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Afrika-Bulletin Nr. 117:
Februar/März 2005
Schwerpunktthema:
Agenda 21: Das Projekt „Basel-Tshwane“

Die Stadtministerin für Gesundheit und Soziale Entwicklung in der südafrikanischen Hauptstadt Tshwane (Pretoria), Matshidiso Nyatlo, und Regierungsrätin Barbara Schneider als Vertreterin des Kantons Basel-Stadt unterzeichneten am 24. September 2004 im Basler Rathaus eine gemeinsame Vereinbarung, in der beide Regierungen ihre Unterstützung für das entstehende Austauschprogramm „Von einander Lernen – Basel-Tshwane“ bekräftigten. Damit soll der Austausch zwischen Menschen aus Tshwane und Basel-Stadt gefördert werden, die sich für die nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 21 („Lokal handeln – Global verändern“) engagieren.

Afrika-Komitee
Ziele, Themen, Kontakte
Afrika-Bulletin. Archiv

Mehr als Hilfe – Nachhaltige Entwicklung
Von einander Lernen – Basel-Tshwane

Linkages beyond aid für Nachhaltigkeit: Das Austauschprogramm «Voneinander Lernen» zwischen Basel und der südafrikanischen Hauptstadt Tshwane (Pretoria) bringt Menschen zusammen, die sich auf lokaler Ebene unter unterschiedlichsten politischen, sozialen und kulturellen Bedingungen für eine nachhaltige Entwicklung engagieren – und gerade deshalb viel voneinander lernen können. Im letzten September unterzeichneten beide Stadtregierungen eine Vereinbarung zur Unterstützung des sich seit Anfang 2002 entwickelnden Projektaustausches. Von Daniel Lehmann.

Welches sind die Hauptprobleme, die einer zukunftsfähigen Entwicklung einer afrikanischen Grossstadt im Wege stehen? Was wird in Schweizer Städten zur Förderung einer nachhaltige Entwicklung unternommen? Welche Ideen aus dem Süden könnten im Norden wirksam umgesetzt werden? Und umgekehrt: Welche Anstösse aus nördlichen Gemeinden könnten Verbesserungen in südlichen Gemeinden bewirken?

Diese Fragen stellte sich Ende 2001 der gesamtschweizerisch tätige Verein Lokale Agenda 21 (LA 21) nicht zuletzt aufgrund des damals bevorstehenden UNO-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im September 2002 und motivierten ihn, die Antworten mit der Entwicklung des Austauschprogrammes «Voneinander Lernen» zu suchen. Der Verein LA 21 erhielt die Unterstützung der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und konnte im Januar 2002 den Austausch lancieren, zusammen mit dem mit dem Projektmanagement beauftragten Basler Büro ecos, spezialisiert auf Kommunikation und Prozessgestaltung für eine nachhaltige Entwicklung.

Ziel des Projektaustausches ist die Entwicklung und Konsolidierung eines vielfältigen, gleichberechtigten Austausches zwischen engagierten Menschen verschiedener Kulturen, die sich in ihrer Stadt, in ihren Organisationen und Netzwerken an Projekten einer nachhaltigen Entwicklung beteiligen. Im Vordergrund steht dabei der partnerschaftliche Wissens- und Erfahrungsaustausch und damit der Aufbau von so genannten «linkages beyond aid», von Partnerschaften, die über das reine Geben und Empfangen von Hilfe hinausgehen, sowie der Realisierung einer «globalisation among people».

Ein solcher Austausch ist ein Mosaikstein einer anderen Globalisierung, die sich von einer rein wirtschaftlichen und häufig asymmetrischen, wenn nicht gar ausbeuterischen Globalisierung abhebt und vielmehr den partnerschaftlichen, gleichberechtigen Austausch zwischen gleichwertigen Partnern in den Vordergrund rückt:

Akteurinnen und Akteure der Zivilgesellschaft, die sich am Austausch im Rahmen von «Von einander Lernen» beteiligen, erhalten Einblick in den Alltag auf einem anderen Kontinent, machen Bekanntschaft mit Menschen einer fremden Kultur, erfahren, wie diese die Zukunft ihrer Gemeinde zu gestalten versuchen und erkennen in den Unterschieden auch die Ähnlichkeiten im Handeln und die Gemeinsamkeit der globalen Ziele einer nachhaltigen Entwicklung. Damit setzt das Projekt «Voninander lernen» in einer Welt der zunehmenden Ausgrenzung und der zunehmenden Globalisierung ohne gegenseitige Annäherung ein Zeichen der Solidarität. Es ist ein gelebtes Beispiel für den oft geforderten partnerschaftlichen Austausch zwischen gleichwertigen Partnern der globalen Zivilgesellschaft.

Dieser angestrebte Austausch zwischen «bottom-up»-Initiativen in Nord und Süd wurde aber sinnigerweise «top-down» eingefädelt, denn auf Vermittlung von DEZA-Direktor Walter Fust erhielt «Von einander Lernen» von der südafrikanischen Botschaft in Bern volle Unterstützung bei der Suche nach einer Partnergemeinde in Südafrika und bei der weiteren Entwicklung des Austausches.

Agenda 21 und Südafrika

Im Herbst 2002 konnte der Verein am UNO-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg bekannt geben, dass Basel und Tshwane einen solchen Austausch aufbauen wollen. Sowohl in Tshwane als auch in Basel arbeiten und engagieren sich u.a. Stadtbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Quartiervereine, private Unternehmen, Kirchen und Hochschulen in verschiedenen Projekten für die lokale Umsetzung der globalen Zielsetzung einer nachhaltigen Entwicklung.

Südafrika konnte 1992 zwar die Agenda 21 in Rio nicht unterzeichnen, da das Land damals wegen seiner Apartheidspolitik von der Weltgemeinschaft gemieden wurde. Nicht zuletzt wegen der Apartheid steht Südafrika seit dem Umbruch von 1994 vor grossen Herausforderungen. Tshwane bedeutet «Wir sind gleich» und ist der Name einer neuen Gemeindestruktur, die seit Anfang 2001 die südafrikanische Hauptstadt Pretoria und 13 umliegende mehrheitlich «schwarze» Gemeinden/Townships vereint.

Anschliessend knüpften die Partner in Basel und Tshwane bei zwei gegenseitigen Besuchen in beiden Städten erste Kontakte zu Projekten und Initiativen für eine nachhaltige Entwicklung, bei denen ein Austausch im Sinne des Projektes «Von einander Lernen» erfolgversprechend und sinnvoll erscheint.

Die Partner in Tshwane und der Schweiz erkannten es als am vielversprechendsten, vorerst den Aufbau einer ersten Austauschbeziehung zwischen dem Gundeldinger Feld in Basel und dem Eersterust Sports & Recreation Centre (ESRC) in Tshwane voranzutreiben. Beides sind Quartierzentren, die, zwar in einem völlig unterschiedlichen Kontext, das gleiche Ziel verfolgen: Bereitstellung von Infrastruktur und Dienstleistungen für die Quartierbevölkerung und für eine nachhaltige Quartierentwicklung. Und beide interessierten sich spontan für den Austausch.

Im März 2004 reiste eine kleine Delegation aus Basel nach Tshwane, um mit den Partnern des ESRC in Tshwane und der Stadt Tshwane die konkreten Austauschaktivitäten auf Projektebene zu erarbeiten und zu planen und das Feld für mögliche weitere Austauschaktivitäten in weiteren Themenbereichen und zwischen weiteren städtischen Organisationen der Verwaltung und der Zivilgesellschaft abzustecken.

Die Delegation wurde während des Workshops im Stadtteil Eersterust privat untergebracht und hatte dadurch optimale Gelegenheit, den Stadtteil, seine Bewohner-Innen und die Lebensumstände näher kennenzulernen.

Resultat dieses Workshops waren eine Reihe von Projektideen in den vier Bereichen Austausch, Recycling, Energie und Netzwerk. Dabei erwies sich die ursprüngliche Abgrenzung des Austauschpaars Gundeldinger Feld-ESRC von anderen Austauschbeziehungen als zu einengend. Beide Zentren sind mit der Stadt mehr oder weniger verknüpft, resp. eine Reihe der diskutieren Themen lassen sich nicht an einem Quartier, resp. einem Quartierzentrum fest machen. Die diskutierten Projekte haben je nachdem in Basel und Tshwane eine ganz unterschiedliche Reichweite (Quartierzentrum, Quartier, Stadt).

Der Aufenthalt der kleinen Delegation aus Basel in Tshwane war in sich ein gelungener und für alle Seiten lehrreicher und intensiver Prozess des «Von einander Lernens». Während die Basler Seite eine Reihe innovativer Konzepte in verschiedenen Bereichen nachhaltiger Entwicklung kennenlernte (z.B. im Bereich Energie oder bezüglich Gemeinschaftsentwicklung im Quartier), hob June Matlala, die Koordinatorin von «Von einander Lernen» in der Stadt Tshwane, hervor, dass sie mit der während des Aufenthaltes praktizierten Kontakt- und Netzwerkarbeit innerhalb der eigenen Stadtverwaltung eine wertvolle Erfahrung gemacht hat, die ihr auch in Zukunft nützlich sein wird.

Natürlich konnte von diesem Reigen von Ideen aus Kapazitäts- und Finanzgründen nicht alle diese Projekte gleichzeitig angepackt werden. Gemeinsam wurde die Konzentration auf die Ausarbeitung, Finanzierung und Realisierung folgender Projekte beschlossen:

  • ein Austausch im Bereich Sport, z.B. von Sportstudierenden oder Sportlehrkräften
  • ein Austausch im Themenbereich «häusliche Gewalt/Gewalt gegen Frauen»
  • der Austausch von Kunstschaffenden «Artist-in-residence»
  • ein Pfadfinderaustausch
  • gemeinsame studentischen Arbeiten im Bereich Energiesparen im Haushalt als erster Schritt einer möglichen Hochschul- und Verwaltungskooperation zu Energiefragen zwischen Basel und Tshwane.

Rasche Entwicklung des Recycling-Projekts

Am raschesten angepackt und folglich am weitesten gediehen ist im Moment das vom baselstädtischen Fonds für Entwicklungszusammenarbeit unterstützte Projekt «Ausbildung und Arbeitsplätze durch Recycling»

Wichtiger Moment für den sich nun langsam entwickelnden Austausch war dann aber am 24. September 2004 die Unterzeichung einer gemeinsamen Vereinbarung (Memorandum of Understanding) durch die Stadtministerin für Gesundheit und Soziale Entwicklung in der südafrikanischen Hauptstadt Tshwane (Pretoria), Matshidiso Nyatlo, und Regierungsrätin Barbara Schneider als Vertreterin des Kantons Basel-Stadt im Basler Rathaus Darin bekräftigen beide Regierungen ihre Unterstützung für das entstehende Austauschprogramm «Von einander Lernen – Basel-Tshwane».

Die Unter-zeichnung war ein erster Höhepunkt des Besuches einer Delegation aus Tshwane (Pretoria), welche auf Einladung des Regierungsrates vom 21. bis 26. September in Basel weilte. Zweiter Höhepunkt war die Feier zum Nationalen Tag des Kulturerbes (Heritage Day), welchen die südafrikanische Botschaft im Rahmen ihrer schweizweiten Kampagne «10 Jahre neues Südafrika – die Schweiz feiert» in Basel feierte.

Um die vorgesehenen Austauschprojekte zu planen und zu konkretisieren führten MMC Matshidiso Nyatlo und June Matlala anlässlich ihres Besuches eine Reihe von Gesprächen mit möglichen Partnern in Basel. Damit konnte eine gute Grundlage gelegt werden für weitere Schritte im ständig wachsenden Austausch.

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Der Verein Lokale Agenda 21

Die Agenda 21, eines der Schlussdokumente der UNO-Konferenz für Entwicklung und Umwelt in Rio de Janeiro 1992, stellt die lokale Ebene in den Vordergrund. Viele globale Probleme haben ihre Wurzeln im alltäglichen Handeln von Menschen und Organisationen in Städten, Quartieren, Dörfern und Regionen. In Kapitel 28 der Agenda 21 wird daher jede Gemeinde aufgefordert, ihre eigene LA 21 in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft zu entwickeln.

Entsprechend sind LA 21-Prozesse partizipative Prozesse: Die Menschen sollen mitentscheiden, wie sie leben wollen, und sie sollen ihre Anliegen wirkungsvoll in die öffentliche Diskussion einbringen können. Eine LA 21 ist in ein thematisch breit gefächerter Prozess. Konkrete Projekte für eine gesündere Umwelt, weniger Armut, fairen Handel und mehr Lebensqualität sollen sich daraus entwickeln.

Das Projekt «Von einander Lernen» ist ein Projekt des Vereins Lokale Agenda 21. Dieser Verein ist eine einmalig breite Koalition von 14 wichtigen Schweizer Nichtregierungsorganisationen (Umwelt-, Entwicklungs- und Gesundheitsorganisationen, Parteien, Kirchen und Gewerkschaften). Er wurde 1995 gegründet mit dem Ziel, der Lokalen Agenda 21 auf nationaler Ebene zum Durchbruch zu verhelfen, indem er in der ganzen Schweiz Menschen für die Erarbeitung einer Lokalen Agenda 21 zu begeistern versucht und ihnen Ausbildung und Hilfestellung anbietet. Als Teil der Zivilgesellschaft will er einen Beitrag leisten zu einem globalen, zukunftsfähigen Wandel, der «von unten» getragen wird. Das Globale soll im Lokalen sichtbar werden und Anstoss geben für ein weltverträgliches Handeln der Menschen «vor Ort».

Weitere Informationen: www.agenda-21.ch/

Recycling für Ausbildung und Arbeitsplätze
Ein zweites Leben für Velos, Computer und Nähmaschinen

In Basel vom Projekt „Gundeldinger Feld“ gesammelte, nicht mehr gebrauchte, aber funktionstüchtige Geräte und Gegenstände (Fahrräder, Nähmaschinen, Computer und Musikinstrumente) finden in Tshwane (Eersterust Sports & Recreation Centre, ESRC) Verwendung in Ausbildungskursen und helfen Jugendlichen, Arbeitslosen und Frauen, Arbeit zu finden oder gar eigene kleine Unternehmen aufzubauen. Von Daniel Lehmann.

Wir waren doch ziemlich beeindruckt, als unsere kleine Gruppe im Sommer 2002 auf der ersten Abklärungsreise zur Entwicklung von «Von einander Lernen» in Kapstadt vor dem rostigen Container stand und uns von einem jungen Mann in druckreifen Worten erklärt wurde, was seine im Container eingerichtete Velowerkstadt mit den globalen Auseinandersetzungen um eine nachhaltige Entwicklung zu tun hat.

Wir waren nach Kapstadt gekommen, um zu sehen, wie Kapstadt und Aachen in ihrer schon laufenden Partnerschaft zur Lokalen Agenda 21 zusammenarbeiten.

Andrew Wheeldon vom Bicycle Empowerment Network (BEN) erklärte uns das Prinzip, wie Velos, die im Norden nicht mehr gebraucht werden, in Südafrika jungen Menschen eine neue Perspektive und ein praktisches Transportmittel geben.

Die Idee schien uns attraktiv, weil einfach und rasch realisierbar, so dass wir sie im März 2004 beim nächsten gemeinsamen Workshop in Tshwane den Partnern im Stadtteil Eersterust zugegebenermassen doch mit einiger Skepsis vorschlugen. Denn obwohl uns von Grösse, Verkehrsaufkommen und Mobilitätsbedürfnissen der Stadtteil Eersterust und die Nachbarquartiere für Kurzstreckenmobilität per Fahrrad sehr gut geeignet scheint, sind dort praktisch keine Menschen mit dem Fahrrad unterwegs. In Südafrika ist Fahrradfahren, anders als in vielen Ländern Afrikas, wenig bekannt.

Der Erfolg von BEN mit der Idee in Kapstadt, wo die Förderung des Fahrradfahrens in den Vororten und Townships der Städte auf gute Resonanz stösst und das grosse Interesse der Partner in Tshwane bewogen uns, es auch in Tshwane zu versuchen - umso mehr, als BEN uns volle Unterstützung zusicherte und im Moment, nicht zuletzt wegen unserer Initiative, daran ist, eine Zweigstelle der Organisation im Raum Johannesburg/Pretoria aufzubauen. Fahrradfahren ist dabei ausdrücklich als Mittel für eine bessere Kurzstreckenmobilität für Menschen ohne Auto (Frauen, Jugendliche, Schüler, Arbeitslose) gedacht. Es geht also weder darum, Autofahrende zum Fahrradfahren zu überzeugen (ist wegen des Statuswertes des Autos praktisch aussichtslos) noch das Pendeln von den Vororten in die Innenstadt per Fahrrad zu fördern (ist wegen den grossen Distanzen und auch den Gefahren des Strassenverkehrs und der Kriminalität nicht angemessen).

Das «Recyclingprojekt» beschränkt sich aber nicht nur auf Velos. Bei unserem Besuch in Tshwane resp. im Stadtteil Eersterust konnten wir verschiedene Ausbildungskurse für Nähen, Computernutzung und Musik kennenlernen. Diese werden heute im ESRC von selbständigen Organisationen und Personen erfolgreich angeboten. Gegen ein relative geringes Entgelt im Sinne eines Mitgliederbeitrages können sich seit Jahren vor allem Jugendliche und Frauen Grundfertigkeiten aneignen, die ihnen erlauben, mit grösseren Chancen eine Arbeit zu finden oder ein eigenes kleines Geschäft aufzubauen. Mit relativ geringem Mitteleinsatz wird so effektive Hilfe zur Selbsthilfe vermittelt. Die Nachfrage ist entsprechend gross, kann aber aufgrund fehlender Infrastruktur nur unzureichend befriedigt werden.

Mit der einmaligen Lieferung gebrauchter, aber voll funktionstüchtiger Geräte im gleichen Container wie die Velos möchten wir einen Beitrag zur Verbesserung der Infrastruktur der Kurse und damit eine Ausweitung und Verbesserung der Ausbildung leisten.

Das Projekt «Recycling für Ausbildung und Arbeitsplätze» ist Teil des Austauschprogrammes «Von einander Lernen – Basel-Tshwane» und verbindet letztlich drei Hauptziele:

  • Empowerment: Integration von nicht zuletzt durch die Bedingungen der Apartheit benachteiligten Menschen (nicht-weisse Arbeitslose, Jugendliche, Frauen) in die neue südafrikanischen Gesellschaft durch die Unterstützung von einfachen Ausbildungsinitiativen und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.
  • Recycling: Initiative für eine sinnvolle und nutzenstiftenden Weiterverwendung von an sich gebrauchsfähigen, aber überflüssigen Geräten, die in Estrichen, Kellern und Schränken verstauben und damit ein Beitrag zur Verminderung des Ressourcen- und Energieverbrauchs.
  • Linkages beyond aid: Vernetzung von Organisationen in Südafrika (Eersterust Sports&Recreation Centre Tshwane, BEN, Kapstadt) und der Schweiz (Transform Basel, Drahtesel Bern), die unter verschiedenen Rahmenbedingungen Menschen ohne Ausbildung, Arbeits- und Berufserfahrung oder mit körperlichen oder biographischen Benachteiligungen (nicht-weisse Jugendliche, Behinderte, Frauen, Arbeitslose) auf ihrem Weg zur (Wieder-) Eingliederung in den Arbeitsprozess unterstützen, indem sie einfache Ausbildungen in verschiedenen Fertigkeiten und/oder betreute Arbeitsstrukturen anbieten.

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Recyling für Afrika

Das Sammeln und Verschicken von nicht mehr gebrauchten Geräten und Materialien in den Süden und Osten ist gewissermassen eine alte Tradition der Unterstützung aus dem Norden. Die Vorbehalte dagegen sind bekannt und sicher teilweise berechtigt. Voraussetzung dafür, es dennoch zu tun, ist aus unserer bescheidenen Erfahrung, dass klar sein muss, wer der Empfänger ist und was damit geschieht.

Am meisten Erfahrung mit dem Recyling von Velos für Afrika hat sicher die Berner Organisation «Drahtesel» (www.drahtesel.ch/). Drahtesel unterstützt auch die Initiative des FEPA (Fonds für Entwicklung und Partnerschaft in Afrika) , die auch im letzten Sommer Velos für Zimbabwe sammelte.

Ein spannendes Projekt ist auch das ebenfalls von der FEPA und vom Afrika-Komitee unterstützte Projekt des Exportes von alten Computern, Monitoren und Druckern für Südafrika: Im Hilltop-Linux-Center in der Nähe von East London werden junge Menschen aus der näheren Umgebung auf Computern und dem Betriebssystem Linux ausgebildet. Sie lernen Computer und Netzwerke bereitzustellen und zu warten, die später in Schulen zum Einsatz kommen. Hierfür wird eine spezielle Linuxdistribution eingesetzt. Diese macht es möglich, auch sehr leistungsschwache Hardware einzusetzen (Terminalserver Umgebung) und trotzdem mit einem aktuellen, modernen Betriebssystem zu arbeiten. So können Hardware- und Lizenzkosten gespart werden. Die «Lehrlinge» verlassen nach drei Monaten das Center mit der Möglichkeit, eine oder mehrere installierte Schulen zu warten. Im Weiteren werden die Lehrer mit dem Linux-Betriebsystem vertraut gemacht und Schulungsmaterial zur Verfügung gestellt. www.vorortsupport.ch/


Hier engagiert sich Basel-Tshwane

Das Eersterust Sport & Recreation Centre (ESRC)

Dieses Gemeinschaftszentrum entstand 1996 in den Gebäuden eines noch vom Apartheitsregime gebauten, kaum genutzten Mehrzweckzentrums. Für die Führung des Zentrums und die Koordination der Aktivitäten sind zwei Mitarbeiterinnen der Stadt Tshwane verantwortlich. Die Stadt, der die Gebäude gehören, übernimmt ebenfalls den Unterhalt. Die Aktivitäten stützen sich stark auf Freiwilligenarbeit und das Prinzip «Hilfe zur Selbsthilfe». Das Ziel des ESRC ist es, Frauen zu fördern, die Jugend für die Zukunft aufzubauen und alle auf die Nutzung der Technologie der Zukunft vorzubereiten («to empower women, build up the youth for the future, prepare everyone to use the technology of the future»). Angeboten werden Computerkurse, Pfadfinder- und Klettergruppen, Wanderlager, Handarbeitsausbildung etc. Das Angebot wird von selbständig arbeitenden Projektgruppen konzipiert und getragen.

Erklärtes Ziel der Stadt ist es, in allen Stadtteilen solche Gemeinschaftszentren aufzubauen. Eine besondere Priorität liegt dabei natürlich auf den teilweise entlegenen, im offiziellen Amtsjargon als «früher benachteiligt» bezeichneten Gebieten mit der afrikanischen Bevölkerung. In diesen Gebieten fehlte es 1994 nach dem Ende der Apartheid oft an jeglicher Infrastruktur.

The Bicycling Empowerment Network (BEN)

BEN (Bicycling Empowerment Network) in Kapstadt engagiert sich für die Armutsbekämpfung durch die Förderung des Fahrrads als nachhaltiges, kostengünstiges, nicht-motorisiertes Transportmittel, das Benachteiligten bessere Zugangsmöglichkeiten zu Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten ermöglicht. BEN organisiert Fahrräder, Ausbildungskurse und unterstützt die Gründung kleiner Fahrrad-Shops. BEN ist eine nationale Initiative und arbeitet mit dem New Yorker Institut für Transport und Entwicklungspolitik (ITDP), dem «Interface for Cycling Expertise (I-CE)» in Utrecht (NL) und der «Velo Mondial 2006» Konferenz zusammen. Informationen: www.benbikes.org.za/

Hope Training and Development Centre

Das «Hope Training and Development Centre» ist ein von Schwarzen geführtes Ausbildungszentrum zur Unterstützung der Quartierbevölkerung in Eersterust, Tshwane. Es wurde gegründet, um arbeitslosen Frauen, Jugendlichen und Behinderten zu helfen, an der sozio-ökonomischen Entwicklung teilzuhaben und «ihre Träume zu verwirklichen»: «To empower individuals through relevant training in order to improve their quality of life and employment opportunities. To improve the self esteem of individuals.» Hope bietet Kurse an in Sticken, Kleidernähen, Schuluniformherstellung, Vorhangnähen, Stoffmalerei, Möbelrenovation, Hauswirtschaft und. Betriebswirtschaft.Kontakt: TrudieC@TSHWANE.GOV.ZA

Wir sind gleich: Tshwane
Geteilte Welten zusammenführen

Seit den ersten freien Wahlen 1994 mussten in Südafrika die politischen und administrativen Strukturen auf lokaler Ebene völlig neu gestaltet und aufgebaut werden, denn statt nur einer Minderheit sollte die Gemeindeadministration nun allen SüdafrikanerInnen dienen. Tshwane bedeutet «Wir sind gleich» und ist der Name der neuen Gemeinde, die seit Anfang 2001 die südafrikanische Hauptstadt Pretoria und 13 umliegende mehrheitlich «schwarze» Gemeinden/-Townships vereint, mit insgesamt 2.4 Millionen EinwohnerInnen. Zweck der Vereinigung ist der Ausgleich der durch die Apartheidpolitik auch räumlich manifesten beiden Welten der mehrheitlich reichen Weissen und der armen Schwarzen.

„The people shall govern“ verlangte 1955 die Freiheitscharta des „Congress of People“ in Kliptown, Südafrika. Die ANC-Richtlinien für ein demokratisches Südafrika forderten 1992 für das nach dem Ende der Apartheit aufzubauende neue Gemeindesystem, dass es maximale Beteiligung aller Gemeinschaften und Stakeholders garantiert, sich an den Bedürfnissen der Bedürftigen orientiert, die institutionellen und geographischen Strukturen der Apartheid beseitigt, eine nachhaltige Entwicklung garantiert und wirkungsorientiert arbeitet.
Nach dem Fall der Apartheid und dem Sieg des ANC 1994 wurden entsprechend diesen Zielsetzungen die Gemeindestrukturen völlig neu gestaltet.

Pretoria, die frühere Hauptstadt der Apartheid wurde Anfang 2001 mit den verhältnismässig wohlhabenden ehemals weissen Vororten und den «schwarzen» Townships, z.T. in ehemaligem Homeland-Gebieten, zu einer einzigen Gemeinde mit dem neuen Namen Tshwane, «wir sind gleich» vereinigt (City of Tshwane Metropolitan Municipality). Tshwane umfasst heute 3200 km2 (ca. Kanton Aargau) und zählt ca. 2.4 Milionen Einwohner. Davon sind 58 Prozent schwarze, 37 Prozent weisse und ca. 5 Prozent couloured oder indisch.

Warum ist ausgerechnet Tshwane Austauschpartner für Basel geworden? Warum ausgerechnet die Hauptstadt mit ihrem sozio-ökonomischen Potential? Es gäbe doch andere Gebiete in Südafrika, die einen solchen Austausch nötiger hätten. Nun, beim Austauschprogramm steht ausdrücklich nicht Hilfe und Entwicklung im Vordergrund, sondern ein von einander Lernen gleichberechtigter Partner. Für Basel, das sich schon zu Beginn für den Austausch interessierte, galt es deshalb, eine Stadt in Südafrika zu finden, in der dynamische und vielversprechende Projekte mit einem partizipativen Ansatz für eine nachhaltige Entwicklung am Laufen sind oder entwickelt werden und die eine ausreichende Ähnlichkeit hinsichtlich Urbanität, Struktur, Funktion und Problemstellungen mit Basel hat.

Tshwane ist in dieser Hinsicht ein idealer Partner für Basel und kann in gewissen Bereichen Vorbild sein, z.B. bezüglich der Vereinigung der reichen City mit dem armen Umland, eine Frage, bei der beide Basel unter umgekehrten Vorzeichen seit Jahrzehnten kaum weiterkommen. Nachahmenswert ist auch die Tatsache, das 50 Prozent des oberen Verwaltungskader Frauen sind (70% Schwarze).

Tshwane ist eine Stadt der grossen Disparitäten: Pretoria war gewissermassen modellhaft als Apartheidsstadt geplant und gebaut worden, mit dem Ziel die schwarze Mehrheit von der weissen Kernstadt fernzuhalten. Sie ist deshalb schon rein räumlich ausgesprochen fragmentiert und geteilt und leidet unter einer extrem ineffizienten Infrastruktur.

93 Prozent der schwarzen Haushalte (Weisse 10%) leben unter der Armutsgrenze. 40 Prozent der Bevölkerung resp. zwei Drittel der Schwarzen leben in den Townships im Norden. Ein Drittel davon wiederum lebt in slumartigen Bretterbudensiedlungen. 1996 hatten nur 46 Prozent (heute 95%) der Bevölkerung Zugang zu Wasser, nur 59 Prozent (heute 68%) zu Strom und nur 47 Prozent (heute 58%) verfügten über sanitäre Anlagen. 72'500 Haushalte hatten keinerlei Grundversorgung.

Bei der Gründung stand die Stadtgemeinde Tshwane deshalb vor einer enormen Herausforderung: Grosse Teile der Bevölkerung warten mit zunehmender Ungeduld darauf, dass sich ihre Lebensqualität entsprechend den Verheissung des ANC endlich substantiell verbessert, was rasch wirkende und sichtbare Massnahmen für die früher benachteiligten Gebiete, d.h. die Townships, erfordert, um zumindest den dringendsten Bedürfnisse der Armen zu entsprechen. Die Sicherstellung der Grundversorgung und der Infrastrukturausbau in den armen Nordgebieten der Stadt hat deshalb in Tshwane hohe Priorität. Neben der Unterstützung beim Hausbau und der Infrastrukturerschliessung werden heute rund 75'000 Haushalte mit Sozialpaketen und anderen Erleichterungen unterstützt. So ist beispielsweise der Bezug von 50 kWh Strom und 6000 Liter Wasser pro Haushalt und Monat gratis.

Während einerseits Tshwane über respektable Industrie- und Dienstleistungsunternehmen verfügt, sind andererseits nach wie vor über ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung arbeitslos. Die Förderung von Kleinunternehmen hat deshalb hohe Priorität (Black Economic Empowerment).

Zu diesen grossen sozio-ökonomischen Herausforderungen kommt mit dem Aufbau einer neuen effizienten Lokalverwaltung eine grosse Aufgabe hinzu. Mit der Gründung von Tshwane mussten 15000 Verwaltungsangestellte von 13 alten Gemeindeverwaltungen, verteilt auf Hunderte von Standorten in ganz Tshwane, in die neue Verwaltung integriert werden. Sämtliche Verwaltungsabläufe, wie Finanzrechnung, Rechnungswesen, Informatik, Beschaffung, Rechtslegung usw. mussten neu gestaltet, vereinheitlicht und gleichzeitig so effizient wie möglich gestaltet werden: Als «a formidable task» wird diese Aufgabe vom Bürgermeister in einem Zwischenbericht lakonisch kommentiert.

Dabei hat Tshwane nicht etwa geringe Ansprüche, denn es versteht sich als Südafrikas Schaufenster zur Welt. Tshwane hat sich nichts anderes zum Ziel gesetzt, als sich zur „führenden internationalen Stadt Afrikas höchster Qualität“ zu entwickeln, die ihrer Bevölkerung mit einer sicheren und gesunden Umwelt beste Voraussetzungen zu ihrer Entwicklung schafft.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung von Tshwane im Rahmen von «Von einander Lernen» war bisher eindrücklich. Die Regenbogen-Nation ist auch dort sichtbar und erfrischend die Motivation und Tatkraft insbesondere der vielen Frauen in hohen Positionen. Sicher, dieser Einblick ist sehr punktuell und völlig unvollständig. Doch immerhin gibt er Anlass zur Hoffnung auf erfreuliche Perspektiven für Südafrikas Zukunft.

Afrika in Kürze

Afrika in der Schuldenfalle

Gemäss Angaben der Unctad (Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung) haben afrikanische Staaten Auslandschulden von 295 Milliarden $ (2002). Auf den südlichen Teil Afrikas entfallen 210 Mia. In den Jahren 1975 bis 1995 ist die Verschuldung explosionsartig gewachsen. Heute werden für Schuldendienste (Rückzahlungen und Zinszahlungen) mehr Mittel ausgegeben, als gleichzeitig wieder nach Afrika fliessen. Es findet also ein Mittelabfluss aus Afrika statt. Zwischen 1970 und 2002 sind 540 Mia. $ nach Afrika geflossen, aber 549 Mia. $ wieder abgeflossen.

Die am meisten verschuldeten Staaten werden als HIPC-Gruppe bezeichnet (Heavily Indebted Poor Countries). Das ist der Fall, wenn die Auslandschulden höher als 150% der Exporterlöse oder höher als 250% der Exporteinnahmen sind. 24 der 27 HIPC-Länder liegen in Afrika, alle südlich der Sahara..


Unterschiedliche Prokopfeinkommen

Jährlich publiziert die Weltbank die wesentlichen Wirtschaftskennzahlen für alle Länder mit Ausnahme derjenigen, in denen Krieg herrscht oder von denen keine Unterlagen erhältlich sind. Eine dieser Statistiken erfasst das Prokopfeinkommen in rund 150 Ländern. Dieses reicht von 90 US$ in Äthiopien bis zu 45'580 US$ in Dänemark. Die Schweiz liegt mit 39'880 $ auf Platz 4, Deutschland mit 25'250 $ auf Platz 17. Afrikanische Länder befinden sich vornehmlich in der zweiten Hälfte der Liste; die letzten zwölf Ränge werden allesamt von afrikanischen Ländern eingenommen (Uganda, Rwanda, Mozambique, Niger, Eritrea, Malawi, Sierra Leone, Liberia, Burundi, DR Congo und Äthiopien; alle zwischen 240 und 90 $). Afrikanischer Spitzenreiter sind die Seychellen (7'480; unmittelbar vor Tschechien), Libyen und Mauritius, Äquatorialguinea, Gabon, Botswana und Südafrika (2'780 $). Kapverde kommt auf 1'490 $ (unmittelbar vor Weissrussland).

Korruptionsbarometer

Transparency International hat für afrikanische Länder (wie auch für andere Staaten) ein Rating bezüglich Korruption erstellt. Dieser baut auf der Korruptionsanfälligkeit von Geschäftsleuten, Anwälten, Financiers etc. auf. Weltweit stehen bekanntlich Finnland, Neuseeland, Dänemark, Island, Singapur, Schweden und die Schweiz an der Spitze. Von den geprüften 38 (von 53) afrikanischen Staaten erhalten als „saubere Länder“ Botswana und Tunesien die besten Noten, liegen aber im weltweiten Vergleich in der Mitte (Note über 5 auf der Skala 1 – 10). Weiter schneiden Südafrika, Seychellen, Mauritius, Namibia mit Noten zwischen 4 und 5, Ghana, Gabon, Benin, Ägypten, Mali, Marokko, Madagaskar und Senegal mit Noten zwischen 3 und 4 ab. Ziemlich abgeschlagen liegt Nigeria (1-2). In dieser Schlussgruppe liegen interessanterweise zahlreiche erdölexportierenden Staaten.

Überfischung gefährdet Landtiere

Die Ausrottung von Landtieren durch Jagd ist verschiedentlich zurückzuführen auf einen drastischen Rückgang der Fischereierträge. Die Abnahme der Fischbestände vor den Küsten Afrikas führt zu einem Druck auf Landtiere. Vor der Küste Westafrikas sind gegenüber 1977 nur noch halb so grosse Fischbestände. In Jahren mit schlechten Fischfängen hat nachweislich die Jagd auf Säugetiere jeweils zugenommen. Für die Abnahme der Fischbestände sind ausserafrikanische Fischfangnationen verantwortlich, namentlich Japan und europäische Nationen. Die EU subventioniert die Fischfangflotten ihrer Mitglieder mit 350 Mio. $. (Quelle: Science 2004, Nr. 432 (459-60).

Angola
Menschenrechtssituation in Cabinda kritisch

Die zu Angola gehörende Exklave Cabinda ist reich an Erdöl. Im Unterschied zu Angola herrscht in Cabinda noch immer Kriegszustand. Mehrere Organisationen wollen eine Loslösung Cabindas von Angola, nicht zuletzt auch, um die Hand auf die Erdölschätze zu legen. Diese machen 60% der angolanischen Erdöleinnahmen aus. Seit 2002 sind in Cabinda etwa 30'000 angolanische Soldaten im Einsatz, ohne dass eine nennenswerte Befriedung hätte erzielt werden können. Übergriffe auf die Zivilbevölkerung, insbesondere auf Frauen, und Missachtung demokratischer Rechte (Bewegungsfreiheit, Meinungsäusserungsfreiheit) sind gang und gäbe.
Weitere Informationen: http://hrw.org/backgrounder/africa/angola/2004/1204/

Mozambique
Klarer Wahlsieg Guebuzas

In den Präsidentenwahlen hat der Kandidat der Regierungspartei, Armando Guebuza, mit 63% aller Stimmen gegenüber dem Kandidaten der Renamo, Afonso Dhlakama, einen klaren Sieg davon getragen. In den gleichzeitig durchgeführten Parlamentswahlen fielen die Ergebnisse etwa im gleichen Verhältnis aus. Gesamthaft beteiligten sich rund 3 Mio. Menschen an den Wahlen, was einer Stimmbeteiligung von nur 43% entspricht. Ausländische Wahlbeobachter äusserten Kritik an verschiedenen Unregelmässigkeiten, sei es bei der Wahlabgabe oder der Wahlauswertung, die jedoch den Gesamtausgang nicht entscheidend beeinflussten.

Äthiopien-Eritrea
Blockierte Grenzziehung

Der äthiopische Premier Meles Zenawi hat überraschenderweise bekannt gegeben, sein Land akzeptiere nun im Prinzip den von der internationalen Kommission festgelegten Grenzverlauf mit Eritrea. Zur Erinnerung: Nach einem zweijährigen Krieg war 2000 in den Verhandlungen in Alger die Einsetzung einer internationalen Kommission zur Bestimmung der Grenzlinie zwischen Äthiopien und Eritrea beschlossen worden. Die Ergebnisse dieser als Schiedsrichterin agierenden Kommission sind von Äthiopien in der Folge nicht anerkannt worden, da sie äthiopische Forderungen nicht stützte, die mit ein Grund für den Kriegsausbruch waren. Doch wenn es um die Umsetzung der nächsten konkreten Schritte geht, klemmt Äthiopien nach wie vor. So wird die vertraglich vereinbarte Markierung der Grenze verhindert. Die gegenwärtige Situation belastet beide Länder extrem. Eine nachhaltige Entwicklung ist in Eritrea unter diesen Bedingungen nicht denkbar. Noch immer sind 4200 der UNMEE-Friedenstruppe beiderseits der Grenze stationiert.

Südafrika
Widersprüche verschärfen sich

Die historisch begründete Allianz zwischen der südafrikanischen Regierungspartei ANC, dem Gewerkschaftsbund Cosatu und der Südafrikanischen Kommunistischen Partei (SACP) ist starken Spannungen ausgesetzt. Der Cosatu ist mit der Wirtschaftspolitik nicht einverstanden. Kritik wird am Programm „Black Economic Empowerment“ geübt, das zur Privilegierung einer kleinen Schicht führe. Auch wird die AIDS-Politik Mbekis kritisiert. Hier schliesst sich der Cosatu der Kritik des früheren Erzbischofs Tutu an, der der Regierung ein Mangel an kritischem Denken vorwarf.

Zum Eklat zwischen Regierung und Cosatu kam es, als eine Cosatu-Delegation nach Zimbabwe gereist war und sich dort mit Nichtregierungs-Organisationen treffen wollte. Die Delegation wurde umgehend des Landes verwiesen. Der ANC machte die Cosatu-Delegation für den Rausschmiss selbst verantwortlich. In der Regierung setzt der ANC noch immer auf die „stille Diplomatie“ gegenüber der zimabwischen Regierung.

Namibia/Südafrika
Erdgassegen aus dem Atlantik

Südafrika und Namibia wollen gemeinsam das im Atlantik gelegene „Kudu-Erdgasfeld“ erschliessen. Mit dem Erdgas sollen Kraftwerke für die Elektrizitätsversorgung gespiesen werden. Die namibische NamPower (Energieerzeuger) und Namcor (Erdöl) und die südafrikanische Energy Africa haben vereinbart, gemeinsam rund 800 Mio. $ zu investieren. Rund 170 km von der Küste entfernt soll nun in 4,5 km Tiefe gebohrt werden. Dann soll das Erdgas durch eine Pipeline zur Küste geführt werden, wo Kraftwerke gebaut werden. Das erste soll 2009 ans Netz gehen, das zweite 2012. Damit hätte Namibia das erste eigene Kraftwerk, denn bis anhin wird der ganze Strombedarf des Landes aus Südafrika bezogen. Die südafrikanische Escom wird zudem Strom für den südafrikanischen Markt beziehen. (Quelle: Neue Zürcher Zeitung)

Umweltkrise in der DR Kongo
Schwach entwickeltes Umweltbewusstein

Welche ökologische Zukunft für die Demokratische Republik Kongo: Von der Wiege der Menschheit zum Herd der „ökologischen Katastrophen"? Eine pessimistische Lageanalyse von Véronique Okyta A’Walelu.

Seit mehr als 20 Jahren warnen Wissenschaftler und grüne Aktivisten: Der Zustand unseres Planeten ist aus ökologischer Sicht kläglich. Umso mehr beschäftigen sich Regierungen, Umweltorganisationen, Wissenschaft und auch zunehmend die Wirtschaft mit der Umweltproblematik in allen ihren Facetten und es wird versucht wird, der zunehmenden ökologischen Belastung entgegen zu steuern. Neben der Eindämmung der Folgen der Umweltzerstörung gilt es, die menschlichen Aktivitäten unserer Zeit mit der Ökologie in Einklang zu bringen.

In einigen Entwicklungsländern, vor allem in afrikanischen wie der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), werden ökologischen Probleme von Seiten der Politik keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, mit der Folge, dass das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft noch in den Kinderschuhen steckt. Einige Beispiele aus diesem Land zeigen das Ausmass der bereits erfolgten ökologischen Zerstörungen in den letzten Jahrzehnten auf.

Die Gewässer des Kongos: Im Osten des Landes schrumpfte der Bestand der im Nationalpark von Virunga lebenden Flusspferde innerhalb von 30 Jahren um 95% von 29 000 auf 1 300 Tiere. Durch die hiermit verringerte Zufuhr von Tierdung in den Eduard-See, der den dortigen Fischbeständen als elementare Nahrungsquelle dient, sind ca. 20 000 vom Fischfang abhängige Menschen in ihrer Existenz massiv bedroht. Im Westen des Landes in der Provinz Bandundu ist der fischreiche fossile See Mai-Ndombe von Sandbankneubildungen bedroht, die zu einer Austrocknung des Sees führen können.

Der Boden des Kongos: Der seit 1996 dauernde Krieg im Osten des Kongos führte zum unerlaubten und unkontrollierten Abbau von Erzen, vor allem der strategischen Mineralien Colombit und Tantalit in der Provinz Kivu und hinterliess tiefe Narben in der Landschaft des Landes. Der jahrzehntelange Bergwerksbetrieb in den Provinzen Katanga und Kasai riss Böden auf, ohne diese angemessen zu renaturieren. Das führt in Kombination mit dem sintflutartigen Regen während der Regenzeit zu schwerwiegenden Erosionen, wie dies bereits in der Region Mwene-Ditu - Mbuji-Mayi der Fall ist.

Die Fauna und die Flora des Kongos: Viele Tiere sind von der Ausrottung bedroht. So ist etwa der Bestand von Flachlandgorillas zwischen 1994 und 2004 von 17.000 auf nur 5.000 Exemplare in 2004 zurückgegangen. Von den 3.600 Elefanten des Nationalparks Kahuzi ist heute kein einziger mehr übrig geblieben. Die Entwaldung durch die wilde Abholzung und den Diebstahl von wertvollen Hölzern schreitet gefährlich voran. Die durch den langjährigen Krieg im Osten des Landes hervorgerufene übermässige Ansammlung von Menschen zieht in.den räumlich begrenzten Flüchtlingsgebieten die dortigen Flächen stark in Leidenschaft.

Es gibt zunehmend ernsthafte Alarmzeichen einer ökologischen Bedrohungen, die zu unwiderruflichen Schäden führen kann. Hierzu zwei Beispiele:

Der Abholzungsplan des dichten tropischen Waldes auf Grundlage des„Nouveau Code Forestier“, dem neuen Forstgesetz der Regierung in Kongo, der von der Weltbank unterstützt und finanziert wird, erklärt eine Waldfläche von 60 Millionen Hektar, eine Fläche grösser als Frankreich, als "brauchbare Zone". Insgesamt sollen dort sechs bis zehn Millionen Kubikmeter Holz pro Jahr durch multinationale Holzunternehmen industriell gefällt und verarbeitet werden. Umweltorganisationen mahnen indes vor der damit verbundenen Zerstörung weiteren Lebensraums. Insbesondere sind neben Gorillas, Waldelefanten und Schimpansen vor allem Bonobos und die nur im Kongo beheimaten Zwergschimpansen bedroht. Auch die Zerstörung seltener Arten von Pflanzen wird befürchtet. Durch die geplanten Eingriffe würden der einheimischen Bevölkerungen ihre Naturschätze entzogen und in der Folge neue Gefahrenpotentiale für soziale Konflikte geschaffen. Weiter werden klimatische Störungen durch die Waldrodungen befürchtet. Mit der Förderung der unter den Waldflächen vermuteten Erdölvorkommen drohen weitere Umweltbelastungen.

Das Vorhaben, Wasser aus dem Fluss Kongo an der Stadt Lisala (zwischen Mbandaka und Kisangani) abzupumpen und per Pipeline die Länder des mittleren Ostens und nördlichen Afrikas zu versorgen, veranlasst Wissenschafter weltweit zu größter Besorgnis. Lisala befindet sich in der sumpfigen Zone des Kongos mit einer außergewöhnlichen Artenvielfalt. Es wird befürchtet, dass durch die geplante Entnahme des Flusswassers diese Sümpfe trocken gelegt werden, die Niederschläge in der Region zurückgehen und somit eine fortschreitende Versteppung einsetzen wird. Dabei gilt die Region nach dem Amazonas-Gebiet wegen ihrer Sauerstoffproduktion als zweite Lunge der Menschheit.

Ohne auf die Frage nach der Ursache und der Verantwortung für diese erschreckende Entwicklung einzugehen, muss im Rahmen des derzeitigen Zerstörungstempos festgestellt werden, dass ohne ein nachhaltiges Entgegenwirken gegen diese negativen Eingriffe in die Natur des Kongos in absehbarer Zeit eine ökologische Katastrophe eintritt. Die zu erwartenden Folgen werden sich dabei nicht nur auf das Öko-System des Kongos beschränken.

Weiterführende Informationen bei: www.regenwald.org

Neuerscheinungen auf dem Büchertisch

Handbuch Entwicklungspolitik

hus. Von Franz Nuscheler liegt die 5. Auflage der Publikation „Entwicklungspolitik – Eine grundlegende Einführung in die zentralen entwicklungspolitischen Themenfelder Globalisierung, Staatsversagen, Hunger, Bevölkerung, Wirtschaft und Umwelt“ vor. Mit diesem Titel ist der Inhalt umrissen, umfassender geht es kaum. Das zur Zeit wohl umfassendste Handbuch zur Entwicklungspolitik ist nach wie vor das Standardwerk für entwicklungspolitisch interessierte Menschen. Auf rund 650 Seiten geht Nuscheler in 5 Teilen auf die Frage des Nord-Süd-Verhältnisses ein, auf Armut, Unterentwicklung und Entwicklung, auf die zentralen Welt- und Entwicklungsprobleme, auf Entscheidprozesse und ihre Akteure, abschliessend zieht er eine Bilanz und weist Perspektiven auf. In zahlreichen Grafiken und Tabellen belegt er seine Aussagen, sodass das Handbuch auch als Nachschlagewerk verwendet werden kann. Ein Beispiel: Eine Aufstellung der Länder der „Vierten Welt“, also derjenigen Staaten, die am wenigsten entwickelt sind, und deren Definition (es handelt sich um 59 Länder, davon 34 in Afrika).

Das Buch besticht durch Nuschelers Analysen, aber auch durch seine Kritik. Zusammenhänge werden aufgezeigt, die oft vergessen werden. Ein Beispiel: Nuscheler erinnert daran, dass nach dem 2. Weltkrieg der damals noch jungen BRD 1952 im Londonder Schuldentilgungsabkommen eine Limitierung der Schuldenrate von 5% der Exporterlöse zugestanden worden ist. Und heute? Die Schuldentilgung der Entwicklungsländer liegt in Einzelfällen über 50% (Argentinien 2001: 66%, Brasilien 75%; S. 353/4). Mit solchen Passagen wird deutlich, was alles im jetzigen Nord-Süd-Verhältnis falsch läuft und dass die Chancen, dass arme Länder aus der (oft mitverschuldeten) Misere herauskommen, nicht hoch ist. Ein Handbuch, das uneingeschränkt empfohlen werden darf!

Franz Nuscheler, Entwicklungspolitik, Lern- und Arbeitsbuch, Bonn 2004 (Dietz-Verlag)

Vielfältige Sahara

hus. Ein eigenwilliges Buch, ein schönes Buch. Der Titel „Sahara. Text- und Bildessays“ ist Programm und Inhalt. Von mehr als einem Dutzend Autorinnen und Autoren sind Beiträge zusammen gekommen, die, ausgehend von einem Bild oder einem Erlebnis in der Sahara, grundsätzliche Fragen und Antworten entwickeln. Die einzelnen Textbeiträge werden begleitet von Bildbeiträgen, die gegenseitig eine Spannung aufbauen. Die Textbeiträge entwickeln ganz unterschiedliche Gedankengänge, so beispielsweise die Entwicklung des italienischen Kolonialismus (Aram Mattioli: Terra promessa) oder der phantastische Ansatz „Vom Nicht-Ort der Welt zum Kontinent der Zukunft“ (Claus Leggewie), manchmal schwerer verständlich, manchmal ein veritables „Aha“-Ereignis. Ein Buch – zu komplex, um es in Kürze umfassend darstellen zu können, aber auch ein Buch, zu dem man immer wieder gerne greift, und bei dem man das Gefühlt hat, beim Weglegen wieder etwas Neues gefunden zu haben.

Sahara. Text- und Bildessays, hgg. von Christian Reder und Elfie Semotan, Wien/New York 2004 (Springer)

Afrikanisches Unternehmertum

hus. Weshalb kommt Afrika nicht oder nur so langsam voran? Eine der vielen Antworten ist, dass es vielfach an Unternehmern und Unternehmerinnen fehlt, die Verantwortung auf sich nehmen und wirtschaftlich aktiv werden. Gerade in Zeiten der Globalisierung kommt einem einheimischen, afrikanischen Unternehmertum neue Bedeutung zu, wollen die afrikanischen Länder nicht mit Importware überschwemmt und durch Handelsdefizite ruiniert werden.
In der Publikation „African Entrepreneurship and Private Sector Development“ wird anhand von Länderdarstellungen auf die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für ein Unternehmertum eingegangen, das den heutigen Anforderungen zu genügen vermag. Ausführliche Quellen- und Adressverzeichnisse erleichtern den Zugriff auf weitere Informationen.

African Development Perspectives Yearbook 2002/2003, African Entrepreneurship and Private Sector Development, hgg. von Karl Wohlgemuth u.a., Münster 2004 (Lit-Verlag)

Das Afrika-Bulletin
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