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Afrika-Bulletin Nr. 118:
April/Mai 2005
Schwerpunktthema:
Kapverde

Kapverde: Eine Handvoll Inseln - oder wohl besser: Inselchen – in den Weiten des Atlantik. 460 000 Menschen leben dort, vielleicht doppelt so viele leben in der Emigration. Wirtschaftlich ist das Land nicht lebensfähig. Ohne die Überweisungen der Auslandkapverder und ohne internationale Entwicklungshilfe ginge nichts. Und doch: Kapverde ist ein stabiles demokratischen Land, in dem Machtwechsel zwischen der einen und anderen Partei reibungslos erfolgen. Kapverde ist trotz allem auch wirtschaftlich stabil, seine Infrastruktur funktioniert, die Analphabetenrate gehört zu den tiefsten von ganz Afrika.

Dank einer geschickten Aussenpolitik hat sich Kapverde international gut vernetzt, dank einer exemplarischen „Good Governance“ geniesst das Land hohe Anerkennung bei den Geberländern. Doch die Anstrengungen zur Entwicklung führten zu einem paradoxen Ergebnis: Wohl weil sich Kapverde zu sehr anstrengte und entsprechende Ergebnisse hervorbrachte, wurde es als Schwerpunktland der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit gekippt. Das führt zu Engpässen, ja gar zu Entwicklungsruinen. In diesem „Afrika-Bulletin“ thematisieren wir diese interessante, aber letztlich schmerzvolle Entwicklung

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Bestrafte Anstrengungen
Entwicklungszusammenarbeit Schweiz-Kapverde

Am 5. Juli 2005 wird die Republik Kapverde (Cabo Verde) 30 Jahre alt. Der westafrikanische Archipel – 550 Kilometer westlich von Senegal gelegen – war die erste portugiesische Kolonie und (zusammen mit São Tomé, Angola und Moçambique) bis 1975 auch die letzte. Im Jahr der Unabhängigkeit setzte die Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Schweiz und Kapverde ein. Daniel Moser schildert die wechselvolle Geschichte.

1975 wurde ein erster Vertrag zwischen der Schweiz und der Republik Kapverde über die Entwicklungszusammenarbeit geschlossen; gleichzeitig unterstützte der Bund verschiedene Nothilfe- und Entwicklungsprojekte des Hilfswerkes der Evangelischen Kirchen der Schweiz (HEKS) von 1975 bis 1982 und verschiedene Projekte zur Förderung des Gemüseanbaus lokaler Nichtregierungsorganisationen. Ein Jahr später startete SWISSAID die ersten Projekte im Schulhausbau und zur Dünenbefestigung auf der Insel Boavista, die bis in die neunziger Jahre fortgesetzt wurden. Auch hier leistete der Bund finanzielle Unterstützung. 1978 nahm die „Association Cap Vert – Genève“ (ACVG) ihre Tätigkeit auf und unterstützte Projekte auf den Inseln Fogo und Brava (Fischerei, Konsumgenossenschaft, Kindergärten, Sanitätsposten), Maio (Kindergärten) und Santo Antão (Sanitätsposten, Kindergarten). Die ACVG konzentriert heute ihre Tätigkeit auf die Insel Maio.

Kapverde als Schwerpunktland

1985 erklärte die Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe (DEH, heute DEZA) die Republik Kapverde zu einem ihrer Schwerpunktländer und schloss einen entsprechenden bilateralen Vertrag ab. In der Hauptstadt Praia wurde ein Koordinationsbüro eröffnet. Programmschwerpunkte waren die Förderung der ländliche Entwicklung, Bodenverbesserungsmassnahmen, Alphabetisierung und Fortbildung in der Landwirtschaft, integrierte Programme zur Schaffung von Arbeitsplätzen und Nahrungsmittelhilfe.

Auf dem Gebiete der Nahrungsmittelhilfe leistete die Schweiz auf Kapverde Pionierarbeit, die von Ländern wie Österreich, Frankreich, den USA und später auch von der EU übernommen wurde: Die Nahrungsmittel wurden nicht einfach gratis an die Bevölkerung abgegeben, sondern durch die staatliche Stelle EMPA zu Weltmarktpreisen in lokaler Währung verkauft. Mit den Erlösen wurden Infrastrukturarbeiten (Strassenbau, Aufforstung, Wasserverbauungen, Bodenerhaltung) finanziert und auf diese Weise Arbeitsplätze geschaffen. Nach ähnlichen Modellen werden heute auch Projekte im sozioökonomischen Bereich finanziert.

Auch im Bildungsbereich spielte die Schweiz auf Kapverde eine Pionierrolle: Die junge Republik hatte von Anfang an – ganz den Ideen Amilcar Cabrals verpflichtet – das Bildungswesen auf allen Stufen kräftig gefördert. Die Schweiz setzte sich insbesondere für die Alphabetisierung der Erwachsenen ein und unterstützte sie massgebend, bis hin zur „Biblioteca Movel“, zu den Bibliotheksbussen auf den Inseln Fogo, Santiago und Santo Antão. Die „Biblioteca Movel“ besuchte mit ihren Büchern die hintersten Dörfer der Inseln und sorgte damit, dass die von Kindern und Erwachsenen neu erworbene Fähigkeit des Lesens durch Nichtgebrauch nicht wieder verloren ging. Dank der vielfältigen Anstrengungen ist Kapverde heute vermutlich das Land mit der kleinsten Analphabetenquote Afrikas.

Nachdem ein erstes Programm mit Darlehen für Universitätsstudien in der Schweiz wenig Erfolg zeigte, entschloss sich die DEZA, solche rückzahlbare Darlehen für das Studium in Drittstaaten (namentlich in Brasilien) auszugeben. Auch hierin folgten nach einer Beobachtungsphase Länder wie Österreich, die Niederlande und die USA dem schweizerischen Modell.

Schliesslich wurde das Koordinationsbüro der DEZA 1991 auch im Kulturbereich aktiv und schuf die Anfänge für einen Kulturfonds, der es Musikern, Tänzerinnen, Schriftstellern und bildenden Künstlerinnen erlaubte, die kapverdische Kultur auch im Ausland bekannt zu machen.

Die schweizerische Entwicklungszusammenarbeit auf Kapverde förderte stets den Beizug der einheimischen, menschlichen Ressourcen und zwar in allen Phasen der Arbeit: sowohl in der Projektplanung wie in der Projektleitung und in der Evaluation. Zwischen 1995 und 2001 leitete der Kapverdianer Victor Borges das Koordinationsbüro der DEZA in Praia - er ist heute Aussenminster des Inselstaates.

Kapverde galt lange Zeit als Musterland der Entwicklungszusammenarbeit, nicht zuletzt auch deshalb, weil es kaum Korruption gab. So besorgte das kapverdische Finanzministerium die Buchführung und die Finanzkontrolle über die schweizerischen Projekte, was kaum kaum einem anderen afrikanischen Land möglich ist. Mit den Entschuldungsaktionen, die im Zusammenhang mit der 700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft standen, erhielten auch die Kapverden eine Entlastung, nicht zuletzt aufgrund der guten Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit mit diesem Land.

Die ersten freien Wahlen brachten 1991 für 10 Jahre einen Machtwechsel: Anstelle der bisherigen Regierung des Partido Africano para Independência de Cabo Verde (PAICV) trat der Movimento para a Democracia (MpD). Mit der Regierung wurde auch ein Teil der Administration ausgewechselt, was sich teilweise auf das Management der Finanzen negativ auswirkte. Diese Regierung verfolgte – in Übereinstimmung mit dem Weltwährungsfonds – eine ultraliberale Wirtschaftspolitik, die sich unter anderem in der „Privatisierung“ von Staatsbetrieben (teilweise Verkauf an portugiesische Staatsfirmen) und in der Öffnung des Landes für grössere Investitionen aus Italien und Spanien im Bereich des Massentourismus niederschlug. Diese Tendenzen wurden zwar nach dem Wahlsieg des PAICV 2001 abgeschwächt , aber nicht völlig aufgehoben. Der boomende Tourismus der letzten Jahre hat das Land nicht reich, aber für viele Kapverderinnen und Kapverder fremd gemacht. Entwicklungsprojekte in den Bereichen Bildung und Kultur sind geeignet, identitätsstiftende Bemühungen zu verstärken.

Von der Zurückstufung zum Abbruch

1995 stufte die DEZA Kapverde als Schwerpunktland von zweiter Priorität zurück. Programmschwerpunkte blieben die Alphabetisierung, Unterstützung der Gemeinden Boa Vista und São Domingo, Förderung von Kleinbetrieben und die Nahrungsmittelhilfe. Bis 2000 wurden jährlich zwischen 4 bis 5 Mio. Franken aufgewendet.

Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Schweiz und Kapverde wurde im Jahre 2000 kurzfristig beendet, einzelne kleinere Projekte wurden noch ein Jahr weitergeführt. Die Art und Weise, wie diese jahrzehntelange gut funktionierende Zusammenarbeit beendet wurde, wirft etliche Fragen auf: Eine Koordination mit anderen Geberländern fand nicht statt, der ausschliesslich durch die schweizerische Innenpolitik bedingte Entscheid wurde einsam und ohne partnerschaftlichen Dialog mit der kapverdischen Regierung gefällt.

Dies war umso bedauerlicher, als damit ein weiteres Experiment abgebrochen wurde: In Praia wurde erstmals ein Koordinationsbüro der DEZA durch einen Nicht-Schweizer geführt, nämlich durch den Kapverder Victor Borges.

Neben HEKS, SWISSAID und der „Association Cap Vert –Genève“ begannen 1988 verschiedene Projekte der Arbeitsgruppe „Cabo Verde“ des Bernischen Lehrerinnen- und Lehrervereins (BLV, heute LEBE): Beiträge für Schulmaterial, Schulgelder und Transportkosten für mittellose Jugendliche, Mitfinanzierung eines Internates auf der Insel Boa Vista, Unterstützung des Gymnasiums in Ribeira Grande und der Biblioteca Movel auf Santo Antão), der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung in Mindelo. Die Projekte werden bis heute weitergeführt. Die Arbeitsgruppe wurde 2004 in eine Stiftung „Bildung für Kinder und Jugendliche in Afrika“ umgewandelt, die aber nach wie vor schwerpunktmässig in Cabo Verde tätig sein wird. In den 18 Jahren sind durch die bernischen Lehrerinnen und Lehrer rund 600 000 Franken gesammelt und nach Cabo Verde überwiesen worden.

Das neue Umfeld der Entwicklungszusammenarbeit

Das Ende der Sowjetunion und des Ostblocks brachte auch das Ende des „Wettbewerbs der Systeme“ im Süden. Die Republik Kapverde hatte es während des Einparteienregimes von 1975 bis 1991 vortrefflich verstanden, ihre Blockfreiheit zu wahren und die Besonderheiten ihrer geopolitischen Lage zu nutzen: Sowohl die USA wie die UdSSR, aber auch Frankreich, China, Portugal, die Niederlande, die BRD und Österreich gehörten zu den massgebenden Entwicklungspartnern des Landes. Mit den weltpolitischen Veränderungen der neunziger Jahre ist auch das Interesse an diesen Inseln gesunken: Viele Länder haben die Entwicklungszusammenarbeit unkoordiniert abgebrochen oder doch stark reduziert, die internationale Solidarität ist geschwunden.

In dieser Lage wird auch der seit 1991 auf Kapverde gestartete Entwicklungsprozess der Demokratisierung, der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung gefährdet. Man wird sich des „Sonderfalles“ Kapverde bewusst sein müssen:

  • Die Inseln waren vor der Entdeckung und Eroberung der Portugiesen nur sehr spärlich besiedelt. Die Bevölkerung setzte sich aus zahlreichen von der westafrikanischen Küste her eingeführten Sklavinnen und Sklaven sowie portugiesischen Siedlern zusammen. Das Land kennt heute keine Ethnien und demzufolge auch keine ethnischen Konflikte.
  • Die „Insularität“ der Kapverde liess einerseits frühzeitig eine Dezentralisierung der staatlichen Strukturen als sinnvoll erscheinen, gleichzeitig erhöht dies aber die Infrastrukturkosten beträchlich.
  • Die Regierung durch die Einheitspartei Partido Africano para a Independência de Cabo Verde (PAICV) entsprach gewiss nicht den demokratischen Spielregeln, doch schrieb die NZZ am 23. Juni 1986: „Man kann freimütig mit Caboverdianos reden und gewinnt dabei den Eindruck, dass die Einheitspartei ... die Konkurrenz anderer Parteien ebenso wenig zu fürchten brauchte wie die menschenrechtlichen Ermittlungen vom Amnesty International.“ Wie bereits erwähnt, erlangte der liberale Movimento para a Democracia (MpD) 1991 für 10 Jahre die Macht auf Kapverde, bis die PAICV 2001 die Präsidenten- und die Parlamentswahlen wieder gewann. Die Mehrheit der Gemeindepräsidien sind seit den Gemeindewahlen von 2004 in den Händen von Politikern der MpD. Kapverde ist wohl eine der stabilsten Demokratien Afrikas.
  • Die Kapverden sind ein Emigrationsland par excellence: Neben den rund 470 000 Kapverden im Lande gibt es etwa 600 000 Kapverder im Ausland: In den USA, in Europa und auf dem afrikanischen Kontinent. Wenn Kapverde heute mit 1400 $ pro Kopf im Jahr ein relativ hohes Ergebnis erzielt, ist dies nicht auf eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zurückzuführen, sondern auf die Überweisungen von Emigranten (24%), die vor allem in Konsumgüter und Wohnungsbau fliessen. Nach 2008 wird Kapverde nicht mehr zur Gruppe der ärmsten Entwicklungsländer gehören und ab 2010 wird die Lebensmittelhilfe der UNO eingestellt.
  • Kapverde ist ein Land mit „Good Governance“: Rund 30% der Ausgaben werden für Bildung ausgegeben und nur 5% für die Armee. Die Korruption hat zwar mit der Demokratisierung offenbar etwas zugenommen, hält aber Vergleiche mit Ländern auf dem afrikanischen Festland nicht aus.
  • Nur zwischen 5% und 40% des Lebensmittelbedarfes kann aus der eigenen Landwirtschaft gedeckt werden. Die Spannweite ist deshalb so gross, weil die Niederschlagsregime der letzten Jahrzehnte sehr unregelmässig waren: Nach den verheerenden Dürreperioden der siebziger Jahre, die einen grossen Teil des Viehbestandes ruinierten, gelang ein Wiederanstieg der landwirtschaftlichen Produktion, doch kommen auch heute immer wieder auf einzelnen Inseln ausgesprochene Missernten vor, wie beispielsweise 2004 auf den Inseln Brava, Fogo und Santiago.
  • Die wirtschaftliche Liberalisierungspolitik seit 1991 hat die sozialen Unterschiede und die Differenzen zwischen den wenigen städtischen Zentren und der Landbevölkerung stark akzentuiert. Die Staatsverschuldung hat zwischen 1991 und 2001 enorm zugenommen; viele Staatsbetriebe sind privatisiert worden.
  • Die Bevölkerungszahl ist in den letzten 30 Jahren enorm gestiegen. Heute sind fast 50% der Bevölkerung unter 18 Jahren alt. Dies stellt enorme Probleme an das Bildungssystem und die Schaffung von Arbeitsplätzen – insbesondere in einer Epoche der immer restriktiver gehandhabten Einwanderungspolitik in den USA und in Europa.

Aufbruch zu neuen Ufern

Dank guter Regierungsführung, einem hohen Arbeitseinsatz der Kapverderinnen und Kapverder, der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und den Geldüberweisungen der Emigranten hat Kapverde in den dreissig Jahren der Unabhängigkeit zweifellos grosse Fortschritte erzielt. Trotzdem: Kapverde bleibt ein fragiles Land, dem die nachhaltige Entwicklung (trotz vieler kluger Köpfe) fehlt und dessen mittel- und längerfristige Entwicklung in Anbetracht des enormen demographischen Druckes nicht eben optimistisch eingeschätzt werden kann. Gleichzeitig gilt es, die einzigartige, reiche Kultur der Kapverde in Musik, Literatur, bildender Kunst, Theater und Tanz zu erhalten und zu fördern.

Die Entwicklungszusammenarbeit zwischen der Schweiz und der Republik Kapverde sollte aus diesen Gründen wieder aufgenommen werden, wenn auch nicht unbedingt mit Programmen wie in der Zeit zwischen 1985 und 2000. Heute benötigen Kapverde Finanz- oder Budgethilfe, denn gut ausgebildete Leute, eine effiziente Administation und ein zukunftsgerichtetes Gesellschaftsprojekt bestehen.

Zum Autor: Daniel Moser, Dr. phil., Historiker, beschäftigt sich seit mehr als drei Jahrzehnten mit Kapverde. Er besucht die Inseln regelmässig und ist im Rahmen des Bernischen Lehrervereins in Entwicklungsprojekten aktiv. Er ist Präsident der Vereinigung „sodade Cabo Verde“ (www.sodadecaboverde.ch).

Kohle, Kino und Theater
Mindelo: Das kulturelle Zentrum von Kapverde

Noch bis in die Siebzigerjahre existierte in Mindelo, der zweitgrössten Stadt von Cabo Verde, eine florierende Kinokultur, aber inzwischen ist hier neben dem Musikfestival Baia das Gatas und dem Karneval das alljährlich stattfindende Theaterfestival Mindelact zum wichtigsten kulturellen Ereignis geworden. Von Catherine Silberschmidt

Die Geschichte der Hafenstadt Mindelo ist eng mit jener der transatlantischen Dampfschiffahrt verbunden, denn Mitte des 19. Jahrhunderts geriet die kleine Insel São Vicente unversehens zu einem strategischen Zentrum der Weltnavigation. Die Lage des natürlichen Hafens zwischen New York und Kapstadt, sowie zwischen London und Rio de Janeiro, der wegen seiner Tiefe auch für grosse Schiffe geeignet ist, veranlasste die britischen Schiffahrtsgesellschaften, hier ihre Schwarzkohlelager zu errichten. Dank den britischen Investitionen entstand inmitten von Armut, Hunger und Sklavenelend eine florierende kleine Handelsstadt mit neuen Arbeitsplätzen. Jetzt wurden hier auch Golf, Cricket und Fussball gespielt. Und als 1874 im Porto Grande das erste Nord-Süd-Transatlantikkabel verknüpft wurde, das London mit Rio de Janeiro verband, erlebte Mindelo einen neuerlichen Aufschwung. Die British Telegraph beschäftigte mehr als hundert Leute, viele waren Engländer und ein paar wenige Portugiesen.

Es war ein Portugiese, der Buchhalter Cesar Marques da Silva, der 1923 das Kino «Eden Park», eröffnete. Er stand in gutem Einvernehmen mit den Kolonialbehörden, die den Kinobetrieb duldeten. Das war nicht selbstverständlich, denn ab 1926, beim Beginn der portugiesischen Militärdiktatur, wurde die Provinz Cabo Verde mit polizeistaatlichen Methoden verwaltet, und die berüchtigte Geheimpolizei Pide liess sich auch in Mindelo nieder. Im «Eden Park» durften in der Folge nur Filme gezeigt werden, die die Zensur des Estado Novo, des faschistischen Staates, passiert hatten, und das waren in erster Linie politisch harmlose Hollywood-Produktionen und portugiesische Filme. Doch das Kino wurde für die von der Welt abgeschnittene kapverdische Bevölkerung zur Überlebenshilfe. Der greise Apotheker und Lokalchronist Senhor Ramos erinnert sich an die Projektion des ersten Tonfilms im Jahre 1936 als wäre es gestern gewesen. «Das Hereinbrechen der grossen Welt gab uns das Gefühl, auch ein bisschen daran teilzuhaben». Doch in den dreissiger Jahren begann mit dem Aufkommen des Dieselöls als Treibstoff für die Schifffahrt bereits der Niedergang des florierenden Handelsstädtchens. Mit den Kohlelagern verschwanden auch die Arbeitsplätze und immer weniger Schiffe machten in Mindelo Halt. Sie liefen jetzt in Dakar und Gran Canaria ein, wo die Häfen in jener Zeit mächtig ausgebaut wurden. In Mindelo machten sich jetzt wieder Armut und Hunger breit.

Die Zukunft gehört dem Theater

Heute geht es dem Kino «Eden Park» nicht mehr so gut. Bis in die Sechzigerjahre hatte der Betrieb floriert. Doch nun finden die grossen Hollywood-Filme ihren Weg kaum mehr nach Cabo Verde. «Titanic» war da die grosse Ausnahme und der letzte grosse Kassen-Erfolg. Seither sind es nur noch Kung-Fu und andere Drittklass-Streifen, die hier gezeigt werden und ein treues kleines Stammpublikum erfreuen. «Die Sozialisten haben mein Kino ruiniert», ereifert sich Dona Maria Luisa Marques da Silva, die heutige Gerantin und Mitbesitzerin der Familien-AG Empresa Eden Park Ltd., die nicht mehr ganz junge Schwiegertochter des Kinogründers; und ein bisschen weniger ärgerlich fügt sie bei, «und die brasilianischen Telenovelas auch». Dona Maria Luisa meint damit, die Einflussnahme der damaligen Einheitspartei auf die Kinoprogrammierung, die anstelle von Hollywood lieber sozial engagierte Filme sah, und die kamen beim Publikum weniger gut an.

Mit Hilfe der Kommune wurde im «Eden Park» inzwischen eine mobile Leinwand und eine Theaterbühne eingebaut. Und so findet hier seit 1996 alljährlich im September das Theaterfestival «Mindelact» statt, eine lokale Initiative, die unter Mitwirkung des portugiesischen Kulturzentrums sowie weiterer theater- und kulturbegeisterter Mindelenserinnen und Mindelenser zustande gekommen ist.

Als Mindelact vor zehn Jahren gegründet wurde, beteiligten sich gerade mal fünf Theatergruppen aus São Vicente und der Nachbarinsel Santo Antão. «Die Idee zu diesem Festival ist ganz spontan entstanden», erinnert sich João Branco, der seit 1993 die Laienschauspielgruppe des portugiesischen Kulturzentrums in Mindelo aufgebaut hat und als Dramaturg betreut. «Im August findet hier immer das Musikfestival von Baia das Gatas statt. Während dieser Zeit herrscht viel Betrieb in unserer Stadt, doch kaum ist dieser Anlass vorbei, passiert nichts mehr. So haben wir 1995 kurzerhand beschlossen im September ein kleines Festival anzuhängen und unsere Stücke zu spielen.» Ein Jahr später beteiligten sich bereits mehrere Gruppen von den andern Inseln. Und seit 1997 ist Mindelact mit Hilfe des kapverdischen Kulturministeriums, der Stadt Mindelo, des portugiesischen, brasilianischen und französischen Kulturaustauschs und einiger lokaler Sponsoren ein internationaler Anlass geworden, sowohl von den Gruppen wie vom Publikum her.

Vom lokalen zum internationalen Festival

Gegen 150 Theaterleute aus Belgien, Portugal, Frankreich, Brasilien, São Tomé und Principe und Cabo Verde versammelten sich zum letztjährigen Festival, wo in der Zeit vom 3. bis zum 19. September zwanzig Stücke aufgeführt wurden, davon vierzehn von einheimischen Gruppen. Ausserdem fanden elf Workshops statt – durchgeführt von den ausländischen Gästen, durchwegs professionelle Theaterleute und -gruppen. Lichtführung, Stimmbildung, Mimik, Interpretation, Bühnenbild und vieles mehr stand im Angebot. «Mindelact ist nicht nur ein Fest, sondern eine grosse Schule und jeder und jede, die in diesem Lande eine Schauspielkarriere anvisiert, kommt in dieses Mekka des kapverdischen Theaters», meint João Branco stolz. Denn die heute 26 bestehenden Theatergruppen des Inselarchipels sind ausschliesslich Laienensembles.

Deren Entstehungsgeschichte unterscheidet sich von Insel zu Insel. So ging auf Santo Antão, das sehr agrarisch und ländlich ist, die Gruppe Juventude em Marcha 1984 aus der Jugendbewegung der damaligen Einheitspartei PAICV hervor. Ganz anders verlief die Entwicklung auf der Nachbarinsel São Vicente mit der Stadt Mindelo, denn hier traten seit den Dreissigerjahren des letzten Jahrhunderts immer wieder kleinere lokale Theatergruppen, aber auch Komiker und Artisten auf, die aber alsbald wieder verschwanden. Auch gab es im Kino Eden-Park vereinzelte Gastvorführungen von portugiesischen Theatertruppen.

Doch der Nährboden für die seit Beginn der Neunzigerjahre entstandene Theaterkultur ist das kulturelle Umfeld; denn Mindelo ist das historische Zentrum der kapverdischen Literatur. Hier entstand 1936 der erste kapverdische Roman «Chiquinho» von Baltasar Lopes, der als studierter Jurist und Philologe am Gymnasium unterrichtete. Darin schildert Lopes die Jugend eines jungen Mannes, der zum Lehrer ausgebildet in sein Heimatdorf zurückkehrt und dort die erdrückende Armut mit neuen Augen sieht. Angesichts der faschistischen Repression des portugiesischen Kolonialsystems konnte der Roman nicht in Cabo Verde veröffentlicht werden. Er wurde jedoch in Auszügen in der von kapverdischen Intellektuellen gegründeten literarischen Zeitschrift «Claridade» publizierte und gilt als kultureller Grundstein der politischen Befreiungsbewegung.

Aber erst in den Neunzigerjahren kam Bewegung in Mindelos Theaterleben. Aus dem alten Zollhaus am kreisrunden Naturhafen wurde das Kulturzentrum der kleinen Stadt, wo heute zusätzlich zum Kino Eden-Park gespielt und geprobt wird. Und als João Branco, der ursprünglich Mittelschullehrer ist, im nahe gelegenen portugiesischen Kulturzentrum ein Kursangebot für Laienschauspieler- und schauspielerinnen aufbaute und daneben auch einen Einführungskurs in die Geschichte des Theaters anbot, gelang es ihm, nicht nur versteckte Talente zu entdecken, sondern auch ein Publikum für die aufgeführten Stücke zu interessieren. So wird oft vor ausverkauftem Hause gespielt, aber auch auf der Strasse und manchmal auch an dezentralen Orten, wie etwa im Wartezimmer des Spitals, so während dem eben zu Ende gegangenen Frühlingsfestival, Marzo - mês de teatro, neben Mindelact das zweite kapverdische Theaterereignis, das alljährlich im März den ganzen Monat über auf allen Inseln stattfindet und ausschliesslich kapverdisches Theaterschaffen zur Aufführung bringt.

Das inhaltliche und qualitative Spektrum der gezeigten Stücke ist breit und führt auch immer wieder zu recht polemischen Auseinandersetzungen darüber, was denn eigentlich kapverdisches Theater sei. Sind es Stücke, die sich ausschliesslich auf die kapverdische Realität und Geschichte beziehen? Oder sind es auch Stücke, die einen universelleren Charakter haben wie etwa Shakespeares Liebesdrama «Romeo und Julia», von dem João Branco mit seiner Gruppe eine auf kapverdische Verhältnisse adaptierte kreolische Version inszeniert hat, oder sind es eher Stücke, die sich auf eine im Wesentlich mündlich überlieferte Mythologie beziehen, wie sie nicht selten aufgeführt werden? Eine heftig geführte Kontroverse, die dieses Jahr auch im Rahmen einer Fernsehdebatte ausgetragen wurde, und die sich sehr schnell zu einer Diskussion über Identität entwickelt hat. Ein brennendes Thema für die Kapverderinnen und Kapverder, die mehrheitlich in der Diaspora leben, oder aber auf den Inseln getrennt von ihren emigrierten Familienangehörigen zurückbleiben und zu einem wesentlichen Teil unter äusserst prekären Voraussetzungen leben müssen. Der Schriftsteller Germano Almeida plädierte für Qualität und bessere Rahmenbedingungen. Ob ein Theaterstück auf Portugiesisch oder auf Kreolisch aufgeführt wird, erachtet er als zweitrangig. Seine Romane schreibt er auf Portugiesisch, zwei davon wurden in Mindelo bereits für die Bühne adaptiert. In seiner Geschichte «Os dois irmãos» geht es um einen Brudermord, ein Drama um Entfremdung und Tradition zwischen einem Emigrierten und seinem Bruder, der auf den Inseln geblieben ist.

«Es gibt nicht eines, sondern viele verschiedene kapverdische Theater», versucht Branco in der Kontroverse über authentisch kreolischem und literarisch anspruchsvollem Theater zu vermitteln. «Für mich ist es ganz wichtig zu zeigen, dass Cabo Verde zur grossen Welt gehört, ein Teil dieses Universums ist, deshalb kommen in Mindelo immer wieder Klassiker, aber auch moderne Autoren zur Aufführung. Neben Shakespeare, Beckett und Molière, gehört auch «Bernarda Albas Haus» von Federico García Lorca zum Reportoire seiner Truppe, ein Drama über alleinstehende, ins Haus verbannte Frauen, deren Isolation ihre Sehnsüchte ins Unermessliche steigert.

Ein Thema, das sich sehr gut auf kapverdische Verhältnisse adaptieren lässt, denn hier sind die meisten Mütter alleinerziehend, und warten auf abwesende Ehemänner und Väter - auch jene, mit denen Branco das Stück einstudiert hat. Im Spiel des Frauendramas von Federico García Lorca, das auf die lokalen Verhältnisse angepasst wurde, konnten sie ihre eigenen, oft entbehrungsreiche Situation lustvoll in Szene setzen. Das Stück war ein Grosserfolg.

Die Autorin: Catherine Silberschmidt arbeitet als Journalistin in Zürich und befasst sich seit Jahren mit Kapverde, vor allem dem Film- und Theaterschaffen. Informationen über die kapverdische Theaterszene unter www.mindelact.com

Kapverde – ein musikalischer Gigant

dm. Césaria Evora – wer kennt die „diva aux pieds nus“ nicht? Die Frau aus der Stadt Mindelo auf der Insel S. Vicente hat die Musik der Kapverdischen Inseln weltweit bekannt gemacht. Um dem europäischen Publikum diese Musik schmackhaft zu machen, suchten viele Produzenten nach bekannten Anküpfungspunkten: Man sprach von den Einflüssen des portugiesischen Fado, man verglich die berühmt gewordene Sängerin mit Edith Piaf und anderen - alles Vergleiche, die wenig zum wirklichen Verständnis der Musik Cabo Verdes beitragen.

Was allen Interessierten bei einer Reise nach Cabo Verde vorerst auffällt, ist die grosse Anzahl von Musikgruppen und die Vielfalt der musikalischen Produktion. Wenn es eine Statistik über die Zahl von Musikgruppen pro Kopf der Bevölkerung gäbe, dann würde Cabo Verde einen Spitzenplatz belegen. Wer etwas in diese Musik hineinhört, wird bald den Reichtum der unterschiedlichsten Stilarten feststellen. Wir finden hier die traditionellen Formen der Morna (poetisch-romantische Lieder und Tänze), der Funana (ländlichen Ursprungs, häufig mit Akkordeon und Metallinstrumenten) und der Coladera (von der Morna abgeleitet, aber mit rascheren Rhythmen) und andere.

Der erwähnte Reichtum der Stilarten geht auf zahlreiche äussere Einflüsse zurück: Cabo Verde liegt nicht nur geografisch auf dem Schnittpunkt der Verbindungslinien zwischen Europa, Afrika, Nord- und Südamerika, sondern auch musikalisch – in der Tradition wie auch in den vielen modernen Weiterentwicklungen. Daneben haben aber die einzelnen Inseln ihre eigenen Ausdrucksformen und Ausprägungen bewahrt. Eine der besten Übersichten zur Musik von Cabo Verde hat zweifellos Vladimir Monteiro (Les musiques du Cap Vert, Paris 1998; Chandeigne) publiziert.

Aktuelle Literatur zu den Kapverdische Inseln – einige Tipps

hus. In deutscher Sprache gibt es zur Zeit keine Publikation, welche die Geschichte von Kapverde bis in die jüngste Zeit nachzeichnen würde. Aktuell ist jedoch die vom früheren französischen Botschafter in Praia verfasste Publikation „Les îles du Cap-Vert – de la découverte à nos jours“, die 2002 im Verlag L‘Harmattan in Paris erschienen ist. Darin wird die Geschichte der Inseln nachgezeichnet, von der Entdeckung durch den Portugiesen Diego Gomes und den Genuesen Antonio de Noli (1460), bis zur heutigen Zeit. Dabei wird die Frage aufgeworfen, ob die Inseln bereits früher einmal entdeckt oder gar besiedelt gewesen sind, worauf einige wenigen Zeugnisse, insbesondere bisher nicht entschlüsselte Felsinschriften schliessen lassen.

Nebst der Darstellung der Kolonialgeschichte wird auch auf die Rolle von Kapverde gegenüber Guinea-Bissau eingegangen, das von Kapverde aus und oft durch Kapverder verwaltet wurde, und gegenüber São Tomé, wo der Aufbau der Kaffeeplantagen durch zwangsumgesiedelte Kapverder erfolgte. In die Kolonialzeit fallen auch die stets wiederkehrenden Hungersnöte, die Zehntausenden den Tod brachten, so das letzte Mal in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Die jüngste Entwicklung unmittelbar vor der Unabhängigkeit und bis heute nehmen breiten Raum ein. Auch wenn die Befreiungsbewegung PAIGC (Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea-Bissau und Kapverde) die Unabhängigkeit beider portugiesischer Territorien anstrebte, fand der eigentliche Unabhängigkeitskampf ausschliesslich in Guinea-Bissau statt. Auf Kapverde bestand ein Untergrundnetz, das im Zeitpunkt der Nelkenrevolution in Portugal (1974) etwa 50 Personen umfasste. Die Machtübernahme durch die PAIGC im Zeitpunkt der Unabhängigkeit (1975) wurde durch die portugiesische „Bewegung der Streitkräfte“ (MFA) vorgespurt, indem andere politische Bewegungen auf Kapverde kurzerhand von den Wahlen ausgeschlosen wurden. In den Jahren 1975 bis 1991 war die PAIGC (später umbenannt in PAICV) Einheitspartei. In diese Periode fällt der Aufbau einer staatlichen Infrastruktur, namentlich auch im Erziehungs- und Gesundheitswesen. Zu heftigen Auseinandersetzungen, die auch zu zwei Todesopfern führte, kam es bei der Umsetzung der Landreform, mit welchem die Macht der wenigen Grossgrundbesitzer gebrochen werden sollte, die ihre Ländereien durch verarmte Landlose bebauen liessen und als Entgelt einen Grossteil der Ernte beanspruchten. In den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit erschien Kapverde auch in den Berichten von Amnesty International aufgrund eingeschränkter Meinungsäusserungsfreiheit. Unterschiedliche linksnationale und revolutionäre Strömungen versuchten sich durchzusetzen. Stets wurde jedoch aussenpolitisch eine Balancepolitik zwischen Ost und West verfolgt. Nie rutschte Kapverde in eine Abhängigkeit eines Blocks hinein, die aufgrund der strategischen Lage der Inseln in der Zeit des kalten Krieges durchaus Fuss zu fassen versuchten.

In den achtziger Jahren änderte sich die Lage rasch. In der Einheitspartei kam es zu einem Öffnungsprozess, der 1991 zu den ersten Mehrparteienwahlen führte. Prompt verlor die PAICV die Parlamentsmehrheit an die aus ehemaligen PAICV-Mitgliedern gebildete MPD (Bewegung für Demokratie). Diese setzte eine rasche wirtschaftliche Öffnung und eine Orientiertung nach Europa durch. Nach zwei Amtsperioden (10 Jahre) wurde aber die MPD wieder abgewählt und die frühere Befreiungsbewegung gelangte erneut an die Macht. Diese interessante Periode wird im Buch detailliert dargestellt. Damit wird ein Zeitabschnitt aufgearbeitet, der bis anhin noch verschlossen war.

André Barbe, Les îles du Cap-Vert – de la découverte à nos jours, Paris 2002 (L’Harmattan)


Kapverde als Insider–Reisedestination

hus. Kapverde ist in den letzten Jahren vom Geheimtip als Reisedestination immer mehr in die Angebote verschiedener Reiseveranstalter gerückt. Der Tourismus hat sprunghaft zugenommen. Auch wenn sich auf der Insel Sal die Bettenkapazität in den Letzten Jahren wohl verdoppelt hat – überlaufen sind die Inseln noch immer nicht. Dies gilt uneingeschränkt für alle andern Inseln. Inselhüpfen ist demnach angesagt, was sich lohnt, wenn mehr als nur eine Woche Ferien geplant sind. Dazu stehen auch verschiedene Reiseführer zur Verfügung. Unter ihnen sticht der von Regina Fuchs verfasste Führer „Cabo Verde – Kapverdische Inseln“ hervor, der sich durch zahlreiche Detailangaben auszeichnet. Für Wanderfreudige gibt es den von Susanne Lipps und Oliver Breda verfassten Band „Wandern auf den Kapverdischen Inseln“ mit Wandervorschlägen auf sechs Inseln. Für Wanderungen auf Santo Antão ist der von Pitt Reitmeier und Lucete Fortes verfasste Goldstadt Wanderführer ein Muss. Geologen, Botanikerinnen und Zoologen packen den von Schleichs verfassten „Naturreiseführer Cabo Verde“ ein, der – obwohl 1995 erschienen – nicht veraltet ist. Wer auf Französich etwas sucht: Sabrina Requedaz, Cap Vert, Loin des yeux du monde, erschienen bei Olizane.

  • Regina Fuchs, Lucete Fortes und Pitt Reitmeier, Cabo Verde – Kapverdische Inseln, Bielefeld 2004 (Reise Know-How-Verlag)
  • Susanne Lipps und Oliver Breda, Wandern auf den Kapverdischen Inseln, Köln 2001 (Dumont aktiv)
  • Pitt Reitmeier und Lucete Fortes, Santo Antão, Pforzheim 2001 (Goldstadt Wanderführer)
  • K. Herrmann Schleich, Karin Schleich, Cabo Verde, Stuttgart 1995 (Verlag Stephanie Naglschmid)
  • Sabrina Requedaz, Cap Vert, Loin des yeux du monde, Genf 2003 (Editions Olizane)


Literaturhinweise zu Kapverde (Auswahl)

Geschichte:

  • Albuquerque Luis, Maria Emilia Madeira Santos (Ed.), História Geral de Cabo Verde, Lisboa, Praia 2001 (5 volumes)
  • Almeida Germano, O dia das calças roladas, S. Vicente 1992
  • Almeida Germano., Cabo Verde: viagem pela história das ilhas; Fotogr. de José A. Salvador, Lisboa 2003 (Ed. Caminho)
  • Almeida José Maria (Ed.), Découvertes des îles du Cap Vert. Praia, Paris 1998 (AHN Sépia)
  • Andrade Silva Elisa, As Ilhas de Cabo Verde da „descoberta“ à independência nacional (1460-1975), Paris 1996 (l’Harmattan)
  • Barbe André, Les îles du Cap Vert, De la découverte à nos jours, Une introduction, Paris 2003 (Collection Mondes Lusophones)
  • Brunner Samuel, Reise nach Senegambien und den Inseln des grünen Vorgebürges im Jahre 1838, Bern 1840
  • Cabral Amilcar, Die Revolution der Verdammten, Berlin 1974 (Rotbuch)
  • Cabral Amilcar, Die Theorie als Waffe, Amilcar-Cabral-Gesellschaft, Bremen 1983 (CON)
  • Cabral Amilcar, Sou um simples africano (exposição), Lisboa 2000
  • Cabral N.E., Le moulin et le pilon, Paris 1980
  • Cardoso Humberto, O Partido único em Cabo Verde, Um assalto à esperança, Praia 1993
  • Carreira Antonio, Cabo Verde. Formação e extinção de umna sociedade escravocrata (1460-1878), Praia 1983, (Instituto Cabo-Verdiane do livro)
  • Carreira Antonio, Migrações nas ilhas de Cabo Verde, Praia 1983 (Instituto Cabo-Verdiane do livro)
  • Crone G.R., The Voyages of Cadamosto and other Documents on Western Africa, London 1937
  • Davidson Basil, The fortunate isles : a study in African transformation, London 1989 (Hutchinson)
  • Duncan Bentley T., Atlantic Islands. Madeira, the Azores and the Cape Verdes in Seventeenth Century Commerce and Navigation, Chicago, London 1972
  • Foy Colme, Cap Verde, New York 1988 (Pinter)
  • Kasper Josef E., Ilha da Boa Vista Cabo Verde, Praia 1987 (Instituto Caboverdiano do livro)
  • La Fleur J.D., Pieter van den Broecke’s journal of voyages to Cape Verde, Guinea and Angola (1605-1612), London 2000 (Hakluyt)
  • Lopes João Filho, Olhares Partilhados, Praia 2002 (Instituto da Biblioteca National)
  • Lopes Marlene, Historical dictionary of the Republic of Cap Verde, Metuchen (N.J.) 1995 (Scarecrow)
  • Massa Françoise et Jean-Michel, Dictionnaire encyclopédique et bilingue Cabo Verde Cap Vert, Rennes 2001 (EDPAL)
  • Meintel D., Race, Culture, and Portuguese Colonialism in Cabo Verde, Syracuse 1985 (Syracuse Univ. Press)
  • Monteiro Júlio, Os rebelados da Ilha de Santiago, Lisboa 1974
  • Pina Marie-Paule, Les îles du Cap Vert, Paris 1987 (Karthala)
  • Querido Jorge, Cabo Verde - Subsidio para a historia da nossa luta de libertação, Lisboa 1989
  • Schicha Walter, Handbuch Afrika, Band 2: Westafrika und die Inseln im Atlantik, Frankfurt am Main 1998 (Brandes & Aspel, Südwind)
  • Sorgial Pierre, Les îles du Cap Vert d’hier et d’aujourd’hui, Paris 1995
  • Quint Nicolas, Les îles du Cap-Vert aujourd'hui: perdues dans l'immensité, Paris 1997 (l'Harmattan)


Geographie:

  • Klug Heinz, Die Inselgruppe der Kapverden, in: Beiträge zur Geographie der mittelatlantischen Inseln, Schriften des Geographischen Instituts der Universität Kiel, Band 39, Kiel 1973
  • Lesourd Michel, État et société aux îles du Cap-Vert. Alternatives pour un petit État insulaire, Paris 1995 (Karthala)
  • Matznetter Josef, Die Kapverdischen Inseln, Wesenszüge von Land, Mensch und Wirtschaft, in: Mitteilungen der österreichischen Geografischen Gesellschaft. Band 102, Wien 1960
  • May S., Tourismus in der Dritten Welt: Das Beispiel Kapverde, Frankfurt 1985 (Campus)


Literatur:

  • Ahrens Helga und Margret Ammann (Hrsg.). Kapverdische Erzählungen, Frankfurt a.M. 1995 (Verlag für interkulturelle Kommunikation)
  • Almeida Germano, Le testament de Monsieur Napumoceno da Silva Araujo, Paris 1995 (Sépia) (deutsch: Fischer TB 1997)
  • Barreno Maria Isabel, Der Herr der Inseln (aus dem Portugiesischen von Renate Hess), Berlin 2004 (tranvia)
  • Editions Edicef, Contes et récits de l'archipel du Cap-Vert, Paris 1998
  • Gonçalves Antonio Aurélio, Nuit de vent, Paris 1996 (Sépia)
  • Lopes Baltasar, Chiquinho, Paris 1990 (Actes Sud)
  • Lopes Manuel, Les victimes du vent d’est, Paris 1996 (Sépia)
  • Veiga Manuel, Insularité et littérature aux îles du Cap Vert, Paris 1997 (Karthala)


Musik:

  • Monteiro Vladimir, Les musiques du Cap Vert, Paris 1998 (Chandeigne)
  • Osorio Oswaldo, Cantigas de trabalho, Tradições orais de Cabo Verde, Praia (o.J.)


Kreol:

  • Quint-Abrial Nicolas, Dictionnaire français-cap-verdienM; Diccionario francês-Cabo-verdiano; Disionari fransés-Berdianu, Paris 1997 (l’Harmattan)
  • Da Silva T.V., Na Gida mendi, simenti di onti na con di manan, Praia 1990 (Instituto Caboverdiano do livro)
  • Veiga Manuel, Diskrison Strutural di Lingua Kabuverdianu, Praia, Institutu Kabuverdian di livru
  • Cardoso Eduardo Augusto, O Crioulo da Ilha de S. Nicolai Cabo Verde, Praia 1989

Afrika in Kürze

São Tomé
Erdölmillionen

São Tomé gehört zu den ärmsten Ländern Afrikas und ist eines der am höchsten verschuldeten. Die einzigen Einnahmen stammen vom traditionellen Kakao- und Kaffeeanbau. Die Entdeckung von Erdölvorkommen im Golf von Guinea ändert die Rahmenbedingungen. Für dieses Jahr werden 50 Millionen Einnahmen aus der Erdölproduktion erwartet, vier mal mehr als die bisherigen Steuereinnahmen. Die Frage ist nun, ob sich São Tomé dem Paradox entziehen kann, dass afrikanische erdölproduzierende Staaten die am meisten verschuldeten und am schlechtesten regierten Länder sind.

Somaliland
Isolation verhindert Entwicklung

Somaliland sagte sich im Strudel des Bürgerkriegs 1991 von Somalia los. Somaliland entspricht dem ehemaligen britischen Nordsomalia, das 1960 unabhängig wurde und zusammen mit der ehemaligen italienischen Kolonie Somalia dann Somaliland bildete. Somaliland mit einer Bevölkerung von 3,5 Mio. Menschen, ist in den letzten Jahren politisch stabil gewesen, doch ist das Gebiet bis heute von einem einzigen anderen Staat anerkannt. Die gewählte Regierung von Somaliland setzt alles daran, internationale Anerkennung zu erreichen. Ohne internationale Anerkennung erhält das Land keinen Zugang zu internationalen Orgnisationen und internationaler Entwicklungshilfe. Mit dem Nachbarland Äthiopien bestehen enge Verbindungen. Ein Teil des äthiopischen Aussenhandels wird – nebst Dschibuti – über Somaliland abgewickelt, was dem Land Einnahmen bringt. Doch Äthiopien will Somaliland nicht als erstes anerkennen, die Eisbrecherfunktion soll ein anderes Land übernehmen. Somaliland setzt dabei auf Südafrika, da dieses ja auch erst vor kurzem die Sahara-Republik anerkannt hat, sehr zum Entsetzen der marokkanischen Besatzer. Jetzt will die Afrikanische Union die Lage vor Ort evaluieren.

Togo
Afrikanische Union zeigt Kraft

Nach 38 Jahren im Amt ist anfangs Februar der togolesische Präsident Gnassingbé Eyadema gestorben. Togo, ehemals deutsche und dann französische Kolonie, wurde von ihm seit 1967 regiert, was dem Land (56 000 km2; Bevölkerung 5,8 Mio.) eine gewisse Stabilität brachte. Seine Herrschaft beruhte in den letzten Jahren jedoch auf manipulierten Wahlen. Entgegen der togolesischen Verfassung hat das Militär Eyademas Sohn Faure Eyameda als Nachfolger proklamiert, was einem Militätputsch gleich kommt. Rasch wurde vom willigen Parlament die Verfassung angepasst, um die Machtübernahme nachträglich zu legitimieren. Nicht nur westliche Staaten, sondern auch die neu gegründete Afrikanische Union und die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (Ecowas) haben umgehend protestiert. Schon nach drei Wochen krebste Faure zurück; er will sich nun wählen lassen. Damit hat die Afrikanische Union deutlich an Profil zugelegt, drückte sich deren Vorgängerin OAU in ähnlichen Fällen doch oft um eine klare Position.


Zimbabwe
Wahlsieg für Mugabe

Die Parlamentswahlen in Zimbabwe haben mit dem Sieg der regierenden ZANU-PF geendet. Mit 78 Sitzen hat sie die oppositionelle Bewegung für Demokratischen Wandel MDC an die Wand gespielt, die nur 41 (gegenüber 57 im Jahr 2000) VertreterInnen ins Parlament entsendet. 30 der 150 Parlamentssitze vergibt der Präsident. Mugabe hat damit die angestrebte Zweidrittelsmehrheit erreicht. Jetzt kann die ZANU-PF die Verfassung in eigener Regie ändern, was vor allem bei der Nachfolge des 82-jährigen Mugabe eine Rolle spielen wird. Die MDC konnte ihre Sitze in den städtischen Gebieten weit gehend halten.
Die Wahlen und die Zeit kurz vor den Wahlen verliefen weitgehend gewaltfrei, waren jedoch alles andere als „frei und fair“, obwohl die Wahlbeobachtermissionen Südafrikas und der SADC Mugabe bestätigten, das Resultat entspreche dem Willen des Volkes.

Laut Reginald Matchaba-Hove, dem Sprecher des unabhängigen Election Support Networks genügte die kurz vor den Wahlen einsetzende Entspannung nicht, um die Auswirkungen jahrelanger Einschüchterung und Gewalt rückgängig zu machen. Die MDC anerkennt das Wahlresultat nicht und macht in 30 Wahlkreisen massive Unregelmässigkeiten geltend.

Menschenrechtsjuristen verweisen u.a. auf folgende Mängel: fast jeder 10. Wähler wurde zurückgewiesen, die 3,5 Millionen in der Diaspora lebenden BürgerInnen konnten ihr Wahlrecht nicht ausüben, die Opposition konnte keinen freien Wahlkampf betreiben, es fehlte eine unabhängige Wahlkommission, eine Pletora repressiver Gesetze behinderte das Recht auf freie Meinungsäusserung.

Makabere Krisenfolge

In den Leichenhallen Zimbabwes stapeln sich die Toten. Alleine im Parirenyata-Spital in Harare lagern seit Monaten 14 Tote im Kühlraum, weil deren genaue Todesursache nicht festgestellt werden kann. Der letzte Gerichtsmediziner hat das Land 2004 verlassen. Im Land arbeitet seither kein ausgebildeter Arzt mehr, der die Todesursache von Opfern von Gewaltverbrechen feststellen könnte. Doch aufgrund der Gesetzgebung können Tote, deren Todesursache nicht feststeht, nicht zur Beerdigung freigegeben werden. Täter von Gewaltverbrechen können nicht zur Rechenschaft gezogen werden, wenn die Todesursache rechtlich nicht nachgewiesen ist.


Südafrika
Weiterhin auf Wachstumskurs

Seit Jahren weist Südafrika ein überdurchschnittlich hohes Wirtschaftswachstum auf. 2004 betrug das Wachstum 3,7 Prozent (im letzten Quartal sogar 5,7 %). Für 2005 wird gar mit einem Wachstrum von 4 bis 5 Prozent gerechnet – Zahlen, von denen die Old Economy in Europa und den USA nur träumen kann. Die tiefen Zinsen haben das Wachstum über eine erhöhte Konsumnachfrage stimuliert. So liegt die Zahl der verkauften Privatautos mit 481 000 Wagen rund 25 Prozent höher als im Vorjahr. Südafrikas Wirtschaft arbeitet zudem exportorientiert und erwirtschaftet Handelsüberschüsse. Nun sind die geerbten Apartheidschulden abgebaut und es können Devisenreserven aufgebaut werden (Dezember 2004: Stand 11,4 Mia. $). Als Wachstumshindernisse werden die veraltete Infrastruktur aufgeführt (Eisenbahnen, Häfen und Elektrizitätsversorgung), die hohen Telekommunikationskosten und die Steuerbelastung. Mit 120 Mia. Rand (20 Mia. $) soll in den nächsten Jahren die Infrastruktur modernisiert werden. Vom Wirtschaftsaufschwung nicht gross verändert blieb die Arbeitslosenquote, die offiziell mit 29 Prozent angegeben wird, doch sind im 4. Quartal 2004 112 000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden.

Süd-Süd-Zusammenarbeit

Brasilien, Südafrika und Indien haben eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit beschlossen. Die drei wirtschaftlichen Schwergewichte der Entwicklungsländer haben eine Verstärkung ihrer bereits bestehenden wirtschaftlichen Zusammenarbeit beschlossen und wollen ihren Handel von gegenwärtig 4 Mia. $ bis 2007 auf 10 Mia. $ ausweiten. Ebenfalls soll in der UNO und in der Doha-Runde, die sich mit Zollerleichterungen im Handel mit Industrieländer befasst, gemeinsam aufgetreten werden.


Mali
Auf der Goldstrasse

Das in der Sahara gelegene Mali ist wirtschaftlich in einer schwierigen Lage: Landwirtschaftlich lässt sich nur im Südteil, im Savanengürtel, etwas anbauen, während der grosse Nordteil weitgehend unfruchtbar ist. Funde eines gelben Metalls durch Nomaden haben nun einen Goldrausch ausgelöst und tausende von Malier, Algerier, Mauretanier und gar Nigerianer ziehen in die nördliche Stadt Aguelhoc in der Region Kidal. Die Regierung weist vergebens darauf hin, dass es sich nicht um Gold handle, sondern um ein Metall namens Mica. Immerhin: Bereits heute ist Mali der drittgrösste Goldproduzent Afrikas.

Mali
Musik-Piraterie mit Folgen

Mali ist auch für seine Musik bekannt. Salif Keïta oder Ali Farka Touré haben Weltruhm erlangt. Die beiden malischen Musikvertrieben, Seydoni und K7, stehen jedoch vor dem Ruin. 98 Prozent aller in Mali gehandelten CDs oder Kassetten sind nämlich Raubkopien und werden auf dem Markt zur Hälfte des Handelspreises der Originale angeboten. Einen Marken- oder Urheberschutz besteht nicht. Neuerscheinungen sind bereits wenige Tage nach der Lancierung als Raubkopie erhältlich, die Kopierindustrie arbeitet mit neusten Herstellmethoden und ungeheuer effizient. Nun ist es zum Zusammenbruch der beiden grossen Vertriebshäuser gekommen. Langsam beginnt sich nun die malische Politik zu regen, doch der Schaden ist bereits angerichtet. Ende März kam es in Bamako auch zu einer „Soirée de sensibilisation“, an der die musikalischen Spitzen des Landes auftraten.


Kongobecken
Schutz des Regenwaldes

Im Kongobecken wird im grossen Stil der Regenwald abgeholt und damit die Lebensgrundlage der Waldvölker sowie zahlreicher Tierarten zerstört. Das Afrika-Bulletin berichtete dazu ausführlich in Nr. 115 (Aug./Sept. 2004) und in der letzten Ausgabe. Im Februar hat nun ein Gipfeltreffen der Staatschefs der betroffenen elf Länder in Brazzaville (Republik Kongo) stattgefunden. Das Kongobecken ist nach dem Amazonas-Gebiet die zweitgrösste „grüne Lunge“ weltweit. Einmal mehr wurde der Schutz des Regenwalds beschworen, unter der Leitung von Frankreich wurde ein Forum zur Koordination der verschiedenen Interessen eingerichtet. Wieweit den schönen Worten und Absichten Taten folgen werden, wird sich zeigen.

Weitere Informationen:
http://www.comifac.org/accueilfr.htm
http://www.forests.org/ -- Forest Conservation Portal
http://www.EnvironmentalSustainability.info/ -- Eco-Portal
http://www.ClimateArk.org/ -- Climate Change Portal
http://www.WaterConserve.info/ -- Water Conservation Portal
http://www.bmf.ch

Afrikas Kreditwürdigkeit

Soziale oder ethnische Spannungen, politische Instabilität, korrupte Regierungen, Umweltzerstörung... Negativszenarien, die vor Investitionen in afrikanischen Staaten abschrecken. Doch wie kann das Risiko genauer abgeschätzt werden? Die französische Coface, die Gesellschaft zur Kreditabsicherung für Exporte, stellt jährlich eine Liste der Risiken zusammen, oder anders ausgedrückt, eine Liste der Bonität afrikanischer Staaten. In der Spitzenkategorie A liegen sieben Länder, allen voran Botswana, das mit A2 geratet wird (kaum Risiko für Verluste), gefolgt von einer Dreiergruppe (leichtes Risiko, A3), bestehend aus Südafrika, Namibia und Mauritius. Ebenfalls gut schneiden Swaziland, Marokko und Tunesien ab (A4). Ein höheres Risiko besteht für Senegal, Mali, Algerien, Burkina Faso, Benin, Kamerun, Ägypten, Tanzania und die Seychellen (B). Alle anderen Staaten liegen in den Risikoklassen C (ungewiss) und D (schlecht). In Klasse D figurieren Krisenstaaten wie etwa Somalia, DR Kongo, Liberia, Sierra Leone oder Zimbabwe.

Neu erschienen und lesenswert

Zeitzeugen aus Südwest

hus. Einmal mehr überraschen die Basler Afrika-Bibliographien mit einer Publikation. Sie geben die bereits früher für einen kleinen, internen Kreis veröffentlichten „Jahresberichte 1962 – 1979“ von Ernst Rudolf Scherz heraus. 1933 hielt sich Scherz erstmals in „Südwest“, wie Namibia unter den deutschen Siedlern genannt wurde, auf, ab 1939 dann für immer. 1962 beginnt er jedes Jahr gegen Weihnachten einen längeren Bericht an seine Freunde zu verfassen, in welchem er nebst vielen persönlichen Dingen auch auf die Lebensumstände, seine Reisen und seine Arbeit eingeht. Sie geben Einblick in Land und Leute. Damit entsteht über all die Jahre – der letzte Bericht wurde 1979 verfasst – ein faszinierendes Bild von einem spannenden, manchmal harten, aber stets abenteuerlichen Leben. Mit den Jahresberichten wird auch eine Zeitperiode abgedeckt, von der nicht allzu viele Zeitzeugnisse vorliegen.

Ernst Rudolf Scherz, Südwestafrika, Jahresbericht 1962 – 1979, Namibia, Basel 2005 (Basler Afrika-Bibliographien)

Agrobusiness und Hunger

hus. Die Nahrungsmittelproduktion wird weltweit immer mehr von Nahrungsmittelkonzernen kontrolliert. Kleinbauern und vor allem Kleinbäuerinnen produzieren in Afrika und Asien noch immer den überwiegenden Teil der Nahrungsmittel. Doch die Zukunft der agrarischen Kulturen ist gefährdet: Land und Wasser werden knapp, die biologische Sortenvielfalt nimmt ab. Nahrungsmittelkonzerne spielen dabei bewusst oder unbewusst eine grosse Rolle. Über die von ihnen mitinitiierten Welthandelsinstrumente, beispielsweise Weltbank, Int. Währungsfonds und Welthandelsorganisation werden die Spielregeln bestimmt, wobei die Kleinbäuerinnen und –bauern immer mehr ins Hintertreffen geraten.

Mit der Lage der Kleinbäuerinnen und –bauern, Strategien und Modellen des Widerstands der Länder der Dritten Welt befasst sich die Zeitschrift “Widerspruch“ in ihrer Nummer 47. In mehr als einem Dutzend Beiträgen wird auf einzelne Aspekte eingegangen. So stellt etwa Jean Ziegler, UNO-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, das Ausmass der aktuellen Hungerproblematik und seine Arbeit dar, Andreas Missbrauch (Erklärung von Bern) geht auf die Politik in Brasilien unter Lula ein, Henning Melder thematisiert die Landfrage im südlichen Afrika und Samir Amin geht auf die Bedrohung von drei Milliarden Bäuerinnen und Bauern ein. Sehr zu empfehlen!

Widerspruch 47, Zürich 2004 (Widerspruch, Postfach, 8026 Zürich)

Erdöl-Geldsegen im Tschad
Lässt sich der Missbrauch verhindern?

Seit eineinhalb Jahren gehört der Tschad, immer noch eines der ärmsten Länder der Welt, zum erlauchten Club der Ölförderländer. Ein Konsortium aus ExxonMobil, ChevronTexaco und Petronas bringt im Südtschad das Öl zutage und pumpt es durch eine über 1'000 km lange Pipeline quer durch Kamerun zum Hafen von Kribi. Das „Afrika-Bulletin“ berichtete in der vorletzten Ausgabe ausführlich darüber. Heute greifen wir nach: Wohin geht die Entwicklung? Matthias Kuge hat recherchiert.

Rund 70 Tanker haben bis heute die Abfüllstation vor der Küste in Richtung „Weltmarkt“ verlassen. Die aktuelle Ölförderung im Tschad sticht aber nicht durch ihre - vergleichsweise geringe - Menge hervor, sondern erhält ihre Bedeutung durch ein neues Finanzierungs- und Management-Modell der Weltbank. Ihr Engagement machte das Hochrisikogeschäft im bürgerkriegsgeplagten Tschad für die Petro-Multis erst möglich. Das „Tschad-Kamerun-Erdölprojekt“, mit der Förderung im Doba-Becken und der Pipeline ans Meer, ist mit nunmehr 4,2 Mrd. U$ (statt der ursprünglich 3,7 Mrd.) nach wie vor die grösste Privatinvestition in Afrika.

Der Tschad wird von der Weltbank als neues Modell gepriesen, an dem sich zeigen lässt, dass Ölexporte durchaus der Armutsbekämpfung dienen können. Sie brachte die Regierung des Tschad dazu, ein Überwachungsinstrumentarium zu entwickeln, das die gerechte und ausgleichende Verteilung der Ölgelder garantieren sollte. Seine Kernelemente sind das Gesetz 001/PR/99, das die Verwendung der staatlichen Öleinahmen regelt, und ein Überwachungskomitee, kurz „Collège“ genannt. Die Weltbank anerkannte damit auch die allgemein bekannte Tatsache, dass in Afrika - wie anderswo auch bei armen, korrupten und repressiven Staaten - die Ölförderung zu noch mehr Korruption, Unterdrückung und Armut führt. Das Konzept der Weltbank ist sicherlich innovativ, aber auch unvollständig: So sind viele wichtige Details des Vertrages zwischen der Regierung und den Ölgesellschaften geheim und einer Überprüfung entzogen. Die Regierung besitzt einen relativ starken Einfluss auf die Arbeit des Collège und weitere Ölfunde fallen nicht unter das Weltbank-Modell. „Die Analyse des ersten Jahres der Ölförderung im Tschad gibt nach wie vor zur Sorge Anlass“ schreibt die US-amerikanische NGO Catholic Relief Services in ihrem neuesten Bericht „Chad’s Oil: Miracle or Mirage?“

Neue Erdölfelder

Neuere Entwicklungen im Tschad zeigen, dass die Erdölförderung massiv ausgedehnt werden soll. Schon für Ende 2005 oder Anfang 2006 plant ExxonMobil die Eröffnung neuer Bohrstellen ausserhalb des Doba-Beckens. Die kanadische EnCana hatte sich schon vor einiger Zeit ein riesiges Gebiet namens „Block H“ gesichert, das jetzt reiche Ausbeute ab 2009 verspricht. Dann werden auch neue zuführende Pipelines zur Hauptumfüllstation im Komé gelegt werden müssen. Mit der Zunahme der Ölausbeute steigt natürlich auch die strategische Bedeutung der bereits bestehenden grossen Pipeline vom Südtschad durch Kamerun ans Meer.

Im Dezember 2004 tauchte ein neuer Spieler auf dem Feld auf: Fenergem, in Afrika ein strategischer Partner von Petrochina, bekam den Zuschlag auf eine Prospektion im nördlichen und mittleren Tschad, so gross wie die britischen Inseln. Allein für das Zustandekommen des Vertrages zahlte Fenergem der tschadischen Regierung 16 Mio. U$ (am Gesetz 001/99 vorbei). Das erinnert an die unglückliche „Bonus-Affäre“ im Jahre 2000, als sich das Militär aus solchen Geldern mit Kampfhelikoptern eindeckte (siehe auch Afrika-Bulletin Nr. 116).

Gleichzeitig scheiterte der Versuch, das Ölförderland Tschad zum Selbstversorger zu machen. Die Ausbeute der nördlich der Hauptstadt liegenden Sedigi-Ölfelder zur Deckung des nationalen Bedarfs wird weiter verzögert, nachdem die beauftragte Firma Concorp International eine Pipeline von so schlechter Qualität gebaut hat, dass sie kein Öl transportieren kann. So entsteht die paradoxe Situation, dass auch im „neuen“ Ölland Tschad weiterhin Autobenzin aus dem benachbarten Nigeria bezogen wird.

Politisch unstabil

Es wird offensichtlich, dass die Ölgelder, die jetzt langsam ins Land fliessen, nur wenig zur politischen Stabilität beitragen. Nach einem Putschversuch im Mai 2004 reagierte das Militär während des ganzen Sommers sehr nervös: Razzien, die angebliche Waffenverstecke zu Tage fördern sollten, wurden von Präsident Deby teilweise persönlich geleitet. Im November 2004 verbot die Regierung sogar die Verwendung von Satelliten-Telefonen, um unkontrollierte Anrufe ins Ausland zu unterbinden. Anfang Jahr trat Premierminister Moussa Faki nach einer Welle von Streiks der Lehrer, Krankenschwestern und Beamten zurück. Und schon im Sommer dieses Jahres steht dem Land eine neue Belastungsprobe bevor. Am 6. Juni will sich Präsident Deby eine dritte Amtszeit durch ein Referendum bestätigen lassen. Die Opposition droht mit Boykott und einem Generalstreik.

Im Osten des Landes verstärken 200'000 Flüchtlinge aus Dafour die diversen Spannungen und Konflikte. So zwang die Konkurrenz um knappe Ressourcen (Weideland und Wasser) etliche Nomaden, weiter nach Süden zu wandern. Im November 2004 starben in Bebidja, nahe den Doba-Ölfeldern, mehrere Menschen bei solchen Zusammenstössen zwischen „muslimischen“ Nomaden und „christlichen“ Bauern.

Das liebe Geld

Öl wird der wirtschaftliche Wachstumsfaktor für den Tschad sein: das BPI stieg 2003 um 9,3%, aber schon 2004, im ersten Jahr der Förderung, um 40%! Das nominale Pro-Kopf-Einkommen im Tschad wird sich 2005 verdoppeln. Im Jahr 2004 zahlte ExxonMobil 150 Mio. U$ auf das Treuhänder-Konto der Citibank in London. 2005 werden es noch mal über 200 Mio. U$ sein. Über den gesamten Förderungszeitraum von 25 Jahren wird sich die Summe auf über 5 Mrd. U$ belaufen. Doch die genaue Berechnungsgrundlage bleibt ein Geheimnis von Exxon und der tschadischen Regierung.

Im Oktober letzten Jahres wurde ein Regierungskommunique veröffentlicht, das in ungewöhnlich scharfen und eindeutigen Worten das Exxon-Konsortium des Vertragsbruches bezichtigte. Diesem Papier zufolge werde das tschadische Öl weit unter seinem Wert auf dem Weltmarkt verkauft. Damals erbrachte die Marke Brent 50U$ pro barrel auf den Spotmärkten während der Verkaufspreis des Doba-Rohöls bei circa 38 U$ lag. Auch das Rohöl, mit dem die Pipeline vorgefüllt wurde, wolle Exxon laut dieser Pressemitteilung nicht zahlen, und das Konsortium würde generell die geförderte Menge anders als vereinbart berechnen. Ein eindeutiger Hinweis, dass die tschadische Seite langsam zu realisieren beginnt, welch schlechten Handel sie vor Jahren eingegangen ist.

Der Weg des Ölgeldes von den Konten der Citibank bis zu den einzelnen Projekten im Tschad ist eine Pipeline mit vielen Löchern. So stellte eine interne Untersuchung des tschadischen Erziehungsministeriums fest, dass nur knapp 35% der budgetierten Gelder die Schulprojekte vor Ort erreichen. Laut westlichen Diplomaten gründeten dem Präsidenten und dem Machtzentrum nahe stehende Leute eigens „Schein-NGO’s“, um von den Ölgeldern zu profitieren. Auch bei dem viel gepriesenen Aufbau der ländlichen Infrastruktur hapert es mitunter gewaltig. Von zwölf mit Ölgeldern bezahlten Brunnen in der Region Ouddai funktionieren nur gerade mal zwei.

Das wirklich Neue an dem tschadischen Erdölprojekt ist das aus zivilen und staatlichen Delegierten zusammengesetzte neunköpfige Aufsichtskomitee CCSRP (Collège de Contrôle et de Surveillance des Ressources Pétrolières), kurz Collège genannt. Aber im Collège machen Teilzeit-Mitglieder einen Full Time-Job. Zwar erhielten die neun Mitglieder nach langem Hin und Her fünf technische Assistenten. Doch welch’ Verhältnis: 14 Leute sollen in einem Land doppelt so gross wie Frankreich, ausgestattet mit zwei bis drei Autos und einer mangelhaften Infrastruktur, die Geldflüsse eines Milliardengeschäfts mit all seinen Finessen, Tricks und Winkelzügen überschauen und kontrollieren. Wann immer die Regierung gedenkt, Ölgelder von über 20'000 U$ in Projekte zu stecken, hat das Collège die Aufgabe dieses zu überprüfen. Und zwar innerhalb von fünf Tagen! Schafft es das nicht, gilt die Ausgabe als gesetzeskonform und genehmigt.

Bezahlt wird die Arbeit des Collège von der tschadischen Regierung, die jedoch 2004 kaum noch Geld überwies. Zudem müssen ihre vier zivilen Nichtregierungsmitglieder von der Regierung bestätigt werden. Was normalerweise eine reine Formalität ist, wurde auch schon benutzt, um unliebsame Besetzungen im Collège zu verhindern.

Nach den vorliegenden Informationen zu schliessen, scheint auch die tschadische Verwaltung nach wie vor nicht in der Lage zu sein, mit einem multinationalen Konzern wie ExxonMobil, durch dessen Hände der Lebenssaft der modernen Industriegesellschaft fliesst, Schritt zu halten. Offenbar verfügt nur ein Teil der Staatsangestellten, die mit diesen Vorgängen befasst sind, über das finanztechnische Wissen oder ist mit modernen Verwaltungstechniken oder Computern vertraut.

Zweifel am Erfolg sind erlaubt

Eine abschliessende, positive Bewertung des Erdölprojekts im Tschad, wie es Weltbank und Exxon tun, ist verfrüht. Es ist nach wie vor fraglich, ob im Tschad die staatlichen Erlöse aus dem Öl zugunsten einer Entwicklung zum Wohle der Bevölkerung eingesetzt werden. Die allgemeine Korruption, die fehlende Rechtssicherheit, die politische Instabilität des Landes und die mangelnde Kapazität der staatlichen Verwaltung, mit den Geldern umzugehen, lassen zweifeln. Es ist sogar zu befürchten, dass die nun langsam auf tschadische Konten fliessenden Ölgelder den Druck von der Regierung nehmen, politische Zugeständnisse an die Zivilgesellschaft zu machen.

Der Autor: Matthias Kuge, Ethnologe, befasst sich seit längerem mit Fragen der Erölförderung im Tschad. Sein erster Bericht „Erdöl aus dem Tschad – Förderung unter internationaler Vormundschaft?“ ist im Afrika-Bulletin 116 (Okt./Nove. 2004) erschienen und kann nachbestellt werden.

Angolas Korruption

Angolas Erdöl dient der schamlosen Bereicherung der politischen Führung. Über die Verwendung der Milliarden aus den Erdöleinnahmen herrscht Schweigen. Die Vermarktung erfolgt durch Sonangol. Wohin die Gewinne fliessen, ist unklar. Verschiene Organisation bauen Druck auf, damit endlich Transparenz über die Milliardeneinnahmen geschaffen wird, dies vor dem Hintergrund, dass in Angola nach wie vor Hunderttausende von Flüchtlingen, Kriegsversehrten und Weisen von der Hilfe internationaler Organisationen abhängig sind, während sich die Elite schamlos bereichert.

Die Geschäfte der Korruption schwappen auch in die Schweiz. Konkret geht es um einen Waffen-Erdöldeal, in den Angola, Frankreich und Russland verstrickt sind und der über Pierre Falcone und Arkadi Gayadamak abgewickelt wurde. Gelder aus diesem Deal liegen in der Schweiz. Eine strafrechtliche Untersuchung wurde jedoch vom Genfer Untersuchungsrichter eingestellt.

Dagegen haben verschiedene schweizerische, angolanische und internationale Organisationen und Einzelpersonen protestiert, darunter auch das Afrika-Komitee. In einer Eingabe an den zuständigen Untersuchungsrichter Zapelli wird unter anderem gelten gemacht: „Im vorliegenden Fall gibt es klare Indizien für Korruption. Gemäss einer Serie von Geldverschiebungen, die vom Abalone-Konto No. CO-101436 auf der Genfer UBS-Filiale aus erfolgten, wurden Gelder der staatlichen angolanischen Erdölfirma Sanagol auf Konten im Namen hoher angolanischer Funktionäre transferiert, ebenso auf Konten im Namen von Pierre Falcone und Arkadi Gayadamak sowie auf Konten von Firmen, die Falcone gehörten, zum Beispiel Brenco Trading Ltd, und auf eine Reihe obskurer Offshore-Firmen (...). Ferner scheinen Gelder in der Folge via Zwischenkonten auf Konten verschoben worden zu sein, die auf die Namen von angolanischen Amtsträgern lauten, beziehungsweise in deren Namen verwaltet werden, darunter auch Präsident Dos Santos. Von insgesamt 774 Mio. US-Dollar, die zwischen 1997 und 2000 auf das Abalone-Konto einbezahlt wurden, scheinen nur 161 Mio. US-Dollar auf einem Konto des russischen Finanzministeriums gelandet zu sein... Insgesamt sind wir der Ansicht, dass Ihr Einstellungsentscheid ein verhängnisvolles Signal im internationalen Kampf gegen Korruption und Geldwäscherei aussendet, sowohl für die schweizerischen Strafbehörden im Allgemeinen wie Ihre Behörde im Besonderen. In einem kürzlichen Artikel im Magazin des Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), der auch den Abalone-Fall erwähnt, heisst es: „Jahrzehntelang legten korrupte Diktatoren aus aller Welt ihre Milliarden unter anderem in der verschwiegenen Schweiz an. […] Ihr übler Ruf begann das Image nachhaltig zu schädigen. So schuf die Schweiz ein weltweit einzigartiges System zur Aufdeckung von Potentatengeldern (Schweiz global 1/2005).“

Ihr Einstellungsentscheid läuft den Bestrebungen der Schweiz diametral entgegen, den Ruf als Finanzzentrum wieder herzustellen, ebenso wie dem Bekenntnis der Schweiz zu internationalen Initiativen zur Bekämpfung von Korruption und Geldwäscherei, etwa der Financial Action Task Force der OECD, des Übereinkommens des Europarats über Geldwäscherei sowie Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen aus Straftaten, der OECD-Konvention gegen die Bestechung ausländischer Amtsträger, sowie des Strafrechtsübereinkommens des Europarats über Korruption und der UN-Konvention gegen Korruption.“

Der Brief kann auf der Homepage des Afrika-Komitee eingesehen werden: www.absa.ch/AK/Bulletin/Angola2005.htm

Das Afrika-Bulletin
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