unterstützt die Gründung kleiner Fahrrad-Shops.
BEN ist eine nationale Initiative und arbeitet mit dem New Yorker
Institut für Transport und Entwicklungspolitik (ITDP),
dem «Interface for Cycling Expertise (I-CE)» in
Utrecht (NL) und der «Velo Mondial 2006» Konferenz
zusammen. Informationen: www.benbikes.org.za/
Hope Training
and Development Centre
Das «Hope Training and
Development Centre» ist ein von Schwarzen geführtes
Ausbildungszentrum zur Unterstützung der Quartierbevölkerung
in Eersterust, Tshwane. Es wurde gegründet, um arbeitslosen
Frauen, Jugendlichen und Behinderten zu helfen, an der sozio-ökonomischen
Entwicklung teilzuhaben und «ihre Träume zu verwirklichen»:
«To empower individuals through relevant training in order
to improve their quality of life and employment opportunities.
To improve the self esteem of individuals.» Hope bietet
Kurse an in Sticken, Kleidernähen, Schuluniformherstellung,
Vorhangnähen, Stoffmalerei, Möbelrenovation, Hauswirtschaft
und. Betriebswirtschaft.Kontakt: TrudieC@TSHWANE.GOV.ZA
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Wir
sind gleich: Tshwane
Geteilte Welten zusammenführen
Seit
den ersten freien Wahlen 1994 mussten in Südafrika die
politischen und administrativen Strukturen auf lokaler Ebene
völlig neu gestaltet und aufgebaut werden, denn statt nur
einer Minderheit sollte die Gemeindeadministration nun allen
SüdafrikanerInnen dienen. Tshwane bedeutet «Wir sind
gleich» und ist der Name der neuen Gemeinde, die seit
Anfang 2001 die südafrikanische Hauptstadt Pretoria und
13 umliegende mehrheitlich «schwarze» Gemeinden/-Townships
vereint, mit insgesamt 2.4 Millionen EinwohnerInnen. Zweck der
Vereinigung ist der Ausgleich der durch die Apartheidpolitik
auch räumlich manifesten beiden Welten der mehrheitlich
reichen Weissen und der armen Schwarzen.
„The people
shall govern“ verlangte 1955 die Freiheitscharta des „Congress
of People“ in Kliptown, Südafrika. Die ANC-Richtlinien
für ein demokratisches Südafrika forderten 1992 für
das nach dem Ende der Apartheit aufzubauende neue Gemeindesystem,
dass es maximale Beteiligung aller Gemeinschaften und Stakeholders
garantiert, sich an den Bedürfnissen der Bedürftigen
orientiert, die institutionellen und geographischen Strukturen
der Apartheid beseitigt, eine nachhaltige Entwicklung garantiert
und wirkungsorientiert arbeitet.
Nach dem Fall der Apartheid und dem Sieg des ANC 1994 wurden
entsprechend diesen Zielsetzungen die Gemeindestrukturen völlig
neu gestaltet.
Pretoria, die frühere
Hauptstadt der Apartheid wurde Anfang 2001 mit den verhältnismässig
wohlhabenden ehemals weissen Vororten und den «schwarzen»
Townships, z.T. in ehemaligem Homeland-Gebieten, zu einer einzigen
Gemeinde mit dem neuen Namen Tshwane, «wir sind gleich»
vereinigt (City of Tshwane Metropolitan Municipality). Tshwane
umfasst heute 3200 km2 (ca. Kanton Aargau) und zählt ca.
2.4 Milionen Einwohner. Davon sind 58 Prozent schwarze, 37 Prozent
weisse und ca. 5 Prozent couloured oder indisch.
Warum ist ausgerechnet
Tshwane Austauschpartner für Basel geworden? Warum ausgerechnet
die Hauptstadt mit ihrem sozio-ökonomischen Potential?
Es gäbe doch andere Gebiete in Südafrika, die einen
solchen Austausch nötiger hätten. Nun, beim Austauschprogramm
steht ausdrücklich nicht Hilfe und Entwicklung im Vordergrund,
sondern ein von einander Lernen gleichberechtigter Partner.
Für Basel, das sich schon zu Beginn für den Austausch
interessierte, galt es deshalb, eine Stadt in Südafrika
zu finden, in der dynamische und vielversprechende Projekte
mit einem partizipativen Ansatz für eine nachhaltige Entwicklung
am Laufen sind oder entwickelt werden und die eine ausreichende
Ähnlichkeit hinsichtlich Urbanität, Struktur, Funktion
und Problemstellungen mit Basel hat.
Tshwane ist in dieser
Hinsicht ein idealer Partner für Basel und kann in gewissen
Bereichen Vorbild sein, z.B. bezüglich der Vereinigung
der reichen City mit dem armen Umland, eine Frage, bei der beide
Basel unter umgekehrten Vorzeichen seit Jahrzehnten kaum weiterkommen.
Nachahmenswert ist auch die Tatsache, das 50 Prozent des oberen
Verwaltungskader Frauen sind (70% Schwarze).
Tshwane ist eine
Stadt der grossen Disparitäten: Pretoria war gewissermassen
modellhaft als Apartheidsstadt geplant und gebaut worden, mit
dem Ziel die schwarze Mehrheit von der weissen Kernstadt fernzuhalten.
Sie ist deshalb schon rein räumlich ausgesprochen fragmentiert
und geteilt und leidet unter einer extrem ineffizienten Infrastruktur.
93 Prozent der schwarzen
Haushalte (Weisse 10%) leben unter der Armutsgrenze. 40 Prozent
der Bevölkerung resp. zwei Drittel der Schwarzen leben
in den Townships im Norden. Ein Drittel davon wiederum lebt
in slumartigen Bretterbudensiedlungen. 1996 hatten nur 46 Prozent
(heute 95%) der Bevölkerung Zugang zu Wasser, nur 59 Prozent
(heute 68%) zu Strom und nur 47 Prozent (heute 58%) verfügten
über sanitäre Anlagen. 72'500 Haushalte hatten keinerlei
Grundversorgung.
Bei der Gründung
stand die Stadtgemeinde Tshwane deshalb vor einer enormen Herausforderung:
Grosse Teile der Bevölkerung warten mit zunehmender Ungeduld
darauf, dass sich ihre Lebensqualität entsprechend den
Verheissung des ANC endlich substantiell verbessert, was rasch
wirkende und sichtbare Massnahmen für die früher benachteiligten
Gebiete, d.h. die Townships, erfordert, um zumindest den dringendsten
Bedürfnisse der Armen zu entsprechen. Die Sicherstellung
der Grundversorgung und der Infrastrukturausbau in den armen
Nordgebieten der Stadt hat deshalb in Tshwane hohe Priorität.
Neben der Unterstützung beim Hausbau und der Infrastrukturerschliessung
werden heute rund 75'000 Haushalte mit Sozialpaketen und anderen
Erleichterungen unterstützt. So ist beispielsweise der
Bezug von 50 kWh Strom und 6000 Liter Wasser pro Haushalt und
Monat gratis.
Während einerseits
Tshwane über respektable Industrie- und Dienstleistungsunternehmen
verfügt, sind andererseits nach wie vor über ein Drittel
der arbeitsfähigen Bevölkerung arbeitslos. Die Förderung
von Kleinunternehmen hat deshalb hohe Priorität (Black
Economic Empowerment).
Zu diesen grossen
sozio-ökonomischen Herausforderungen kommt mit dem Aufbau
einer neuen effizienten Lokalverwaltung eine grosse Aufgabe
hinzu. Mit der Gründung von Tshwane mussten 15000 Verwaltungsangestellte
von 13 alten Gemeindeverwaltungen, verteilt auf Hunderte von
Standorten in ganz Tshwane, in die neue Verwaltung integriert
werden. Sämtliche Verwaltungsabläufe, wie Finanzrechnung,
Rechnungswesen, Informatik, Beschaffung, Rechtslegung usw. mussten
neu gestaltet, vereinheitlicht und gleichzeitig so effizient
wie möglich gestaltet werden: Als «a formidable task»
wird diese Aufgabe vom Bürgermeister in einem Zwischenbericht
lakonisch kommentiert.
Dabei hat Tshwane
nicht etwa geringe Ansprüche, denn es versteht sich als
Südafrikas Schaufenster zur Welt. Tshwane hat sich nichts
anderes zum Ziel gesetzt, als sich zur „führenden
internationalen Stadt Afrikas höchster Qualität“
zu entwickeln, die ihrer Bevölkerung mit einer sicheren
und gesunden Umwelt beste Voraussetzungen zu ihrer Entwicklung
schafft.
Die Zusammenarbeit
mit der Stadtverwaltung von Tshwane im Rahmen von «Von
einander Lernen» war bisher eindrücklich. Die Regenbogen-Nation
ist auch dort sichtbar und erfrischend die Motivation und Tatkraft
insbesondere der vielen Frauen in hohen Positionen. Sicher,
dieser Einblick ist sehr punktuell und völlig unvollständig.
Doch immerhin gibt er Anlass zur Hoffnung auf erfreuliche Perspektiven
für Südafrikas Zukunft.
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| Afrika in Kürze Afrika
in der Schuldenfalle
Gemäss Angaben
der Unctad (Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung) haben
afrikanische Staaten Auslandschulden von 295 Milliarden $ (2002).
Auf den südlichen Teil Afrikas entfallen 210 Mia. In den
Jahren 1975 bis 1995 ist die Verschuldung explosionsartig gewachsen.
Heute werden für Schuldendienste (Rückzahlungen und
Zinszahlungen) mehr Mittel ausgegeben, als gleichzeitig wieder
nach Afrika fliessen. Es findet also ein Mittelabfluss aus Afrika
statt. Zwischen 1970 und 2002 sind 540 Mia. $ nach Afrika geflossen,
aber 549 Mia. $ wieder abgeflossen.
Die am meisten verschuldeten
Staaten werden als HIPC-Gruppe bezeichnet (Heavily Indebted
Poor Countries). Das ist der Fall, wenn die Auslandschulden
höher als 150% der Exporterlöse oder höher als
250% der Exporteinnahmen sind. 24 der 27 HIPC-Länder liegen
in Afrika, alle südlich der Sahara..
Unterschiedliche Prokopfeinkommen
Jährlich publiziert
die Weltbank die wesentlichen Wirtschaftskennzahlen für
alle Länder mit Ausnahme derjenigen, in denen Krieg herrscht
oder von denen keine Unterlagen erhältlich sind. Eine dieser
Statistiken erfasst das Prokopfeinkommen in rund 150 Ländern.
Dieses reicht von 90 US$ in Äthiopien bis zu 45'580 US$
in Dänemark. Die Schweiz liegt mit 39'880 $ auf Platz 4,
Deutschland mit 25'250 $ auf Platz 17. Afrikanische Länder
befinden sich vornehmlich in der zweiten Hälfte der Liste;
die letzten zwölf Ränge werden allesamt von afrikanischen
Ländern eingenommen (Uganda, Rwanda, Mozambique, Niger,
Eritrea, Malawi, Sierra Leone, Liberia, Burundi, DR Congo und
Äthiopien; alle zwischen 240 und 90 $). Afrikanischer Spitzenreiter
sind die Seychellen (7'480; unmittelbar vor Tschechien), Libyen
und Mauritius, Äquatorialguinea, Gabon, Botswana und Südafrika
(2'780 $). Kapverde kommt auf 1'490 $ (unmittelbar vor Weissrussland).
Korruptionsbarometer
Transparency International
hat für afrikanische Länder (wie auch für andere
Staaten) ein Rating bezüglich Korruption erstellt. Dieser
baut auf der Korruptionsanfälligkeit von Geschäftsleuten,
Anwälten, Financiers etc. auf. Weltweit stehen bekanntlich
Finnland, Neuseeland, Dänemark, Island, Singapur, Schweden
und die Schweiz an der Spitze. Von den geprüften 38 (von
53) afrikanischen Staaten erhalten als „saubere Länder“
Botswana und Tunesien die besten Noten, liegen aber im weltweiten
Vergleich in der Mitte (Note über 5 auf der Skala 1 –
10). Weiter schneiden Südafrika, Seychellen, Mauritius,
Namibia mit Noten zwischen 4 und 5, Ghana, Gabon, Benin, Ägypten,
Mali, Marokko, Madagaskar und Senegal mit Noten zwischen 3 und
4 ab. Ziemlich abgeschlagen liegt Nigeria (1-2). In dieser Schlussgruppe
liegen interessanterweise zahlreiche erdölexportierenden
Staaten.
Überfischung
gefährdet Landtiere
Die Ausrottung von
Landtieren durch Jagd ist verschiedentlich zurückzuführen
auf einen drastischen Rückgang der Fischereierträge.
Die Abnahme der Fischbestände vor den Küsten Afrikas
führt zu einem Druck auf Landtiere. Vor der Küste
Westafrikas sind gegenüber 1977 nur noch halb so grosse
Fischbestände. In Jahren mit schlechten Fischfängen
hat nachweislich die Jagd auf Säugetiere jeweils zugenommen.
Für die Abnahme der Fischbestände sind ausserafrikanische
Fischfangnationen verantwortlich, namentlich Japan und europäische
Nationen. Die EU subventioniert die Fischfangflotten ihrer Mitglieder
mit 350 Mio. $. (Quelle: Science 2004, Nr. 432 (459-60).
Angola
Menschenrechtssituation in Cabinda kritisch
Die zu Angola gehörende
Exklave Cabinda ist reich an Erdöl. Im Unterschied zu Angola
herrscht in Cabinda noch immer Kriegszustand. Mehrere Organisationen
wollen eine Loslösung Cabindas von Angola, nicht zuletzt
auch, um die Hand auf die Erdölschätze zu legen. Diese
machen 60% der angolanischen Erdöleinnahmen aus. Seit 2002
sind in Cabinda etwa 30'000 angolanische Soldaten im Einsatz,
ohne dass eine nennenswerte Befriedung hätte erzielt werden
können. Übergriffe auf die Zivilbevölkerung,
insbesondere auf Frauen, und Missachtung demokratischer Rechte
(Bewegungsfreiheit, Meinungsäusserungsfreiheit) sind gang
und gäbe.
Weitere Informationen: http://hrw.org/backgrounder/africa/angola/2004/1204/
Mozambique
Klarer Wahlsieg Guebuzas
In den Präsidentenwahlen
hat der Kandidat der Regierungspartei, Armando Guebuza, mit
63% aller Stimmen gegenüber dem Kandidaten der Renamo,
Afonso Dhlakama, einen klaren Sieg davon getragen. In den gleichzeitig
durchgeführten Parlamentswahlen fielen die Ergebnisse etwa
im gleichen Verhältnis aus. Gesamthaft beteiligten sich
rund 3 Mio. Menschen an den Wahlen, was einer Stimmbeteiligung
von nur 43% entspricht. Ausländische Wahlbeobachter äusserten
Kritik an verschiedenen Unregelmässigkeiten, sei es bei
der Wahlabgabe oder der Wahlauswertung, die jedoch den Gesamtausgang
nicht entscheidend beeinflussten.
Äthiopien-Eritrea
Blockierte Grenzziehung
Der äthiopische
Premier Meles Zenawi hat überraschenderweise bekannt gegeben,
sein Land akzeptiere nun im Prinzip den von der internationalen
Kommission festgelegten Grenzverlauf mit Eritrea. Zur Erinnerung:
Nach einem zweijährigen Krieg war 2000 in den Verhandlungen
in Alger die Einsetzung einer internationalen Kommission zur
Bestimmung der Grenzlinie zwischen Äthiopien und Eritrea
beschlossen worden. Die Ergebnisse dieser als Schiedsrichterin
agierenden Kommission sind von Äthiopien in der Folge nicht
anerkannt worden, da sie äthiopische Forderungen nicht
stützte, die mit ein Grund für den Kriegsausbruch
waren. Doch wenn es um die Umsetzung der nächsten konkreten
Schritte geht, klemmt Äthiopien nach wie vor. So wird die
vertraglich vereinbarte Markierung der Grenze verhindert. Die
gegenwärtige Situation belastet beide Länder extrem.
Eine nachhaltige Entwicklung ist in Eritrea unter diesen Bedingungen
nicht denkbar. Noch immer sind 4200 der UNMEE-Friedenstruppe
beiderseits der Grenze stationiert.
Südafrika
Widersprüche verschärfen sich
Die historisch begründete
Allianz zwischen der südafrikanischen Regierungspartei
ANC, dem Gewerkschaftsbund Cosatu und der Südafrikanischen
Kommunistischen Partei (SACP) ist starken Spannungen ausgesetzt.
Der Cosatu ist mit der Wirtschaftspolitik nicht einverstanden.
Kritik wird am Programm „Black Economic Empowerment“
geübt, das zur Privilegierung einer kleinen Schicht führe.
Auch wird die AIDS-Politik Mbekis kritisiert. Hier schliesst
sich der Cosatu der Kritik des früheren Erzbischofs Tutu
an, der der Regierung ein Mangel an kritischem Denken vorwarf.
Zum Eklat zwischen
Regierung und Cosatu kam es, als eine Cosatu-Delegation nach
Zimbabwe gereist war und sich dort mit Nichtregierungs-Organisationen
treffen wollte. Die Delegation wurde umgehend des Landes verwiesen.
Der ANC machte die Cosatu-Delegation für den Rausschmiss
selbst verantwortlich. In der Regierung setzt der ANC noch immer
auf die „stille Diplomatie“ gegenüber der zimabwischen
Regierung.
Namibia/Südafrika
Erdgassegen aus dem Atlantik
Südafrika und
Namibia wollen gemeinsam das im Atlantik gelegene „Kudu-Erdgasfeld“
erschliessen. Mit dem Erdgas sollen Kraftwerke für die
Elektrizitätsversorgung gespiesen werden. Die namibische
NamPower (Energieerzeuger) und Namcor (Erdöl) und die südafrikanische
Energy Africa haben vereinbart, gemeinsam rund 800 Mio. $ zu
investieren. Rund 170 km von der Küste entfernt soll nun
in 4,5 km Tiefe gebohrt werden. Dann soll das Erdgas durch eine
Pipeline zur Küste geführt werden, wo Kraftwerke gebaut
werden. Das erste soll 2009 ans Netz gehen, das zweite 2012.
Damit hätte Namibia das erste eigene Kraftwerk, denn bis
anhin wird der ganze Strombedarf des Landes aus Südafrika
bezogen. Die südafrikanische Escom wird zudem Strom für
den südafrikanischen Markt beziehen. (Quelle: Neue Zürcher
Zeitung) |
Umweltkrise
in der DR Kongo
Schwach entwickeltes Umweltbewusstein
Welche
ökologische Zukunft für die Demokratische Republik
Kongo: Von der Wiege der Menschheit zum Herd der „ökologischen
Katastrophen"? Eine pessimistische Lageanalyse von Véronique
Okyta A’Walelu.
Seit mehr als 20
Jahren warnen Wissenschaftler und grüne Aktivisten: Der
Zustand unseres Planeten ist aus ökologischer Sicht kläglich.
Umso mehr beschäftigen sich Regierungen, Umweltorganisationen,
Wissenschaft und auch zunehmend die Wirtschaft mit der Umweltproblematik
in allen ihren Facetten und es wird versucht wird, der zunehmenden
ökologischen Belastung entgegen zu steuern. Neben der Eindämmung
der Folgen der Umweltzerstörung gilt es, die menschlichen
Aktivitäten unserer Zeit mit der Ökologie in Einklang
zu bringen.
In einigen Entwicklungsländern,
vor allem in afrikanischen wie der Demokratischen Republik Kongo
(DR Kongo), werden ökologischen Probleme von Seiten der
Politik keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, mit der Folge,
dass das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft noch in den Kinderschuhen
steckt. Einige Beispiele aus diesem Land zeigen das Ausmass
der bereits erfolgten ökologischen Zerstörungen in
den letzten Jahrzehnten auf.
Die Gewässer
des Kongos: Im Osten des Landes schrumpfte der Bestand der im
Nationalpark von Virunga lebenden Flusspferde innerhalb von
30 Jahren um 95% von 29 000 auf 1 300 Tiere. Durch die hiermit
verringerte Zufuhr von Tierdung in den Eduard-See, der den dortigen
Fischbeständen als elementare Nahrungsquelle dient, sind
ca. 20 000 vom Fischfang abhängige Menschen in ihrer Existenz
massiv bedroht. Im Westen des Landes in der Provinz Bandundu
ist der fischreiche fossile See Mai-Ndombe von Sandbankneubildungen
bedroht, die zu einer Austrocknung des Sees führen können.
Der Boden des Kongos:
Der seit 1996 dauernde Krieg im Osten des Kongos führte
zum unerlaubten und unkontrollierten Abbau von Erzen, vor allem
der strategischen Mineralien Colombit und Tantalit in der Provinz
Kivu und hinterliess tiefe Narben in der Landschaft des Landes.
Der jahrzehntelange Bergwerksbetrieb in den Provinzen Katanga
und Kasai riss Böden auf, ohne diese angemessen zu renaturieren.
Das führt in Kombination mit dem sintflutartigen Regen
während der Regenzeit zu schwerwiegenden Erosionen, wie
dies bereits in der Region Mwene-Ditu - Mbuji-Mayi der Fall
ist.
Die Fauna und die
Flora des Kongos: Viele Tiere sind von der Ausrottung bedroht.
So ist etwa der Bestand von Flachlandgorillas zwischen 1994
und 2004 von 17.000 auf nur 5.000 Exemplare in 2004 zurückgegangen.
Von den 3.600 Elefanten des Nationalparks Kahuzi ist heute kein
einziger mehr übrig geblieben. Die Entwaldung durch die
wilde Abholzung und den Diebstahl von wertvollen Hölzern
schreitet gefährlich voran. Die durch den langjährigen
Krieg im Osten des Landes hervorgerufene übermässige
Ansammlung von Menschen zieht in.den räumlich begrenzten
Flüchtlingsgebieten die dortigen Flächen stark in
Leidenschaft.
Es gibt zunehmend
ernsthafte Alarmzeichen einer ökologischen Bedrohungen,
die zu unwiderruflichen Schäden führen kann. Hierzu
zwei Beispiele:
Der Abholzungsplan
des dichten tropischen Waldes auf Grundlage des„Nouveau
Code Forestier“, dem neuen Forstgesetz der Regierung in
Kongo, der von der Weltbank unterstützt und finanziert
wird, erklärt eine Waldfläche von 60 Millionen Hektar,
eine Fläche grösser als Frankreich, als "brauchbare
Zone". Insgesamt sollen dort sechs bis zehn Millionen Kubikmeter
Holz pro Jahr durch multinationale Holzunternehmen industriell
gefällt und verarbeitet werden. Umweltorganisationen mahnen
indes vor der damit verbundenen Zerstörung weiteren Lebensraums.
Insbesondere sind neben Gorillas, Waldelefanten und Schimpansen
vor allem Bonobos und die nur im Kongo beheimaten Zwergschimpansen
bedroht. Auch die Zerstörung seltener Arten von Pflanzen
wird befürchtet. Durch die geplanten Eingriffe würden
der einheimischen Bevölkerungen ihre Naturschätze
entzogen und in der Folge neue Gefahrenpotentiale für soziale
Konflikte geschaffen. Weiter werden klimatische Störungen
durch die Waldrodungen befürchtet. Mit der Förderung
der unter den Waldflächen vermuteten Erdölvorkommen
drohen weitere Umweltbelastungen.
Das Vorhaben, Wasser
aus dem Fluss Kongo an der Stadt Lisala (zwischen Mbandaka und
Kisangani) abzupumpen und per Pipeline die Länder des mittleren
Ostens und nördlichen Afrikas zu versorgen, veranlasst
Wissenschafter weltweit zu größter Besorgnis. Lisala
befindet sich in der sumpfigen Zone des Kongos mit einer außergewöhnlichen
Artenvielfalt. Es wird befürchtet, dass durch die geplante
Entnahme des Flusswassers diese Sümpfe trocken gelegt werden,
die Niederschläge in der Region zurückgehen und somit
eine fortschreitende Versteppung einsetzen wird. Dabei gilt
die Region nach dem Amazonas-Gebiet wegen ihrer Sauerstoffproduktion
als zweite Lunge der Menschheit.
Ohne auf die Frage
nach der Ursache und der Verantwortung für diese erschreckende
Entwicklung einzugehen, muss im Rahmen des derzeitigen Zerstörungstempos
festgestellt werden, dass ohne ein nachhaltiges Entgegenwirken
gegen diese negativen Eingriffe in die Natur des Kongos in absehbarer
Zeit eine ökologische Katastrophe eintritt. Die zu erwartenden
Folgen werden sich dabei nicht nur auf das Öko-System des
Kongos beschränken.
Weiterführende
Informationen bei: www.regenwald.org |
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Neuerscheinungen
auf dem Büchertisch
Handbuch
Entwicklungspolitik
hus. Von
Franz Nuscheler liegt die 5. Auflage der Publikation „Entwicklungspolitik
– Eine grundlegende Einführung in die zentralen entwicklungspolitischen
Themenfelder Globalisierung, Staatsversagen, Hunger, Bevölkerung,
Wirtschaft und Umwelt“ vor. Mit diesem Titel ist der Inhalt
umrissen, umfassender geht es kaum. Das zur Zeit wohl umfassendste
Handbuch zur Entwicklungspolitik ist nach wie vor das Standardwerk
für entwicklungspolitisch interessierte Menschen. Auf rund
650 Seiten geht Nuscheler in 5 Teilen auf die Frage des Nord-Süd-Verhältnisses
ein, auf Armut, Unterentwicklung und Entwicklung, auf die zentralen
Welt- und Entwicklungsprobleme, auf Entscheidprozesse und ihre
Akteure, abschliessend zieht er eine Bilanz und weist Perspektiven
auf. In zahlreichen Grafiken und Tabellen belegt er seine Aussagen,
sodass das Handbuch auch als Nachschlagewerk verwendet werden
kann. Ein Beispiel: Eine Aufstellung der Länder der „Vierten
Welt“, also derjenigen Staaten, die am wenigsten entwickelt
sind, und deren Definition (es handelt sich um 59 Länder,
davon 34 in Afrika).
Das Buch besticht
durch Nuschelers Analysen, aber auch durch seine Kritik. Zusammenhänge
werden aufgezeigt, die oft vergessen werden. Ein Beispiel: Nuscheler
erinnert daran, dass nach dem 2. Weltkrieg der damals noch jungen
BRD 1952 im Londonder Schuldentilgungsabkommen eine Limitierung
der Schuldenrate von 5% der Exporterlöse zugestanden worden
ist. Und heute? Die Schuldentilgung der Entwicklungsländer
liegt in Einzelfällen über 50% (Argentinien 2001:
66%, Brasilien 75%; S. 353/4). Mit solchen Passagen wird deutlich,
was alles im jetzigen Nord-Süd-Verhältnis falsch läuft
und dass die Chancen, dass arme Länder aus der (oft mitverschuldeten)
Misere herauskommen, nicht hoch ist. Ein Handbuch, das uneingeschränkt
empfohlen werden darf!
Franz Nuscheler,
Entwicklungspolitik, Lern- und Arbeitsbuch, Bonn 2004 (Dietz-Verlag)
Vielfältige
Sahara
hus. Ein eigenwilliges
Buch, ein schönes Buch. Der Titel „Sahara. Text-
und Bildessays“ ist Programm und Inhalt. Von mehr als
einem Dutzend Autorinnen und Autoren sind Beiträge zusammen
gekommen, die, ausgehend von einem Bild oder einem Erlebnis
in der Sahara, grundsätzliche Fragen und Antworten entwickeln.
Die einzelnen Textbeiträge werden begleitet von Bildbeiträgen,
die gegenseitig eine Spannung aufbauen. Die Textbeiträge
entwickeln ganz unterschiedliche Gedankengänge, so beispielsweise
die Entwicklung des italienischen Kolonialismus (Aram Mattioli:
Terra promessa) oder der phantastische Ansatz „Vom Nicht-Ort
der Welt zum Kontinent der Zukunft“ (Claus Leggewie),
manchmal schwerer verständlich, manchmal ein veritables
„Aha“-Ereignis. Ein Buch – zu komplex, um
es in Kürze umfassend darstellen zu können, aber auch
ein Buch, zu dem man immer wieder gerne greift, und bei dem
man das Gefühlt hat, beim Weglegen wieder etwas Neues gefunden
zu haben.
Sahara.
Text- und Bildessays, hgg. von Christian Reder und Elfie Semotan,
Wien/New York 2004 (Springer)
Afrikanisches
Unternehmertum
hus. Weshalb kommt
Afrika nicht oder nur so langsam voran? Eine der vielen Antworten
ist, dass es vielfach an Unternehmern und Unternehmerinnen fehlt,
die Verantwortung auf sich nehmen und wirtschaftlich aktiv werden.
Gerade in Zeiten der Globalisierung kommt einem einheimischen,
afrikanischen Unternehmertum neue Bedeutung zu, wollen die afrikanischen
Länder nicht mit Importware überschwemmt und durch
Handelsdefizite ruiniert werden.
In der Publikation „African Entrepreneurship and Private
Sector Development“ wird anhand von Länderdarstellungen
auf die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für
ein Unternehmertum eingegangen, das den heutigen Anforderungen
zu genügen vermag. Ausführliche Quellen- und Adressverzeichnisse
erleichtern den Zugriff auf weitere Informationen.
African
Development Perspectives Yearbook 2002/2003, African Entrepreneurship
and Private Sector Development, hgg. von Karl Wohlgemuth u.a.,
Münster 2004 (Lit-Verlag) |
| Das Afrika-Bulletin |
Redaktion:
- Hans Ulrich Stauffer,
baud.stauffer@bluewin.ch
- Administration,
Abos und Bestellung von Einzelexemplaren des Bulletins;
Mitgliedschaft im Afrika-Komitee:
Abos und Einzelexemplare:
- Afrika-Komitee,
Postfach 1072, 4001 Basel
- oder: Beatrice
Felber Rochat, bfr@freesurf.ch, Telefon +41 61
692 51 88
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