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Afrika-Bulletin Nr. 121:
Januar/Februar 2006

Schwerpunktthema:
Schweiz-Südafrika: Vertuschte Apartheidbeziehungen

Die Beziehungen zwischen der Schweiz und Südafrika während der Apartheid standen in den vergangenen Monaten gleich mehrmals im Interesse der Öffentlichkeit. Ende Oktober letzten Jahres wurde der Schlussbericht des Nationalen Forschungsprogrammes Schweiz-Südafrika publiziert. Dieses Forschungsprogramm wurde auf Druck der Öffentlichkeit und des Parlaments vom Bundesrat beschlossen, um die Zusammenarbeit offizieller und privater Instanzen mit der Apartheidregierung Südafrikas zu untersuchen.

Zu viel war in den dunklen dreissig Jahren zwischen 1960 bis zur Machtübergabe an die schwarze Mehrheit von und über die Schweiz gelaufen, so dass die Frage gestellt werden muss: Hat die Schweiz die Apartheid verlängert? Eine eindeutige Antwort liefert der Schlussbericht nicht. Er belegt jedoch, wie ausgiebig und unter Anwendung aller Schliche und Schleichwege die offizielle Schweiz private Kontakte vom und zum Apartheidregime begünstigte und erleichterte. Weder das Parlament hat den Bericht diskutiert, noch hat der Bundesrat ihn kommentiert. Deshalb haben verschiedene Parteien weitere Schritte angekündigt, damit das Thema nicht einfach begraben wird.

In dieser Ausgabe des Afrika-Bulletin gehen wir auf einige Erkenntnisse der Forschung ein. Wir zeigen aber auch auf, wie eine systematische Untersuchung vereitelt wurde. Dazu bringen wir eine umfassende Stellungnahme der Recherchiergruppe des Solifonds. Von dieser Gruppe um die Ökonomin Mascha Madörin publizieren wir eine kritische Einschätzung der Forschungsergebnisse.

Hans-Ulrich Stauffer

Afrika-Komitee
Ziele, Themen, Kontakte
Afrika-Bulletin. Archiv

Vertuschen, Verschweigen, Verharmlosen
Beziehungen Schweiz-Afrika während der Apartheid

Nach mehrjähriger Arbeit sind Ende Oktober die ersten Ergebnisse der im Jahr 2000 beschlossenen Forschungsstudien zu den Beziehungen zwischen der Schweiz und Südafrika während der Apartheid veröffentlicht worden. Die Ergebnisse, wie sie im Schlussbericht zusammengefasst und in einzelnen Teilstudien aufgearbeitet worden sind, zeigen eines: Mit Wissen des Bundesrates wurde während Jahren eine intensive Zusammenarbeit zwischen privaten und staatlichen Instanzen der Schweiz mit dem Apartheidstaat gepflegt. Wir gehen auf einige Punkte tiefer ein.

hus. Schon 1967 ging aus einer UNO-Studie über ausländische Wirtschaftsbeziehungen mit Südafrika hervor, dass die Schweiz ein wichtiger Investor in Südafrika ist. Dies führte - wie die ausgewiesene Spezialistin Mascha Madörin aufzeigt - zu einer Intervention der Schweiz bei der südafrikanischen Regierung. Das Ergebnis: Fortan erschien die Schweiz in einzelnen Statistiken einfach nicht mehr, so etwa verschwand sie aus der Statistik der South African Reserve Bank. Rund dreissig lange Jahre windete und wand sich der Bundesrat, eine klare Regelung im politischen, wirtschaftlichen und militärischen Verhältnis zum Apartheidstaat zu treffen.

Unter Berufung auf die schweizerische Neutralität akzeptierte die Landesregierung - unter Einschluss der sozialdemokratischen Bundesräte - eine enge Zusammenarbeit mit Südafrika, währende andere Staaten ihr Engagement zurückfuhren oder auch ganz beendeten und sich den UNO-Sanktionen anschlossen. Der "Plafond" wurde erfunden: Schweizerische Importe und Exporte (Handel und Kapital) wurden auf einer gängigen Höhe begrenzt. Motto: Es darf weiter gehandelt werden, aber bitte nicht noch mehr!

Der Plafond selbst war äussert durchlässig und konnte leicht umgangen werden. Ein Beispiel gefällig? "Eins teilt sich in zwei" lehrte in den Sechzigerjahren der Vorsitzende Mao. Diese Lektion hat zeitgleich die damalige Bankgesellschaft - nunmehr aufgegangen in der UBS - rasch und gekonnt umgesetzt: Zur Umgehung der Bewilligungspflicht für Darlehen an Südafrika von über 10 Millionen Franken zerstückelte die Bank 1972 ein 45 Mio.-Darlehen einfach in fünf Kleindarlehen. Die Bewilligung war damit nicht mehr notwendig und damit die Offenlegung des Deals vermieden! Kauz laufende Darlehen von unter einem Jahr mussten ebenfalls nicht ausgewiesen werden. Was einfacher, als eine Verkettung von Darlehen mit kurzer Laufzeit zu vereinbaren, und das Ziel war ohne Publizität erreicht.

Die wesentlichen Exporte Südafrikas, die über die Schweiz gingen, waren Gold und Diamanten. Doch trotz internationaler Handelssaktionen, wie sie beispielsweise 1986 der amerikanische Kongress und die EU beschlossen hatten, fielen diese Güter in der Schweiz unter keine Restriktionen. Gold war wohl kein Exportgut, sondern "Zahlungsmittel", und für die Diamanten gab es kaum Einschränkungen.

Die Goldexporte in die Schweiz machten zeitweise bis zu drei Viertel der gesamten südafrikanischen Goldproduktion aus. Gold diente zudem als Pfand für Anleihen. 1976, im Jahr des Soweto-Aufstandes, machten die Goldswaps 1,5 Milliarden Franken aus!

Militärische und atomare Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit im militärischen Bereich und damit bei der Unterdrückung der Schwarzen und bei den Aggressionen gegen die Nachbarstaaten war beachtlich. Die Schweiz liess Waffenexporte zu. Die staatliche schweizerische Rüstungsindustrie - heute RUAG - war als Zulieferer tätig. Die schweizerische Definition der Rüstungsgüter, für welche die UNO ein Embargo beschlossen hatte, war enger als bei der UNO: So fielen etwa die primär militärisch eingesetzten PC-7-Flugzeuge nicht unter Kriegsgüter, wenn - schweizerische Spitzfindigkeit - die Vorrichtung zur Bombenaufhängung nicht angebracht war (aber später angebracht werden konnte). Die direkte militärische Zusammenarbeit durch Experten oder Wissensaustausch liess sich zudem in der Schweiz nicht recherchieren: Die Akten waren vernichtet worden. Lediglich durch ein Ausweichen auf südafrikanische Quellen war es schliesslich möglich, Licht in einzelne Katakomben dieses dunklen Kapitels zu bringen.

Schweizer Firmen waren im geheimen südafrikanischen Atomprogramm involviert. Im industriellen Bereich lieferte die Firma Sulzer über eine Tochter in Südafrika wesentliche Komponenten zur Urananreicherung, und damit zum Bau der sechs südafrikanischen Atombomben. Auch für eine Lieferung von Ausrüstungsgüter für ein südafrikanisches AKW wurde eine Exportrisikogarantie abgegeben, womit der schweizerische Lieferant im Falle einer Nichtzahlung gedeckt gewesen wäre. Allerdings kam dann das Geschäft nicht zustande.

Wie der Schlussbericht aufzeigt, verurteilte der Bundesrat verschiedentlich die Apartheid. Kam es jedoch darauf an, wurden für die anstehenden Geschäfte Mittel und Wege gesucht. Insbesondere im Eidg. Finanzdepartement und in der Volkswirtschaftsdirektion wurde die Wirtschaftspolitik von einigen wenigen zuständigen Beamten direkt mit Vertretern der interessierten Firmen gemacht. Der Bundesrat nahm darauf keinen Einfluss.

Kommentar
Eine Entschuldigung ist nötig!

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Zusammenarbeit weit intensiver war, als je offiziell zugestanden. Dass im Verlauf des Forschungsprogrammes zudem der Zugang zu den Archiven behindert oder gar verweigert wurde, kann nur so interpretiert werden, dass weitere Enthüllungen zu brisant gewesen wären. Gewisse Vorgänge müssen also bis heute verheimlicht werden.

Daneben ist zudem festzuhalten, dass zu den privaten Archiven international tätiger Firmen ohnehin kein Zugang bestand. Das bedeutet, dass die ganzen privatwirtschaftlichen Kontakte, die von schweizerischen Firmen mit Firmen in Südafrika oder mit der südafrikanischen Regierung getätigt wurden, weiterhin als Pribvatsache angesehen werden und der kritischen Aufarbeitung eines der dunklen Kapitel der jüngsten Schweizer Geschichte verschlossen bleiben.

Die Forschungsergebnisse haben zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Unsererseits kann festgehalten werden, dass unsere bösen Vorahnungen übererfüllt worden sind, auch wenn wohl noch viel unter dem Deckel gehalten wird. Die Mehrzahl der Medien sieht dies ähnlich. Doch gibt es auch die Verharmloser oder die Wetterfahnen. Zu diesen gehört SVP-Nationalrat Schlüer, Kopf der Apartheid-freundlichen "Arbeitsgruppe Südafrika", der seine politische und propagandistische Unterstützung, die letztlich auch der weiteren wirtschaftlichen Unterstützung den Weg ebnete, seinen damaligen Kampf gegen die Emanzipation der Schwarzen als wohlmeinende Begleitung zum friedlichen Übergang in Südafrika verstanden haben will. Ebenso unverständlich ist der Kommentar von Anton Christen, dem sehr profunden Afrikakenner der NZZ, der die Diskussion über Sinn und Unsinn von Sanktionen (respektive darüber, wer sie einhielt oder eben umging und mit dem Apartheidstaat zusammen arbeitete), als Schattenboxen bezeichnet, wohl frei nach dem Motto: Das Problem ist ja gelöst, was sollen wir über unseren Beitrag zur Problemverlängerung noch lange diskutieren.

Verstauben nun die Forschungsergebnisse in Schubladen resp. Büchergestellen? Diese Gefahr besteht. So hat beispielsweise der Bundesrat immer gesagt, er nehme zur Frage Stellung, wenn die Forschungsergebnisse vorliegen würden. Bis heute hat sich der Bundesrat um eine solche Stellungnahme gedrückt. Das mag nicht sonderlich verwundern, waren doch die Bundesräte Merz und Blocher zwei ehemals äusserst aktive Unterstützer des Apartheidregimes.

Im Parlament sind mehrere Vorstösse in Vorbereitung oder bereits eingereicht, um einzelne Teilfragen zu diskutieren oder von der Landesregierung weitere Auskünfte zu erhalten. Der Recherchiergruppe des Solifonds und der auf Initiative der grünen Nationalrätin Pia Hollenstein gebildeten Parlamentariergruppe Schweiz-Südafrika kommen dabei zentrale Bedeutung zu. Ihr Engagement ist wichtig, damit das Thema nun nicht abgehackt und ad acta gelegt wird.

Es ist eine legitime Forderung, die wohl auch einen gewissen Anstand und Respekt vor den Opfern der Apartheid ausdrücken würde, wenn sich der Bundesrat öffentlich für die damalige Zusammenarbeit mit dem Unrechtsregime entschuldigen würde.

Hans-Ulrich Stauffer

Geschönte Ergebnisse dank Zensur
Kritik der Solifonds-Recherchiergruppe

Nach Abschluss des NFP 42+ und der heutigen Veröffentlichung des Abschlussberichtes von Prof. Georg Kreis stellen wir fest: Der Bundesrat hat nicht Wort gehalten. Er hat die Forschung massiv eingeschränkt und die Resultate zensurieren lassen. Die Zensur hatte zum Ziel, die Grossbanken und –unternehmen, die Nationalbank, das Seco, das Eidg. Finanzdepartement und den Bundesrat als Regierung vor der Veröffentlichung der Fakten zu schützen. Brisante Erkenntnisse kamen teilweise nur zu Stande, weil diesbezügliche Dokumente in südafrikanischen Archiven eingesehen werden konnten.

Die Schweizer Regierung wie auch Schweizer Grossbanken und Unternehmen haben mit dem Apartheidstaat in Südafrika bis zuletzt gute Beziehungen gepflegt. Im Gegensatz zu den meisten westlichen Ländern hat sich die Schweizer Regierung geweigert, gegenüber Südafrika Sanktionen zu verhängen.

Diese engen Beziehungen bedürften einer vertieften Aufarbeitung. Dies hat die Mehrheit des Parlamentes im März 1999 mit der Ablehnung der Parlamentarischen Initiative Hollenstein jedoch verhindert. Es reiche aus, meinte eine Mehrheit des Parlaments, wenn im Rahmen eines nationalen Forschungsprogramms (NFP) mit Zugang zum Bundesarchiv die Beziehungen Schweiz-Südafrika aufgearbeitet werden. Damit bleibt der Zugang zu den Privatarchiven von Banken und Unternehmen verschlossen. Mit diesem Entscheid können die Schweizer "Apartheid Connections" und ihre Folgen für die schwarze Bevölkerungsmehrheit nur teilweise untersucht werden.

Die Arbeit der Solifonds-Recherchiergruppe

Engagierte Personen haben in der vom Solifonds - einer Organisation, der auch das Afrika-Komitee angehört - koordinierten "Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika" eigene Recherchen unternommen. Die Recherchiergruppe hat die Ergebnisse der offiziellen Forschung kritisch gesichtet. Eine Kritik richtet sich gegen den eingeschränkten Zugang zu Quellen - offiziellen wie auch privaten -, was zu sehr eingeschränkten Ergenissen in der Forschung führt.

Dabei stell die Recherchiergruppe fest, dass in der ganzen Forschungsarbeit eigentliche Zensur ausgeübt wurde. Diese nahm verschiedene Formen an:

- Wie der Schlussbericht zeigt, hat der Bundesrat die berechtigten Forderungen des Nationalfonds bezüglich Autonomie der Forschung, Zugang zu Archiven, Höhe des Kredites (2 Mio. Franken anstelle der vom SNF geforderten 4 Millionen Franken) nicht respektiert.

- Die privaten Unternehmen haben ihre Archive den Forschenden nicht geöffnet, und leider haben es Parlament und Bundesrat abgelehnt, entsprechende Verpflichtungen zu beschliessen.

- Der Schlussbericht zeigt auf, dass die Aktensperre in Bezug auf staatliche Akten (Bundesarchiv) im April 2003 auf massgeblichen Druck von Banken- und Wirtschaftskreisen zustande kam. Die Begründung, dafür hätten die in den USA eingereichten Klagen den Ausschlag gegeben, ist ein Ablenkungsmanöver, setzte doch der erwähnte Druck laut Kreis bereits im Jahr 2000 mit Beginn des Forschungsprogramms ein. Dazu kommt, dass für die immer noch hängige Entscheidung, ob die Klagen in den USA zugelassen werden, die Forschungsergebnisse nicht relevant sind. Werden die Klagen zugelassen, wird der Entscheid über die Archivschliessung für die Schweizer Beklagten ein Nachteil sein.

- Ob Grossbanken und –unternehmen Diktaturen Vorschub leisten, wird von den Behörden offensichtlich als «Privatsache» angesehen und geschützt. Die Art und Weise, wie der Bundesrat dem Druck der Schweizerischen Bankiervereinigung und der Economiesuisse klein beigegeben hat, muss jede demokratisch denkende Person erschrecken.

- Zum vornherein wurde die Beteiligung südafrikanischer ForscherInnen ausgeschlossen.

- Ein Teil der Forschenden ist in die Kritik mit einzubeziehen, sind doch die öffentlich zugänglichen Archive – zum Beispiel jene verschiedener Organisationen der Anti-Apartheid-Bewegung sowie ZeitzeugInnen – von den meisten Forschenden nicht konsultiert worden.

- Die einzelnen Berichte mussten den betroffenen Departementen vorgelegt werden. Sie wurden zensuriert.

- Selbst der vorliegende Schlussbericht wurde einer langwierigen Überprüfung unterzogen, bevor er jetzt veröffentlicht worden ist.

- Was im Bericht ersichtlich wird: Die verschiedenen Departemente zensurierten offenbar unterschiedlich stark. Der Bericht enthält sehr interessantes, detailliertes Material zur Politik des EDA. Der im Schlussbericht behauptete dominierende Einfluss des Seco (früher BAWI) und des EFD auf die staatliche Südafrikapolitik ist aufgrund der präsentierten Fakten nur in Bruchstücken und indirekten Formulierungen ersichtlich.

- Unsere Nachforschungen lassen befürchten, dass die Zensur weiter geht: Unternehmen, die in der Studie von Peter Hug namentlich erwähnt werden, sollen die Gelegenheit erhalten, dazu Stellung zu nehmen, bevor die Studie veröffentlicht wird.

- Die Schlussfolgerungen des Kreis-Berichts in Bezug auf das Thema Sanktionen sind nicht belegt, enthalten aber genau die politisch erwünschten und den Grossbanken genehmen Aussagen. Die Studie Stähelin-Witt, auf die sich die Schlussfolgerungen beziehen, kommt bezüglich Finanzsanktionen zum Schluss, diese hätten kaum gewirkt. Dies widerspricht diametral den Aussagen des heutigen Gouverneurs der südafrikanischen Reservebank, Tito Mboweni, vom 1.3.2004, wonach Südafrika von intrnationalem Kapital abgeschnitten war: "As a result of the Government's apartheid policies, the country had no access to the international capital markets at the time (nach 1985, Rgr.), including no access to borrowing from the IMF or other official agencies." Trotz unserer wiederholten Anfrage haben wir diese Studie bis heute nicht erhalten, um die Argumente der ForscherInnen nachzulesen und zu kommentieren. Die Zusammenfassung auf der Homepage des NFP liefert keine überzeugende Begründung für die Behauptungen der Studie, ebenso wenig der Schlussbericht.

- Irritiert stellen wir fest, dass entgegen früherer Versprechungen keine öffentliche Tagung des NFP zu den Forschungsresultaten mehr vorgesehen zu sein scheint.

- Die frühestens Mitte nächsten Jahres erscheinende englische Übersetzung des Schlussberichtes Kreis kommt einer erneuten Verhinderung des in Aussicht gestellten Einbezugs der internationalen Dimension gleich. Sie hätte gleichzeitig wie die deutsche und französische Version erscheinen müssen.

Der Bundesrat und die zuständigen Bundesämter setzten exakt jene Politik fort, die sie schon während der ganzen Apartheidzeit praktizierten. Scheinargumente werden vorgeschoben, Fakten vertuscht oder der Öffentlichkeit vorenthalten: "An sich hätte stets die Möglichkeit bestanden, (…) eine Basis für eine Haltung zu schaffen, die dem menschenrechtlichen Aspekt und dem Gebot internationaler Solidarität stärker entsprochen hätte. (…) für die folgenden Jahre muss man es aber als ein konzeptionelles Manko bezeichnen, dass die Dimension der Menschenrechte in der Südafrikapolitik nicht berücksichtigt wurde. Es fällt auf, dass vieles, was in der Südafrika-Politik diskutiert wurde, mit der Bemerkung, dass es sich um eine Privatsache handle, der Kritik entzogen wurde" (Schlussbericht, S. 491).

Das heisse Thema „Beziehungen zur Apartheid“ zeigt, wie wenig sich unsere Regierung elementaren demokratischen Prinzipien verpflichtet fühlt, zu denen auch Forschungsfreiheit und öffentliche Rechenschaftspflichten gehören.

Interessante Resultate der Einzelstudien

Trotzdem ist festzuhalten, dass einige Untersuchungen wichtige Resultate erbracht haben. Der Schlussbericht enthält erfreulich viel Material, vor allem zum Kapitalexportplafonds, zu den Kriegsmaterialexporten, den rechtlichen Handlungsspielräumen sowie der politischen Positionierung von Staat und Wirtschaft. Diese Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die Kooperation der schweizerischen Politik und Wirtschaft mit dem Apartheidstaat enger und systematischer war, als Anti-Apartheid-Bewegungen und KritikerInnen ihnen je vorgeworfen haben.

Wesentliche Aspekte dieser Kooperation sind allerdings immer noch nicht untersucht worden.

So fehlen Untersuchungen über das Ausmass und die Bedeutung der Schweizer Wirtschaftsbeziehungen zur Apartheid weitgehend. Der Bericht von Guex/Etemad zu den Finanz- und Handelsbeziehungen der Schweiz mit Südafrika in den 1950er und 1960er Jahren enthält spannende Resultate; die Untersuchung der 1970er und 1980er Jahre, in denen das Schweizer Engagement besonders ausgeprägt war, war jedoch wegen der Archivschliessung nicht möglich.

Nebst den eingeschränkten Resultaten, die durch den kleinen Rahmen und die Zensurmassnahmen bedingt sind, hat das NFP 42+ den Auftrag, die Fakten in den internationalen Kontext einzuordnen, klar verfehlt. Die Resultate widerspiegeln so eine Sonderfall-Optik, statt die Schweizer Politik im Vergleich zu jener anderer Staaten darzustellen.

Gespannt darf man auf die Arbeit zur militärischen Zusammenarbeit (Hug) sein: "In dem Masse, wie sich die soziale Basis des Widerstandes in Südafrika Anfang der 1980er Jahre verbreiterte und die Repression der südafrikanischen Regierung härter wurde und sich militarisierte, rückte die Schweiz auf internationaler Ebene noch näher an Südafrika heran." (Schlussbericht, S. 495).

Leider ist diese Studie, wie auch jene zu den Sanktionen (Stähelin-Witt) sowie zum Südafrikabild in der Bundesverwaltung (Kellerhals) - im Gegensatz zu den anderen - der Recherchiergruppe, trotz mehreren Anfragen, bislang nicht zur Lektüre zur Verfügung gestellt worden. Wir erachten dies ebenfalls als einen Akt der Zensur von Forschungen, die mit öffentlichen Geldern finanziert worden sind.


Forderungen der Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika:

Aufgrund ihrer Erkenntnisse aus dem Studium des Schlussberichts und aufgrund ihrer eigenen Arbeiten fordert die Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika:

- Die Durchführung des Nationalen Forschungsprogramms, wie es anfänglich vom Bundesrat in Auftrag geben und vom SNF präzisiert wurde (Schlussbericht, S. 21). Insbesondere müssen die Wirtschaftsbeziehungen der Schweiz mit Südafrika untersucht werden.

- Genaue Auskunft von den Verantwortlichen des NFP über das Ausmass der Zensur, insbesondere auch bezüglich des Schlussberichts.

- Eine Stellungnahme des Bundesrates und des Parlaments zur Zensur und zu den Resultaten der NFP42+-Studien,

- Die Veröffentlichung zentraler, mehrfach erwähnter und zitierter Dokumente, namentlich folgender Schlüsseldokumente:

. der Brief von Staatssekretär Edouard Brunner an Botschafterin Francesca Pometta, damals ständige Beobachterin der Schweiz bei der UNO, vom 14. Mai 1986.

. das interne EDA/EVD-Diskussionspapier „Wirtschaftssanktionen/Massnahmen gegenüber der Republik Südafrika; Schweizerische Haltung“ vom 18. September 1986

. die 1997 für das EDA verfasste Studie von Lukas Zollinger, „Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und der Republik Südafrika von 1961-1994. Das Konzept der integralen Neutralität in Bedrängnis“

. Studie von Marc Perrenoux vom Historischen Dienst des EDA zum Kapitalexportplafond vom Sommer 2003

Schliesslich fordert die Recherchiergruppe die Schaffung gesetzlicher Grundlagen, die den freien Zugang zu Informationen und die Forschungsfreiheit gewährleistet, ähnlich wie es in andern Ländern auch existiert.

Zusammengestellt aus der Medienmitteilung des Solifonds und weiteren Dokumenten.
Weitere Informationen unter www.solifonds.ch


Ergebnisse der Forschungsberichte
Aussenpolitik und Wirtschaftszusammenarbeit

Von den insgesamt zehn Forschungsberichten liegen fünf als Buchpublikationen bereits vor, weitere befinden sich im Druck oder werden nicht erscheinen. Mascha Madörin von der Recherchiergruppe Schweiz-Südafrika kommentiert zwei Publikationen.

Zwischen Recht und Politik: Der rechtliche Handlungsspielraum der schweizerischen Südafrikapolitik (1976-1994)

Anfangs Juni 1990 stattete Nelson Mandela der Schweiz einen offiziellen Besuch ab. Es war vier Monate, nachdem das Apartheid-Regime seine Bereitschaft erklärt hatte, den während 27 Jahren inhaftierten Mandela und alle andern politischen Gefangenen freizulassen und Verhandlungen mit den bis dahin verbotenen und brutal unterdrückten Anti-Apartheidorganisationen aufzunehmen. Anlässlich seines Besuchs forderte Mandela die Schweizer Regierung auf, Sanktionen gegenüber Südafrika anzuordnen. Der Bundesrat lehnte ein solches Vorgehen aus prinzipiellen Überlegungen ab.

Zwei Monate nach diesem Besuch beteiligte sich die Schweiz voll an den internationalen Handelssanktionen gegenüber dem Irak. Ohne dass zuvor nur ein Jota an irgendeinem schweizerischen Gesetz oder an einer aussenpolitischen Maxime geändert worden wäre, war plötzlich möglich, was während mehr als einem Jahrzehnt als ein Vorgehen deklariert wurde, das gegen die aussenpolitischen Prinzipien der Schweiz verstosse, juristisch äusserst problematisch und zudem politisch kontraproduktiv sei.

Solche und unzählige weitere Beispiele finden sich im scharfsinnigen Buch des Völkerrechtlers Jörg Künzli zu den Beziehungen der Schweiz mit Südafrika während des Apartheidregimes (1948-93). Das Buch zeigt, dass die Weigerung der Schweiz, diplomatische oder wirtschaftliche Massnahmen gegen das Apartheidregime zu ergreifen, nicht aus rechtlichen oder neutralitätspolitischen Gründen geboten, sondern rein politischer Natur war. Die Lektüre dieses gut verständlichen und lesbaren Buches sollte für National- und StänderätInnen obligatorisch sein, könnte dessen Kenntnis doch den ParlamentarierInnen helfen, Scheinargumente der Regierung zur internationalen Politik als solche zu durchschauen.

Jörg Künzli: Zwischen Recht und Politik. Der rechtliche Handlungsspielraum der schweizerischen Südafrikapolitik (1976-1994), Zürich 2005 (Chronos Verlag; 415 Seiten, 68 Franken)


Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen der Schweiz und Südafrika während der Apartheid

Was, fragt sich die Leserin dieses Buches, wäre wohl zu den Jahren 1970-1993 herausgekommen, wäre der Zugang zum Bundesarchiv nicht gesperrt worden. Die Gründe für die über 50 Jahre dauernde Angst der Schweizer Regierung und Wirtschaft vor Fakten zu den Apartheid-Beziehungen werden in dieser Studie mindestens zum Teil offensichtlich.

Es gab etliches zu vertuschen, schon in den ersten fünfundzwanzig Jahren (1945-1970) dieser üblen Beziehungsgeschichte. Eines ist auf jeden Fall klar: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Südafrika war während der Apartheid grösser und skandalöser, als ApartheidkritikerInnen je behauptet haben. Und die Schweizer Grossbanken hatten dabei die Federführung und setzten ihre Interessen gegenüber allen Einwänden durch, ob sie – selten genug – von der Schweizer Regierung, von der Nationalbank oder von der Exportindustrie kamen.

Je mehr die internationale und nationale Kritik an der Apartheid zunahm, desto komplizierter wurde die Aufgabe der mit Südafrika befassten Diplomaten und Beamten, das Image der Schweiz trotz expandierender Geschäfte gegenüber der nationalen und internationalen Öffentlichkeit zu retten, nach "Lösungen" zu suchen, um die Geschäfte zu ermöglichen, und dafür zu sorgen, dass möglichst wenige Informationen darüber an die Öffentlichkeit gelangten. Seit Abschaffung der Apartheid, das wäre dieser Studie hinzu zu fügen, sind die Geschäftsbeziehungen der Schweiz mit dem demokratischen Südafrika wesentlich geringer als je während der Apartheidzeit.

Sandra Bott, Sébastien Guex, Bouda Etemad, Les relations économiques entre la Suisse et l'Afrique du Sud durant l'apartheid, Lausanne 2005 (Ed. Antipodes, 400 Seiten, 40 Franken)

 

Afrika in Kürze

Afrika
Indien schielt auf Afrikas Ölreserven

Indien bietet westafrikanischen Ländern bis zu eine Mrd. Dollar für Energie- oder Infrastrukturprojekte im Tausch gegen Explorationslizenzen oder Öllieferungen. Investiert werde in alles, angefangen von Schienen über Häfen bis zu Computernetzwerken, zitiert die BBC den Vertreter des indischen Ölministeriums, Talmiz Ahmed. Indien, das 70 Prozent seines Ölbedarfs importiert, betrachte die westafrikanischen Länder als langfristige Öllieferanten. Die Afrikaner sollen im Gegenzug von satten Investitionen in die Infrastruktur profitieren.

Die ersten Anzeichen des indischen Interesses am westafrikanischen Öl sieht die BBC im sechs Milliarden Dollar schweren Infrastrukturdeal, der von einem Joint Venture des staatlich kontrollierten Ölkonzern ONGC und dem Stahlriesen Mittal erst kürzlich in Nigeria abgeschlossen wurde. "Der ONGC-Deal ist erst der Anfang des Eintritts Indiens in die westafrikanische Ölerkundung", ist sich Ahmed sicher. Einen ähnlichen Deal hat die ONGC bereits im Sudan unter Dach und Fach gebracht. Dort sicherte sich der Konzern gegen den Bau einer Pipeline Explorationslizenzen für die Ölregion im Nildelta. Neben Nigeria hat Indien in Westafrika noch weitere Länder im Visier. Dazu gehören unter anderem Burkina Faso, die Elfenbeinküste, Senegal und Ghana.

Prekäre Pressefreiheit

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" zieht jährlich Bilanz über die Gefährdung der Pressefreiheit und die festgestellte Verfolgung von JournalistInnen. 2005 wurden 167 Länder erfasst. In der Spitzengruppe der Staaten befinden sich Dänemark, Finnland, Island, Irland, Holland, Norwegen und die Schweiz, wo die freie Berichterstattung keinen oder keinen nennenswerten Einschränkungen unterliegt, am Ende der Hitparade steht Nordkorea. Die USA schaffen Platz 44. Von den afrikanischen Staaten liegen Namibia (25), Südafrika (31) und Mauritius (34) noch vor den USA. Im Mittelfeld liegen Mozambique (49), Botswana (60), Tanzania (74). Abgeschlagen im hintersten Teil liegt Zimbabwe (153).

Brain-Drain

Zahlreiche Entwicklungsländer sind von der Abwanderung gut ausgebildeter Fachleute betroffen, die im Land selbst keine Stelle finden oder im Ausland einen unvergleichbaren höheren Verdienst erzielen können. Das Beispiel von Zimbabwe ist bekannt, wo das Gesundheitswesen immer am Rande des Zusammenbruchs steht. Zwar werden Krankenschwestern , Ärzte und weiteres qualifiziertes Person ausgebildet, dieses wandert aber ins Ausland ab, weil die chaotische Lage keine Zukunft verspricht. Bereits heute wird etwa in Grossbritannien geltend gemacht, dass das britische Spitalwesen in ernsthafte Schwierigkeiten geraten würde wenn all die zimbabwischen Krankenschwestern, die an britischen Spitälern arbeiten, wieder zurück wandern würden.

Die am meisten vom Brain-Drain betroffenen afrikanischen Staaten sind nach einer Studie der Weltbank Kapverde, Gambia, Seychellen, Mauritius, Ghana, Liberia und Mozambique. Allerdings stellt diese Studie ausschliesslich auf die Zahl der emigrierten Staatsangehörigen ab, unabhängig von ihrer Ausbildung.


Schweiz -Afrika
Hotelplan macht ernst: Keine Vertragsverlängerung in Kenya

Der Verhaltenskodex zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus zeigt Wirkung. Die Hotelplan AG hat 2005 erstmals den Vertrag mit einem der Küstenhotels im Kenya nicht verlängert. Grund: Stammkunden hatten sich an den Glattbrugger Hauptsitz gewendet, um sich über das Hotel und dessen „Absteigecharakter“ zu beklagen. Die Zentrale schaltete den zuständigen Gebietsverantwortlichen ein. Zwar konnten vor Ort keine handfesten Beweise für Kindersextourismus erbracht werden, doch „das Hotel war nicht über alle Zweifel erhaben und wir konnten nicht ausschliessen, dass dort generell Sextourismus zugelassen wurde“, hält Christian Brogli, Leiter Umweltmanagement bei Hotelplan, gegenüber ECPAT Switzerland/ Kinderschutz Schweiz fest. Der Reiseveranstalter ging auf Nummer sicher und verlängerte den Vertrag mit dem Hotel nicht weiter. Rückfragen ergaben, die Stammkunden hatten die Zustände im Hotel jahrelang als „normal“ betrachtet. Motiviert durch die von Hotelplan breit gestreuten Informationen über sein Engagement zum Schutz der Kinder im Tourismus hatten sich die Stammkunden diesmal ein Herz gefasst und ihre Bedenken gemeldet.

Quelle: ECPAT Switzerland/ Kinderschutz Schweiz und Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung; www.ecpat.ch, www.kinderschutz.ch


Zentralamerika/Afrika
Bananenstreit

Panama und Honduras haben vor der Welthandelsorganisation WTO Klage gegen die Europäische Union eingereicht, Ecuador und Costa Rica haben sich dem Verfahren angeschlossen. Grund: Die EU hat mit den AKP-Staaten (Afrika-Karibik-Pazifik) ein neues Abkommen über die Einfuhr von Bananen geschlossen, wie es schon seit Jahrzehnten bestand. Lateinamerikanische Länder exportieren jährlich 3,4 Mio. Tonnen Bananen nach Europa. Die klagenden Staaten machen nun geltend, der von der EU festgesetzte Preis für Bananen aus Lateinamerika von 176 Euros pro Tonne sei viel zu hoch und verunmögliche eine Ausdehnung der Exporte. Die Exporte aus den AKP-Staaten, alles ärmere Entwicklungsländer und vor allem frühere Kolonien Frankreichs, allen voran Kamerun und Elfenbeinküste, produzieren gesamthaft jedoch nur 500 000 Tonnen Bananen, also weit weniger, als die lateinamerikanischen Länder alleine schon in die EU exportieren. Hinter den lateinamerikanischen Bananenxporteuren stehen die US-Multis Dole und Chiquita.


Südafrika
Auswirkungen der Vogelgrippe

Ungeahnte Konsequenzen der Vogelgrippe werden in Südafrika befürchtet: Infizierte Zugvögel aus Europa und Asien könnten das Virus nach Südafrika bringen. Davon könnten die grossen Straussenfarmen in der Kleinen Karoo betroffen sein. Die Straussenzüchter in der Region von Oudtshoorn fürchten um ihre Existenz. Jährlich werden in dieser trockenen, wüstenähnlichen Region in der Kapprovinz 280 000 Strausse geschlachtet und ihr Fleisch in alle Welt exportiert. Bereits in der Vergangenheit mussten etwa 20 000 Tiere geschlachtet werden, weil sie an einem Virus litten, der jedoch nicht dem Vogelgrippevirus entspricht. Dies entspricht einem Verlust von 105 Mio. US-$. Dass die Befürchtungen südafrikanischer Straussenzüchter nicht unbegründet sind, beweist Zimbabwe: Dort ist in zwei Farmen das Vogelgrippe-Virus festgestellt worden, allerdings nicht in der für Menschen gefährlichen Form.


Äthiopien/Eritrea
Spiel mit dem Feuer

Die Lage im Grenzgebiet zwischen Eritrea und Äthiopien hat sich gegen Jahresende massiv verschlechtert. Der zwischen den Ländern getroffene Waffenstillstand wird von einer UNO-Mission überwacht. Die im Abkommen von Algier vereinbarte Auszeichnung der Grenze aufgrund eines internationalen Schiedsspruchs wird jedoch von Äthiopien verweigert mit der Begründung, das Urteil sei nicht korrekt und trage äthiopischen Ansprüchen nicht genügend Rechnung. Beide Staaten haben zusätzliche Truppen in der Grenzregion zusammengezogen. Zur gleichen Zeit steht Äthiopien aufgrund von gefälschten Wahlen vor grossen innenpolitischen Spannungen. Proteste gegen Wahlfälschungen wurden blutig unterdrückt. In Eritrea herrscht eine ernsthafte Nahrungsmittelknappheit; die innenpolitische Lage ist mit zahlreichen Einschränkungen politischer Rechte nicht minder angespannt. Missliebige JournalistInnen, aber auch kritischere Regierungsmitglieder sind in Haft.

Der internationale Druck auf beide Staaten zur Verhinderung eines neuen ruinösen Waffengangs ist gestiegen. So drohte die UNO in einer Resolution beiden Staaten Sanktionen an, wenn der Schiedsspruch nicht beachtet würde. Äthiopien hat nunmehr den Abzug der Truppen aus dem Grenzgebiet signalisiert. Die Erfüllung der vereinbarten Grenzziehung ist jedoch noch weit entfernt.

Forderungen der Konfliktparteien

Im Dezember 2005 veröffentliche die durch die Waffenstillstandsvereinbarung von 2000 eingesetzte "Eritrea-Ethiopia Claims Commission (EECC)", also eine Art Schiedsgericht über die gegenseitigen Ansprüche, die Resultate ihrer Untersuchung. Mehrere Forderungen beider Konfliktparteien waren dieser Kommission zum Entscheid vorgelegt worden. Die Frage, wer im Grenzkonflikt die militärische Karte zuerst spielte, wurde klar beantwortet: Eritrea hat das internationale Recht verletzt und trägt die Verantwortung für den Krieg. Dass Äthiopien die Ortschaft Badme zu Unrecht für sich beansprucht habe, hätte Eritrea nicht das Recht gegeben, militärisch gegen Äthiopien vorzugehen.

Zugunsten Eritreas wurde hingegen entschieden, dass Äthiopien keinerlei Ansprüche auf die Häfen Massawa und Assab hat. Insbesondere den Hafen von Assab wollte Äthiopien ausschliesslich für sich beanspruchen, ja sogar in sein Staatsgebiet einverleiben. Ebenfalls entschied die Kommission, dass Äthiopien die Vermögen von zehntausenden eritreischen Staatsangehörigen, die in Äthiopien lebten und nach Kriegsausbruch vertrieben wurden, zu Unrecht konfisziert hat. Nicht entschieden ist, ob Eritrea aufgrund der Verantwortung für den Kriegsbeginn Äthiopien Entschädigungszahlungen leisten muss.

Rückspiegel
Erdöl im Tschad

Verschiedentlich haben wir im "Afrika-Bulletin" über die Erschliessung der Erdölvorkommen im Tschad berichtet (Nr. 116, Okt. 2004, und Nr. 118, April 2005). Die Kosten von 3,7 Milliarden US Dollar für die Erschliessung und den Transport an die Küste über eine Pipeline durch Kamerun wurden mit 13 Prozent durch einen Weltbankkredit finanziert. Als Gegenleistung verpflichtete sich Tschad, 80 Prozent der Erdöleinnahmen für Bildung, Gesundheit und öffentliche Infrastruktur zu verwenden, 10 Prozent müssen für künftige Generationen beiseite gelegt werden. Damit sollte sicher gestellt werden, dass die Erdöleinnahmen nicht - wie vielfach üblich - in den Taschen der Regierungsspitze versickern würden.

Nun hat Tschad diese in einem Gesetz fest geschriebene Verwendung abgeändert. Der Zukunftsfonds wird aufgelöst, damit sollen Beamtenlöhne bezahlt werden. Zudem wird der vorgeschriebene Verwendungszweck für die 80 Prozent erweitert um Militär- und Justizausgaben. Der Währungsfonds prüft nun Sanktionen gegen Tschad.

Zwei Seiten einer Medaille
Die wirtschaftliche Entwicklung Mozambiques

Mozambique zählt seit einigen Jahren zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas. Der enorme wirtschaftliche Aufschwung ist seit Mitte der neunziger Jahre fast schon zum Markenzeichen Mozambiques geworden, wo jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich acht Prozent keine Seltenheit sind. Von Sabine Hepperle.

Die hohen Wachstumsraten in Mozambique sind umso bemerkenswerter, als das Land unmittelbar nach seiner Unabhängigkeit von Portugals Kolonialherrschaft 1975 mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert war. Der jahrzehntelange Bürgerkrieg, gepaart mit einer sich als erfolglos erweisenden staatlichen Planwirtschaft sozialistischer Provenienz und nahezu regelmässigen Dürre- und Hungerkatastrophen, waren nicht gerade günstige Rahmenbedingungen, um sich den drängenden Themen wie Armutsbekämpfung und nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu widmen.

Erst nach einem radikalen Kurswechsel Mitte der neunziger Jahre, der die sozialistische Planwirtschaft durch eine marktwirtschaftlich geprägte Wirtschaftspolitik ersetzen sollte, wurden erste Erfolge sichtbar. Unterstützt von umfassenden Strukturanpassungsprogrammen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) erfolgten weitreichende Privatisierungen ehemals staatlicher Betriebe. Ende der neunziger Jahre erfolgte dann die erstmalige Einführung einer staatlichen Mehrwertsteuer, die zusammen mit den umfassenden Privatisierungen zur Konsolidierung der notorisch maroden Staatsfinanzen einen wesentlichen Beitrag leisten sollte.

Die wirtschaftliche Struktur Mozambiques entwickelte sich gemäß der geographischen Lage am Meer als Umschlagplatz und Durchgangsstation für den regionalen Warenverkehr. Nicht von ungefähr avancierte daher der Dienstleistungsbereich zum wichtigsten Wirtschaftssektor der Volkswirtschaft, gefolgt vom industriellen Sektor. Auf dem dritten Platz rangiert weiterhin der Agrarsektor, der zwar knapp 13 Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt hat – in dem aber nahezu 80 Prozent der Bevölkerung tätig sind.

Mozambiques kontinuierlicher Wachstumskurs erhielt jedoch im Jahre 2000 einen herben Rückschlag: Die verheerenden Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe bedeuteten für Mozambiques wirtschaftliche Entwicklung einen enormen Einschnitt, der sich in einem armseligen Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent ebenso widerspiegelte wie in instabilen Preisen und einem sprunghaften Anstieg der Inflationsrate. Doch Mozambique erholte sich erstaunlich schnell von diesem Rückschlag und setzte seine Bemühungen, an die Wachstumsraten vor der Überschwemmungskatastrophe anzuknüpfen, ehrgeizig fort.

Die bemerkenswerten, teilweise zweistelligen Zuwachsraten müssen jedoch differenziert betrachtet werden: Zum einen basieren sie auf einem im weltweiten Vergleich sehr niedrigen Ausgangsniveau, zum anderen gehen diese primär auf Grossprojekte zurück - von denen die Bevölkerungsmehrheit bislang jedoch nicht wirklich profitieren konnte. Dennoch sind vor allem die Grossprojekte MOZAL, eine milliardenschwere Aluminiumschmelze bei Maputom, und die Erschliessung von Erdgas-Vorkommen für den Gas-Export per Pipeline nach Südafrika, wichtige Katalysatoren, die bei regionalen und auch internationalen Investoren Interesse wecken. Neben Südafrika ist neuerdings auch Mauritius an einem millionenschweren Grossprojekt zur Zuckergewinnung in Mozambique beteiligt. Ferner wird in den nächsten Jahren mit mehreren neuen Bergbau-Projekten und dem Ausbau des bislang noch unterentwickelten Tourismussektors gerechnet, von dem beachtliche Impulse zu erwarten sind. Mozambique erhofft sich auch durch die grenzübergreifenden Projekte im Rahmen der im südlichen Afrika etablierten Peace-Parks-Initiative neue Einnahmequellen, namentlich durch die Ausweitung des südafrikanischen Krüger-Nationalparks nach Mozambique. In diesem Kontext ist auch ein weiteres ebenfalls vielversprechendes Joint-Venture mit Südafrika zu sehen, das eine Eisenbahnverbindung zwischen Südafrika und Maputos Hafen umfasst. Gerade der bereits begonnene Ausbau des Hafens von Maputo verspricht lukrative Geschäftsmöglichkeiten, die dem regionalen und internationalen Handel neuen Schwung geben könnten.

Um die Armut in den ländlichen Gebieten zumindest in Teilen reduzieren zu können, wird allerdings vor allem die angestrebte stärkere Förderung des landwirtschaftlichen Sektors von Bedeutung sein. Denn Mozambique gehört eben nicht nur zu den derzeit wirtschaftlich erfolgreichsten Ländern im südlichen Afrika. Nach wie vor zählt Mozambique zu den ärmsten Ländern der Welt, mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von ca. 200 Euro. Weltweit rangierte Mozambique beim UN Human Development Report 2004 auf dem siebtletzten Platz. Ein zunehmendes Problem stellt auch die Ausbreitung der HIV/AIDS-Epidemie dar, die bereits heute die Lebenserwartung in Mozambique auf ca. 38 Jahre gesenkt hat. Auch beim Korruptionsindex von Transparency International landete Mozambique im Jahre 2004 lediglich auf dem 90. Platz – von insgesamt 146 Staaten.

Die Weltbank hat Mozambique für seinen wirtschaftlichen Reformkurs gelobt, der auch die Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft bis auf weiteres sicherstellt. Im letzten Jahr erließ der IWF ein dreijähriges „Poverty Reduction and Growth Facility Programme“, was ebenfalls als Unterstützung für Mozambiques wirtschaftspolitischen Kurs bewertet werden kann. Auch gelang es Mozambique als einem der ersten Länder, im Rahmen der HIPC-Entschuldungs-Initiative vom Schuldenerlass zu profitieren. Deutschland hat hierbei die Schulden Mozambiques, die zuletzt etwa 190 Millionen Euro betrugen, komplett erlassen. Generell gehört die Bundesrepublik zu den wichtigsten Geberländern Mozambiques, die nicht zuletzt auch durch die in der ehemaligen DDR tätigen Vertragsarbeiter gute Verbindungen zu Mozambique unterhält.

Eine nachhaltige Konsolidierung des wirtschaftlichen Aufschwungs, von der auch die breite Masse der Bevölkerung profitieren wird, ist derzeit noch nicht in Sicht. Mozambiques wirtschaftliche Entwicklung wird auch mittelfristig weiterhin auf internationale Unterstützung durch die Gebergemeinschaft angewiesen sein. Es bleibt daher zu hoffen, dass insbesondere die Rahmenbedingungen zur Förderung der klein- und mittelständischen Wirtschaft in Mozambique sowie die deutliche Reduzierung staatlicher Bürokratie, die unternehmerische Initiative extrem behindert, und eine damit einhergehende ernstgemeinte Bekämpfung der Korruption ganz oben auf der Agenda der neugewählten Regierung unter Frelimo-Generalsekretär Armando Emilio Guebuza stehen.

Dr. Sabine Hepperle ist Leiterin des Referats Afrika, Entwicklungspolitik der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) und Mitglied im Vorstand des Weltfriedensdienstes. Wir danken der Autorin und dem Weltfriedensdienst für die Zurverfügungstellung des Artikels (Weltfriedensdienst e.V., Hedemannstrasse 14, 10969 Berlin; www.wfd.de).


Literatur
Auf der Suche nach der Madonna von Excelsior

hus. Im Herbst 2005 erschien das Buch "Die Madonna von Excelsior" von Zakes Mda - ein aussergewöhnliches Buch. Darin nimmt Mda eine wahre Geschichte auf und verarbeitet sie literarisch (vgl. nebenstehenden Beitrag von Zakes Mda). Doch nicht genug damit. Aus einer politischen Sicht ist das Buch nicht nur spannend in der Aufdeckung dieser ungemein doppelbödigen burischen Moral. Ebenso spannend ist jener Teil des Buches, in dem die Geschichte der Kinder weiter erzählt wird, die unter dem "Immorality Act", der die Rassenvermischung verbot, gezeugt wurden.

Die Apartheidherrschaft ist zu Ende. Jetzt drängen plötzlich jene Leute in die Politik, die sich vorerst nicht nur bedeckt hielten, sondern sich vom schwarzen Widerstand distanzierten: die Opportunisten. Sie führen das grosse Wort, profitieren von den neuen Freiheiten, bauen sich rasch ein Vermögen auf. Zu den ehemaligen KämpferInnen gegen die Apartheid tun sich Gräben auf. Mda thematisiert diesen Widerspruch. Damit verlässt er die vielfach gepflegte Literatur der Ikonographie, der Schilderung der eigenen Verdienste im Kampf mit dem Bösen, und legt den Finger auf den wunden Punkt des heutigen Südafrikas: Die Entstehung einer schwarzen Oberschicht, die sehr rasch sehr reich geworden ist und kaum irgendwelche moralischen Skrupel oder gar Verbindlichkeiten gegenüber der grossen Masse der Armen verspürt. Weiter so!

Das Buch "Die Madonna von Excelsior" ist 2005 im Zürcher Unionsverlag erschienen.


Zakes Mda über die Geschichte seines Buches

Wenn ich in Südafrika bin, unterrichte ich nicht. Ich schreibe dann ausschliesslich. Wenn mir danach ist, steige ich in mein Auto und fahre einfach ins Blaue. Üblicherweise führt mein Auto mich wie von selbst in die Provinz Free State. Der Himmel ist dort so weit, das berührt mich am meisten.

Ich fahre also den ganzen Tag, bis ich nachts in irgendeiner kleinen Stadt lande und in einem Hotel oder Bed-and-Breakfast absteige. Ich gehe an die Bar und spreche mit den Leuten – und ohne Ausnahme entdeckt man, dass jedes Städtchen sein kleines schmutziges Geheimnis hat. Es ist eine interessanter Landstrich. Während der Apartheid war dies eine sehr rassistische Gegend. Es gab die Afrikaander, und es gab die Schwarzen – Basotho oder, in bestimmten Regionen, Batswana, verschiedene Kulturen, die in diesen Kleinstädten aufeinander treffen.

Eine dieser Fahrten brachte mich nach Excelsior, und ich fand dort, was ich suchte. Dies war ein spannender Ort für einen Roman. Ich erinnerte mich an den Prozess, bei dem mehrere schwarzen Frauen angeklagt waren, sexuelle Kontakte mit weißen Männern gehabt zu haben – ein Verbrechen während der Apartheid.

Diese Afrikaander schliefen mit schwarzen Frauen, solche Geschichten hörte man jeden Tag. Es verging kein Tag in Südafrika ohne irgendein Gerichtsverfahren wegen eines weissen Mannes, der mit einer schwarzen Frau geschlafen hatte, entweder freiwillig, oder weil er sie dazu gezwungen hatte. Das besondere an Excelsior war, dass es sich um eine ganze Gruppe handelte, und dass diese schwarzen Frauen schließlich Kinder bekamen. Das Gerichtsverfahren brachte die Regierung in eine peinliche Lage. Einige der Männer versuchten sich umzubringen. Der Skandal war so gross, dass die Regierung Druck ausübte, um das Verfahren einzustellen. Und das wurde wiederum zu einem Skandal.

Was ist aus den Kindern geworden?

Einige der angeklagten Frauen hatten Kinder. Mich interessierte: Was ist aus diesen Kindern geworden? Was machen sie heute, im neuen Südafrika? Aber natürlich wollte zunächst niemand darüber sprechen, vor allem die Weissen nicht.

In einer Bar sagte schließlich jemand, er kenne einen Mann, der vielleicht etwas darüber wisse. Während wir plauderten, sassen ein paar schwarze Männer auf dem Boden und tranken Bier aus Flaschen. Einer stand auf und sagte: »Hey, ich kann dir helfen. Meine Mutter war eine dieser Frauen. Meine Schwester ist das Resultat dieser Vorgänge.« Er nahm mich mit zu sich nach Hause. Nun, ich habe vieles aus seinem Leben übernommen. Jetzt geht er natürlich durch Excelsior und nennt sich selbst Viliki und prahlt damit, dass er das sei im Buch. Mit diesen Leuten bin ich heute noch eng befreundet.

So also fand ich diese Frauen, und später den Rechtsanwalt und die Männer, von denen einige einen misslungenen Selbstmordversuch gemacht hatten, wie der eine, der auf sich selbst geschossen hatte, und die Tochter des Metzgers, der sich umgebracht hatte, und so weiter. Die Leute von Excelsior, besonders die Afrikaander, waren nicht gerade erfreut, weil sie glaubten, dass ich damit alte Wunden aufreisse. Erinnerungen können das natürlich bewirken. Meine Meinung war jedoch, dass es manchmal nötig ist, alte Wunden aufzureissen, damit sie richtig heilen können.

Beide Seiten verstehen

Die politischen Ereignisse, wie sie im Buch vorkommen, entsprechen denen in Excelsior. Aber dann habe ich meinen eigenen Zauber hinzugefügt. Die Mutter züchtet keine Bienen, sie ist eine ganz normale Frau, die irgendwo in einer Hütte lebt. Ein normales südafrikanisches Leben, das manchmal sehr langweilig sein kann. Ich habe die Figuren neu erschaffen.

Ich bemühe mich, beide Seiten zu verstehen. Ich gehöre zu den früher Unterdrückten, das ist meine Seite. Aber ich kann die andere Seite nicht einfach verurteilen. Ich muss ihre Perspektive verstehen, ihre Ängste. Ich versuche, Anteil zu nehmen, sie mit Mitgefühl zu behandeln. Sie hatten bestimmte Ängste, die sie auslebten. Leider übertrieben sie es damit.

Meine Schilderung der heutigen Situation in Südafrika ist ausgewogen. Wenn meine Leute korrupt werden, halte ich auch nicht den Mund. Wenn jemand gewählt wird, um den Armen zu dienen und sich dann selbst Häuser zuteilt, dann rede ich darüber auch. Wenn sie zu Witzfiguren werden und sich lächerlich machen, schreibe ich es.

Das Magische als Realität

Für meine Arbeit gibt es keine Kategorie. Ich nehme mir nicht bewusst vor, magischen Realismus zu schreiben, aber wenn die Kritiker das so sehen, na bitte. Ich beziehe mich auf dieselben Quellen wie die Schöpfer des magischen Realismus. Ich setze »magisch« in Anführungszeichen, weil die Welt, auf die sich meine Texte beziehen, keine klare Trennung kennt zwischen dem Übernatürlichen und dem, was man die objektive Realität nennt. Beide Wirklichkeiten verschmelzen miteinander und existieren nebeneinander. Wer in dieser Welt lebt, kann die beiden Wirklichkeiten nicht trennen. Was Sie in der westlichen Welt »magisch« nennen, ist Teil ihres Alltags. Wenn ich über Figuren schreibe, die in einer solchen Welt leben, wirkt das offensichtlich magisch auf westliche Leser. Aber für diese Leute ist das ganz einfach normal.

Die vierte Dimension

Erst kürzlich hörte ich den afrikanischen Schriftstellen Ayi Kwei Armah sagen, dass die orale Literatur Afrikas immer ein Gespräch zwischen den Lebenden und der vierten Dimension gewesen sei. Und mit der vierten Dimension meinen wir natürlich nicht bloss die Toten, sondern auch die Ungeborenen. Wir reden also von der Welt jener, die uns verlassen haben, und jener, die sich uns noch nicht angeschlossen haben.

Genau darum geht es. Da meine Romane sich aus diesen Quellen speisen, aus dem ständigen Gespräch zwischen den Lebenden und der vierten Dimension, reflektieren sie diese Elemente auch. Wenn die Wissenschaft dies als Magischen Realismus kategorisiert – warum soll ich darüber streiten?


Leben und Werk von Zakes Mda

Zakes Mda wurde 1948 in Herschel in der Provinz Eastern Cape in Südafrika geboren. Sein voller Name lautet Zanemvula Kizito Gatyeni Mda und bedeutet in seiner Mutter-sprache Xhosa »Der mit dem Regen kam« oder »Der Regenbringer«. Er verbrachte seine frühe Kindheit in Soweto und beendete die Schule in Lesotho, wohin die Familie dem Vater ins Exil gefolgt war. Sein Vater war Anti-Apartheidsaktivist und prominenter Mitbegründer und Präsident der African National Congress (ANC) Youth Leage. 1963 emigrierte Zakes Mda aus politischen Gründen in die USA und studierte an der Ohio University, 1990 promovierte er an der University of Cape Town. Nach 32 Jahren im Exil kehrte er 1995 nach Südafrika zurück.

Mit dreizehn Jahren veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte in seiner Muttersprache Xhosa, später schrieb er auf Englisch. In den Siebziger- und Achtzigerjahren trug Mda wesentlich zur Entwicklung des südafrikanischen Theaters bei, und zwar als Wissenschaftler wie als Autor von Stücken. In den Neunzigerjahren wandte Mda sich der Romanform zu. Für seine Theaterstücke und Romane erhielt er fast alle wichtigen südafrikanischen sowie zahlreiche internationale Preise. Neben dem Schreiben ist er auch als Dramaturg am Johannesburg Market Theatre und als Maler, Komponist und Filmemacher tätig, züchtet Bienen und leitet den Southern African Multimedia AIDS Trust in Sophiatown, Johannesburg. Er unterrichtet an verschiedenen Universitäten in den USA und in Südafrika und lebt in Johannesburg und in Ohio.


Romane: She Plays With the Darkness (1995), Ways of Dying (1995), Melville 67 (1998), The Heart of Redness (2000), The Madonna of Excelsior (2002; dt. 2005), The Whale Caller (2004).

Theaterstücke (Auswahl): We Shall Sing for the Fatherland (1973). The Hill (1978). Dead End (1979). Dark Voices Ring (1979). The Road (1982). The Nun’s Romantic Story (1991). The Dying Screams of the Moon (1992). And the Girls in Their Sunday Dresses; The Final Dance; Banned; Joys of War (1993). Love Letters (1995). Let Us Play (1998). The Mother of all Eating; You Fool, How Can the Sky Fall?; The Bells of Amersfoort (2002).


Buchbesprechungen

Recycling

bfr. Liebevoll gestaltete und mit viel Phantasie hergestellte Objekte aus Draht, Blech und anderen (Abfall-) Materialien, mit Schriftzügen westlicher Produkteverpackungen dank Mangel an Fertigprodukten. Im Buch enthalten ist eine Sammlung von über 150 Spielzeugen aus Blech, Draht, Holz und anderen Materialien. Wunderbar.

"Das in diesem Buch präsentierte westafrikanische Spielzeug aus Recyclingmaterialien stammt aus einer Schweizer Sammlung. Westliche Kunst-Liebhaber gehören zu den Hauptabnehmern dieser Werke, befriedigen sie doch souverän europäische Sehnsüchte nach dem „Einfachen, dem „Ehrlichen“, dem „Unikat“" - so der Text auf dem Buchrücken.

Afrika bewegt sich, Arnoldsche 2004

Zwischen den Kulturen

bfr. Kambili und ihr älterer Bruder Jaja führen ein privilegiertes leben in Nigeria. Ihr Vater ist ein wohlhabender Mann und Verleger einer regierungskritischen Zeitung. Es gibt mehrere Bedienstete in dem schönen, grossen, von hohen Mauern umgebenen Haus. Sie besuchen beide exklusive Missionsschulen. Doch eine bedrückende Stille lastet über allem. Der in der Gemeinde hochangesehene Vater setzt seine rigiden Vorstellungen, wie ein guter Katholik zu leben hat, in der Familie mit brutaler Gewalt durch. Als Kimbili und Jaja zum ersten Mal ihre Tante Ifeoma besuchen und deren Kinder besuchen dürfen, tut sich ihnen eine vollkommen neue Welt auf. Hier wird gelacht und gesungen, Küchen- und Kerosindämpfe ziehen durch die beengte Wohnung. Der Grosvater, zu dem ihr eigener Vater jeden Kontakt abgebrochen hat, weil er ein Heide ist und die alten Igbo-Götter anbetet, wird von allen geliebt. Im Garten blüht blauer Hibiskus. Und Kimbili verliebt sich. Nach ihrer Rückkehr ist die alte Ordnung nicht mehrt wieder herzustellen und mit den zunehmenden politischen Unruhen im Land eskalieren auch die Spannungen in Kimbilis Familie.

Chimamanda Ngozi Adichie, Blauer Hibiskus, Neuwied 2005 (Luchterhand)


Reader zur afrikanischen Geschichte

r.h. Christoph Marx lehrt aussereuropäische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen und legt mit der "Geschichte Afrikas" einen exzellenten Überblick vor. Auf etwas mehr als 370 Seiten behandelt Marx - aufgelockert durch zahlreiche Abbildungen, Karten, Quellenauszüge und biografische Skizzen - in lesenswerter Weise die Geschichte eines ganzen Kontinents. Dazu kombiniert er strukturgeschichtliche Überblicke mit einer Auswahl detaillierter Einsichten in einzelne Regionen und Sonderfälle. Anders als in vielen älteren Darstellungen lehnt sich Marx nicht an Muster an, "die das 19. und 20. Jahrhundert der Geschichte Afrikas unter dem Vorzeichen der europäischen Beeinflussung gesehen haben". Wie Marx schreibt, bedurften die Afrikaner nicht der Europäer, um Geschichte zu machen, Europäer standen weder am Anfang noch am Ende afrikanischer Geschichtlichkeit. Darum wählt Marx für sein Buch eine Dreiteilung, die einer afrikanischen Perspektive auf das 19. und 20. Jahrhundert gerecht wird, ohne dabei die tief greifenden Veränderungen auszublenden, die mit der Kolonialherrschaft einher gingen.

Der erste Teil ist mit "Expansion" überschrieben und behandelt den Zeitraum von 1800 bis ca. 1900 als eine Phase der Umwälzungen. Marx: "Die Protagonisten des Wandels waren bis zum Ende der 1870er Jahre Afrikaner, den Europäern fiel nur eine randständige Rolle zu." Der zweite Teil, "Lebenswelten unter kolonialer Herrschaft", behandelt die Formierung und den Ausbau der kolonialen Staaten in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts und thematisiert den Umbau der regionalen und lokalen Machtbalancen, den Infrastrukturausbau, die Kommerzialisierung der Landwirtschaft und die Inanspruchnahme der ökonomischen und kulturellen Ressourcen. Der dritte Teil mit dem Titel "Brüche und Kontinuitäten" behandelt die Zeitgeschichte seit etwa 1930, als infolge der Weltwirtschaftskrise und der Machtverschiebungen durch den Zweiten Weltkrieg die Machtbalance zugunsten der Afrikaner kippte. Marx beschreibt in fünf Unterkapiteln die Entwicklung der Entkolonisierung, den Patronagestaat, den Einbruch der Wirtschaft, Erfolg und Scheitern der Demokratisierungsbewegung und die gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen Afrikas am Ende des 20. Jahrhunderts.

Christoph Marx, Geschicht Afrikas, Von 1800 bis zur Gegenwart, Paderborn 2004 (UTB; Ferdinand Schöningh)

CD Besprechungen

Golden Afrique Vol. 2
Highlights And Rarities From The Golden Era Of African Pop Music (1956 - 1982):
The Great Days Of Rumba Congolaise And Early Soukous

Auf die wunderbare Kompilation "Golden Afrique Vol. 1" wurde an dieser Stelle schon hingewiesen. Gerade darum hier nun ein Lob auf "Vol. 2". Irgendwie hat es ja auch mit musikalischer Nostalgie zu tun; doch diese Zusammenstellungen haben es in sich. Sie vermitteln einen sehr gelungenen Einblick in (vergangene) afrikanische Musikzeiten. Trotzdem merkt man immer wieder, dass diese Musik weiterwirkt, ihr Einfluss nicht einfach verschwunden ist.

Vol. 2 von Golden Afrique bringt uns die Musik des damaligen Kongos näher und somit den Rumba. Rumba ist Tanzmusik. Und Rumba wurde im Kongo ganz etwas Spezielles durch den Siegeszug der elektrischen Gitarre. Neue Gitarrentechniken wurden entwickelt, und der Sound verbreitete sich in ganz Afrika. Bekannt ist die Musik bis heute unter dem Namen Soukous. All die Stars eroberten ihr Publikum. Viele sind bis heute erfolgreich und einflussreich geblieben. Einer wurde in der heutigen Zeit Kulturminister von Congo: Tabu Ley Rochereau.

Günter Gretz, Christian Scholze und Jean Trouillet ist es wieder gelungen, auch verloren geglaubte Schätze auf die zwei CDs zu bringen. Es ist einfach schön, ältere Stücke von Franco, Sam Mangwana, Nyboma, Docteur Nico, Mose Se 'Fan Fan', Ry-Co Jazz, Lucie Eyenga und eben Tabu Ley Rochereau zu hören. Diese feine Gitarrenmusik, die einnehmenden Gesänge, der mitreissende Rhythmus. Musik aus einer Zeit, wo in Kinshasa der Rhythmus förmlich explodierte und wo der direkte Einfluss kubanischer Musik extrem spürbar war. Dazu aber auch die starke Verbindung zur alten Volksmusik der eigenen Regionen. Hier sei nur mal das Likembé (Fingerklavier) genannt, welches neuerdings auch bei jüngeren Musikern wieder Bedeutung gewinnt (siehe u.a. Congotronics/Konono No.1). Viele Bands wurden international bekannt, machten Tourneen durch verschiedene Kontinente und waren auch in Amerika erfolgreich. Davon sprechen manchmal auch die Plattenumschläge. So liess sich Dr. Nico gerne vor einem amerikanischen Valiant ablichten. Dr. Nico war auch so etwas wie ein Gitarrengott und er war auch offen für neue Stile, neue Einflüsse. Auch zu hören ist Mpongo Love. Die 1990 verstorbene Sängerin gilt bis heute als eine der grössten weiblichen Stars der kongolesischen Musik. Die kongolesischen MusikerInnen verstanden es auch schon früh, verdammt gute Bühnenshows durchzuziehen. Übrigens ein Markenzeichen, welches bis heute Gültigkeit hat. Viele Songs setzen sich auch mit der Freude über die Unabhängigkeit auseinander. Einige dieser Stücke sind unsterbliche Hits geblieben. Denken wir an das Meisterwerk 'Indépendence Cha Cha Cha' von Grand Kalle. Und immer wieder der grosse Franco mit seinen O.K. Jazz. Franco hatte unheimlich viel Talent, Charisma und weit geöffnete Ohren. Er trieb den Sound, oft zusammen mit dem immer noch aktiven Sam Mangwana, so richtig voran.

Alles im allen ist Golden Afrique eine absolut gelungene Zusammenstellung populärer afrikanischer Musik. Hoffen wir auf weitere Golden Afrique CDs!

Golden Afrique. Vol. 2 (wie auch Golden Afrique. Vol. 1) sind beim NETWORK-Label erschienen. Beide Zusammenstellungen enthalten je zwei CDs und ein informatives und bebilderts Büchlein.


Bukky Leo & Black Egypt
Afrobeat Visions

Afrobeat, eine vornehmlich aus Nigeria und Ghana stammende Musikrichtung, ist wieder aktuell. Femi, der Sohn des grossen, leider verstorbenen Meisters Fela aus Nigeria, hat international Erfolg. In New York machen die Antibalas richtig militanten Afrobeat und Fela's Schlagzeuger Tony Allen ist immer noch positiv aktiv. Dazu sind ein paar lohnende Zusammenstellungen von 'vergangener' Afrobeat- und Afrofunk-Musik aus Ghana und Nigeria erschienen.

Umso erfreulicher ist es, eine richtig wuchtige, neue und rohe Afrobeat-Platte in den Händen zu haben. Dem Mr. Bongo-Label sei dank. Bukky Leo & Black Egypt bringen souligen Afrobeat mit viel Kraft gespielt. Bukky Leo, Sänger und Saxophonist, arbeitete früher mit Fela und Tony Allen zusammen. Es verschlug ihn nach London, wo er in der Acid-Jazz-Szene wirkte. Er traf auf den Jazzer Pharoah Sanders, auf Roy Ayers und wieder auf Tony Allen. Dieser ist auf der Produktion "Afrobeat Visions" denn auch am Schlagzeug zu hören. Bukky Leo gelingt es mit seinen Mitmusikern und dem Produzenten Ben Mitchell eine eigenständige, abwechslungsreiche und jazzige Musik zu machen. Man merkt, dass dieser Mann mit vielen MusikerInnen spielte und die afro-amerikanische Musik für ihn eine grosse Bedeutung hat. Trotzdem gelingt ihm etwas einmaliges und unverkennbares. Bukky Leo verneigt sich auch vor seinen inspirierenden Kollegen wie eben Fela Anikulapo Kuti, aber auch Bob Marley, Bunny Wailer, John Coltrane, Gil Scott Heron, Wayne Shorter, Lee Morgan und vielen mehr... Afrobeat Vision ist keine Platte, welche beim ersten Reinhören gleich wie eine Bombe einschlägt, doch sie ist so fein, um immer wieder neu gehört und entdeckt zu werden. Und die CD ist manchmal unheimlich jazzig, dann wieder tief beatig und verdammt gut tanzbar. Schön, dass es auch solch gut instrumentierte Musik mit diesem Power und der grossen Spielfreude in neuen, aktuellen Produktionen zu hören gibt.

Da macht es auch Freude, auf die neueste Produktion des umtriebigen Afrobeat-Mannes Tony Allen hinzuweisen. "Live" bringt reduzierten Afrobeat der Spitzenklasse, eingespielt mit jüngeren Musikern aus Frankreich. Unter anderem sind dabei auch Aufnahmen vom Montreux Jazz Festival 2004 zu hören. Ein empfehlenswertes Beispiel von Tony Allen's besonderer Schlagzeug- und Gesangstechnik. Eine Art minimalistischer Afrobeat!

Wer sich noch weiter mit dem in Amerika wütenden Afrobeat-Bazillus auseinandersetzen will, sei das aktuellste Beispiel wärmstens empfohlen. Die Multikultitruppe Antibalas aus New York macht richtig lauten, zornigen und höchst politischen Afrobeat. Sie haben damit wieder direkten Draht zum Afrobeat-Militanten und -Philosophen Fela. Schläge, die ins Herz und in die Seele dringen.

Bukky Leo & Black Egypt/Afrobeat Visions/Mr.Bongo
Tony Allen/Live/Comet
Antibalas/Who Is This America?/Ryko


CDs zusammengestellt und besprochen von Pius Frey, COMEDIA St.Gallen. Alle besprochenen CDs (und viele mehr) sind hier erhältlich. medien@comedia-sg.ch - www.comedia-sg.ch

 

Schweiz-Angola
Rückgabe angolanischer Gelder aus Korruption

Ein am 1. November 2005 unterzeichnetes Abkommen zwischen Angola und der Schweiz sieht die Rückführung von 21 Mio. US-Dollar öffentlicher angolanischer Gelder, die auf Schweizer Konten blockiert waren, nach Angola vor, obwohl verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen in beiden Ländern verlangt haben, dass der zugrunde liegende Korruptionsfall weiter untersucht wird. Das Afrika-Bulletin berichtete in Nr. 118/2005 darüber.

red. Die Gelder wurden während einer Untersuchung über vermutete Geldwäscherei, Unterstützung einer kriminellen Organisation und Bestechung fremder Amtsträger blockiert, die sich auf die 1996 vorgenommene Umschuldung von 5,5 Mrd. US-Dollar Auslandsschuld von Angola gegenüber Russland bezog. Zwischen 1997 und 2000 wurden insgesamt 774 Mio. US-Dollar an angolanischen Erdöleinnahmen auf ein Konto bei der UBS in Genf einbezahlt, das auf den Namen der Firma Abalone Investment Limited lautete, die von den Geschäftsleuten Pierre Falcone und Arkadi Gaydamak gegründet worden war. Doch nur 161 Mio. US-Dollar erreichten ein Konto des russischen Finanzministeriums. Rund 600 Mio. US-Dollar tauchten auf Konten auf, die Falcone, Gaydamak und einer Reihe obskurer Gesellschaften gehörten, wobei Millionen auf Privatkonten hoher angolanischer Funktionäre und auch von Staatspräsident Dos Santos landeten.

Der Genfer Generalstaatsanwalt stoppte die Untersuchungen Ende 2004 mit der Begründung, da weder die angolanische noch die russische Regierung sich als Opfer oder Kläger verstehe, sei auch kein Betrug begangen worden, und dies trotz Belegen für den Missbrauch von Millionen von öffentlichen Geldern Angolas. Zudem ignorierte er Aufforderungen von Organisationen der schweizerischen, der angolanischen und der internationalen Zivilgesellschaft, den Fall erneut aufzurollen.

"Wir begrüssen die Tatsache, dass die nunmehr rückgeführten 21 Mio. US-Dollar für Projekte zugunsten der am meisten benachteiligten Personen der angolanischen Gesellschaft verwendet werden sollen", meint Stefan Howald von der Aktion Finanzplatz Schweiz, Basel. "Angola ist eines der ärmsten Länder der Welt, trotz seines riesigen Reichtums an Erdöl und Diamanten. Die meisten Angolanerinnen und Angolaner müssen mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen", ergänzt Jean-Claude Huot von der Déclaration de Berne, Lausanne.

Doch Angola ist gleichzeitig extrem korrupt und steht auf dem Korruptionsindex von Transparency International an 133. Stelle von 145 Ländern. Sarah Wykes von Global Witness meint deshalb: "Die blockierten Summen sind öffentliche angolanische Gelder, die auf Schweizer Bankkonten landeten, und die Korruption der angolanischen Regierung ist weiterhin notorisch: Welche Garantien bestehen da, dass die Gelder tatsächlich für humanitäre Zwecke eingesetzt werden? Jede Rückführung muss in vollkommener Transparenz durchgeführt werden, die unabhängige angolanische und internationale Zivilgesellschaft muss mitentscheiden können, wohin das Geld geht, und durch einen unabhängigen Überwachungsmechanismus muss die weitergehende öffentliche Kontrolle gewährleistet werden."

So stellt sich die Frage, wie sicher gestellt werden kann, dass diese Gelder nicht einfach wieder in die Taschen jener korrupten Politiker und Regierungsbeamter fliessen, die vor Jahren den Deal eingefädeklt haben. Dies zu einem Zeitpunkt, wo noch immer Hundertausende von Angolanerinnn und Angolaner als interne Flüchtlinge auf internationale Hilfe angewiesen sind, während sich die Elite schamlos bereichert.

Das Afrika-Bulletin
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