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| Vertuschen,
Verschweigen, Verharmlosen
Beziehungen Schweiz-Afrika während der Apartheid
Nach mehrjähriger
Arbeit sind Ende Oktober die ersten Ergebnisse der im Jahr 2000
beschlossenen Forschungsstudien zu den Beziehungen zwischen
der Schweiz und Südafrika während der Apartheid veröffentlicht
worden. Die Ergebnisse, wie sie im Schlussbericht zusammengefasst
und in einzelnen Teilstudien aufgearbeitet worden sind, zeigen
eines: Mit Wissen des Bundesrates wurde während Jahren
eine intensive Zusammenarbeit zwischen privaten und staatlichen
Instanzen der Schweiz mit dem Apartheidstaat gepflegt. Wir gehen
auf einige Punkte tiefer ein.
hus. Schon 1967 ging aus einer
UNO-Studie über ausländische Wirtschaftsbeziehungen
mit Südafrika hervor, dass die Schweiz ein wichtiger Investor
in Südafrika ist. Dies führte - wie die ausgewiesene
Spezialistin Mascha Madörin aufzeigt - zu einer Intervention
der Schweiz bei der südafrikanischen Regierung. Das Ergebnis:
Fortan erschien die Schweiz in einzelnen Statistiken einfach
nicht mehr, so etwa verschwand sie aus der Statistik der South
African Reserve Bank. Rund dreissig lange Jahre windete und
wand sich der Bundesrat, eine klare Regelung im politischen,
wirtschaftlichen und militärischen Verhältnis zum
Apartheidstaat zu treffen.
Unter Berufung auf die schweizerische
Neutralität akzeptierte die Landesregierung - unter Einschluss
der sozialdemokratischen Bundesräte - eine enge Zusammenarbeit
mit Südafrika, währende andere Staaten ihr Engagement
zurückfuhren oder auch ganz beendeten und sich den UNO-Sanktionen
anschlossen. Der "Plafond" wurde erfunden: Schweizerische
Importe und Exporte (Handel und Kapital) wurden auf einer gängigen
Höhe begrenzt. Motto: Es darf weiter gehandelt werden,
aber bitte nicht noch mehr!
Der Plafond selbst war äussert
durchlässig und konnte leicht umgangen werden. Ein Beispiel
gefällig? "Eins teilt sich in zwei" lehrte in
den Sechzigerjahren der Vorsitzende Mao. Diese Lektion hat zeitgleich
die damalige Bankgesellschaft - nunmehr aufgegangen in der UBS
- rasch und gekonnt umgesetzt: Zur Umgehung der Bewilligungspflicht
für Darlehen an Südafrika von über 10 Millionen
Franken zerstückelte die Bank 1972 ein 45 Mio.-Darlehen
einfach in fünf Kleindarlehen. Die Bewilligung war damit
nicht mehr notwendig und damit die Offenlegung des Deals vermieden!
Kauz laufende Darlehen von unter einem Jahr mussten ebenfalls
nicht ausgewiesen werden. Was einfacher, als eine Verkettung
von Darlehen mit kurzer Laufzeit zu vereinbaren, und das Ziel
war ohne Publizität erreicht.
Die wesentlichen Exporte Südafrikas,
die über die Schweiz gingen, waren Gold und Diamanten.
Doch trotz internationaler Handelssaktionen, wie sie beispielsweise
1986 der amerikanische Kongress und die EU beschlossen hatten,
fielen diese Güter in der Schweiz unter keine Restriktionen.
Gold war wohl kein Exportgut, sondern "Zahlungsmittel",
und für die Diamanten gab es kaum Einschränkungen.
Die Goldexporte in die Schweiz
machten zeitweise bis zu drei Viertel der gesamten südafrikanischen
Goldproduktion aus. Gold diente zudem als Pfand für Anleihen.
1976, im Jahr des Soweto-Aufstandes, machten die Goldswaps 1,5
Milliarden Franken aus!
Militärische
und atomare Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit im militärischen
Bereich und damit bei der Unterdrückung der Schwarzen und
bei den Aggressionen gegen die Nachbarstaaten war beachtlich.
Die Schweiz liess Waffenexporte zu. Die staatliche schweizerische
Rüstungsindustrie - heute RUAG - war als Zulieferer tätig.
Die schweizerische Definition der Rüstungsgüter, für
welche die UNO ein Embargo beschlossen hatte, war enger als
bei der UNO: So fielen etwa die primär militärisch
eingesetzten PC-7-Flugzeuge nicht unter Kriegsgüter, wenn
- schweizerische Spitzfindigkeit - die Vorrichtung zur Bombenaufhängung
nicht angebracht war (aber später angebracht werden konnte).
Die direkte militärische Zusammenarbeit durch Experten
oder Wissensaustausch liess sich zudem in der Schweiz nicht
recherchieren: Die Akten waren vernichtet worden. Lediglich
durch ein Ausweichen auf südafrikanische Quellen war es
schliesslich möglich, Licht in einzelne Katakomben dieses
dunklen Kapitels zu bringen.
Schweizer Firmen waren im
geheimen südafrikanischen Atomprogramm involviert. Im industriellen
Bereich lieferte die Firma Sulzer über eine Tochter in
Südafrika wesentliche Komponenten zur Urananreicherung,
und damit zum Bau der sechs südafrikanischen Atombomben.
Auch für eine Lieferung von Ausrüstungsgüter
für ein südafrikanisches AKW wurde eine Exportrisikogarantie
abgegeben, womit der schweizerische Lieferant im Falle einer
Nichtzahlung gedeckt gewesen wäre. Allerdings kam dann
das Geschäft nicht zustande.
Wie der Schlussbericht aufzeigt,
verurteilte der Bundesrat verschiedentlich die Apartheid. Kam
es jedoch darauf an, wurden für die anstehenden Geschäfte
Mittel und Wege gesucht. Insbesondere im Eidg. Finanzdepartement
und in der Volkswirtschaftsdirektion wurde die Wirtschaftspolitik
von einigen wenigen zuständigen Beamten direkt mit Vertretern
der interessierten Firmen gemacht. Der Bundesrat nahm darauf
keinen Einfluss.
Kommentar
Eine Entschuldigung ist nötig!
Die Studienergebnisse
zeigen, dass die Zusammenarbeit weit intensiver war, als je
offiziell zugestanden. Dass im Verlauf des Forschungsprogrammes
zudem der Zugang zu den Archiven behindert oder gar verweigert
wurde, kann nur so interpretiert werden, dass weitere Enthüllungen
zu brisant gewesen wären. Gewisse Vorgänge müssen
also bis heute verheimlicht werden.
Daneben ist zudem festzuhalten,
dass zu den privaten Archiven international tätiger Firmen
ohnehin kein Zugang bestand. Das bedeutet, dass die ganzen privatwirtschaftlichen
Kontakte, die von schweizerischen Firmen mit Firmen in Südafrika
oder mit der südafrikanischen Regierung getätigt wurden,
weiterhin als Pribvatsache angesehen werden und der kritischen
Aufarbeitung eines der dunklen Kapitel der jüngsten Schweizer
Geschichte verschlossen bleiben.
Die Forschungsergebnisse
haben zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Unsererseits kann
festgehalten werden, dass unsere bösen Vorahnungen übererfüllt
worden sind, auch wenn wohl noch viel unter dem Deckel gehalten
wird. Die Mehrzahl der Medien sieht dies ähnlich. Doch
gibt es auch die Verharmloser oder die Wetterfahnen. Zu diesen
gehört SVP-Nationalrat Schlüer, Kopf der Apartheid-freundlichen
"Arbeitsgruppe Südafrika", der seine politische
und propagandistische Unterstützung, die letztlich auch
der weiteren wirtschaftlichen Unterstützung den Weg ebnete,
seinen damaligen Kampf gegen die Emanzipation der Schwarzen
als wohlmeinende Begleitung zum friedlichen Übergang in
Südafrika verstanden haben will. Ebenso unverständlich
ist der Kommentar von Anton Christen, dem sehr profunden Afrikakenner
der NZZ, der die Diskussion über Sinn und Unsinn von Sanktionen
(respektive darüber, wer sie einhielt oder eben umging
und mit dem Apartheidstaat zusammen arbeitete), als Schattenboxen
bezeichnet, wohl frei nach dem Motto: Das Problem ist ja gelöst,
was sollen wir über unseren Beitrag zur Problemverlängerung
noch lange diskutieren.
Verstauben nun die Forschungsergebnisse
in Schubladen resp. Büchergestellen? Diese Gefahr besteht.
So hat beispielsweise der Bundesrat immer gesagt, er nehme zur
Frage Stellung, wenn die Forschungsergebnisse vorliegen würden.
Bis heute hat sich der Bundesrat um eine solche Stellungnahme
gedrückt. Das mag nicht sonderlich verwundern, waren doch
die Bundesräte Merz und Blocher zwei ehemals äusserst
aktive Unterstützer des Apartheidregimes.
Im Parlament sind mehrere
Vorstösse in Vorbereitung oder bereits eingereicht, um
einzelne Teilfragen zu diskutieren oder von der Landesregierung
weitere Auskünfte zu erhalten. Der Recherchiergruppe des
Solifonds und der auf Initiative der grünen Nationalrätin
Pia Hollenstein gebildeten Parlamentariergruppe Schweiz-Südafrika
kommen dabei zentrale Bedeutung zu. Ihr Engagement ist wichtig,
damit das Thema nun nicht abgehackt und ad acta gelegt wird.
Es ist eine legitime Forderung,
die wohl auch einen gewissen Anstand und Respekt vor den Opfern
der Apartheid ausdrücken würde, wenn sich der Bundesrat
öffentlich für die damalige Zusammenarbeit mit dem
Unrechtsregime entschuldigen würde.
Hans-Ulrich Stauffer
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Geschönte Ergebnisse dank Zensur
Kritik der Solifonds-Recherchiergruppe
Nach Abschluss
des NFP 42+ und der heutigen Veröffentlichung des Abschlussberichtes
von Prof. Georg Kreis stellen wir fest: Der Bundesrat hat nicht
Wort gehalten. Er hat die Forschung massiv eingeschränkt
und die Resultate zensurieren lassen. Die Zensur hatte zum Ziel,
die Grossbanken und –unternehmen, die Nationalbank, das
Seco, das Eidg. Finanzdepartement und den Bundesrat als Regierung
vor der Veröffentlichung der Fakten zu schützen. Brisante
Erkenntnisse kamen teilweise nur zu Stande, weil diesbezügliche
Dokumente in südafrikanischen Archiven eingesehen werden
konnten.
Die Schweizer Regierung wie
auch Schweizer Grossbanken und Unternehmen haben mit dem Apartheidstaat
in Südafrika bis zuletzt gute Beziehungen gepflegt. Im
Gegensatz zu den meisten westlichen Ländern hat sich die
Schweizer Regierung geweigert, gegenüber Südafrika
Sanktionen zu verhängen.
Diese engen Beziehungen bedürften
einer vertieften Aufarbeitung. Dies hat die Mehrheit des Parlamentes
im März 1999 mit der Ablehnung der Parlamentarischen Initiative
Hollenstein jedoch verhindert. Es reiche aus, meinte eine Mehrheit
des Parlaments, wenn im Rahmen eines nationalen Forschungsprogramms
(NFP) mit Zugang zum Bundesarchiv die Beziehungen Schweiz-Südafrika
aufgearbeitet werden. Damit bleibt der Zugang zu den Privatarchiven
von Banken und Unternehmen verschlossen. Mit diesem Entscheid
können die Schweizer "Apartheid Connections"
und ihre Folgen für die schwarze Bevölkerungsmehrheit
nur teilweise untersucht werden.
Die Arbeit der Solifonds-Recherchiergruppe
Engagierte Personen haben
in der vom Solifonds - einer Organisation, der auch das Afrika-Komitee
angehört - koordinierten "Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika"
eigene Recherchen unternommen. Die Recherchiergruppe hat die
Ergebnisse der offiziellen Forschung kritisch gesichtet. Eine
Kritik richtet sich gegen den eingeschränkten Zugang zu
Quellen - offiziellen wie auch privaten -, was zu sehr eingeschränkten
Ergenissen in der Forschung führt.
Dabei stell die Recherchiergruppe
fest, dass in der ganzen Forschungsarbeit eigentliche Zensur
ausgeübt wurde. Diese nahm verschiedene Formen an:
- Wie der Schlussbericht zeigt,
hat der Bundesrat die berechtigten Forderungen des Nationalfonds
bezüglich Autonomie der Forschung, Zugang zu Archiven,
Höhe des Kredites (2 Mio. Franken anstelle der vom SNF
geforderten 4 Millionen Franken) nicht respektiert.
- Die privaten Unternehmen
haben ihre Archive den Forschenden nicht geöffnet, und
leider haben es Parlament und Bundesrat abgelehnt, entsprechende
Verpflichtungen zu beschliessen.
- Der Schlussbericht zeigt
auf, dass die Aktensperre in Bezug auf staatliche Akten (Bundesarchiv)
im April 2003 auf massgeblichen Druck von Banken- und Wirtschaftskreisen
zustande kam. Die Begründung, dafür hätten die
in den USA eingereichten Klagen den Ausschlag gegeben, ist ein
Ablenkungsmanöver, setzte doch der erwähnte Druck
laut Kreis bereits im Jahr 2000 mit Beginn des Forschungsprogramms
ein. Dazu kommt, dass für die immer noch hängige Entscheidung,
ob die Klagen in den USA zugelassen werden, die Forschungsergebnisse
nicht relevant sind. Werden die Klagen zugelassen, wird der
Entscheid über die Archivschliessung für die Schweizer
Beklagten ein Nachteil sein.
- Ob Grossbanken und –unternehmen
Diktaturen Vorschub leisten, wird von den Behörden offensichtlich
als «Privatsache» angesehen und geschützt.
Die Art und Weise, wie der Bundesrat dem Druck der Schweizerischen
Bankiervereinigung und der Economiesuisse klein beigegeben hat,
muss jede demokratisch denkende Person erschrecken.
- Zum vornherein wurde die
Beteiligung südafrikanischer ForscherInnen ausgeschlossen.
- Ein Teil der Forschenden
ist in die Kritik mit einzubeziehen, sind doch die öffentlich
zugänglichen Archive – zum Beispiel jene verschiedener
Organisationen der Anti-Apartheid-Bewegung sowie ZeitzeugInnen
– von den meisten Forschenden nicht konsultiert worden.
- Die einzelnen Berichte mussten
den betroffenen Departementen vorgelegt werden. Sie wurden zensuriert.
- Selbst der vorliegende Schlussbericht
wurde einer langwierigen Überprüfung unterzogen, bevor
er jetzt veröffentlicht worden ist.
- Was im Bericht ersichtlich
wird: Die verschiedenen Departemente zensurierten offenbar unterschiedlich
stark. Der Bericht enthält sehr interessantes, detailliertes
Material zur Politik des EDA. Der im Schlussbericht behauptete
dominierende Einfluss des Seco (früher BAWI) und des EFD
auf die staatliche Südafrikapolitik ist aufgrund der präsentierten
Fakten nur in Bruchstücken und indirekten Formulierungen
ersichtlich.
- Unsere Nachforschungen lassen
befürchten, dass die Zensur weiter geht: Unternehmen, die
in der Studie von Peter Hug namentlich erwähnt werden,
sollen die Gelegenheit erhalten, dazu Stellung zu nehmen, bevor
die Studie veröffentlicht wird.
- Die Schlussfolgerungen des
Kreis-Berichts in Bezug auf das Thema Sanktionen sind nicht
belegt, enthalten aber genau die politisch erwünschten
und den Grossbanken genehmen Aussagen. Die Studie Stähelin-Witt,
auf die sich die Schlussfolgerungen beziehen, kommt bezüglich
Finanzsanktionen zum Schluss, diese hätten kaum gewirkt.
Dies widerspricht diametral den Aussagen des heutigen Gouverneurs
der südafrikanischen Reservebank, Tito Mboweni, vom 1.3.2004,
wonach Südafrika von intrnationalem Kapital abgeschnitten
war: "As a result of the Government's apartheid policies,
the country had no access to the international capital markets
at the time (nach 1985, Rgr.), including no access to borrowing
from the IMF or other official agencies." Trotz unserer
wiederholten Anfrage haben wir diese Studie bis heute nicht
erhalten, um die Argumente der ForscherInnen nachzulesen und
zu kommentieren. Die Zusammenfassung auf der Homepage des NFP
liefert keine überzeugende Begründung für die
Behauptungen der Studie, ebenso wenig der Schlussbericht.
- Irritiert stellen wir fest,
dass entgegen früherer Versprechungen keine öffentliche
Tagung des NFP zu den Forschungsresultaten mehr vorgesehen zu
sein scheint.
- Die frühestens Mitte
nächsten Jahres erscheinende englische Übersetzung
des Schlussberichtes Kreis kommt einer erneuten Verhinderung
des in Aussicht gestellten Einbezugs der internationalen Dimension
gleich. Sie hätte gleichzeitig wie die deutsche und französische
Version erscheinen müssen.
Der Bundesrat und die zuständigen
Bundesämter setzten exakt jene Politik fort, die sie schon
während der ganzen Apartheidzeit praktizierten. Scheinargumente
werden vorgeschoben, Fakten vertuscht oder der Öffentlichkeit
vorenthalten: "An sich hätte stets die Möglichkeit
bestanden, (…) eine Basis für eine Haltung zu schaffen,
die dem menschenrechtlichen Aspekt und dem Gebot internationaler
Solidarität stärker entsprochen hätte. (…)
für die folgenden Jahre muss man es aber als ein konzeptionelles
Manko bezeichnen, dass die Dimension der Menschenrechte in der
Südafrikapolitik nicht berücksichtigt wurde. Es fällt
auf, dass vieles, was in der Südafrika-Politik diskutiert
wurde, mit der Bemerkung, dass es sich um eine Privatsache handle,
der Kritik entzogen wurde" (Schlussbericht, S. 491).
Das heisse Thema „Beziehungen zur Apartheid“ zeigt,
wie wenig sich unsere Regierung elementaren demokratischen Prinzipien
verpflichtet fühlt, zu denen auch Forschungsfreiheit und
öffentliche Rechenschaftspflichten gehören.
Interessante Resultate
der Einzelstudien
Trotzdem ist festzuhalten,
dass einige Untersuchungen wichtige Resultate erbracht haben.
Der Schlussbericht enthält erfreulich viel Material, vor
allem zum Kapitalexportplafonds, zu den Kriegsmaterialexporten,
den rechtlichen Handlungsspielräumen sowie der politischen
Positionierung von Staat und Wirtschaft. Diese Untersuchungsergebnisse
zeigen, dass die Kooperation der schweizerischen Politik und
Wirtschaft mit dem Apartheidstaat enger und systematischer war,
als Anti-Apartheid-Bewegungen und KritikerInnen ihnen je vorgeworfen
haben.
Wesentliche Aspekte dieser
Kooperation sind allerdings immer noch nicht untersucht worden.
So fehlen Untersuchungen über
das Ausmass und die Bedeutung der Schweizer Wirtschaftsbeziehungen
zur Apartheid weitgehend. Der Bericht von Guex/Etemad zu den
Finanz- und Handelsbeziehungen der Schweiz mit Südafrika
in den 1950er und 1960er Jahren enthält spannende Resultate;
die Untersuchung der 1970er und 1980er Jahre, in denen das Schweizer
Engagement besonders ausgeprägt war, war jedoch wegen der
Archivschliessung nicht möglich.
Nebst den eingeschränkten
Resultaten, die durch den kleinen Rahmen und die Zensurmassnahmen
bedingt sind, hat das NFP 42+ den Auftrag, die Fakten in den
internationalen Kontext einzuordnen, klar verfehlt. Die Resultate
widerspiegeln so eine Sonderfall-Optik, statt die Schweizer
Politik im Vergleich zu jener anderer Staaten darzustellen.
Gespannt darf man auf die
Arbeit zur militärischen Zusammenarbeit (Hug) sein: "In
dem Masse, wie sich die soziale Basis des Widerstandes in Südafrika
Anfang der 1980er Jahre verbreiterte und die Repression der
südafrikanischen Regierung härter wurde und sich militarisierte,
rückte die Schweiz auf internationaler Ebene noch näher
an Südafrika heran." (Schlussbericht, S. 495).
Leider ist diese Studie, wie
auch jene zu den Sanktionen (Stähelin-Witt) sowie zum Südafrikabild
in der Bundesverwaltung (Kellerhals) - im Gegensatz zu den anderen
- der Recherchiergruppe, trotz mehreren Anfragen, bislang nicht
zur Lektüre zur Verfügung gestellt worden. Wir erachten
dies ebenfalls als einen Akt der Zensur von Forschungen, die
mit öffentlichen Geldern finanziert worden sind.
Forderungen der Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika:
Aufgrund ihrer Erkenntnisse
aus dem Studium des Schlussberichts und aufgrund ihrer eigenen
Arbeiten fordert die Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika:
- Die Durchführung des
Nationalen Forschungsprogramms, wie es anfänglich vom Bundesrat
in Auftrag geben und vom SNF präzisiert wurde (Schlussbericht,
S. 21). Insbesondere müssen die Wirtschaftsbeziehungen
der Schweiz mit Südafrika untersucht werden.
- Genaue Auskunft von den
Verantwortlichen des NFP über das Ausmass der Zensur, insbesondere
auch bezüglich des Schlussberichts.
- Eine Stellungnahme des Bundesrates
und des Parlaments zur Zensur und zu den Resultaten der NFP42+-Studien,
- Die Veröffentlichung
zentraler, mehrfach erwähnter und zitierter Dokumente,
namentlich folgender Schlüsseldokumente:
. der Brief von Staatssekretär
Edouard Brunner an Botschafterin Francesca Pometta, damals
ständige Beobachterin der Schweiz bei der UNO, vom
14. Mai 1986.
. das interne EDA/EVD-Diskussionspapier
„Wirtschaftssanktionen/Massnahmen gegenüber der
Republik Südafrika; Schweizerische Haltung“ vom
18. September 1986
. die 1997 für das
EDA verfasste Studie von Lukas Zollinger, „Die Wirtschaftsbeziehungen
zwischen der Schweiz und der Republik Südafrika von
1961-1994. Das Konzept der integralen Neutralität in
Bedrängnis“
. Studie von Marc Perrenoux
vom Historischen Dienst des EDA zum Kapitalexportplafond
vom Sommer 2003
Schliesslich fordert die Recherchiergruppe
die Schaffung gesetzlicher Grundlagen, die den freien Zugang
zu Informationen und die Forschungsfreiheit gewährleistet,
ähnlich wie es in andern Ländern auch existiert.
Zusammengestellt aus der
Medienmitteilung des Solifonds und weiteren Dokumenten.
Weitere Informationen unter www.solifonds.ch
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Ergebnisse
der Forschungsberichte
Aussenpolitik
und Wirtschaftszusammenarbeit
Von den insgesamt
zehn Forschungsberichten liegen fünf als Buchpublikationen
bereits vor, weitere befinden sich im Druck oder werden nicht
erscheinen. Mascha Madörin von der Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika
kommentiert zwei Publikationen.
Zwischen
Recht und Politik: Der rechtliche Handlungsspielraum der schweizerischen
Südafrikapolitik (1976-1994)
Anfangs Juni 1990
stattete Nelson Mandela der Schweiz einen offiziellen Besuch
ab. Es war vier Monate, nachdem das Apartheid-Regime seine Bereitschaft
erklärt hatte, den während 27 Jahren inhaftierten
Mandela und alle andern politischen Gefangenen freizulassen
und Verhandlungen mit den bis dahin verbotenen und brutal unterdrückten
Anti-Apartheidorganisationen aufzunehmen. Anlässlich seines
Besuchs forderte Mandela die Schweizer Regierung auf, Sanktionen
gegenüber Südafrika anzuordnen. Der Bundesrat lehnte
ein solches Vorgehen aus prinzipiellen Überlegungen ab.
Zwei Monate nach
diesem Besuch beteiligte sich die Schweiz voll an den internationalen
Handelssanktionen gegenüber dem Irak. Ohne dass zuvor nur
ein Jota an irgendeinem schweizerischen Gesetz oder an einer
aussenpolitischen Maxime geändert worden wäre, war
plötzlich möglich, was während mehr als einem
Jahrzehnt als ein Vorgehen deklariert wurde, das gegen die aussenpolitischen
Prinzipien der Schweiz verstosse, juristisch äusserst problematisch
und zudem politisch kontraproduktiv sei.
Solche und unzählige
weitere Beispiele finden sich im scharfsinnigen Buch des Völkerrechtlers
Jörg Künzli zu den Beziehungen der Schweiz mit Südafrika
während des Apartheidregimes (1948-93). Das Buch zeigt,
dass die Weigerung der Schweiz, diplomatische oder wirtschaftliche
Massnahmen gegen das Apartheidregime zu ergreifen, nicht aus
rechtlichen oder neutralitätspolitischen Gründen geboten,
sondern rein politischer Natur war. Die Lektüre dieses
gut verständlichen und lesbaren Buches sollte für
National- und StänderätInnen obligatorisch sein, könnte
dessen Kenntnis doch den ParlamentarierInnen helfen, Scheinargumente
der Regierung zur internationalen Politik als solche zu durchschauen.
Jörg Künzli:
Zwischen Recht und Politik. Der rechtliche Handlungsspielraum
der schweizerischen Südafrikapolitik (1976-1994), Zürich
2005 (Chronos Verlag; 415 Seiten, 68 Franken)
Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Südafrika
während der Apartheid
Was, fragt sich die
Leserin dieses Buches, wäre wohl zu den Jahren 1970-1993
herausgekommen, wäre der Zugang zum Bundesarchiv nicht
gesperrt worden. Die Gründe für die über 50 Jahre
dauernde Angst der Schweizer Regierung und Wirtschaft vor Fakten
zu den Apartheid-Beziehungen werden in dieser Studie mindestens
zum Teil offensichtlich.
Es gab etliches zu
vertuschen, schon in den ersten fünfundzwanzig Jahren (1945-1970)
dieser üblen Beziehungsgeschichte. Eines ist auf jeden
Fall klar: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz
und Südafrika war während der Apartheid grösser
und skandalöser, als ApartheidkritikerInnen je behauptet
haben. Und die Schweizer Grossbanken hatten dabei die Federführung
und setzten ihre Interessen gegenüber allen Einwänden
durch, ob sie – selten genug – von der Schweizer
Regierung, von der Nationalbank oder von der Exportindustrie
kamen.
Je mehr die internationale
und nationale Kritik an der Apartheid zunahm, desto komplizierter
wurde die Aufgabe der mit Südafrika befassten Diplomaten
und Beamten, das Image der Schweiz trotz expandierender Geschäfte
gegenüber der nationalen und internationalen Öffentlichkeit
zu retten, nach "Lösungen" zu suchen, um die
Geschäfte zu ermöglichen, und dafür zu sorgen,
dass möglichst wenige Informationen darüber an die
Öffentlichkeit gelangten. Seit Abschaffung der Apartheid,
das wäre dieser Studie hinzu zu fügen, sind die Geschäftsbeziehungen
der Schweiz mit dem demokratischen Südafrika wesentlich
geringer als je während der Apartheidzeit.
Sandra
Bott, Sébastien Guex, Bouda Etemad, Les relations économiques
entre la Suisse et l'Afrique du Sud durant l'apartheid, Lausanne
2005 (Ed. Antipodes, 400 Seiten, 40 Franken)
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| Afrika
in Kürze
Afrika
Indien schielt auf Afrikas Ölreserven
Indien bietet westafrikanischen
Ländern bis zu eine Mrd. Dollar für Energie- oder
Infrastrukturprojekte im Tausch gegen Explorationslizenzen oder
Öllieferungen. Investiert werde in alles, angefangen von
Schienen über Häfen bis zu Computernetzwerken, zitiert
die BBC den Vertreter des indischen Ölministeriums, Talmiz
Ahmed. Indien, das 70 Prozent seines Ölbedarfs importiert,
betrachte die westafrikanischen Länder als langfristige
Öllieferanten. Die Afrikaner sollen im Gegenzug von satten
Investitionen in die Infrastruktur profitieren.
Die ersten Anzeichen
des indischen Interesses am westafrikanischen Öl sieht
die BBC im sechs Milliarden Dollar schweren Infrastrukturdeal,
der von einem Joint Venture des staatlich kontrollierten Ölkonzern
ONGC und dem Stahlriesen Mittal erst kürzlich in Nigeria
abgeschlossen wurde. "Der ONGC-Deal ist erst der Anfang
des Eintritts Indiens in die westafrikanische Ölerkundung",
ist sich Ahmed sicher. Einen ähnlichen Deal hat die ONGC
bereits im Sudan unter Dach und Fach gebracht. Dort sicherte
sich der Konzern gegen den Bau einer Pipeline Explorationslizenzen
für die Ölregion im Nildelta. Neben Nigeria hat Indien
in Westafrika noch weitere Länder im Visier. Dazu gehören
unter anderem Burkina Faso, die Elfenbeinküste, Senegal
und Ghana.
Prekäre
Pressefreiheit
Die Organisation
"Reporter ohne Grenzen" zieht jährlich Bilanz
über die Gefährdung der Pressefreiheit und die festgestellte
Verfolgung von JournalistInnen. 2005 wurden 167 Länder
erfasst. In der Spitzengruppe der Staaten befinden sich Dänemark,
Finnland, Island, Irland, Holland, Norwegen und die Schweiz,
wo die freie Berichterstattung keinen oder keinen nennenswerten
Einschränkungen unterliegt, am Ende der Hitparade steht
Nordkorea. Die USA schaffen Platz 44. Von den afrikanischen
Staaten liegen Namibia (25), Südafrika (31) und Mauritius
(34) noch vor den USA. Im Mittelfeld liegen Mozambique (49),
Botswana (60), Tanzania (74). Abgeschlagen im hintersten Teil
liegt Zimbabwe (153).
Brain-Drain
Zahlreiche Entwicklungsländer
sind von der Abwanderung gut ausgebildeter Fachleute betroffen,
die im Land selbst keine Stelle finden oder im Ausland einen
unvergleichbaren höheren Verdienst erzielen können.
Das Beispiel von Zimbabwe ist bekannt, wo das Gesundheitswesen
immer am Rande des Zusammenbruchs steht. Zwar werden Krankenschwestern
, Ärzte und weiteres qualifiziertes Person ausgebildet,
dieses wandert aber ins Ausland ab, weil die chaotische Lage
keine Zukunft verspricht. Bereits heute wird etwa in Grossbritannien
geltend gemacht, dass das britische Spitalwesen in ernsthafte
Schwierigkeiten geraten würde wenn all die zimbabwischen
Krankenschwestern, die an britischen Spitälern arbeiten,
wieder zurück wandern würden.
Die am meisten vom
Brain-Drain betroffenen afrikanischen Staaten sind nach einer
Studie der Weltbank Kapverde, Gambia, Seychellen, Mauritius,
Ghana, Liberia und Mozambique. Allerdings stellt diese Studie
ausschliesslich auf die Zahl der emigrierten Staatsangehörigen
ab, unabhängig von ihrer Ausbildung.
Schweiz -Afrika
Hotelplan macht ernst: Keine Vertragsverlängerung
in Kenya
Der Verhaltenskodex
zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus
zeigt Wirkung. Die Hotelplan AG hat 2005 erstmals den Vertrag
mit einem der Küstenhotels im Kenya nicht verlängert.
Grund: Stammkunden hatten sich an den Glattbrugger Hauptsitz
gewendet, um sich über das Hotel und dessen „Absteigecharakter“
zu beklagen. Die Zentrale schaltete den zuständigen Gebietsverantwortlichen
ein. Zwar konnten vor Ort keine handfesten Beweise für
Kindersextourismus erbracht werden, doch „das Hotel war
nicht über alle Zweifel erhaben und wir konnten nicht ausschliessen,
dass dort generell Sextourismus zugelassen wurde“, hält
Christian Brogli, Leiter Umweltmanagement bei Hotelplan, gegenüber
ECPAT Switzerland/ Kinderschutz Schweiz fest. Der Reiseveranstalter
ging auf Nummer sicher und verlängerte den Vertrag mit
dem Hotel nicht weiter. Rückfragen ergaben, die Stammkunden
hatten die Zustände im Hotel jahrelang als „normal“
betrachtet. Motiviert durch die von Hotelplan breit gestreuten
Informationen über sein Engagement zum Schutz der Kinder
im Tourismus hatten sich die Stammkunden diesmal ein Herz gefasst
und ihre Bedenken gemeldet.
Quelle: ECPAT
Switzerland/ Kinderschutz Schweiz und Arbeitskreis Tourismus
und Entwicklung; www.ecpat.ch,
www.kinderschutz.ch
Zentralamerika/Afrika
Bananenstreit
Panama und Honduras
haben vor der Welthandelsorganisation WTO Klage gegen die Europäische
Union eingereicht, Ecuador und Costa Rica haben sich dem Verfahren
angeschlossen. Grund: Die EU hat mit den AKP-Staaten (Afrika-Karibik-Pazifik)
ein neues Abkommen über die Einfuhr von Bananen geschlossen,
wie es schon seit Jahrzehnten bestand. Lateinamerikanische Länder
exportieren jährlich 3,4 Mio. Tonnen Bananen nach Europa.
Die klagenden Staaten machen nun geltend, der von der EU festgesetzte
Preis für Bananen aus Lateinamerika von 176 Euros pro Tonne
sei viel zu hoch und verunmögliche eine Ausdehnung der
Exporte. Die Exporte aus den AKP-Staaten, alles ärmere
Entwicklungsländer und vor allem frühere Kolonien
Frankreichs, allen voran Kamerun und Elfenbeinküste, produzieren
gesamthaft jedoch nur 500 000 Tonnen Bananen, also weit weniger,
als die lateinamerikanischen Länder alleine schon in die
EU exportieren. Hinter den lateinamerikanischen Bananenxporteuren
stehen die US-Multis Dole und Chiquita.
Südafrika
Auswirkungen der Vogelgrippe
Ungeahnte Konsequenzen
der Vogelgrippe werden in Südafrika befürchtet: Infizierte
Zugvögel aus Europa und Asien könnten das Virus nach
Südafrika bringen. Davon könnten die grossen Straussenfarmen
in der Kleinen Karoo betroffen sein. Die Straussenzüchter
in der Region von Oudtshoorn fürchten um ihre Existenz.
Jährlich werden in dieser trockenen, wüstenähnlichen
Region in der Kapprovinz 280 000 Strausse geschlachtet und ihr
Fleisch in alle Welt exportiert. Bereits in der Vergangenheit
mussten etwa 20 000 Tiere geschlachtet werden, weil sie an einem
Virus litten, der jedoch nicht dem Vogelgrippevirus entspricht.
Dies entspricht einem Verlust von 105 Mio. US-$. Dass die Befürchtungen
südafrikanischer Straussenzüchter nicht unbegründet
sind, beweist Zimbabwe: Dort ist in zwei Farmen das Vogelgrippe-Virus
festgestellt worden, allerdings nicht in der für Menschen
gefährlichen Form.
Äthiopien/Eritrea
Spiel mit dem Feuer
Die Lage im Grenzgebiet
zwischen Eritrea und Äthiopien hat sich gegen Jahresende
massiv verschlechtert. Der zwischen den Ländern getroffene
Waffenstillstand wird von einer UNO-Mission überwacht.
Die im Abkommen von Algier vereinbarte Auszeichnung der Grenze
aufgrund eines internationalen Schiedsspruchs wird jedoch von
Äthiopien verweigert mit der Begründung, das Urteil
sei nicht korrekt und trage äthiopischen Ansprüchen
nicht genügend Rechnung. Beide Staaten haben zusätzliche
Truppen in der Grenzregion zusammengezogen. Zur gleichen Zeit
steht Äthiopien aufgrund von gefälschten Wahlen vor
grossen innenpolitischen Spannungen. Proteste gegen Wahlfälschungen
wurden blutig unterdrückt. In Eritrea herrscht eine ernsthafte
Nahrungsmittelknappheit; die innenpolitische Lage ist mit zahlreichen
Einschränkungen politischer Rechte nicht minder angespannt.
Missliebige JournalistInnen, aber auch kritischere Regierungsmitglieder
sind in Haft.
Der internationale
Druck auf beide Staaten zur Verhinderung eines neuen ruinösen
Waffengangs ist gestiegen. So drohte die UNO in einer Resolution
beiden Staaten Sanktionen an, wenn der Schiedsspruch nicht beachtet
würde. Äthiopien hat nunmehr den Abzug der Truppen
aus dem Grenzgebiet signalisiert. Die Erfüllung der vereinbarten
Grenzziehung ist jedoch noch weit entfernt.
Forderungen
der Konfliktparteien
Im Dezember 2005
veröffentliche die durch die Waffenstillstandsvereinbarung
von 2000 eingesetzte "Eritrea-Ethiopia Claims Commission
(EECC)", also eine Art Schiedsgericht über die gegenseitigen
Ansprüche, die Resultate ihrer Untersuchung. Mehrere Forderungen
beider Konfliktparteien waren dieser Kommission zum Entscheid
vorgelegt worden. Die Frage, wer im Grenzkonflikt die militärische
Karte zuerst spielte, wurde klar beantwortet: Eritrea hat das
internationale Recht verletzt und trägt die Verantwortung
für den Krieg. Dass Äthiopien die Ortschaft Badme
zu Unrecht für sich beansprucht habe, hätte Eritrea
nicht das Recht gegeben, militärisch gegen Äthiopien
vorzugehen.
Zugunsten Eritreas
wurde hingegen entschieden, dass Äthiopien keinerlei Ansprüche
auf die Häfen Massawa und Assab hat. Insbesondere den Hafen
von Assab wollte Äthiopien ausschliesslich für sich
beanspruchen, ja sogar in sein Staatsgebiet einverleiben. Ebenfalls
entschied die Kommission, dass Äthiopien die Vermögen
von zehntausenden eritreischen Staatsangehörigen, die in
Äthiopien lebten und nach Kriegsausbruch vertrieben wurden,
zu Unrecht konfisziert hat. Nicht entschieden ist, ob Eritrea
aufgrund der Verantwortung für den Kriegsbeginn Äthiopien
Entschädigungszahlungen leisten muss.
Rückspiegel
Erdöl im Tschad
Verschiedentlich
haben wir im "Afrika-Bulletin" über die Erschliessung
der Erdölvorkommen im Tschad berichtet (Nr. 116, Okt. 2004,
und Nr. 118, April 2005). Die Kosten von 3,7 Milliarden US Dollar
für die Erschliessung und den Transport an die Küste
über eine Pipeline durch Kamerun wurden mit 13 Prozent
durch einen Weltbankkredit finanziert. Als Gegenleistung verpflichtete
sich Tschad, 80 Prozent der Erdöleinnahmen für Bildung,
Gesundheit und öffentliche Infrastruktur zu verwenden,
10 Prozent müssen für künftige Generationen beiseite
gelegt werden. Damit sollte sicher gestellt werden, dass die
Erdöleinnahmen nicht - wie vielfach üblich - in den
Taschen der Regierungsspitze versickern würden.
Nun hat Tschad diese
in einem Gesetz fest geschriebene Verwendung abgeändert.
Der Zukunftsfonds wird aufgelöst, damit sollen Beamtenlöhne
bezahlt werden. Zudem wird der vorgeschriebene Verwendungszweck
für die 80 Prozent erweitert um Militär- und Justizausgaben.
Der Währungsfonds prüft nun Sanktionen gegen Tschad. |
| Zwei
Seiten einer Medaille
Die wirtschaftliche
Entwicklung Mozambiques
Mozambique
zählt seit einigen Jahren zu den am schnellsten wachsenden
Volkswirtschaften Afrikas. Der enorme wirtschaftliche Aufschwung
ist seit Mitte der neunziger Jahre fast schon zum Markenzeichen
Mozambiques geworden, wo jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich
acht Prozent keine Seltenheit sind. Von Sabine Hepperle.
Die hohen Wachstumsraten
in Mozambique sind umso bemerkenswerter, als das Land unmittelbar
nach seiner Unabhängigkeit von Portugals Kolonialherrschaft
1975 mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert war. Der
jahrzehntelange Bürgerkrieg, gepaart mit einer sich als
erfolglos erweisenden staatlichen Planwirtschaft sozialistischer
Provenienz und nahezu regelmässigen Dürre- und Hungerkatastrophen,
waren nicht gerade günstige Rahmenbedingungen, um sich
den drängenden Themen wie Armutsbekämpfung und nachhaltige
wirtschaftliche Entwicklung zu widmen.
Erst nach einem radikalen
Kurswechsel Mitte der neunziger Jahre, der die sozialistische
Planwirtschaft durch eine marktwirtschaftlich geprägte
Wirtschaftspolitik ersetzen sollte, wurden erste Erfolge sichtbar.
Unterstützt von umfassenden Strukturanpassungsprogrammen
der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF)
erfolgten weitreichende Privatisierungen ehemals staatlicher
Betriebe. Ende der neunziger Jahre erfolgte dann die erstmalige
Einführung einer staatlichen Mehrwertsteuer, die zusammen
mit den umfassenden Privatisierungen zur Konsolidierung der
notorisch maroden Staatsfinanzen einen wesentlichen Beitrag
leisten sollte.
Die wirtschaftliche
Struktur Mozambiques entwickelte sich gemäß der geographischen
Lage am Meer als Umschlagplatz und Durchgangsstation für
den regionalen Warenverkehr. Nicht von ungefähr avancierte
daher der Dienstleistungsbereich zum wichtigsten Wirtschaftssektor
der Volkswirtschaft, gefolgt vom industriellen Sektor. Auf dem
dritten Platz rangiert weiterhin der Agrarsektor, der zwar knapp
13 Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt hat – in dem
aber nahezu 80 Prozent der Bevölkerung tätig sind.
Mozambiques kontinuierlicher
Wachstumskurs erhielt jedoch im Jahre 2000 einen herben Rückschlag:
Die verheerenden Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe bedeuteten
für Mozambiques wirtschaftliche Entwicklung einen enormen
Einschnitt, der sich in einem armseligen Wirtschaftswachstum
von 1,3 Prozent ebenso widerspiegelte wie in instabilen Preisen
und einem sprunghaften Anstieg der Inflationsrate. Doch Mozambique
erholte sich erstaunlich schnell von diesem Rückschlag
und setzte seine Bemühungen, an die Wachstumsraten vor
der Überschwemmungskatastrophe anzuknüpfen, ehrgeizig
fort.
Die bemerkenswerten,
teilweise zweistelligen Zuwachsraten müssen jedoch differenziert
betrachtet werden: Zum einen basieren sie auf einem im weltweiten
Vergleich sehr niedrigen Ausgangsniveau, zum anderen gehen diese
primär auf Grossprojekte zurück - von denen die Bevölkerungsmehrheit
bislang jedoch nicht wirklich profitieren konnte. Dennoch sind
vor allem die Grossprojekte MOZAL, eine milliardenschwere Aluminiumschmelze
bei Maputom, und die Erschliessung von Erdgas-Vorkommen für
den Gas-Export per Pipeline nach Südafrika, wichtige Katalysatoren,
die bei regionalen und auch internationalen Investoren Interesse
wecken. Neben Südafrika ist neuerdings auch Mauritius an
einem millionenschweren Grossprojekt zur Zuckergewinnung in
Mozambique beteiligt. Ferner wird in den nächsten Jahren
mit mehreren neuen Bergbau-Projekten und dem Ausbau des bislang
noch unterentwickelten Tourismussektors gerechnet, von dem beachtliche
Impulse zu erwarten sind. Mozambique erhofft sich auch durch
die grenzübergreifenden Projekte im Rahmen der im südlichen
Afrika etablierten Peace-Parks-Initiative neue Einnahmequellen,
namentlich durch die Ausweitung des südafrikanischen Krüger-Nationalparks
nach Mozambique. In diesem Kontext ist auch ein weiteres ebenfalls
vielversprechendes Joint-Venture mit Südafrika zu sehen,
das eine Eisenbahnverbindung zwischen Südafrika und Maputos
Hafen umfasst. Gerade der bereits begonnene Ausbau des Hafens
von Maputo verspricht lukrative Geschäftsmöglichkeiten,
die dem regionalen und internationalen Handel neuen Schwung
geben könnten.
Um die Armut in den
ländlichen Gebieten zumindest in Teilen reduzieren zu können,
wird allerdings vor allem die angestrebte stärkere Förderung
des landwirtschaftlichen Sektors von Bedeutung sein. Denn Mozambique
gehört eben nicht nur zu den derzeit wirtschaftlich erfolgreichsten
Ländern im südlichen Afrika. Nach wie vor zählt
Mozambique zu den ärmsten Ländern der Welt, mit einem
jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von ca. 200 Euro. Weltweit
rangierte Mozambique beim UN Human Development Report 2004 auf
dem siebtletzten Platz. Ein zunehmendes Problem stellt auch
die Ausbreitung der HIV/AIDS-Epidemie dar, die bereits heute
die Lebenserwartung in Mozambique auf ca. 38 Jahre gesenkt hat.
Auch beim Korruptionsindex von Transparency International landete
Mozambique im Jahre 2004 lediglich auf dem 90. Platz –
von insgesamt 146 Staaten.
Die Weltbank hat
Mozambique für seinen wirtschaftlichen Reformkurs gelobt,
der auch die Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft
bis auf weiteres sicherstellt. Im letzten Jahr erließ
der IWF ein dreijähriges „Poverty Reduction and Growth
Facility Programme“, was ebenfalls als Unterstützung
für Mozambiques wirtschaftspolitischen Kurs bewertet werden
kann. Auch gelang es Mozambique als einem der ersten Länder,
im Rahmen der HIPC-Entschuldungs-Initiative vom Schuldenerlass
zu profitieren. Deutschland hat hierbei die Schulden Mozambiques,
die zuletzt etwa 190 Millionen Euro betrugen, komplett erlassen.
Generell gehört die Bundesrepublik zu den wichtigsten Geberländern
Mozambiques, die nicht zuletzt auch durch die in der ehemaligen
DDR tätigen Vertragsarbeiter gute Verbindungen zu Mozambique
unterhält.
Eine nachhaltige
Konsolidierung des wirtschaftlichen Aufschwungs, von der auch
die breite Masse der Bevölkerung profitieren wird, ist
derzeit noch nicht in Sicht. Mozambiques wirtschaftliche Entwicklung
wird auch mittelfristig weiterhin auf internationale Unterstützung
durch die Gebergemeinschaft angewiesen sein. Es bleibt daher
zu hoffen, dass insbesondere die Rahmenbedingungen zur Förderung
der klein- und mittelständischen Wirtschaft in Mozambique
sowie die deutliche Reduzierung staatlicher Bürokratie,
die unternehmerische Initiative extrem behindert, und eine damit
einhergehende ernstgemeinte Bekämpfung der Korruption ganz
oben auf der Agenda der neugewählten Regierung unter Frelimo-Generalsekretär
Armando Emilio Guebuza stehen.
Dr. Sabine Hepperle
ist Leiterin des Referats Afrika, Entwicklungspolitik der Deutschen
Industrie- und Handelskammer (DIHK) und Mitglied im Vorstand
des Weltfriedensdienstes. Wir danken der Autorin und dem Weltfriedensdienst
für die Zurverfügungstellung des Artikels (Weltfriedensdienst
e.V., Hedemannstrasse 14, 10969 Berlin; www.wfd.de).
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Literatur
Auf der Suche
nach der Madonna von Excelsior
hus. Im Herbst 2005
erschien das Buch "Die Madonna von Excelsior" von
Zakes Mda - ein aussergewöhnliches Buch. Darin nimmt Mda
eine wahre Geschichte auf und verarbeitet sie literarisch (vgl.
nebenstehenden Beitrag von Zakes Mda). Doch nicht genug damit.
Aus einer politischen Sicht ist das Buch nicht nur spannend
in der Aufdeckung dieser ungemein doppelbödigen burischen
Moral. Ebenso spannend ist jener Teil des Buches, in dem die
Geschichte der Kinder weiter erzählt wird, die unter dem
"Immorality Act", der die Rassenvermischung verbot,
gezeugt wurden.
Die Apartheidherrschaft
ist zu Ende. Jetzt drängen plötzlich jene Leute in
die Politik, die sich vorerst nicht nur bedeckt hielten, sondern
sich vom schwarzen Widerstand distanzierten: die Opportunisten.
Sie führen das grosse Wort, profitieren von den neuen Freiheiten,
bauen sich rasch ein Vermögen auf. Zu den ehemaligen KämpferInnen
gegen die Apartheid tun sich Gräben auf. Mda thematisiert
diesen Widerspruch. Damit verlässt er die vielfach gepflegte
Literatur der Ikonographie, der Schilderung der eigenen Verdienste
im Kampf mit dem Bösen, und legt den Finger auf den wunden
Punkt des heutigen Südafrikas: Die Entstehung einer schwarzen
Oberschicht, die sehr rasch sehr reich geworden ist und kaum
irgendwelche moralischen Skrupel oder gar Verbindlichkeiten
gegenüber der grossen Masse der Armen verspürt. Weiter
so!
Das Buch "Die
Madonna von Excelsior" ist 2005 im Zürcher Unionsverlag
erschienen.
Zakes Mda über die Geschichte seines Buches
Wenn ich in Südafrika
bin, unterrichte ich nicht. Ich schreibe dann ausschliesslich.
Wenn mir danach ist, steige ich in mein Auto und fahre einfach
ins Blaue. Üblicherweise führt mein Auto mich wie
von selbst in die Provinz Free State. Der Himmel ist dort so
weit, das berührt mich am meisten.
Ich fahre also den
ganzen Tag, bis ich nachts in irgendeiner kleinen Stadt lande
und in einem Hotel oder Bed-and-Breakfast absteige. Ich gehe
an die Bar und spreche mit den Leuten – und ohne Ausnahme
entdeckt man, dass jedes Städtchen sein kleines schmutziges
Geheimnis hat. Es ist eine interessanter Landstrich. Während
der Apartheid war dies eine sehr rassistische Gegend. Es gab
die Afrikaander, und es gab die Schwarzen – Basotho oder,
in bestimmten Regionen, Batswana, verschiedene Kulturen, die
in diesen Kleinstädten aufeinander treffen.
Eine dieser Fahrten
brachte mich nach Excelsior, und ich fand dort, was ich suchte.
Dies war ein spannender Ort für einen Roman. Ich erinnerte
mich an den Prozess, bei dem mehrere schwarzen Frauen angeklagt
waren, sexuelle Kontakte mit weißen Männern gehabt
zu haben – ein Verbrechen während der Apartheid.
Diese Afrikaander
schliefen mit schwarzen Frauen, solche Geschichten hörte
man jeden Tag. Es verging kein Tag in Südafrika ohne irgendein
Gerichtsverfahren wegen eines weissen Mannes, der mit einer
schwarzen Frau geschlafen hatte, entweder freiwillig, oder weil
er sie dazu gezwungen hatte. Das besondere an Excelsior war,
dass es sich um eine ganze Gruppe handelte, und dass diese schwarzen
Frauen schließlich Kinder bekamen. Das Gerichtsverfahren
brachte die Regierung in eine peinliche Lage. Einige der Männer
versuchten sich umzubringen. Der Skandal war so gross, dass
die Regierung Druck ausübte, um das Verfahren einzustellen.
Und das wurde wiederum zu einem Skandal.
Was ist aus
den Kindern geworden?
Einige der angeklagten
Frauen hatten Kinder. Mich interessierte: Was ist aus diesen
Kindern geworden? Was machen sie heute, im neuen Südafrika?
Aber natürlich wollte zunächst niemand darüber
sprechen, vor allem die Weissen nicht.
In einer Bar sagte
schließlich jemand, er kenne einen Mann, der vielleicht
etwas darüber wisse. Während wir plauderten, sassen
ein paar schwarze Männer auf dem Boden und tranken Bier
aus Flaschen. Einer stand auf und sagte: »Hey, ich kann
dir helfen. Meine Mutter war eine dieser Frauen. Meine Schwester
ist das Resultat dieser Vorgänge.« Er nahm mich mit
zu sich nach Hause. Nun, ich habe vieles aus seinem Leben übernommen.
Jetzt geht er natürlich durch Excelsior und nennt sich
selbst Viliki und prahlt damit, dass er das sei im Buch. Mit
diesen Leuten bin ich heute noch eng befreundet.
So also fand ich
diese Frauen, und später den Rechtsanwalt und die Männer,
von denen einige einen misslungenen Selbstmordversuch gemacht
hatten, wie der eine, der auf sich selbst geschossen hatte,
und die Tochter des Metzgers, der sich umgebracht hatte, und
so weiter. Die Leute von Excelsior, besonders die Afrikaander,
waren nicht gerade erfreut, weil sie glaubten, dass ich damit
alte Wunden aufreisse. Erinnerungen können das natürlich
bewirken. Meine Meinung war jedoch, dass es manchmal nötig
ist, alte Wunden aufzureissen, damit sie richtig heilen können.
Beide Seiten
verstehen
Die politischen Ereignisse,
wie sie im Buch vorkommen, entsprechen denen in Excelsior. Aber
dann habe ich meinen eigenen Zauber hinzugefügt. Die Mutter
züchtet keine Bienen, sie ist eine ganz normale Frau, die
irgendwo in einer Hütte lebt. Ein normales südafrikanisches
Leben, das manchmal sehr langweilig sein kann. Ich habe die
Figuren neu erschaffen.
Ich bemühe mich,
beide Seiten zu verstehen. Ich gehöre zu den früher
Unterdrückten, das ist meine Seite. Aber ich kann die andere
Seite nicht einfach verurteilen. Ich muss ihre Perspektive verstehen,
ihre Ängste. Ich versuche, Anteil zu nehmen, sie mit Mitgefühl
zu behandeln. Sie hatten bestimmte Ängste, die sie auslebten.
Leider übertrieben sie es damit.
Meine Schilderung
der heutigen Situation in Südafrika ist ausgewogen. Wenn
meine Leute korrupt werden, halte ich auch nicht den Mund. Wenn
jemand gewählt wird, um den Armen zu dienen und sich dann
selbst Häuser zuteilt, dann rede ich darüber auch.
Wenn sie zu Witzfiguren werden und sich lächerlich machen,
schreibe ich es.
Das Magische
als Realität
Für meine Arbeit
gibt es keine Kategorie. Ich nehme mir nicht bewusst vor, magischen
Realismus zu schreiben, aber wenn die Kritiker das so sehen,
na bitte. Ich beziehe mich auf dieselben Quellen wie die Schöpfer
des magischen Realismus. Ich setze »magisch« in
Anführungszeichen, weil die Welt, auf die sich meine Texte
beziehen, keine klare Trennung kennt zwischen dem Übernatürlichen
und dem, was man die objektive Realität nennt. Beide Wirklichkeiten
verschmelzen miteinander und existieren nebeneinander. Wer in
dieser Welt lebt, kann die beiden Wirklichkeiten nicht trennen.
Was Sie in der westlichen Welt »magisch« nennen,
ist Teil ihres Alltags. Wenn ich über Figuren schreibe,
die in einer solchen Welt leben, wirkt das offensichtlich magisch
auf westliche Leser. Aber für diese Leute ist das ganz
einfach normal.
Die vierte
Dimension
Erst kürzlich
hörte ich den afrikanischen Schriftstellen Ayi Kwei Armah
sagen, dass die orale Literatur Afrikas immer ein Gespräch
zwischen den Lebenden und der vierten Dimension gewesen sei.
Und mit der vierten Dimension meinen wir natürlich nicht
bloss die Toten, sondern auch die Ungeborenen. Wir reden also
von der Welt jener, die uns verlassen haben, und jener, die
sich uns noch nicht angeschlossen haben.
Genau darum geht
es. Da meine Romane sich aus diesen Quellen speisen, aus dem
ständigen Gespräch zwischen den Lebenden und der vierten
Dimension, reflektieren sie diese Elemente auch. Wenn die Wissenschaft
dies als Magischen Realismus kategorisiert – warum soll
ich darüber streiten?
Leben und Werk von Zakes Mda
Zakes Mda wurde 1948
in Herschel in der Provinz Eastern Cape in Südafrika geboren.
Sein voller Name lautet Zanemvula Kizito Gatyeni Mda und bedeutet
in seiner Mutter-sprache Xhosa »Der mit dem Regen kam«
oder »Der Regenbringer«. Er verbrachte seine frühe
Kindheit in Soweto und beendete die Schule in Lesotho, wohin
die Familie dem Vater ins Exil gefolgt war. Sein Vater war Anti-Apartheidsaktivist
und prominenter Mitbegründer und Präsident der African
National Congress (ANC) Youth Leage. 1963 emigrierte Zakes Mda
aus politischen Gründen in die USA und studierte an der
Ohio University, 1990 promovierte er an der University of Cape
Town. Nach 32 Jahren im Exil kehrte er 1995 nach Südafrika
zurück.
Mit dreizehn Jahren
veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte in seiner
Muttersprache Xhosa, später schrieb er auf Englisch. In
den Siebziger- und Achtzigerjahren trug Mda wesentlich zur Entwicklung
des südafrikanischen Theaters bei, und zwar als Wissenschaftler
wie als Autor von Stücken. In den Neunzigerjahren wandte
Mda sich der Romanform zu. Für seine Theaterstücke
und Romane erhielt er fast alle wichtigen südafrikanischen
sowie zahlreiche internationale Preise. Neben dem Schreiben
ist er auch als Dramaturg am Johannesburg Market Theatre und
als Maler, Komponist und Filmemacher tätig, züchtet
Bienen und leitet den Southern African Multimedia AIDS Trust
in Sophiatown, Johannesburg. Er unterrichtet an verschiedenen
Universitäten in den USA und in Südafrika und lebt
in Johannesburg und in Ohio.
Romane: She Plays With the Darkness
(1995), Ways of Dying (1995), Melville 67 (1998), The Heart
of Redness (2000), The Madonna of Excelsior (2002; dt. 2005),
The Whale Caller (2004).
Theaterstücke
(Auswahl): We Shall Sing for the Fatherland (1973).
The Hill (1978). Dead End (1979). Dark Voices Ring (1979). The
Road (1982). The Nun’s Romantic Story (1991). The Dying
Screams of the Moon (1992). And the Girls in Their Sunday Dresses;
The Final Dance; Banned; Joys of War (1993). Love Letters (1995).
Let Us Play (1998). The Mother of all Eating; You Fool, How
Can the Sky Fall?; The Bells of Amersfoort (2002).
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| Buchbesprechungen
Recycling
bfr. Liebevoll gestaltete
und mit viel Phantasie hergestellte Objekte aus Draht, Blech
und anderen (Abfall-) Materialien, mit Schriftzügen westlicher
Produkteverpackungen dank Mangel an Fertigprodukten. Im Buch
enthalten ist eine Sammlung von über 150 Spielzeugen aus
Blech, Draht, Holz und anderen Materialien. Wunderbar.
"Das in diesem
Buch präsentierte westafrikanische Spielzeug aus Recyclingmaterialien
stammt aus einer Schweizer Sammlung. Westliche Kunst-Liebhaber
gehören zu den Hauptabnehmern dieser Werke, befriedigen
sie doch souverän europäische Sehnsüchte nach
dem „Einfachen, dem „Ehrlichen“, dem „Unikat“"
- so der Text auf dem Buchrücken.
Afrika bewegt
sich, Arnoldsche 2004
Zwischen
den Kulturen
bfr. Kambili und
ihr älterer Bruder Jaja führen ein privilegiertes
leben in Nigeria. Ihr Vater ist ein wohlhabender Mann und Verleger
einer regierungskritischen Zeitung. Es gibt mehrere Bedienstete
in dem schönen, grossen, von hohen Mauern umgebenen Haus.
Sie besuchen beide exklusive Missionsschulen. Doch eine bedrückende
Stille lastet über allem. Der in der Gemeinde hochangesehene
Vater setzt seine rigiden Vorstellungen, wie ein guter Katholik
zu leben hat, in der Familie mit brutaler Gewalt durch. Als
Kimbili und Jaja zum ersten Mal ihre Tante Ifeoma besuchen und
deren Kinder besuchen dürfen, tut sich ihnen eine vollkommen
neue Welt auf. Hier wird gelacht und gesungen, Küchen-
und Kerosindämpfe ziehen durch die beengte Wohnung. Der
Grosvater, zu dem ihr eigener Vater jeden Kontakt abgebrochen
hat, weil er ein Heide ist und die alten Igbo-Götter anbetet,
wird von allen geliebt. Im Garten blüht blauer Hibiskus.
Und Kimbili verliebt sich. Nach ihrer Rückkehr ist die
alte Ordnung nicht mehrt wieder herzustellen und mit den zunehmenden
politischen Unruhen im Land eskalieren auch die Spannungen in
Kimbilis Familie.
Chimamanda Ngozi
Adichie, Blauer Hibiskus, Neuwied 2005 (Luchterhand)
Reader zur afrikanischen Geschichte
r.h. Christoph Marx
lehrt aussereuropäische Geschichte an der Universität
Duisburg-Essen und legt mit der "Geschichte Afrikas"
einen exzellenten Überblick vor. Auf etwas mehr als 370
Seiten behandelt Marx - aufgelockert durch zahlreiche Abbildungen,
Karten, Quellenauszüge und biografische Skizzen - in lesenswerter
Weise die Geschichte eines ganzen Kontinents. Dazu kombiniert
er strukturgeschichtliche Überblicke mit einer Auswahl
detaillierter Einsichten in einzelne Regionen und Sonderfälle.
Anders als in vielen älteren Darstellungen lehnt sich Marx
nicht an Muster an, "die das 19. und 20. Jahrhundert der
Geschichte Afrikas unter dem Vorzeichen der europäischen
Beeinflussung gesehen haben". Wie Marx schreibt, bedurften
die Afrikaner nicht der Europäer, um Geschichte zu machen,
Europäer standen weder am Anfang noch am Ende afrikanischer
Geschichtlichkeit. Darum wählt Marx für sein Buch
eine Dreiteilung, die einer afrikanischen Perspektive auf das
19. und 20. Jahrhundert gerecht wird, ohne dabei die tief greifenden
Veränderungen auszublenden, die mit der Kolonialherrschaft
einher gingen.
Der erste Teil ist
mit "Expansion" überschrieben und behandelt den
Zeitraum von 1800 bis ca. 1900 als eine Phase der Umwälzungen.
Marx: "Die Protagonisten des Wandels waren bis zum Ende
der 1870er Jahre Afrikaner, den Europäern fiel nur eine
randständige Rolle zu." Der zweite Teil, "Lebenswelten
unter kolonialer Herrschaft", behandelt die Formierung
und den Ausbau der kolonialen Staaten in den ersten Dekaden
des 20. Jahrhunderts und thematisiert den Umbau der regionalen
und lokalen Machtbalancen, den Infrastrukturausbau, die Kommerzialisierung
der Landwirtschaft und die Inanspruchnahme der ökonomischen
und kulturellen Ressourcen. Der dritte Teil mit dem Titel "Brüche
und Kontinuitäten" behandelt die Zeitgeschichte seit
etwa 1930, als infolge der Weltwirtschaftskrise und der Machtverschiebungen
durch den Zweiten Weltkrieg die Machtbalance zugunsten der Afrikaner
kippte. Marx beschreibt in fünf Unterkapiteln die Entwicklung
der Entkolonisierung, den Patronagestaat, den Einbruch der Wirtschaft,
Erfolg und Scheitern der Demokratisierungsbewegung und die gesellschaftlichen
und kulturellen Entwicklungen Afrikas am Ende des 20. Jahrhunderts.
Christoph Marx,
Geschicht Afrikas, Von 1800 bis zur Gegenwart, Paderborn 2004
(UTB; Ferdinand Schöningh)
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CD Besprechungen
Golden Afrique
Vol. 2
Highlights And Rarities From The Golden Era Of African Pop Music
(1956 - 1982):
The Great Days Of Rumba Congolaise And Early Soukous
Auf die wunderbare
Kompilation "Golden Afrique Vol. 1" wurde an dieser
Stelle schon hingewiesen. Gerade darum hier nun ein Lob auf
"Vol. 2". Irgendwie hat es ja auch mit musikalischer
Nostalgie zu tun; doch diese Zusammenstellungen haben es in
sich. Sie vermitteln einen sehr gelungenen Einblick in (vergangene)
afrikanische Musikzeiten. Trotzdem merkt man immer wieder, dass
diese Musik weiterwirkt, ihr Einfluss nicht einfach verschwunden
ist.
Vol. 2 von Golden
Afrique bringt uns die Musik des damaligen Kongos näher
und somit den Rumba. Rumba ist Tanzmusik. Und Rumba wurde im
Kongo ganz etwas Spezielles durch den Siegeszug der elektrischen
Gitarre. Neue Gitarrentechniken wurden entwickelt, und der Sound
verbreitete sich in ganz Afrika. Bekannt ist die Musik bis heute
unter dem Namen Soukous. All die Stars eroberten ihr Publikum.
Viele sind bis heute erfolgreich und einflussreich geblieben.
Einer wurde in der heutigen Zeit Kulturminister von Congo: Tabu
Ley Rochereau.
Günter Gretz,
Christian Scholze und Jean Trouillet ist es wieder gelungen,
auch verloren geglaubte Schätze auf die zwei CDs zu bringen.
Es ist einfach schön, ältere Stücke von Franco,
Sam Mangwana, Nyboma, Docteur Nico, Mose Se 'Fan Fan', Ry-Co
Jazz, Lucie Eyenga und eben Tabu Ley Rochereau zu hören.
Diese feine Gitarrenmusik, die einnehmenden Gesänge, der
mitreissende Rhythmus. Musik aus einer Zeit, wo in Kinshasa
der Rhythmus förmlich explodierte und wo der direkte Einfluss
kubanischer Musik extrem spürbar war. Dazu aber auch die
starke Verbindung zur alten Volksmusik der eigenen Regionen.
Hier sei nur mal das Likembé (Fingerklavier) genannt,
welches neuerdings auch bei jüngeren Musikern wieder Bedeutung
gewinnt (siehe u.a. Congotronics/Konono No.1). Viele Bands wurden
international bekannt, machten Tourneen durch verschiedene Kontinente
und waren auch in Amerika erfolgreich. Davon sprechen manchmal
auch die Plattenumschläge. So liess sich Dr. Nico gerne
vor einem amerikanischen Valiant ablichten. Dr. Nico war auch
so etwas wie ein Gitarrengott und er war auch offen für
neue Stile, neue Einflüsse. Auch zu hören ist Mpongo
Love. Die 1990 verstorbene Sängerin gilt bis heute als
eine der grössten weiblichen Stars der kongolesischen Musik.
Die kongolesischen MusikerInnen verstanden es auch schon früh,
verdammt gute Bühnenshows durchzuziehen. Übrigens
ein Markenzeichen, welches bis heute Gültigkeit hat. Viele
Songs setzen sich auch mit der Freude über die Unabhängigkeit
auseinander. Einige dieser Stücke sind unsterbliche Hits
geblieben. Denken wir an das Meisterwerk 'Indépendence
Cha Cha Cha' von Grand Kalle. Und immer wieder der grosse Franco
mit seinen O.K. Jazz. Franco hatte unheimlich viel Talent, Charisma
und weit geöffnete Ohren. Er trieb den Sound, oft zusammen
mit dem immer noch aktiven Sam Mangwana, so richtig voran.
Alles im allen ist
Golden Afrique eine absolut gelungene Zusammenstellung populärer
afrikanischer Musik. Hoffen wir auf weitere Golden Afrique CDs!
Golden Afrique.
Vol. 2 (wie auch Golden Afrique. Vol. 1) sind beim NETWORK-Label
erschienen. Beide Zusammenstellungen enthalten je zwei CDs und
ein informatives und bebilderts Büchlein.
Bukky Leo & Black Egypt
Afrobeat Visions
Afrobeat, eine vornehmlich
aus Nigeria und Ghana stammende Musikrichtung, ist wieder aktuell.
Femi, der Sohn des grossen, leider verstorbenen Meisters Fela
aus Nigeria, hat international Erfolg. In New York machen die
Antibalas richtig militanten Afrobeat und Fela's Schlagzeuger
Tony Allen ist immer noch positiv aktiv. Dazu sind ein paar
lohnende Zusammenstellungen von 'vergangener' Afrobeat- und
Afrofunk-Musik aus Ghana und Nigeria erschienen.
Umso erfreulicher
ist es, eine richtig wuchtige, neue und rohe Afrobeat-Platte
in den Händen zu haben. Dem Mr. Bongo-Label sei dank. Bukky
Leo & Black Egypt bringen souligen Afrobeat mit viel Kraft
gespielt. Bukky Leo, Sänger und Saxophonist, arbeitete
früher mit Fela und Tony Allen zusammen. Es verschlug ihn
nach London, wo er in der Acid-Jazz-Szene wirkte. Er traf auf
den Jazzer Pharoah Sanders, auf Roy Ayers und wieder auf Tony
Allen. Dieser ist auf der Produktion "Afrobeat Visions"
denn auch am Schlagzeug zu hören. Bukky Leo gelingt es
mit seinen Mitmusikern und dem Produzenten Ben Mitchell eine
eigenständige, abwechslungsreiche und jazzige Musik zu
machen. Man merkt, dass dieser Mann mit vielen MusikerInnen
spielte und die afro-amerikanische Musik für ihn eine grosse
Bedeutung hat. Trotzdem gelingt ihm etwas einmaliges und unverkennbares.
Bukky Leo verneigt sich auch vor seinen inspirierenden Kollegen
wie eben Fela Anikulapo Kuti, aber auch Bob Marley, Bunny Wailer,
John Coltrane, Gil Scott Heron, Wayne Shorter, Lee Morgan und
vielen mehr... Afrobeat Vision ist keine Platte, welche beim
ersten Reinhören gleich wie eine Bombe einschlägt,
doch sie ist so fein, um immer wieder neu gehört und entdeckt
zu werden. Und die CD ist manchmal unheimlich jazzig, dann wieder
tief beatig und verdammt gut tanzbar. Schön, dass es auch
solch gut instrumentierte Musik mit diesem Power und der grossen
Spielfreude in neuen, aktuellen Produktionen zu hören gibt.
Da macht es auch
Freude, auf die neueste Produktion des umtriebigen Afrobeat-Mannes
Tony Allen hinzuweisen. "Live" bringt reduzierten
Afrobeat der Spitzenklasse, eingespielt mit jüngeren Musikern
aus Frankreich. Unter anderem sind dabei auch Aufnahmen vom
Montreux Jazz Festival 2004 zu hören. Ein empfehlenswertes
Beispiel von Tony Allen's besonderer Schlagzeug- und Gesangstechnik.
Eine Art minimalistischer Afrobeat!
Wer sich noch weiter
mit dem in Amerika wütenden Afrobeat-Bazillus auseinandersetzen
will, sei das aktuellste Beispiel wärmstens empfohlen.
Die Multikultitruppe Antibalas aus New York macht richtig lauten,
zornigen und höchst politischen Afrobeat. Sie haben damit
wieder direkten Draht zum Afrobeat-Militanten und -Philosophen
Fela. Schläge, die ins Herz und in die Seele dringen.
Bukky Leo &
Black Egypt/Afrobeat Visions/Mr.Bongo
Tony Allen/Live/Comet
Antibalas/Who Is This America?/Ryko
CDs zusammengestellt und besprochen von Pius Frey, COMEDIA St.Gallen.
Alle besprochenen CDs (und viele mehr) sind hier erhältlich.
medien@comedia-sg.ch
- www.comedia-sg.ch
|
Schweiz-Angola
Rückgabe
angolanischer Gelder aus Korruption
Ein am 1.
November 2005 unterzeichnetes Abkommen zwischen Angola und der
Schweiz sieht die Rückführung von 21 Mio. US-Dollar
öffentlicher angolanischer Gelder, die auf Schweizer Konten
blockiert waren, nach Angola vor, obwohl verschiedene zivilgesellschaftliche
Organisationen in beiden Ländern verlangt haben, dass der
zugrunde liegende Korruptionsfall weiter untersucht wird. Das
Afrika-Bulletin berichtete in Nr. 118/2005 darüber.
red. Die Gelder wurden
während einer Untersuchung über vermutete Geldwäscherei,
Unterstützung einer kriminellen Organisation und Bestechung
fremder Amtsträger blockiert, die sich auf die 1996 vorgenommene
Umschuldung von 5,5 Mrd. US-Dollar Auslandsschuld von Angola
gegenüber Russland bezog. Zwischen 1997 und 2000 wurden
insgesamt 774 Mio. US-Dollar an angolanischen Erdöleinnahmen
auf ein Konto bei der UBS in Genf einbezahlt, das auf den Namen
der Firma Abalone Investment Limited lautete, die von den Geschäftsleuten
Pierre Falcone und Arkadi Gaydamak gegründet worden war.
Doch nur 161 Mio. US-Dollar erreichten ein Konto des russischen
Finanzministeriums. Rund 600 Mio. US-Dollar tauchten auf Konten
auf, die Falcone, Gaydamak und einer Reihe obskurer Gesellschaften
gehörten, wobei Millionen auf Privatkonten hoher angolanischer
Funktionäre und auch von Staatspräsident Dos Santos
landeten.
Der Genfer Generalstaatsanwalt
stoppte die Untersuchungen Ende 2004 mit der Begründung,
da weder die angolanische noch die russische Regierung sich
als Opfer oder Kläger verstehe, sei auch kein Betrug begangen
worden, und dies trotz Belegen für den Missbrauch von Millionen
von öffentlichen Geldern Angolas. Zudem ignorierte er Aufforderungen
von Organisationen der schweizerischen, der angolanischen und
der internationalen Zivilgesellschaft, den Fall erneut aufzurollen.
"Wir begrüssen
die Tatsache, dass die nunmehr rückgeführten 21 Mio.
US-Dollar für Projekte zugunsten der am meisten benachteiligten
Personen der angolanischen Gesellschaft verwendet werden sollen",
meint Stefan Howald von der Aktion Finanzplatz Schweiz, Basel.
"Angola ist eines der ärmsten Länder der Welt,
trotz seines riesigen Reichtums an Erdöl und Diamanten.
Die meisten Angolanerinnen und Angolaner müssen mit weniger
als 2 Dollar pro Tag auskommen", ergänzt Jean-Claude
Huot von der Déclaration de Berne, Lausanne.
Doch Angola ist gleichzeitig
extrem korrupt und steht auf dem Korruptionsindex von Transparency
International an 133. Stelle von 145 Ländern. Sarah Wykes
von Global Witness meint deshalb: "Die blockierten Summen
sind öffentliche angolanische Gelder, die auf Schweizer
Bankkonten landeten, und die Korruption der angolanischen Regierung
ist weiterhin notorisch: Welche Garantien bestehen da, dass
die Gelder tatsächlich für humanitäre Zwecke
eingesetzt werden? Jede Rückführung muss in vollkommener
Transparenz durchgeführt werden, die unabhängige angolanische
und internationale Zivilgesellschaft muss mitentscheiden können,
wohin das Geld geht, und durch einen unabhängigen Überwachungsmechanismus
muss die weitergehende öffentliche Kontrolle gewährleistet
werden."
So stellt sich die
Frage, wie sicher gestellt werden kann, dass diese Gelder nicht
einfach wieder in die Taschen jener korrupten Politiker und
Regierungsbeamter fliessen, die vor Jahren den Deal eingefädeklt
haben. Dies zu einem Zeitpunkt, wo noch immer Hundertausende
von Angolanerinnn und Angolaner als interne Flüchtlinge
auf internationale Hilfe angewiesen sind, während sich
die Elite schamlos bereichert. |
| Das Afrika-Bulletin |
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