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| Bestrafte
Anstrengungen
Entwicklungszusammenarbeit Schweiz-Kapverde
Am
5. Juli 2005 wird die Republik Kapverde (Cabo Verde) 30 Jahre
alt. Der westafrikanische Archipel – 550 Kilometer westlich
von Senegal gelegen – war die erste portugiesische Kolonie
und (zusammen mit São Tomé, Angola und Moçambique)
bis 1975 auch die letzte. Im Jahr der Unabhängigkeit setzte
die Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Schweiz und Kapverde
ein. Daniel Moser schildert die wechselvolle Geschichte.
1975 wurde ein erster
Vertrag zwischen der Schweiz und der Republik Kapverde über
die Entwicklungszusammenarbeit geschlossen; gleichzeitig unterstützte
der Bund verschiedene Nothilfe- und Entwicklungsprojekte des
Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) von
1975 bis 1982 und verschiedene Projekte zur Förderung des
Gemüseanbaus lokaler Nichtregierungsorganisationen. Ein
Jahr später startete SWISSAID die ersten Projekte im Schulhausbau
und zur Dünenbefestigung auf der Insel Boavista, die bis
in die neunziger Jahre fortgesetzt wurden. Auch hier leistete
der Bund finanzielle Unterstützung. 1978 nahm die „Association
Cap Vert – Genève“ (ACVG) ihre Tätigkeit
auf und unterstützte Projekte auf den Inseln Fogo und Brava
(Fischerei, Konsumgenossenschaft, Kindergärten, Sanitätsposten),
Maio (Kindergärten) und Santo Antão (Sanitätsposten,
Kindergarten). Die ACVG konzentriert heute ihre Tätigkeit
auf die Insel Maio.
Kapverde
als Schwerpunktland
1985 erklärte
die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre
Hilfe (DEH, heute DEZA) die Republik Kapverde zu einem ihrer
Schwerpunktländer und schloss einen entsprechenden bilateralen
Vertrag ab. In der Hauptstadt Praia wurde ein Koordinationsbüro
eröffnet. Programmschwerpunkte waren die Förderung
der ländliche Entwicklung, Bodenverbesserungsmassnahmen,
Alphabetisierung und Fortbildung in der Landwirtschaft, integrierte
Programme zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Nahrungsmittelhilfe.
Auf dem Gebiete der
Nahrungsmittelhilfe leistete die Schweiz auf Kapverde Pionierarbeit,
die von Ländern wie Österreich, Frankreich, den USA
und später auch von der EU übernommen wurde: Die Nahrungsmittel
wurden nicht einfach gratis an die Bevölkerung abgegeben,
sondern durch die staatliche Stelle EMPA zu Weltmarktpreisen
in lokaler Währung verkauft. Mit den Erlösen wurden
Infrastrukturarbeiten (Strassenbau, Aufforstung, Wasserverbauungen,
Bodenerhaltung) finanziert und auf diese Weise Arbeitsplätze
geschaffen. Nach ähnlichen Modellen werden heute auch Projekte
im sozioökonomischen Bereich finanziert.
Auch im Bildungsbereich
spielte die Schweiz auf Kapverde eine Pionierrolle: Die junge
Republik hatte von Anfang an – ganz den Ideen Amilcar
Cabrals verpflichtet – das Bildungswesen auf allen Stufen
kräftig gefördert. Die Schweiz setzte sich insbesondere
für die Alphabetisierung der Erwachsenen ein und unterstützte
sie massgebend, bis hin zur „Biblioteca Movel“,
zu den Bibliotheksbussen auf den Inseln Fogo, Santiago und Santo
Antão. Die „Biblioteca Movel“ besuchte mit
ihren Büchern die hintersten Dörfer der Inseln und
sorgte damit, dass die von Kindern und Erwachsenen neu erworbene
Fähigkeit des Lesens durch Nichtgebrauch nicht wieder verloren
ging. Dank der vielfältigen Anstrengungen ist Kapverde
heute vermutlich das Land mit der kleinsten Analphabetenquote
Afrikas.
Nachdem ein erstes
Programm mit Darlehen für Universitätsstudien in der
Schweiz wenig Erfolg zeigte, entschloss sich die DEZA, solche
rückzahlbare Darlehen für das Studium in Drittstaaten
(namentlich in Brasilien) auszugeben. Auch hierin folgten nach
einer Beobachtungsphase Länder wie Österreich, die
Niederlande und die USA dem schweizerischen Modell.
Schliesslich wurde
das Koordinationsbüro der DEZA 1991 auch im Kulturbereich
aktiv und schuf die Anfänge für einen Kulturfonds,
der es Musikern, Tänzerinnen, Schriftstellern und bildenden
Künstlerinnen erlaubte, die kapverdische Kultur auch im
Ausland bekannt zu machen.
Die schweizerische
Entwicklungszusammenarbeit auf Kapverde förderte stets
den Beizug der einheimischen, menschlichen Ressourcen und zwar
in allen Phasen der Arbeit: sowohl in der Projektplanung wie
in der Projektleitung und in der Evaluation. Zwischen 1995 und
2001 leitete der Kapverdianer Victor Borges das Koordinationsbüro
der DEZA in Praia - er ist heute Aussenminster des Inselstaates.
Kapverde galt lange
Zeit als Musterland der Entwicklungszusammenarbeit, nicht zuletzt
auch deshalb, weil es kaum Korruption gab. So besorgte das kapverdische
Finanzministerium die Buchführung und die Finanzkontrolle
über die schweizerischen Projekte, was kaum kaum einem
anderen afrikanischen Land möglich ist. Mit den Entschuldungsaktionen,
die im Zusammenhang mit der 700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft
standen, erhielten auch die Kapverden eine Entlastung, nicht
zuletzt aufgrund der guten Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit
mit diesem Land.
Die ersten freien
Wahlen brachten 1991 für 10 Jahre einen Machtwechsel: Anstelle
der bisherigen Regierung des Partido Africano para Independência
de Cabo Verde (PAICV) trat der Movimento para a Democracia (MpD).
Mit der Regierung wurde auch ein Teil der Administration ausgewechselt,
was sich teilweise auf das Management der Finanzen negativ auswirkte.
Diese Regierung verfolgte – in Übereinstimmung mit
dem Weltwährungsfonds – eine ultraliberale Wirtschaftspolitik,
die sich unter anderem in der „Privatisierung“ von
Staatsbetrieben (teilweise Verkauf an portugiesische Staatsfirmen)
und in der Öffnung des Landes für grössere Investitionen
aus Italien und Spanien im Bereich des Massentourismus niederschlug.
Diese Tendenzen wurden zwar nach dem Wahlsieg des PAICV 2001
abgeschwächt , aber nicht völlig aufgehoben. Der boomende
Tourismus der letzten Jahre hat das Land nicht reich, aber für
viele Kapverderinnen und Kapverder fremd gemacht. Entwicklungsprojekte
in den Bereichen Bildung und Kultur sind geeignet, identitätsstiftende
Bemühungen zu verstärken.
Von der Zurückstufung
zum Abbruch
1995 stufte die DEZA
Kapverde als Schwerpunktland von zweiter Priorität zurück.
Programmschwerpunkte blieben die Alphabetisierung, Unterstützung
der Gemeinden Boa Vista und São Domingo, Förderung
von Kleinbetrieben und die Nahrungsmittelhilfe. Bis 2000 wurden
jährlich zwischen 4 bis 5 Mio. Franken aufgewendet.
Die Entwicklungszusammenarbeit
zwischen der Schweiz und Kapverde wurde im Jahre 2000 kurzfristig
beendet, einzelne kleinere Projekte wurden noch ein Jahr weitergeführt.
Die Art und Weise, wie diese jahrzehntelange gut funktionierende
Zusammenarbeit beendet wurde, wirft etliche Fragen auf: Eine
Koordination mit anderen Geberländern fand nicht statt,
der ausschliesslich durch die schweizerische Innenpolitik bedingte
Entscheid wurde einsam und ohne partnerschaftlichen Dialog mit
der kapverdischen Regierung gefällt.
Dies war umso bedauerlicher,
als damit ein weiteres Experiment abgebrochen wurde: In Praia
wurde erstmals ein Koordinationsbüro der DEZA durch einen
Nicht-Schweizer geführt, nämlich durch den Kapverder
Victor Borges.
Neben HEKS, SWISSAID
und der „Association Cap Vert –Genève“
begannen 1988 verschiedene Projekte der Arbeitsgruppe „Cabo
Verde“ des Bernischen Lehrerinnen- und Lehrervereins (BLV,
heute LEBE): Beiträge für Schulmaterial, Schulgelder
und Transportkosten für mittellose Jugendliche, Mitfinanzierung
eines Internates auf der Insel Boa Vista, Unterstützung
des Gymnasiums in Ribeira Grande und der Biblioteca Movel auf
Santo Antão), der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung in
Mindelo. Die Projekte werden bis heute weitergeführt. Die
Arbeitsgruppe wurde 2004 in eine Stiftung „Bildung für
Kinder und Jugendliche in Afrika“ umgewandelt, die aber
nach wie vor schwerpunktmässig in Cabo Verde tätig
sein wird. In den 18 Jahren sind durch die bernischen Lehrerinnen
und Lehrer rund 600 000 Franken gesammelt und nach Cabo Verde
überwiesen worden.
Das neue
Umfeld der Entwicklungszusammenarbeit
Das Ende der Sowjetunion
und des Ostblocks brachte auch das Ende des „Wettbewerbs
der Systeme“ im Süden. Die Republik Kapverde hatte
es während des Einparteienregimes von 1975 bis 1991 vortrefflich
verstanden, ihre Blockfreiheit zu wahren und die Besonderheiten
ihrer geopolitischen Lage zu nutzen: Sowohl die USA wie die
UdSSR, aber auch Frankreich, China, Portugal, die Niederlande,
die BRD und Österreich gehörten zu den massgebenden
Entwicklungspartnern des Landes. Mit den weltpolitischen Veränderungen
der neunziger Jahre ist auch das Interesse an diesen Inseln
gesunken: Viele Länder haben die Entwicklungszusammenarbeit
unkoordiniert abgebrochen oder doch stark reduziert, die internationale
Solidarität ist geschwunden.
In dieser Lage wird
auch der seit 1991 auf Kapverde gestartete Entwicklungsprozess
der Demokratisierung, der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung
gefährdet. Man wird sich des „Sonderfalles“
Kapverde bewusst sein müssen:
- Die Inseln waren
vor der Entdeckung und Eroberung der Portugiesen nur sehr
spärlich besiedelt. Die Bevölkerung setzte sich
aus zahlreichen von der westafrikanischen Küste her eingeführten
Sklavinnen und Sklaven sowie portugiesischen Siedlern zusammen.
Das Land kennt heute keine Ethnien und demzufolge auch keine
ethnischen Konflikte.
- Die „Insularität“
der Kapverde liess einerseits frühzeitig eine Dezentralisierung
der staatlichen Strukturen als sinnvoll erscheinen, gleichzeitig
erhöht dies aber die Infrastrukturkosten beträchlich.
- Die Regierung
durch die Einheitspartei Partido Africano para a Independência
de Cabo Verde (PAICV) entsprach gewiss nicht den demokratischen
Spielregeln, doch schrieb die NZZ am 23. Juni 1986: „Man
kann freimütig mit Caboverdianos reden und gewinnt dabei
den Eindruck, dass die Einheitspartei ... die Konkurrenz anderer
Parteien ebenso wenig zu fürchten brauchte wie die menschenrechtlichen
Ermittlungen vom Amnesty International.“ Wie bereits
erwähnt, erlangte der liberale Movimento para a Democracia
(MpD) 1991 für 10 Jahre die Macht auf Kapverde, bis die
PAICV 2001 die Präsidenten- und die Parlamentswahlen
wieder gewann. Die Mehrheit der Gemeindepräsidien sind
seit den Gemeindewahlen von 2004 in den Händen von Politikern
der MpD. Kapverde ist wohl eine der stabilsten Demokratien
Afrikas.
- Die Kapverden
sind ein Emigrationsland par excellence: Neben den rund 470
000 Kapverden im Lande gibt es etwa 600 000 Kapverder im Ausland:
In den USA, in Europa und auf dem afrikanischen Kontinent.
Wenn Kapverde heute mit 1400 $ pro Kopf im Jahr ein relativ
hohes Ergebnis erzielt, ist dies nicht auf eine nachhaltige
wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen, sondern
auf die Überweisungen von Emigranten (24%), die vor allem
in Konsumgüter und Wohnungsbau fliessen. Nach 2008 wird
Kapverde nicht mehr zur Gruppe der ärmsten Entwicklungsländer
gehören und ab 2010 wird die Lebensmittelhilfe der UNO
eingestellt.
- Kapverde ist ein
Land mit „Good Governance“: Rund 30% der Ausgaben
werden für Bildung ausgegeben und nur 5% für die
Armee. Die Korruption hat zwar mit der Demokratisierung offenbar
etwas zugenommen, hält aber Vergleiche mit Ländern
auf dem afrikanischen Festland nicht aus.
- Nur zwischen 5%
und 40% des Lebensmittelbedarfes kann aus der eigenen Landwirtschaft
gedeckt werden. Die Spannweite ist deshalb so gross, weil
die Niederschlagsregime der letzten Jahrzehnte sehr unregelmässig
waren: Nach den verheerenden Dürreperioden der siebziger
Jahre, die einen grossen Teil des Viehbestandes ruinierten,
gelang ein Wiederanstieg der landwirtschaftlichen Produktion,
doch kommen auch heute immer wieder auf einzelnen Inseln ausgesprochene
Missernten vor, wie beispielsweise 2004 auf den Inseln Brava,
Fogo und Santiago.
- Die wirtschaftliche
Liberalisierungspolitik seit 1991 hat die sozialen Unterschiede
und die Differenzen zwischen den wenigen städtischen
Zentren und der Landbevölkerung stark akzentuiert. Die
Staatsverschuldung hat zwischen 1991 und 2001 enorm zugenommen;
viele Staatsbetriebe sind privatisiert worden.
- Die Bevölkerungszahl
ist in den letzten 30 Jahren enorm gestiegen. Heute sind fast
50% der Bevölkerung unter 18 Jahren alt. Dies stellt
enorme Probleme an das Bildungssystem und die Schaffung von
Arbeitsplätzen – insbesondere in einer Epoche der
immer restriktiver gehandhabten Einwanderungspolitik in den
USA und in Europa.
Aufbruch
zu neuen Ufern
Dank guter Regierungsführung,
einem hohen Arbeitseinsatz der Kapverderinnen und Kapverder,
der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und den Geldüberweisungen
der Emigranten hat Kapverde in den dreissig Jahren der Unabhängigkeit
zweifellos grosse Fortschritte erzielt. Trotzdem: Kapverde bleibt
ein fragiles Land, dem die nachhaltige Entwicklung (trotz vieler
kluger Köpfe) fehlt und dessen mittel- und längerfristige
Entwicklung in Anbetracht des enormen demographischen Druckes
nicht eben optimistisch eingeschätzt werden kann. Gleichzeitig
gilt es, die einzigartige, reiche Kultur der Kapverde in Musik,
Literatur, bildender Kunst, Theater und Tanz zu erhalten und
zu fördern.
Die Entwicklungszusammenarbeit
zwischen der Schweiz und der Republik Kapverde sollte aus diesen
Gründen wieder aufgenommen werden, wenn auch nicht unbedingt
mit Programmen wie in der Zeit zwischen 1985 und 2000. Heute
benötigen Kapverde Finanz- oder Budgethilfe, denn gut ausgebildete
Leute, eine effiziente Administation und ein zukunftsgerichtetes
Gesellschaftsprojekt bestehen.
Zum Autor: Daniel Moser,
Dr. phil., Historiker, beschäftigt sich seit mehr als drei
Jahrzehnten mit Kapverde. Er besucht die Inseln regelmässig
und ist im Rahmen des Bernischen Lehrervereins in Entwicklungsprojekten
aktiv. Er ist Präsident der Vereinigung „sodade Cabo
Verde“ (www.sodadecaboverde.ch). |
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Kohle, Kino und Theater
Mindelo: Das kulturelle Zentrum von Kapverde
Noch
bis in die Siebzigerjahre existierte in Mindelo, der zweitgrössten
Stadt von Cabo Verde, eine florierende Kinokultur, aber inzwischen
ist hier neben dem Musikfestival Baia das Gatas und dem Karneval
das alljährlich stattfindende Theaterfestival Mindelact
zum wichtigsten kulturellen Ereignis geworden. Von Catherine
Silberschmidt
Die Geschichte der
Hafenstadt Mindelo ist eng mit jener der transatlantischen Dampfschiffahrt
verbunden, denn Mitte des 19. Jahrhunderts geriet die kleine
Insel São Vicente unversehens zu einem strategischen
Zentrum der Weltnavigation. Die Lage des natürlichen Hafens
zwischen New York und Kapstadt, sowie zwischen London und Rio
de Janeiro, der wegen seiner Tiefe auch für grosse Schiffe
geeignet ist, veranlasste die britischen Schiffahrtsgesellschaften,
hier ihre Schwarzkohlelager zu errichten. Dank den britischen
Investitionen entstand inmitten von Armut, Hunger und Sklavenelend
eine florierende kleine Handelsstadt mit neuen Arbeitsplätzen.
Jetzt wurden hier auch Golf, Cricket und Fussball gespielt.
Und als 1874 im Porto Grande das erste Nord-Süd-Transatlantikkabel
verknüpft wurde, das London mit Rio de Janeiro verband,
erlebte Mindelo einen neuerlichen Aufschwung. Die British Telegraph
beschäftigte mehr als hundert Leute, viele waren Engländer
und ein paar wenige Portugiesen.
Es war ein Portugiese,
der Buchhalter Cesar Marques da Silva, der 1923 das Kino «Eden
Park», eröffnete. Er stand in gutem Einvernehmen
mit den Kolonialbehörden, die den Kinobetrieb duldeten.
Das war nicht selbstverständlich, denn ab 1926, beim Beginn
der portugiesischen Militärdiktatur, wurde die Provinz
Cabo Verde mit polizeistaatlichen Methoden verwaltet, und die
berüchtigte Geheimpolizei Pide liess sich auch in Mindelo
nieder. Im «Eden Park» durften in der Folge nur
Filme gezeigt werden, die die Zensur des Estado Novo, des faschistischen
Staates, passiert hatten, und das waren in erster Linie politisch
harmlose Hollywood-Produktionen und portugiesische Filme. Doch
das Kino wurde für die von der Welt abgeschnittene kapverdische
Bevölkerung zur Überlebenshilfe. Der greise Apotheker
und Lokalchronist Senhor Ramos erinnert sich an die Projektion
des ersten Tonfilms im Jahre 1936 als wäre es gestern gewesen.
«Das Hereinbrechen der grossen Welt gab uns das Gefühl,
auch ein bisschen daran teilzuhaben». Doch in den dreissiger
Jahren begann mit dem Aufkommen des Dieselöls als Treibstoff
für die Schifffahrt bereits der Niedergang des florierenden
Handelsstädtchens. Mit den Kohlelagern verschwanden auch
die Arbeitsplätze und immer weniger Schiffe machten in
Mindelo Halt. Sie liefen jetzt in Dakar und Gran Canaria ein,
wo die Häfen in jener Zeit mächtig ausgebaut wurden.
In Mindelo machten sich jetzt wieder Armut und Hunger breit.
Die Zukunft
gehört dem Theater
Heute geht es dem
Kino «Eden Park» nicht mehr so gut. Bis in die Sechzigerjahre
hatte der Betrieb floriert. Doch nun finden die grossen Hollywood-Filme
ihren Weg kaum mehr nach Cabo Verde. «Titanic» war
da die grosse Ausnahme und der letzte grosse Kassen-Erfolg.
Seither sind es nur noch Kung-Fu und andere Drittklass-Streifen,
die hier gezeigt werden und ein treues kleines Stammpublikum
erfreuen. «Die Sozialisten haben mein Kino ruiniert»,
ereifert sich Dona Maria Luisa Marques da Silva, die heutige
Gerantin und Mitbesitzerin der Familien-AG Empresa Eden Park
Ltd., die nicht mehr ganz junge Schwiegertochter des Kinogründers;
und ein bisschen weniger ärgerlich fügt sie bei, «und
die brasilianischen Telenovelas auch». Dona Maria Luisa
meint damit, die Einflussnahme der damaligen Einheitspartei
auf die Kinoprogrammierung, die anstelle von Hollywood lieber
sozial engagierte Filme sah, und die kamen beim Publikum weniger
gut an.
Mit Hilfe der Kommune
wurde im «Eden Park» inzwischen eine mobile Leinwand
und eine Theaterbühne eingebaut. Und so findet hier seit
1996 alljährlich im September das Theaterfestival «Mindelact»
statt, eine lokale Initiative, die unter Mitwirkung des portugiesischen
Kulturzentrums sowie weiterer theater- und kulturbegeisterter
Mindelenserinnen und Mindelenser zustande gekommen ist.
Als Mindelact vor
zehn Jahren gegründet wurde, beteiligten sich gerade mal
fünf Theatergruppen aus São Vicente und der Nachbarinsel
Santo Antão. «Die Idee zu diesem Festival ist ganz
spontan entstanden», erinnert sich João Branco,
der seit 1993 die Laienschauspielgruppe des portugiesischen
Kulturzentrums in Mindelo aufgebaut hat und als Dramaturg betreut.
«Im August findet hier immer das Musikfestival von Baia
das Gatas statt. Während dieser Zeit herrscht viel Betrieb
in unserer Stadt, doch kaum ist dieser Anlass vorbei, passiert
nichts mehr. So haben wir 1995 kurzerhand beschlossen im September
ein kleines Festival anzuhängen und unsere Stücke
zu spielen.» Ein Jahr später beteiligten sich bereits
mehrere Gruppen von den andern Inseln. Und seit 1997 ist Mindelact
mit Hilfe des kapverdischen Kulturministeriums, der Stadt Mindelo,
des portugiesischen, brasilianischen und französischen
Kulturaustauschs und einiger lokaler Sponsoren ein internationaler
Anlass geworden, sowohl von den Gruppen wie vom Publikum her.
Vom lokalen
zum internationalen Festival
Gegen 150 Theaterleute
aus Belgien, Portugal, Frankreich, Brasilien, São Tomé
und Principe und Cabo Verde versammelten sich zum letztjährigen
Festival, wo in der Zeit vom 3. bis zum 19. September zwanzig
Stücke aufgeführt wurden, davon vierzehn von einheimischen
Gruppen. Ausserdem fanden elf Workshops statt – durchgeführt
von den ausländischen Gästen, durchwegs professionelle
Theaterleute und -gruppen. Lichtführung, Stimmbildung,
Mimik, Interpretation, Bühnenbild und vieles mehr stand
im Angebot. «Mindelact ist nicht nur ein Fest, sondern
eine grosse Schule und jeder und jede, die in diesem Lande eine
Schauspielkarriere anvisiert, kommt in dieses Mekka des kapverdischen
Theaters», meint João Branco stolz. Denn die heute
26 bestehenden Theatergruppen des Inselarchipels sind ausschliesslich
Laienensembles.
Deren Entstehungsgeschichte
unterscheidet sich von Insel zu Insel. So ging auf Santo Antão,
das sehr agrarisch und ländlich ist, die Gruppe Juventude
em Marcha 1984 aus der Jugendbewegung der damaligen Einheitspartei
PAICV hervor. Ganz anders verlief die Entwicklung auf der Nachbarinsel
São Vicente mit der Stadt Mindelo, denn hier traten seit
den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts immer wieder kleinere
lokale Theatergruppen, aber auch Komiker und Artisten auf, die
aber alsbald wieder verschwanden. Auch gab es im Kino Eden-Park
vereinzelte Gastvorführungen von portugiesischen Theatertruppen.
Doch der Nährboden
für die seit Beginn der Neunzigerjahre entstandene Theaterkultur
ist das kulturelle Umfeld; denn Mindelo ist das historische
Zentrum der kapverdischen Literatur. Hier entstand 1936 der
erste kapverdische Roman «Chiquinho» von Baltasar
Lopes, der als studierter Jurist und Philologe am Gymnasium
unterrichtete. Darin schildert Lopes die Jugend eines jungen
Mannes, der zum Lehrer ausgebildet in sein Heimatdorf zurückkehrt
und dort die erdrückende Armut mit neuen Augen sieht. Angesichts
der faschistischen Repression des portugiesischen Kolonialsystems
konnte der Roman nicht in Cabo Verde veröffentlicht werden.
Er wurde jedoch in Auszügen in der von kapverdischen Intellektuellen
gegründeten literarischen Zeitschrift «Claridade»
publizierte und gilt als kultureller Grundstein der politischen
Befreiungsbewegung.
Aber erst in den
Neunzigerjahren kam Bewegung in Mindelos Theaterleben. Aus dem
alten Zollhaus am kreisrunden Naturhafen wurde das Kulturzentrum
der kleinen Stadt, wo heute zusätzlich zum Kino Eden-Park
gespielt und geprobt wird. Und als João Branco, der ursprünglich
Mittelschullehrer ist, im nahe gelegenen portugiesischen Kulturzentrum
ein Kursangebot für Laienschauspieler- und schauspielerinnen
aufbaute und daneben auch einen Einführungskurs in die
Geschichte des Theaters anbot, gelang es ihm, nicht nur versteckte
Talente zu entdecken, sondern auch ein Publikum für die
aufgeführten Stücke zu interessieren. So wird oft
vor ausverkauftem Hause gespielt, aber auch auf der Strasse
und manchmal auch an dezentralen Orten, wie etwa im Wartezimmer
des Spitals, so während dem eben zu Ende gegangenen Frühlingsfestival,
Marzo - mês de teatro, neben Mindelact das zweite kapverdische
Theaterereignis, das alljährlich im März den ganzen
Monat über auf allen Inseln stattfindet und ausschliesslich
kapverdisches Theaterschaffen zur Aufführung bringt.
Das inhaltliche und
qualitative Spektrum der gezeigten Stücke ist breit und
führt auch immer wieder zu recht polemischen Auseinandersetzungen
darüber, was denn eigentlich kapverdisches Theater sei.
Sind es Stücke, die sich ausschliesslich auf die kapverdische
Realität und Geschichte beziehen? Oder sind es auch Stücke,
die einen universelleren Charakter haben wie etwa Shakespeares
Liebesdrama «Romeo und Julia», von dem João
Branco mit seiner Gruppe eine auf kapverdische Verhältnisse
adaptierte kreolische Version inszeniert hat, oder sind es eher
Stücke, die sich auf eine im Wesentlich mündlich überlieferte
Mythologie beziehen, wie sie nicht selten aufgeführt werden?
Eine heftig geführte Kontroverse, die dieses Jahr auch
im Rahmen einer Fernsehdebatte ausgetragen wurde, und die sich
sehr schnell zu einer Diskussion über Identität entwickelt
hat. Ein brennendes Thema für die Kapverderinnen und Kapverder,
die mehrheitlich in der Diaspora leben, oder aber auf den Inseln
getrennt von ihren emigrierten Familienangehörigen zurückbleiben
und zu einem wesentlichen Teil unter äusserst prekären
Voraussetzungen leben müssen. Der Schriftsteller Germano
Almeida plädierte für Qualität und bessere Rahmenbedingungen.
Ob ein Theaterstück auf Portugiesisch oder auf Kreolisch
aufgeführt wird, erachtet er als zweitrangig. Seine Romane
schreibt er auf Portugiesisch, zwei davon wurden in Mindelo
bereits für die Bühne adaptiert. In seiner Geschichte
«Os dois irmãos» geht es um einen Brudermord,
ein Drama um Entfremdung und Tradition zwischen einem Emigrierten
und seinem Bruder, der auf den Inseln geblieben ist.
«Es gibt nicht
eines, sondern viele verschiedene kapverdische Theater»,
versucht Branco in der Kontroverse über authentisch kreolischem
und literarisch anspruchsvollem Theater zu vermitteln. «Für
mich ist es ganz wichtig zu zeigen, dass Cabo Verde zur grossen
Welt gehört, ein Teil dieses Universums ist, deshalb kommen
in Mindelo immer wieder Klassiker, aber auch moderne Autoren
zur Aufführung. Neben Shakespeare, Beckett und Molière,
gehört auch «Bernarda Albas Haus» von Federico
García Lorca zum Reportoire seiner Truppe, ein Drama
über alleinstehende, ins Haus verbannte Frauen, deren Isolation
ihre Sehnsüchte ins Unermessliche steigert.
Ein Thema, das sich
sehr gut auf kapverdische Verhältnisse adaptieren lässt,
denn hier sind die meisten Mütter alleinerziehend, und
warten auf abwesende Ehemänner und Väter - auch jene,
mit denen Branco das Stück einstudiert hat. Im Spiel des
Frauendramas von Federico García Lorca, das auf die lokalen
Verhältnisse angepasst wurde, konnten sie ihre eigenen,
oft entbehrungsreiche Situation lustvoll in Szene setzen. Das
Stück war ein Grosserfolg.
Die Autorin:
Catherine Silberschmidt arbeitet als Journalistin in Zürich
und befasst sich seit Jahren mit Kapverde, vor allem dem Film-
und Theaterschaffen. Informationen über die kapverdische
Theaterszene unter www.mindelact.com |
| Kapverde
– ein musikalischer Gigant
dm. Césaria Evora –
wer kennt die „diva aux pieds nus“ nicht? Die Frau
aus der Stadt Mindelo auf der Insel S. Vicente hat die Musik
der Kapverdischen Inseln weltweit bekannt gemacht. Um dem europäischen
Publikum diese Musik schmackhaft zu machen, suchten viele Produzenten
nach bekannten Anküpfungspunkten: Man sprach von den Einflüssen
des portugiesischen Fado, man verglich die berühmt gewordene
Sängerin mit Edith Piaf und anderen - alles Vergleiche,
die wenig zum wirklichen Verständnis der Musik Cabo Verdes
beitragen.
Was allen Interessierten bei
einer Reise nach Cabo Verde vorerst auffällt, ist die grosse
Anzahl von Musikgruppen und die Vielfalt der musikalischen Produktion.
Wenn es eine Statistik über die Zahl von Musikgruppen pro
Kopf der Bevölkerung gäbe, dann würde Cabo Verde
einen Spitzenplatz belegen. Wer etwas in diese Musik hineinhört,
wird bald den Reichtum der unterschiedlichsten Stilarten feststellen.
Wir finden hier die traditionellen Formen der Morna (poetisch-romantische
Lieder und Tänze), der Funana (ländlichen Ursprungs,
häufig mit Akkordeon und Metallinstrumenten) und der Coladera
(von der Morna abgeleitet, aber mit rascheren Rhythmen) und
andere.
Der erwähnte Reichtum
der Stilarten geht auf zahlreiche äussere Einflüsse
zurück: Cabo Verde liegt nicht nur geografisch auf dem
Schnittpunkt der Verbindungslinien zwischen Europa, Afrika,
Nord- und Südamerika, sondern auch musikalisch –
in der Tradition wie auch in den vielen modernen Weiterentwicklungen.
Daneben haben aber die einzelnen Inseln ihre eigenen Ausdrucksformen
und Ausprägungen bewahrt. Eine der besten Übersichten
zur Musik von Cabo Verde hat zweifellos Vladimir Monteiro (Les
musiques du Cap Vert, Paris 1998; Chandeigne) publiziert. |
| Aktuelle
Literatur zu den Kapverdische Inseln – einige Tipps
hus. In deutscher
Sprache gibt es zur Zeit keine Publikation, welche die Geschichte
von Kapverde bis in die jüngste Zeit nachzeichnen würde.
Aktuell ist jedoch die vom früheren französischen
Botschafter in Praia verfasste Publikation „Les îles
du Cap-Vert – de la découverte à nos jours“,
die 2002 im Verlag L‘Harmattan in Paris erschienen ist.
Darin wird die Geschichte der Inseln nachgezeichnet, von der
Entdeckung durch den Portugiesen Diego Gomes und den Genuesen
Antonio de Noli (1460), bis zur heutigen Zeit. Dabei wird die
Frage aufgeworfen, ob die Inseln bereits früher einmal
entdeckt oder gar besiedelt gewesen sind, worauf einige wenigen
Zeugnisse, insbesondere bisher nicht entschlüsselte Felsinschriften
schliessen lassen.
Nebst der Darstellung
der Kolonialgeschichte wird auch auf die Rolle von Kapverde
gegenüber Guinea-Bissau eingegangen, das von Kapverde aus
und oft durch Kapverder verwaltet wurde, und gegenüber
São Tomé, wo der Aufbau der Kaffeeplantagen durch
zwangsumgesiedelte Kapverder erfolgte. In die Kolonialzeit fallen
auch die stets wiederkehrenden Hungersnöte, die Zehntausenden
den Tod brachten, so das letzte Mal in den vierziger Jahren
des letzten Jahrhunderts.
Die jüngste
Entwicklung unmittelbar vor der Unabhängigkeit und bis
heute nehmen breiten Raum ein. Auch wenn die Befreiungsbewegung
PAIGC (Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea-Bissau
und Kapverde) die Unabhängigkeit beider portugiesischer
Territorien anstrebte, fand der eigentliche Unabhängigkeitskampf
ausschliesslich in Guinea-Bissau statt. Auf Kapverde bestand
ein Untergrundnetz, das im Zeitpunkt der Nelkenrevolution in
Portugal (1974) etwa 50 Personen umfasste. Die Machtübernahme
durch die PAIGC im Zeitpunkt der Unabhängigkeit (1975)
wurde durch die portugiesische „Bewegung der Streitkräfte“
(MFA) vorgespurt, indem andere politische Bewegungen auf Kapverde
kurzerhand von den Wahlen ausgeschlosen wurden. In den Jahren
1975 bis 1991 war die PAIGC (später umbenannt in PAICV)
Einheitspartei. In diese Periode fällt der Aufbau einer
staatlichen Infrastruktur, namentlich auch im Erziehungs- und
Gesundheitswesen. Zu heftigen Auseinandersetzungen, die auch
zu zwei Todesopfern führte, kam es bei der Umsetzung der
Landreform, mit welchem die Macht der wenigen Grossgrundbesitzer
gebrochen werden sollte, die ihre Ländereien durch verarmte
Landlose bebauen liessen und als Entgelt einen Grossteil der
Ernte beanspruchten. In den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit
erschien Kapverde auch in den Berichten von Amnesty International
aufgrund eingeschränkter Meinungsäusserungsfreiheit.
Unterschiedliche linksnationale und revolutionäre Strömungen
versuchten sich durchzusetzen. Stets wurde jedoch aussenpolitisch
eine Balancepolitik zwischen Ost und West verfolgt. Nie rutschte
Kapverde in eine Abhängigkeit eines Blocks hinein, die
aufgrund der strategischen Lage der Inseln in der Zeit des kalten
Krieges durchaus Fuss zu fassen versuchten.
In den achtziger
Jahren änderte sich die Lage rasch. In der Einheitspartei
kam es zu einem Öffnungsprozess, der 1991 zu den ersten
Mehrparteienwahlen führte. Prompt verlor die PAICV die
Parlamentsmehrheit an die aus ehemaligen PAICV-Mitgliedern gebildete
MPD (Bewegung für Demokratie). Diese setzte eine rasche
wirtschaftliche Öffnung und eine Orientiertung nach Europa
durch. Nach zwei Amtsperioden (10 Jahre) wurde aber die MPD
wieder abgewählt und die frühere Befreiungsbewegung
gelangte erneut an die Macht. Diese interessante Periode wird
im Buch detailliert dargestellt. Damit wird ein Zeitabschnitt
aufgearbeitet, der bis anhin noch verschlossen war.
André
Barbe, Les îles du Cap-Vert – de la découverte
à nos jours, Paris 2002 (L’Harmattan)
Kapverde als Insider–Reisedestination
hus. Kapverde ist
in den letzten Jahren vom Geheimtip als Reisedestination immer
mehr in die Angebote verschiedener Reiseveranstalter gerückt.
Der Tourismus hat sprunghaft zugenommen. Auch wenn sich auf
der Insel Sal die Bettenkapazität in den Letzten Jahren
wohl verdoppelt hat – überlaufen sind die Inseln
noch immer nicht. Dies gilt uneingeschränkt für alle
andern Inseln. Inselhüpfen ist demnach angesagt, was sich
lohnt, wenn mehr als nur eine Woche Ferien geplant sind. Dazu
stehen auch verschiedene Reiseführer zur Verfügung.
Unter ihnen sticht der von Regina Fuchs verfasste Führer
„Cabo Verde – Kapverdische Inseln“ hervor,
der sich durch zahlreiche Detailangaben auszeichnet. Für
Wanderfreudige gibt es den von Susanne Lipps und Oliver Breda
verfassten Band „Wandern auf den Kapverdischen Inseln“
mit Wandervorschlägen auf sechs Inseln. Für Wanderungen
auf Santo Antão ist der von Pitt Reitmeier und Lucete
Fortes verfasste Goldstadt Wanderführer ein Muss. Geologen,
Botanikerinnen und Zoologen packen den von Schleichs verfassten
„Naturreiseführer Cabo Verde“ ein, der –
obwohl 1995 erschienen – nicht veraltet ist. Wer auf Französich
etwas sucht: Sabrina Requedaz, Cap Vert, Loin des yeux du monde,
erschienen bei Olizane.
- Regina Fuchs,
Lucete Fortes und Pitt Reitmeier, Cabo Verde – Kapverdische
Inseln, Bielefeld 2004 (Reise Know-How-Verlag)
- Susanne Lipps
und Oliver Breda, Wandern auf den Kapverdischen Inseln, Köln
2001 (Dumont aktiv)
- Pitt Reitmeier
und Lucete Fortes, Santo Antão, Pforzheim 2001 (Goldstadt
Wanderführer)
- K. Herrmann Schleich,
Karin Schleich, Cabo Verde, Stuttgart 1995 (Verlag Stephanie
Naglschmid)
- Sabrina Requedaz,
Cap Vert, Loin des yeux du monde, Genf 2003 (Editions Olizane)
Literaturhinweise zu Kapverde (Auswahl)
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Cabo Verde, Lisboa, Praia 2001 (5 volumes)
- Almeida Germano,
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- Almeida Germano.,
Cabo Verde: viagem pela história das ilhas; Fotogr.
de José A. Salvador, Lisboa 2003 (Ed. Caminho)
- Almeida José
Maria (Ed.), Découvertes des îles du Cap Vert.
Praia, Paris 1998 (AHN Sépia)
- Andrade Silva
Elisa, As Ilhas de Cabo Verde da „descoberta“
à independência nacional (1460-1975), Paris 1996
(l’Harmattan)
- Barbe André,
Les îles du Cap Vert, De la découverte à
nos jours, Une introduction, Paris 2003 (Collection Mondes
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- Brunner Samuel,
Reise nach Senegambien und den Inseln des grünen Vorgebürges
im Jahre 1838, Bern 1840
- Cabral Amilcar,
Die Revolution der Verdammten, Berlin 1974 (Rotbuch)
- Cabral Amilcar,
Die Theorie als Waffe, Amilcar-Cabral-Gesellschaft, Bremen
1983 (CON)
- Cabral Amilcar,
Sou um simples africano (exposição), Lisboa
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moulin et le pilon, Paris 1980
- Cardoso Humberto,
O Partido único em Cabo Verde, Um assalto à
esperança, Praia 1993
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de umna sociedade escravocrata (1460-1878), Praia 1983, (Instituto
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- Carreira Antonio,
Migrações nas ilhas de Cabo Verde, Praia 1983
(Instituto Cabo-Verdiane do livro)
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Cabo Verde - Subsidio para a historia da nossa luta de libertação,
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Les îles du Cap Vert d’hier et d’aujourd’hui,
Paris 1995
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Les îles du Cap-Vert aujourd'hui: perdues dans l'immensité,
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- Matznetter Josef,
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- May S., Tourismus
in der Dritten Welt: Das Beispiel Kapverde, Frankfurt 1985
(Campus)
Literatur:
- Ahrens Helga und
Margret Ammann (Hrsg.). Kapverdische Erzählungen, Frankfurt
a.M. 1995 (Verlag für interkulturelle Kommunikation)
- Almeida Germano,
Le testament de Monsieur Napumoceno da Silva Araujo, Paris
1995 (Sépia) (deutsch: Fischer TB 1997)
- Barreno Maria
Isabel, Der Herr der Inseln (aus dem Portugiesischen von Renate
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- Editions Edicef,
Contes et récits de l'archipel du Cap-Vert, Paris 1998
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Chiquinho, Paris 1990 (Actes Sud)
- Lopes Manuel,
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Cap Vert, Paris 1997 (Karthala)
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- Osorio Oswaldo,
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Verde, Praia (o.J.)
Kreol:
- Quint-Abrial Nicolas,
Dictionnaire français-cap-verdienM; Diccionario francês-Cabo-verdiano;
Disionari fransés-Berdianu, Paris 1997 (l’Harmattan)
- Da Silva T.V.,
Na Gida mendi, simenti di onti na con di manan, Praia 1990
(Instituto Caboverdiano do livro)
- Veiga Manuel,
Diskrison Strutural di Lingua Kabuverdianu, Praia, Institutu
Kabuverdian di livru
- Cardoso Eduardo
Augusto, O Crioulo da Ilha de S. Nicolai Cabo Verde, Praia
1989
|
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| Afrika
in Kürze
São Tomé
Erdölmillionen
São Tomé gehört
zu den ärmsten Ländern Afrikas und ist eines der am
höchsten verschuldeten. Die einzigen Einnahmen stammen
vom traditionellen Kakao- und Kaffeeanbau. Die Entdeckung von
Erdölvorkommen im Golf von Guinea ändert die Rahmenbedingungen.
Für dieses Jahr werden 50 Millionen Einnahmen aus der Erdölproduktion
erwartet, vier mal mehr als die bisherigen Steuereinnahmen.
Die Frage ist nun, ob sich São Tomé dem Paradox
entziehen kann, dass afrikanische erdölproduzierende Staaten
die am meisten verschuldeten und am schlechtesten regierten
Länder sind.
Somaliland
Isolation verhindert Entwicklung
Somaliland sagte sich im Strudel
des Bürgerkriegs 1991 von Somalia los. Somaliland entspricht
dem ehemaligen britischen Nordsomalia, das 1960 unabhängig
wurde und zusammen mit der ehemaligen italienischen Kolonie
Somalia dann Somaliland bildete. Somaliland mit einer Bevölkerung
von 3,5 Mio. Menschen, ist in den letzten Jahren politisch stabil
gewesen, doch ist das Gebiet bis heute von einem einzigen anderen
Staat anerkannt. Die gewählte Regierung von Somaliland
setzt alles daran, internationale Anerkennung zu erreichen.
Ohne internationale Anerkennung erhält das Land keinen
Zugang zu internationalen Orgnisationen und internationaler
Entwicklungshilfe. Mit dem Nachbarland Äthiopien bestehen
enge Verbindungen. Ein Teil des äthiopischen Aussenhandels
wird – nebst Dschibuti – über Somaliland abgewickelt,
was dem Land Einnahmen bringt. Doch Äthiopien will Somaliland
nicht als erstes anerkennen, die Eisbrecherfunktion soll ein
anderes Land übernehmen. Somaliland setzt dabei auf Südafrika,
da dieses ja auch erst vor kurzem die Sahara-Republik anerkannt
hat, sehr zum Entsetzen der marokkanischen Besatzer. Jetzt will
die Afrikanische Union die Lage vor Ort evaluieren.
Togo
Afrikanische Union zeigt Kraft
Nach 38 Jahren im Amt ist
anfangs Februar der togolesische Präsident Gnassingbé
Eyadema gestorben. Togo, ehemals deutsche und dann französische
Kolonie, wurde von ihm seit 1967 regiert, was dem Land (56 000
km2; Bevölkerung 5,8 Mio.) eine gewisse Stabilität
brachte. Seine Herrschaft beruhte in den letzten Jahren jedoch
auf manipulierten Wahlen. Entgegen der togolesischen Verfassung
hat das Militär Eyademas Sohn Faure Eyameda als Nachfolger
proklamiert, was einem Militätputsch gleich kommt. Rasch
wurde vom willigen Parlament die Verfassung angepasst, um die
Machtübernahme nachträglich zu legitimieren. Nicht
nur westliche Staaten, sondern auch die neu gegründete
Afrikanische Union und die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer
Staaten (Ecowas) haben umgehend protestiert. Schon nach drei
Wochen krebste Faure zurück; er will sich nun wählen
lassen. Damit hat die Afrikanische Union deutlich an Profil
zugelegt, drückte sich deren Vorgängerin OAU in ähnlichen
Fällen doch oft um eine klare Position.
Zimbabwe
Wahlsieg für Mugabe
Die Parlamentswahlen in Zimbabwe
haben mit dem Sieg der regierenden ZANU-PF geendet. Mit 78 Sitzen
hat sie die oppositionelle Bewegung für Demokratischen
Wandel MDC an die Wand gespielt, die nur 41 (gegenüber
57 im Jahr 2000) VertreterInnen ins Parlament entsendet. 30
der 150 Parlamentssitze vergibt der Präsident. Mugabe hat
damit die angestrebte Zweidrittelsmehrheit erreicht. Jetzt kann
die ZANU-PF die Verfassung in eigener Regie ändern, was
vor allem bei der Nachfolge des 82-jährigen Mugabe eine
Rolle spielen wird. Die MDC konnte ihre Sitze in den städtischen
Gebieten weit gehend halten.
Die Wahlen und die Zeit kurz vor den Wahlen verliefen weitgehend
gewaltfrei, waren jedoch alles andere als „frei und fair“,
obwohl die Wahlbeobachtermissionen Südafrikas und der SADC
Mugabe bestätigten, das Resultat entspreche dem Willen
des Volkes.
Laut Reginald Matchaba-Hove,
dem Sprecher des unabhängigen Election Support Networks
genügte die kurz vor den Wahlen einsetzende Entspannung
nicht, um die Auswirkungen jahrelanger Einschüchterung
und Gewalt rückgängig zu machen. Die MDC anerkennt
das Wahlresultat nicht und macht in 30 Wahlkreisen massive Unregelmässigkeiten
geltend.
Menschenrechtsjuristen verweisen
u.a. auf folgende Mängel: fast jeder 10. Wähler wurde
zurückgewiesen, die 3,5 Millionen in der Diaspora lebenden
BürgerInnen konnten ihr Wahlrecht nicht ausüben, die
Opposition konnte keinen freien Wahlkampf betreiben, es fehlte
eine unabhängige Wahlkommission, eine Pletora repressiver
Gesetze behinderte das Recht auf freie Meinungsäusserung.
Makabere Krisenfolge
In den Leichenhallen Zimbabwes
stapeln sich die Toten. Alleine im Parirenyata-Spital in Harare
lagern seit Monaten 14 Tote im Kühlraum, weil deren genaue
Todesursache nicht festgestellt werden kann. Der letzte Gerichtsmediziner
hat das Land 2004 verlassen. Im Land arbeitet seither kein ausgebildeter
Arzt mehr, der die Todesursache von Opfern von Gewaltverbrechen
feststellen könnte. Doch aufgrund der Gesetzgebung können
Tote, deren Todesursache nicht feststeht, nicht zur Beerdigung
freigegeben werden. Täter von Gewaltverbrechen können
nicht zur Rechenschaft gezogen werden, wenn die Todesursache
rechtlich nicht nachgewiesen ist.
Südafrika
Weiterhin auf Wachstumskurs
Seit Jahren weist Südafrika
ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstum auf.
2004 betrug das Wachstum 3,7 Prozent (im letzten Quartal sogar
5,7 %). Für 2005 wird gar mit einem Wachstrum von 4 bis
5 Prozent gerechnet – Zahlen, von denen die Old Economy
in Europa und den USA nur träumen kann. Die tiefen Zinsen
haben das Wachstum über eine erhöhte Konsumnachfrage
stimuliert. So liegt die Zahl der verkauften Privatautos mit
481 000 Wagen rund 25 Prozent höher als im Vorjahr. Südafrikas
Wirtschaft arbeitet zudem exportorientiert und erwirtschaftet
Handelsüberschüsse. Nun sind die geerbten Apartheidschulden
abgebaut und es können Devisenreserven aufgebaut werden
(Dezember 2004: Stand 11,4 Mia. $). Als Wachstumshindernisse
werden die veraltete Infrastruktur aufgeführt (Eisenbahnen,
Häfen und Elektrizitätsversorgung), die hohen Telekommunikationskosten
und die Steuerbelastung. Mit 120 Mia. Rand (20 Mia. $) soll
in den nächsten Jahren die Infrastruktur modernisiert werden.
Vom Wirtschaftsaufschwung nicht gross verändert blieb die
Arbeitslosenquote, die offiziell mit 29 Prozent angegeben wird,
doch sind im 4. Quartal 2004 112 000 neue Arbeitsplätze
geschaffen worden.
Süd-Süd-Zusammenarbeit
Brasilien, Südafrika
und Indien haben eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit
beschlossen. Die drei wirtschaftlichen Schwergewichte der Entwicklungsländer
haben eine Verstärkung ihrer bereits bestehenden wirtschaftlichen
Zusammenarbeit beschlossen und wollen ihren Handel von gegenwärtig
4 Mia. $ bis 2007 auf 10 Mia. $ ausweiten. Ebenfalls soll in
der UNO und in der Doha-Runde, die sich mit Zollerleichterungen
im Handel mit Industrieländer befasst, gemeinsam aufgetreten
werden.
Mali
Auf der Goldstrasse
Das in der Sahara gelegene
Mali ist wirtschaftlich in einer schwierigen Lage: Landwirtschaftlich
lässt sich nur im Südteil, im Savanengürtel,
etwas anbauen, während der grosse Nordteil weitgehend unfruchtbar
ist. Funde eines gelben Metalls durch Nomaden haben nun einen
Goldrausch ausgelöst und tausende von Malier, Algerier,
Mauretanier und gar Nigerianer ziehen in die nördliche
Stadt Aguelhoc in der Region Kidal. Die Regierung weist vergebens
darauf hin, dass es sich nicht um Gold handle, sondern um ein
Metall namens Mica. Immerhin: Bereits heute ist Mali der drittgrösste
Goldproduzent Afrikas.
Mali
Musik-Piraterie mit Folgen
Mali ist auch für seine
Musik bekannt. Salif Keïta oder Ali Farka Touré
haben Weltruhm erlangt. Die beiden malischen Musikvertrieben,
Seydoni und K7, stehen jedoch vor dem Ruin. 98 Prozent aller
in Mali gehandelten CDs oder Kassetten sind nämlich Raubkopien
und werden auf dem Markt zur Hälfte des Handelspreises
der Originale angeboten. Einen Marken- oder Urheberschutz besteht
nicht. Neuerscheinungen sind bereits wenige Tage nach der Lancierung
als Raubkopie erhältlich, die Kopierindustrie arbeitet
mit neusten Herstellmethoden und ungeheuer effizient. Nun ist
es zum Zusammenbruch der beiden grossen Vertriebshäuser
gekommen. Langsam beginnt sich nun die malische Politik zu regen,
doch der Schaden ist bereits angerichtet. Ende März kam
es in Bamako auch zu einer „Soirée de sensibilisation“,
an der die musikalischen Spitzen des Landes auftraten.
Kongobecken
Schutz des Regenwaldes
Im Kongobecken wird im grossen
Stil der Regenwald abgeholt und damit die Lebensgrundlage der
Waldvölker sowie zahlreicher Tierarten zerstört. Das
Afrika-Bulletin berichtete dazu ausführlich in Nr. 115
(Aug./Sept. 2004) und in der letzten Ausgabe. Im Februar hat
nun ein Gipfeltreffen der Staatschefs der betroffenen elf Länder
in Brazzaville (Republik Kongo) stattgefunden. Das Kongobecken
ist nach dem Amazonas-Gebiet die zweitgrösste „grüne
Lunge“ weltweit. Einmal mehr wurde der Schutz des Regenwalds
beschworen, unter der Leitung von Frankreich wurde ein Forum
zur Koordination der verschiedenen Interessen eingerichtet.
Wieweit den schönen Worten und Absichten Taten folgen werden,
wird sich zeigen.
Weitere Informationen:
http://www.comifac.org/accueilfr.htm
http://www.forests.org/
-- Forest Conservation Portal
http://www.EnvironmentalSustainability.info/
-- Eco-Portal
http://www.ClimateArk.org/
-- Climate Change Portal
http://www.WaterConserve.info/
-- Water Conservation Portal
http://www.bmf.ch
Afrikas Kreditwürdigkeit
Soziale oder ethnische Spannungen,
politische Instabilität, korrupte Regierungen, Umweltzerstörung...
Negativszenarien, die vor Investitionen in afrikanischen Staaten
abschrecken. Doch wie kann das Risiko genauer abgeschätzt
werden? Die französische Coface, die Gesellschaft zur Kreditabsicherung
für Exporte, stellt jährlich eine Liste der Risiken
zusammen, oder anders ausgedrückt, eine Liste der Bonität
afrikanischer Staaten. In der Spitzenkategorie A liegen sieben
Länder, allen voran Botswana, das mit A2 geratet wird (kaum
Risiko für Verluste), gefolgt von einer Dreiergruppe (leichtes
Risiko, A3), bestehend aus Südafrika, Namibia und Mauritius.
Ebenfalls gut schneiden Swaziland, Marokko und Tunesien ab (A4).
Ein höheres Risiko besteht für Senegal, Mali, Algerien,
Burkina Faso, Benin, Kamerun, Ägypten, Tanzania und die
Seychellen (B). Alle anderen Staaten liegen in den Risikoklassen
C (ungewiss) und D (schlecht). In Klasse D figurieren Krisenstaaten
wie etwa Somalia, DR Kongo, Liberia, Sierra Leone oder Zimbabwe. |
| Neu
erschienen und lesenswert
Zeitzeugen
aus Südwest
hus. Einmal mehr
überraschen die Basler Afrika-Bibliographien mit einer
Publikation. Sie geben die bereits früher für einen
kleinen, internen Kreis veröffentlichten „Jahresberichte
1962 – 1979“ von Ernst Rudolf Scherz heraus. 1933
hielt sich Scherz erstmals in „Südwest“, wie
Namibia unter den deutschen Siedlern genannt wurde, auf, ab
1939 dann für immer. 1962 beginnt er jedes Jahr gegen Weihnachten
einen längeren Bericht an seine Freunde zu verfassen, in
welchem er nebst vielen persönlichen Dingen auch auf die
Lebensumstände, seine Reisen und seine Arbeit eingeht.
Sie geben Einblick in Land und Leute. Damit entsteht über
all die Jahre – der letzte Bericht wurde 1979 verfasst
– ein faszinierendes Bild von einem spannenden, manchmal
harten, aber stets abenteuerlichen Leben. Mit den Jahresberichten
wird auch eine Zeitperiode abgedeckt, von der nicht allzu viele
Zeitzeugnisse vorliegen.
Ernst Rudolf
Scherz, Südwestafrika, Jahresbericht 1962 – 1979,
Namibia, Basel 2005 (Basler Afrika-Bibliographien)
Agrobusiness
und Hunger
hus. Die Nahrungsmittelproduktion
wird weltweit immer mehr von Nahrungsmittelkonzernen kontrolliert.
Kleinbauern und vor allem Kleinbäuerinnen produzieren in
Afrika und Asien noch immer den überwiegenden Teil der
Nahrungsmittel. Doch die Zukunft der agrarischen Kulturen ist
gefährdet: Land und Wasser werden knapp, die biologische
Sortenvielfalt nimmt ab. Nahrungsmittelkonzerne spielen dabei
bewusst oder unbewusst eine grosse Rolle. Über die von
ihnen mitinitiierten Welthandelsinstrumente, beispielsweise
Weltbank, Int. Währungsfonds und Welthandelsorganisation
werden die Spielregeln bestimmt, wobei die Kleinbäuerinnen
und –bauern immer mehr ins Hintertreffen geraten.
Mit der Lage der
Kleinbäuerinnen und –bauern, Strategien und Modellen
des Widerstands der Länder der Dritten Welt befasst sich
die Zeitschrift “Widerspruch“ in ihrer Nummer 47.
In mehr als einem Dutzend Beiträgen wird auf einzelne Aspekte
eingegangen. So stellt etwa Jean Ziegler, UNO-Berichterstatter
für das Recht auf Nahrung, das Ausmass der aktuellen Hungerproblematik
und seine Arbeit dar, Andreas Missbrauch (Erklärung von
Bern) geht auf die Politik in Brasilien unter Lula ein, Henning
Melder thematisiert die Landfrage im südlichen Afrika und
Samir Amin geht auf die Bedrohung von drei Milliarden Bäuerinnen
und Bauern ein. Sehr zu empfehlen!
Widerspruch 47,
Zürich 2004 (Widerspruch, Postfach, 8026 Zürich) |
|
Erdöl-Geldsegen
im Tschad
Lässt sich der Missbrauch verhindern?
Seit
eineinhalb Jahren gehört der Tschad, immer noch eines der
ärmsten Länder der Welt, zum erlauchten Club der Ölförderländer.
Ein Konsortium aus ExxonMobil, ChevronTexaco und Petronas bringt
im Südtschad das Öl zutage und pumpt es durch eine
über 1'000 km lange Pipeline quer durch Kamerun zum Hafen
von Kribi. Das „Afrika-Bulletin“ berichtete in der
vorletzten Ausgabe ausführlich darüber. Heute greifen
wir nach: Wohin geht die Entwicklung? Matthias Kuge hat recherchiert.
Rund 70 Tanker haben
bis heute die Abfüllstation vor der Küste in Richtung
„Weltmarkt“ verlassen. Die aktuelle Ölförderung
im Tschad sticht aber nicht durch ihre - vergleichsweise geringe
- Menge hervor, sondern erhält ihre Bedeutung durch ein
neues Finanzierungs- und Management-Modell der Weltbank. Ihr
Engagement machte das Hochrisikogeschäft im bürgerkriegsgeplagten
Tschad für die Petro-Multis erst möglich. Das „Tschad-Kamerun-Erdölprojekt“,
mit der Förderung im Doba-Becken und der Pipeline ans Meer,
ist mit nunmehr 4,2 Mrd. U$ (statt der ursprünglich 3,7
Mrd.) nach wie vor die grösste Privatinvestition in Afrika.
Der Tschad wird von
der Weltbank als neues Modell gepriesen, an dem sich zeigen
lässt, dass Ölexporte durchaus der Armutsbekämpfung
dienen können. Sie brachte die Regierung des Tschad dazu,
ein Überwachungsinstrumentarium zu entwickeln, das die
gerechte und ausgleichende Verteilung der Ölgelder garantieren
sollte. Seine Kernelemente sind das Gesetz 001/PR/99, das die
Verwendung der staatlichen Öleinahmen regelt, und ein Überwachungskomitee,
kurz „Collège“ genannt. Die Weltbank anerkannte
damit auch die allgemein bekannte Tatsache, dass in Afrika -
wie anderswo auch bei armen, korrupten und repressiven Staaten
- die Ölförderung zu noch mehr Korruption, Unterdrückung
und Armut führt. Das Konzept der Weltbank ist sicherlich
innovativ, aber auch unvollständig: So sind viele wichtige
Details des Vertrages zwischen der Regierung und den Ölgesellschaften
geheim und einer Überprüfung entzogen. Die Regierung
besitzt einen relativ starken Einfluss auf die Arbeit des Collège
und weitere Ölfunde fallen nicht unter das Weltbank-Modell.
„Die Analyse des ersten Jahres der Ölförderung
im Tschad gibt nach wie vor zur Sorge Anlass“ schreibt
die US-amerikanische NGO Catholic Relief Services in ihrem neuesten
Bericht „Chad’s Oil: Miracle or Mirage?“
Neue Erdölfelder
Neuere Entwicklungen
im Tschad zeigen, dass die Erdölförderung massiv ausgedehnt
werden soll. Schon für Ende 2005 oder Anfang 2006 plant
ExxonMobil die Eröffnung neuer Bohrstellen ausserhalb des
Doba-Beckens. Die kanadische EnCana hatte sich schon vor einiger
Zeit ein riesiges Gebiet namens „Block H“ gesichert,
das jetzt reiche Ausbeute ab 2009 verspricht. Dann werden auch
neue zuführende Pipelines zur Hauptumfüllstation im
Komé gelegt werden müssen. Mit der Zunahme der Ölausbeute
steigt natürlich auch die strategische Bedeutung der bereits
bestehenden grossen Pipeline vom Südtschad durch Kamerun
ans Meer.
Im Dezember 2004
tauchte ein neuer Spieler auf dem Feld auf: Fenergem, in Afrika
ein strategischer Partner von Petrochina, bekam den Zuschlag
auf eine Prospektion im nördlichen und mittleren Tschad,
so gross wie die britischen Inseln. Allein für das Zustandekommen
des Vertrages zahlte Fenergem der tschadischen Regierung 16
Mio. U$ (am Gesetz 001/99 vorbei). Das erinnert an die unglückliche
„Bonus-Affäre“ im Jahre 2000, als sich das
Militär aus solchen Geldern mit Kampfhelikoptern eindeckte
(siehe auch Afrika-Bulletin Nr. 116).
Gleichzeitig scheiterte
der Versuch, das Ölförderland Tschad zum Selbstversorger
zu machen. Die Ausbeute der nördlich der Hauptstadt liegenden
Sedigi-Ölfelder zur Deckung des nationalen Bedarfs wird
weiter verzögert, nachdem die beauftragte Firma Concorp
International eine Pipeline von so schlechter Qualität
gebaut hat, dass sie kein Öl transportieren kann. So entsteht
die paradoxe Situation, dass auch im „neuen“ Ölland
Tschad weiterhin Autobenzin aus dem benachbarten Nigeria bezogen
wird.
Politisch
unstabil
Es wird offensichtlich,
dass die Ölgelder, die jetzt langsam ins Land fliessen,
nur wenig zur politischen Stabilität beitragen. Nach einem
Putschversuch im Mai 2004 reagierte das Militär während
des ganzen Sommers sehr nervös: Razzien, die angebliche
Waffenverstecke zu Tage fördern sollten, wurden von Präsident
Deby teilweise persönlich geleitet. Im November 2004 verbot
die Regierung sogar die Verwendung von Satelliten-Telefonen,
um unkontrollierte Anrufe ins Ausland zu unterbinden. Anfang
Jahr trat Premierminister Moussa Faki nach einer Welle von Streiks
der Lehrer, Krankenschwestern und Beamten zurück. Und schon
im Sommer dieses Jahres steht dem Land eine neue Belastungsprobe
bevor. Am 6. Juni will sich Präsident Deby eine dritte
Amtszeit durch ein Referendum bestätigen lassen. Die Opposition
droht mit Boykott und einem Generalstreik.
Im Osten des Landes
verstärken 200'000 Flüchtlinge aus Dafour die diversen
Spannungen und Konflikte. So zwang die Konkurrenz um knappe
Ressourcen (Weideland und Wasser) etliche Nomaden, weiter nach
Süden zu wandern. Im November 2004 starben in Bebidja,
nahe den Doba-Ölfeldern, mehrere Menschen bei solchen Zusammenstössen
zwischen „muslimischen“ Nomaden und „christlichen“
Bauern.
Das liebe
Geld
Öl wird der
wirtschaftliche Wachstumsfaktor für den Tschad sein: das
BPI stieg 2003 um 9,3%, aber schon 2004, im ersten Jahr der
Förderung, um 40%! Das nominale Pro-Kopf-Einkommen im Tschad
wird sich 2005 verdoppeln. Im Jahr 2004 zahlte ExxonMobil 150
Mio. U$ auf das Treuhänder-Konto der Citibank in London.
2005 werden es noch mal über 200 Mio. U$ sein. Über
den gesamten Förderungszeitraum von 25 Jahren wird sich
die Summe auf über 5 Mrd. U$ belaufen. Doch die genaue
Berechnungsgrundlage bleibt ein Geheimnis von Exxon und der
tschadischen Regierung.
Im Oktober letzten
Jahres wurde ein Regierungskommunique veröffentlicht, das
in ungewöhnlich scharfen und eindeutigen Worten das Exxon-Konsortium
des Vertragsbruches bezichtigte. Diesem Papier zufolge werde
das tschadische Öl weit unter seinem Wert auf dem Weltmarkt
verkauft. Damals erbrachte die Marke Brent 50U$ pro barrel auf
den Spotmärkten während der Verkaufspreis des Doba-Rohöls
bei circa 38 U$ lag. Auch das Rohöl, mit dem die Pipeline
vorgefüllt wurde, wolle Exxon laut dieser Pressemitteilung
nicht zahlen, und das Konsortium würde generell die geförderte
Menge anders als vereinbart berechnen. Ein eindeutiger Hinweis,
dass die tschadische Seite langsam zu realisieren beginnt, welch
schlechten Handel sie vor Jahren eingegangen ist.
Der Weg des Ölgeldes
von den Konten der Citibank bis zu den einzelnen Projekten im
Tschad ist eine Pipeline mit vielen Löchern. So stellte
eine interne Untersuchung des tschadischen Erziehungsministeriums
fest, dass nur knapp 35% der budgetierten Gelder die Schulprojekte
vor Ort erreichen. Laut westlichen Diplomaten gründeten
dem Präsidenten und dem Machtzentrum nahe stehende Leute
eigens „Schein-NGO’s“, um von den Ölgeldern
zu profitieren. Auch bei dem viel gepriesenen Aufbau der ländlichen
Infrastruktur hapert es mitunter gewaltig. Von zwölf mit
Ölgeldern bezahlten Brunnen in der Region Ouddai funktionieren
nur gerade mal zwei.
Das wirklich Neue
an dem tschadischen Erdölprojekt ist das aus zivilen und
staatlichen Delegierten zusammengesetzte neunköpfige Aufsichtskomitee
CCSRP (Collège de Contrôle et de Surveillance des
Ressources Pétrolières), kurz Collège genannt.
Aber im Collège machen Teilzeit-Mitglieder einen Full
Time-Job. Zwar erhielten die neun Mitglieder nach langem Hin
und Her fünf technische Assistenten. Doch welch’
Verhältnis: 14 Leute sollen in einem Land doppelt so gross
wie Frankreich, ausgestattet mit zwei bis drei Autos und einer
mangelhaften Infrastruktur, die Geldflüsse eines Milliardengeschäfts
mit all seinen Finessen, Tricks und Winkelzügen überschauen
und kontrollieren. Wann immer die Regierung gedenkt, Ölgelder
von über 20'000 U$ in Projekte zu stecken, hat das Collège
die Aufgabe dieses zu überprüfen. Und zwar innerhalb
von fünf Tagen! Schafft es das nicht, gilt die Ausgabe
als gesetzeskonform und genehmigt.
Bezahlt wird die
Arbeit des Collège von der tschadischen Regierung, die
jedoch 2004 kaum noch Geld überwies. Zudem müssen
ihre vier zivilen Nichtregierungsmitglieder von der Regierung
bestätigt werden. Was normalerweise eine reine Formalität
ist, wurde auch schon benutzt, um unliebsame Besetzungen im
Collège zu verhindern.
Nach den vorliegenden
Informationen zu schliessen, scheint auch die tschadische Verwaltung
nach wie vor nicht in der Lage zu sein, mit einem multinationalen
Konzern wie ExxonMobil, durch dessen Hände der Lebenssaft
der modernen Industriegesellschaft fliesst, Schritt zu halten.
Offenbar verfügt nur ein Teil der Staatsangestellten, die
mit diesen Vorgängen befasst sind, über das finanztechnische
Wissen oder ist mit modernen Verwaltungstechniken oder Computern
vertraut.
Zweifel am
Erfolg sind erlaubt
Eine abschliessende,
positive Bewertung des Erdölprojekts im Tschad, wie es
Weltbank und Exxon tun, ist verfrüht. Es ist nach wie vor
fraglich, ob im Tschad die staatlichen Erlöse aus dem Öl
zugunsten einer Entwicklung zum Wohle der Bevölkerung eingesetzt
werden. Die allgemeine Korruption, die fehlende Rechtssicherheit,
die politische Instabilität des Landes und die mangelnde
Kapazität der staatlichen Verwaltung, mit den Geldern umzugehen,
lassen zweifeln. Es ist sogar zu befürchten, dass die nun
langsam auf tschadische Konten fliessenden Ölgelder den
Druck von der Regierung nehmen, politische Zugeständnisse
an die Zivilgesellschaft zu machen.
Der Autor: Matthias
Kuge, Ethnologe, befasst sich seit längerem mit Fragen
der Erölförderung im Tschad. Sein erster Bericht „Erdöl
aus dem Tschad – Förderung unter internationaler
Vormundschaft?“ ist im Afrika-Bulletin 116 (Okt./Nove.
2004) erschienen und kann nachbestellt werden.
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Angolas Korruption
Angolas Erdöl dient der schamlosen
Bereicherung der politischen Führung. Über die Verwendung
der Milliarden aus den Erdöleinnahmen herrscht Schweigen.
Die Vermarktung erfolgt durch Sonangol. Wohin die Gewinne fliessen,
ist unklar. Verschiene Organisation bauen Druck auf, damit endlich
Transparenz über die Milliardeneinnahmen geschaffen wird,
dies vor dem Hintergrund, dass in Angola nach wie vor Hunderttausende
von Flüchtlingen, Kriegsversehrten und Weisen von der Hilfe
internationaler Organisationen abhängig sind, während
sich die Elite schamlos bereichert.
Die Geschäfte
der Korruption schwappen auch in die Schweiz. Konkret geht es
um einen Waffen-Erdöldeal, in den Angola, Frankreich und
Russland verstrickt sind und der über Pierre Falcone und
Arkadi Gayadamak abgewickelt wurde. Gelder aus diesem Deal liegen
in der Schweiz. Eine strafrechtliche Untersuchung wurde jedoch
vom Genfer Untersuchungsrichter eingestellt.
Dagegen haben verschiedene
schweizerische, angolanische und internationale Organisationen
und Einzelpersonen protestiert, darunter auch das Afrika-Komitee.
In einer Eingabe an den zuständigen Untersuchungsrichter
Zapelli wird unter anderem gelten gemacht: „Im vorliegenden
Fall gibt es klare Indizien für Korruption. Gemäss
einer Serie von Geldverschiebungen, die vom Abalone-Konto No.
CO-101436 auf der Genfer UBS-Filiale aus erfolgten, wurden Gelder
der staatlichen angolanischen Erdölfirma Sanagol auf Konten
im Namen hoher angolanischer Funktionäre transferiert,
ebenso auf Konten im Namen von Pierre Falcone und Arkadi Gayadamak
sowie auf Konten von Firmen, die Falcone gehörten, zum
Beispiel Brenco Trading Ltd, und auf eine Reihe obskurer Offshore-Firmen
(...). Ferner scheinen Gelder in der Folge via Zwischenkonten
auf Konten verschoben worden zu sein, die auf die Namen von
angolanischen Amtsträgern lauten, beziehungsweise in deren
Namen verwaltet werden, darunter auch Präsident Dos Santos.
Von insgesamt 774 Mio. US-Dollar, die zwischen 1997 und 2000
auf das Abalone-Konto einbezahlt wurden, scheinen nur 161 Mio.
US-Dollar auf einem Konto des russischen Finanzministeriums
gelandet zu sein... Insgesamt sind wir der Ansicht, dass Ihr
Einstellungsentscheid ein verhängnisvolles Signal im internationalen
Kampf gegen Korruption und Geldwäscherei aussendet, sowohl
für die schweizerischen Strafbehörden im Allgemeinen
wie Ihre Behörde im Besonderen. In einem kürzlichen
Artikel im Magazin des Departements für auswärtige
Angelegenheiten (EDA), der auch den Abalone-Fall erwähnt,
heisst es: „Jahrzehntelang legten korrupte Diktatoren
aus aller Welt ihre Milliarden unter anderem in der verschwiegenen
Schweiz an. […] Ihr übler Ruf begann das Image nachhaltig
zu schädigen. So schuf die Schweiz ein weltweit einzigartiges
System zur Aufdeckung von Potentatengeldern (Schweiz global
1/2005).“
Ihr Einstellungsentscheid
läuft den Bestrebungen der Schweiz diametral entgegen,
den Ruf als Finanzzentrum wieder herzustellen, ebenso wie dem
Bekenntnis der Schweiz zu internationalen Initiativen zur Bekämpfung
von Korruption und Geldwäscherei, etwa der Financial Action
Task Force der OECD, des Übereinkommens des Europarats
über Geldwäscherei sowie Ermittlung, Beschlagnahme
und Einziehung von Erträgen aus Straftaten, der OECD-Konvention
gegen die Bestechung ausländischer Amtsträger, sowie
des Strafrechtsübereinkommens des Europarats über
Korruption und der UN-Konvention gegen Korruption.“
Der Brief kann
auf der Homepage des Afrika-Komitee eingesehen werden: www.absa.ch/AK/Bulletin/Angola2005.htm
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