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Afrika-Bulletin Nr. 122:
April/Mai 2006

Schwerpunktthema:
China-Afrika – ein spannungsreiches Verhältnis

China und Afrika – noch vor ein paar Jahren wäre diese Beziehung mystisch verbrämt als Interessengemeinschaft der Länder der Dritten Welt gegen die Supermächte bezeichnet worden. Doch Chinas rasantes Wirtschaftswachstum der letzten paar Jahre bringt ganz neue Aspekte. Einerseits ist China in Afrika zum dritt grössten Exporteur von Billigwaren des täglichen Konsums geworden. Auch in der hintersten Ecke Afrikas sind chinesische Waren zu finden. Andererseits stillt China seinen immensen Rohstoffhunger auch in Afrika.

Beides birgt Zündstoff: Chinesische Massenware führt zum Zusammenbruch mancher afrikanischer Hersteller, die der fernöstlichen Konkurrenz nicht mehr gewachsen sind. Das sind nicht nur Handwerksbetriebe, wie sie auf zahllosen afrikanischen Märkten bestehen. Auch industrielle Grossbetriebe sind betroffen, so etwa die Textilindustrie Südafrikas.

Aber auch der Rohstoffbedarf führt zu Widersprüchen. Unbesehen von internationalen, nationalen oder regionalen Krisensituationen wirtschaftet China mit allen und jedem. Im Sudan wird Erdöl gefördert und nach China exportiert – nachdem sich westliche Firmen unter Druck zurückgezogen haben. Damit wollte man Druck auf die Diktatur in Khartum aufbauen, um die Einhaltung der Menschenrechte in der Krisenregion Darfur zu erzwingen. Und dem korrupten, kleptomanischen Regime in Luanda wird ein Überbrückungskredit gewährt, auch wenn andere Geldgeber wegen der katastrophalen Zustände den Geldhahn definitiv zugedreht haben.

Die chinesische Berufung auf den hehren Grundsatz der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten dient so dazu, von jeglicher Schandtat afrikanischer Despoten wegzusehen und knallhart dort Geschäfte zu machen, wo westliche Investoren – oft aufgrund des öffentlichen Drucks - es nicht können.

In diesem Afrika-Bulletin gehen wir diesem spannungsgeladenen Verhältnis China-Afrika etwas auf den Grund.

Hans-Ulrich Stauffer

Afrika-Komitee
Ziele, Themen, Kontakte
Afrika-Bulletin. Archiv

China und Afrika: Partnerschaft in wessen Interesse?
Beziehungen gewinnen immer mehr an Bedeutung

Chinas Handel mit Afrika wächst stärker als jener mit den anderen Regionen der Erde, er ist in 5 Jahren von 10 Mia. U$ auf 28 Mia. U$ (2005) gestiegen. China ist mittlerweile der grösste Käufer von sudanesischem Erdöl und zimbabwischem Tabak. Und auch die chinesischen Investitionen auf dem ressourcenreichen Kontinent Afrika nehmen ständig zu. Chinas beinahe unersättlicher Bedarf an Rohstoffen sowie die Suche nach Absatzmärkten für seine Waren seien der Motor dieser Entwicklung, heisst es. Doch Chinas Interessen in Afrika sind nicht nur wirtschaftlicher Natur. Ein Beitrag von Ruedi Küng.

Wenn es Nacht wird über Monrovia, taucht die Hauptstadt Liberias in ein unheimliches Dunkel. Seit vielen Jahren gibt es in dem bürgerkriegsgeplagten westafrikanischen Land keine Stromversorgung mehr. Die LURD-Rebellen, die den ehemaligen Warlord und späteren Präsidenten Charles Taylor erfolgreich bekämpft hatten, haben die Infrastruktur zerstört, Fabrikanlagen demontiert und die Stromleitungen heruntergeholt und als Altmetall verkauft. Strom hat nur, wer einen Generator besitzt und zu betreiben vermag. Dank China sind dies mehr und mehr Leute. Das Produkt heisst "Tiger", und ist konkurrenzlos günstig. Und so beginnt, wenn es Nacht wird über Monrovia, auch eine Kakophonie von Generatormotoren, von denen viele nicht mehr als 1'500 Watt Leistung abgeben. Im benachbarten Sierra Leone ist es nicht anders.

Ex oriente lux – Licht dank China

Generatoren sind nicht die einzigen chinesischen Güter, die man immer zahlreicher auf afrikanischen Märkten findet, bei weitem nicht. Wie bei uns werden auch in Afrika immer mehr Kleider, Haushaltgegenstände, Werkzeuge, Apparate und so weiter aus China zum Kauf angeboten. Oft tun dies chinesische Händler auf eigene Initiative und Rechnung, und man findet sie mit ihren Shops auch in abgelegenen Gebieten, die von den traditionellen Händlern libanesischer oder indischer Abstammung gemieden werden, sagt Chris Alden von der London School of Economics (vgl. dazu den folgenden Artikel). Die chinesischen Händler treten denn auch oft in direkte Konkurrenz mit den lokalen Marktleuten und sind deswegen vielerorts in Afrika nicht gern gesehen. Darüber hinaus haben sich seit 1995 rund 600 chinesische Unternehmen in Afrika niedergelassen, und es kommen auch immer mehr Touristen aus China nach Afrika.

Dann sind da auch noch die staatlichen chinesischen Akteure. Sie sorgen etwa dafür, dass heruntergekommene Regierungs- und Verwaltungsgebäude sowie Sportstadien - oft chinesischer Bauart aus kommunistischer Zeit - renoviert und wieder funktionstüchtig gemacht werden, und sie investieren auch in die Landwirtschaft und in die Infrastruktur. Die regierungsstützende Wirkung solcher Tätigkeit wird von den afrikanischen Machthabern natürlich begrüsst, und sie ist nach Chris Alden von der chinesischen Führung auch beabsichtigt.

Strategische Partnerschaften

Es handelt sich um eine strategische Partnerschaft, die 2000 in Peking auf dem ersten sino-afrikanischen Forum begründet und 2003 in Addis Abeba bekräftigt wurde. Anlässlich seines Besuchs in mehreren afrikanischen Ländern - Kapverden, Senegal, Mali, Liberia, Nigeria und Libyen - versicherte Chinas Aussenminister Li Zhaoxing anfangs dieses Jahres, dass diese Partnerschaft für beide Seiten gewinnbringend sei. Sicher ist, dass sie dem aufstrebenden Reich der Mitte, das an Afrikas unermesslichen Ressourcen interessiert ist, Vorteile bringt.
Die Liste wichtiger Rohstoffe, die China für seine Entwicklung benötigt, ist lang: Titan, Platin, Coltan, Erze und Hölzer ... An erster Stelle aber steht Erdöl, China ist mittlerweile zweitgrösster Erdölkonsument der Welt. Chinesische Grossinvestitionen in Sudan, Angola und Nigeria sind Ausdruck dieses langfristigen Interesses, ebenso die guten Beziehungen zu den Ländern am Golf von Guinea in Westafrika, deren Erdölvorräte noch nicht erschlossen sind.

Mugabe: Look East!

Dabei hält sich Chinas Regierung strikt an das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der betroffenen Länder und stellt keinerlei Bedingungen in Bezug auf Menschenrechte. Einzige Kondition für Beziehungen ist die Anerkennung des Ein-China-Prinzips, das heisst der diplomatische Bruch mit Taiwan. Das eröffnet afrikanischen Ländern wie etwa Zimbabwes neue Perspektiven. So gab Robert Mugabe nach seinem Zerwürfnis mit dem Westen als erster in Afrika die Parole: Look East! aus. Er stattete China mehrere längere Besuche ab, führte trotz Flugzeug- und Flugbenzinmangel Linienflüge zwischen Zimbabwe und China ein und wies die Schulen an, Mandarin-Chinesisch als Pflichtfach einzuführen.

Unklar ist bis heute, ob chinesisches Geld Zimbabwe erlaubt hat, seine Schulden beim IWF soweit abzubauen, dass es einen Ausschluss verhindern konnte. Allerdings wird Mugabes Neuausrichtung nach Osten von einheimischen Unternehmern belächelt, weil sie keinen Nutzen für Zimbabwe erkennen können. "Die Chinesen tun nichts umsonst, sondern wollen für alles Dollar sehen", meinte vor kurzem einer von ihnen, dessen Geschäfte trotz - oder wegen - des wirtschaftlichen Niedergangs gut laufen.

Dass China sich aber durchaus als profitable Alternative zum Westen anbietet, zeigt der Fall Sudan. Nachdem sich westliche Erdöl-Firmen unter öffentlichem Druck wegen der kriegerischen und menschenrechtsverletzenden Politik des sudanesischen Regimes aus dem grössten Land Afrikas zurückziehen mussten, errichtete Chinas staatliche Erdölindustrie noch während des Krieges im Süden Erdölförderanlagen in den südlichen Ölfeldern und baute eine Pipeline ans Rote Meer. Dass sie dafür ausschliesslich chinesische Ingenieure und Arbeiter einsetzte - so wie es auch andere chinesische Unternehmen in Afrika zu tun pflegen - , trug ihr bei der sudanesischen Bevölkerung wenig Sympathie ein.

Ressourcen, Märkte, Allianzen

Dafür stärkte der Geldsegen das Regime in Khartum wie nie zuvor. Auch lassen die schweren Menschenrechtsverletzungen des sudanesischen Regimes in der Region Darfur Chinas Führung kalt. Vielmehr hat China als Vetomacht im UNO-Sicherheitsrat energische Massnahmen gegen Sudans Führung bis heute verhindert, und diese mit Waffenverkäufen zusätzlich gestärkt. (Wobei festzuhalten ist, dass China sich im Waffengeschäft nicht anders als der Westen verhält, wenn es freundschaftlichen Regierungen eigene Waffensysteme verkauft.)

China geht es in Afrika eben um mehr als um Ressourcen, ist Chris Alden überzeugt. Die chinesische Führung erkenne bei vielen afrikanischen Regierungen eine ähnliche Interessenlage und sei deshalb bestrebt, bestehende afrikanische Regime zu stützen. So etwa verteidige Chinas Regierung die staatliche Souveränität, die sie durch westliche Einmischung und Bedingungen - etwa in der Frage der Menschenrechte und der guten Regierungsführung - angetastet sehe. Das Selbe trifft auf afrikanische Länder zu, die als Entwicklungsländer um ihre Souveränität und um die Erhaltung ihrer Regime besorgt sind, und die die Ungleichgewichte im internationalen Polit- und Wirtschafts-System sowie die Dominanz des Westens, insbesondere der USA, mit Sorge erfüllen. Insofern verfolge China mit seinem Engagement in Afrika ein langfristiges Interesse, analysiert Chris Alden, und sehe die afrikanischen Staaten als gute Partner auf internationaler Ebene. Afrikas 53 Staaten seien in Organisationen wie der UNO oder der Welthandelsorganisation ein gewichtiges Stimmpotenzial.

Versorgung mit Ressourcen, Eröffnung neuer Märkte, politische Allianzen im internationalen Kontext - dafür hat China in Afrika schon zahlreiche Partner gefunden. Wenn umgekehrt viele afrikanische Staaten darauf hoffen, dass China ihre Abhängigkeit vom Westen reduzieren werde, dürfen sie sich keine allzu grossen Hoffnungen machen. Denn für eine rasche, massive wirtschaftliche Entwicklung des afrikanischen Kontinents fehlt es China an ökonomischer Potenz. Und wohl auch an Interesse. Denn China geht es in erster Linie um seine eigene Entwicklung zur Wirtschaftsmacht, ist Chris Alden überzeugt und einer Meinung mit dem zitierten zimbabwischen Unternehmer. China kann auf absehbare Zeit für Afrikas Regierungen wohl ein neuer Partner, aber kein Ersatz für den Westen sein.

Ruedi Küng ist Afrikakorrespondent von Schweizer Radio DRS

Chinas bedeutende Rolle in Afrika
Was steckt hinter den Wirtschaftsbeziehungen?

Das Kompetenzzentrum Friedensförderung (KOFF) von swisspeace organisierte am 1. Dezember 2005 eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „China in Afrika – mit Fokus auf Sudan und Angola“ mit Gastredner Chris Alden von der London School of Economics. Eine Zusammenfassung.

Chinas Rolle in Afrika gewann infolge der Krise in Darfur und der chinesischen Verhinderungspolitik bezüglich UN-Sanktionen gegen den Sudan erstmals die internationale Aufmerksamkeit und wurde im letzten Jahr zum Schwerpunktthema einer Reihe von Denkfabriken und Publikationen. Die chinesische Regierung begründete ihre neue Afrikapolitik allerdings bereits Mitte der 1990er Jahre und zwar auf den „Fünf Prinzipien des Friedlichen Zusammenlebens“: Freundschaft, Gleichheit, Gegenseitigkeit, Souveränität und Nicht- Einmischung in innere Angelegenheiten. Im Hinblick auf das 2006 in Beijing stattfindende multilaterale China-Afrika-Forum hat das chinesische Aussenministerium am vergangenen 12. Januar 2006 in einem neuen Grundsatzpapier die Prinzipien und Ziele seiner Afrikapolitik noch einmal öffentlich dargelegt.

Chinas Politik und deren Vorteile für Afrika

Nach Alden beruhen die Hauptinteressen von Chinas langfristig angelegter Afrikastrategie auf vier Pfeilern: Ressourcensicherheit im Energiesektor und in der Landwirtschaft, Erschliessung neuer Handelsmärkte und Investitionsmöglichkeiten, Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit und strategische Partnerschaften im Hinblick auf die Unterstützung des afrikanischen Blocks in multilateralen Institutionen.

Seit dem ersten Forum der China-Afrika-Zusammenarbeit im Jahr 2000 in Peking ist das chinesische Handelsvolumen mit Afrika wie in keiner anderen Weltregion explosionsartig in die Höhe geschnellt. Heute ist China nach Frankreich und den USA der drittwichtigste Handelspartner Afrikas. Im Erdölsektor deckt China bereits 30 Prozent seines Bedarfs aus diesem Kontinent ab, zum grossen Teil aus Sudan und Angola, bald auch aus Nigeria. In den nächsten fünf Jahren soll sich der Handel mit Afrika gemäss Chinas Plänen nochmals verdreifachen. Obwohl auch die Bevölkerung vom Zustrom billiger chinesischer Waren profitiert, ist die Zusammenarbeit mit China vor allem für die afrikanischen Regierungseliten attraktiv. Für viele ist China ein Vorbild wegen seines wirtschaftlichen Erfolgs ohne politische Reformen, die gerade von schwachen afrikanischen Regierungen als Bedrohung empfunden werden. Afrikanische Länder können zudem ihre Verhandlungsposition gegenüber dem Westen verbessern, indem sie China als mächtige Alternative herbeiziehen und ihre Partnerschaften umstellen oder ausweiten. Anreize dazu schafft China mit „weichen“ Krediten, Schuldenerlass, Direktinvestitionen in Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie, Militärhilfe sowie Stärkung der Kapazitäten von Verwaltung, Militär und anderen Fachkräften.

Anders als viele westliche Investoren und Geber investiert China zudem auch in Hochrisikoländer und in prestigeträchtige Grossprojekte. Ausserdem hebt sich die von China propagierte Süd-Süd-Zusammenarbeit mit Wirtschafts- und Entwicklungshilfe ohne politische Bedingungen für einige afrikanische Regierungen wohltuend von den Vorbehalten westlicher Geber und „Bretton Woods“- Institutionen ab. Schliesslich ist China für Afrika ein willkommener strategischer Partner im UN-Sicherheitsrat, in der Welthandelsorganisation und in anderen multilateralen Organisationen.

Chinas Griff nach Afrika beunruhigt den Westen

In den USA gibt Chinas rasanter Vorstoss in Afrikas Erdölsektor aus geostrategischer und sicherheitspolitischer Sicht Anlass zur Besorgnis. Wie China versuchen auch die USA in Afrika ihre Energiequellen zu diversifizieren. 2005 hielt der US-Kongress Hearings zum Einfluss Chinas in Afrika ab, vor dem auch eine Studie des einflussreichen „Council on Foreign Relations“ (vgl. Link) nachdrücklich warnt.

Auch westliche Nichtregierungsorganisationen sind besorgt über Chinas Modell internationaler Zusammenarbeit ohne politische Bedingungen. So wird China vorgeworfen, mit seiner diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung von so genannten „Pariaregimes“ wie im Sudan und in Zimbabwe den internationalen Druck zu Demokratisierung und Einhaltung der Menschenrechte auszuhöhlen. Mitglieder der Transparenzkampagne „Publish What You Pay“ warnen, China untergrabe internationale Antikorruptionsbemühungen im Erdölsektor. In Angola haben es beispielsweise ölgestützte, „weiche“ chinesische „Jumbokredite“ der Regierung ermöglicht, Handlungsspielraum zu gewinnen, ohne die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds oder einer allfälligen internationalen Geberkonferenz erfüllen zu müssen. Aus entwicklungspolitischer Sicht schadet ausserdem das zunehmende Handelsungleichgewicht zugunsten Chinas langfristig der Entwicklung in afrikanischen Ländern.

Das Ende der Flitterwochen?

Diese alarmierenden Perspektiven seien laut Alden insofern zu relativieren, als die Darfurkrise die internationale Aufmerksamkeit auf Chinas Afrikastrategie gelenkt und damit die ungestörten „Flitterwochen“ mit Afrika beendet habe. So sei es möglich, dass China seine Afrikapolitik längerfristig den internationalen Normen anpassen wird. Ein Anreiz dafür ist der Zugang zu den internationalen Börsen, an welche chinesische Firmen drängen. Auch haben Normen der Afrikanischen Union (AU) zu Menschenrechten, „Guter Regierungsführung“ und einer aktiven Friedenspolitik in vielen afrikanischen Ländern bereits Wurzeln geschlagen. China könnte daher seine Afrikapolitik der AU-Orientierung angleichen.

Für diesen Trend spricht die Entsendung chinesischer UNO-„Peacekeeping“- Einheiten in afrikanische Konfliktregionen, wie auch die chinesische Unterstützung der Mission der Afrikanischen Union (AU) im Sudan. In ihrem neuen Grundsatzpapier bekräftigt die chinesische Regierung denn auch ihre Zusammenarbeit mit der AU in allen Bereichen, verspricht, das Handelsungleichgewicht zwischen China und afrikanischen Ländern zu verringern, und erklärt die Erfüllung der „Millenium Development Goals“ als ein Ziel der chinesischen Aussenpolitik in Afrika.

Herausforderung für westliche Akteure

Die Teilnehmenden an der KOFF-Veranstaltung waren sich darin einig, dass es der Westen generell vermeiden sollte, gegenüber Chinas Afrikapolitik „doppelte Standards“ anzuwenden. Auch westliche Firmen und multinationale Konzerne verpflichteten sich in Afrika nicht immer gegenüber Transparenz, „Guter Regierungsführung“ und Menschenrechten. Auch westliche Staaten unterstützten zuweilen aus macht- und interessenpolitischen Gründen korrupte und autokratische Regimes. Zudem täten sie sich schwer mit dem seit langer Zeit geforderten Schuldenerlass. Im Weiteren sollte die Rolle anderer, nicht westlicher Akteure in Afrika wie Brasilien, Japan und Indien nicht vernachlässigt werden, hiess es an der Tagung. Die zunehmende Bedeutung Chinas und anderer nicht westlicher Akteure in Afrika sei für Entscheidungsträger in Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung.

Dieser Artikel von Lisa Rimli erschien im KOFF-Newsletter Nr. 44 vom 1. Februar 2006.
swisspeace / KOFF - Kompetenzzentrum Friedensförderung : http://www.swisspeace.org/koff/default.htm


Literaturhinweise:

  • Denis M. Tull, Die Afrikapolitik der Volksrepublik China, Stiftung Politik und Wissenschaft, Studie 20/2005.
  • Der Überblick, Schwerpunktthema: Chinas Griff nach Afrika (4/2005).
  • Chris Alden, China in Africa, Survival 3/2005, pp.147-164 (als PDF erhältlich bei KOFF).
  • Council on Foreign Relations: More than Humanitarianism. A Strategic U.S. Approach to Africa. Independent task force report, December 2005.
  • Ministry of Foreign Affairs of the People’s Republic of China: China’s African Policy, January 2006. Im Hinblick auf das 2006 in Bejing stattfindende multilaterale China-Afrika-Forum hat das chinesische Aussenministerium in einem neuen Grundsatzpapier die Prinzipien und Ziele seiner Afrikapolitik dargelegt: http://www.fmprc.gov.cn/eng/zxxx/t230615.htm
Angolas interessante Nachkriegswirtschaft
Der „sanfte“ Kampf um Einfluss in Angola

Nach dem Ende des 27 Jahre dauernden Bürgerkrieges mit der UNITA bat die angolanische Regierung 2002 vergeblich um eine internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau. Nach Human Rights Watch „verschwanden“ 1997 bis 2002 mehr Erdöleinnahmen als an Hilfsgeldern ins Land flossen: über vier Milliarden Dollar. Westliche Geber forderten, Angola müsse zunächst die Regierungsführung und Transparenz über Öleinnahmen verbessern und ein Beobachtungsprogramm mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbaren. Druckversuchen des Westens traditionell abgeneigt, wertete die angolanische Regierung diese Vorbehalte als „Diskriminierung“ und „Einmischung in innere Angelegenheiten“. Ein Bericht von Lisa Rimli.

Doch das anhaltende Ölpreishoch und der zunehmende globale Verteilkampf um afrikanisches Erdöl ermöglichten es Angola, an Einfluss zu gewinnen und den Kreis seiner traditionellen Partner Portugal und Brasilien mit China und Indien als neue Akteure zu erweitern. Während die USA als Angolas wichtigste geostrategische Partner die Forderungen des IWF unterstützten, schlug China einen anderen Weg ein. 2004 bot die chinesische Exim Bank einen Kredit von über zwei Milliarden Dollar für den Wiederaufbau, um angolanische Ölquellen vor der indischen Konkurrenz zu sichern. Dieser „weiche“ Kredit legte den Grundstein für eine neue strategische Partnerschaft in gegenseitigem Interesse.

Mit diesem „Entwicklungshilfeangebot“ stärkte China die Position der angolanischen Regierung gegenüber westlichen Gebern und dem IWF und gewann innerhalb kurzer Zeit Einfluss im Patronagenetzwerk um den angolanischen Präsidenten. Der rasche Wiederaufbau in Form von grossen Infrastrukturprojekten entspricht dem Bedürfnis der Regierungspartei MPLA und des Präsidenten José Eduardo dos Santos, ihr von Misswirtschaft und Korruption angeschlagenes Image zu verbessern, und kommt ihrer Vision von „Entwicklung“ entgegen.

Erdöl als Dreh- und Angelpunkt

Bereits im Februar 2006 überrundete Angola Saudi-Arabien als wichtigsten Erdöllieferanten Chinas und liefert nun 15% der chinesischen Erdölimporte. Chinesische Firmen renovieren nicht nur die Basisinfrastruktur, sondern erhielten auch den Zuschlag für teure Prestigeprojekte, wie die Ölraffinerie in Lobito für drei Milliarden Dollar, oder den neuen Flughafen von Luanda. Chinesische Unternehmen fassten auch Fuss im Diamantensektor, der Landwirtschaft, Industrie und Telekommunikation. Bis zu 10'000 chinesische Unternehmer sollen in den letzten Jahren Angola besucht haben, und die wichtigsten in Angola tätigen chinesischen Firmen haben sich in einer Handelskammer organisiert. Weitere chinesische Kredite für den Wiederaufbau und Direktinvestitionen im Erdölsektor mit einer Gesamtsumme von bis zu sechs Milliarden Dollar sind zur Zeit in Verhandlung. Angola wird zudem wohl auch vom Schuldennachlass profitieren, den China dieses Jahr den ärmsten portugiesischsprachigen afrikanischen Ländern versprochen hat. Wie die USA, die ihre Erdölimporte aus Angola bis 2010 auf 8% ihres Bedarfs zu steigern planen, bietet unterdessen auch China militärische Ausbildung.

Die neue Partnerschaft mit China hat für die angolanische Gesellschaft aber auch Schattenseiten. Denn weder die auf dem Erdöl basierende Hochkonjunktur noch der Bauboom bringen der armen Bevölkerungsmehrheit eine spürbare Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Chinesische Firmen erhalten gemäss Kreditverträgen den Löwenanteil der Bauaufträge und holen dafür eine grosse Zahl chinesischer Vertragsarbeiter ins Land. Diese andere Art der „Diskriminierung“ führt allmählich zu Unmut bei Oppositionsparteien und Gewerkschaften, aber auch innerhalb der MPLA-Basis. Die chinesischen Kreditverträge wurden dem Parlament nie vorgelegt, und es gilt als wahrscheinlich, dass davon auch Gelder in den Wahlkampf fliessen werden. Doch während der Wiederaufbau auf Hochtouren läuft, und die Wirtschaft dank dem Erdölboom 2007 voraussichtlich um 27% wachsen wird, zögert der angolanische Präsident, einen Termin für die seit Kriegsende immer wieder verschobenen Wahlen festzulegen. Denn nicht nur China und Indien sehen in Angola trotz Korruption und extremer Armut zur Zeit ein Eldorado, sondern zunehmend auch westliche Investoren, Banken und Gläubigerländer. Letztere, wie unter anderen bereits Portugal, Polen, Spanien und Deutschland, sehen in einer bilateralen ölgestützten Umschuldung nicht zuletzt auch einen Weg, um an lukrative Investitionsmöglichkeiten in Angola zu gelangen.

Lisa Rimli ist wissenschaftliche Mitarbeiterin von swisspeace in Bern.

Prinzipien und Pragmatismus
Gigantisches Ausmass der wirtschaftlichen Beziehungen

Innerhalb weniger Jahre ist China in Afrika zu einem unübersehbaren Wirtschaftspartner aufgestiegen. Afrikanische Märkte werden überschwemmt von chinesischen Produkten. Andererseits tritt China als Käufer gigantischer Rohstoffmengen auf.

hus. Die Prinzipien „Freundschaft, Gleichheit, Gegenseitigkeit, Souveränität und Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten“ haben Kontinuität: Bereits an der ersten Tagung der Blockfreien in Bandung 1955 hat der Aussenminister der erst vor wenigen Jahren ausgerufene Volksrepublik China, Tschou En-lai, proklamiert: „Wenn wir den Prinzipien der gegenseitigen Achtung der Souveränität und der territorialen Integrität, des Nichtangriffs, der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer, der Gleichberechtigung und des gegenseitigen Vorteils folgen, kann die friedliche Koexistenz von Ländern mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung verwirklicht werden.“

Was früher insbesondere für die politische und militärische gegenseitige Nichteinmischung bestimmt war, kann heute bruchlos auch als Prinzip für die weltweite chinesische Wirtschaftspolitik gelten: Nichteinmischung in innere Angelegenheiten, Handel zum gegenseitigen Vorteil.

Exorbitante Ausweitung im Handel

Die Beispiele sind vielfältig. In afrikanischen Publikationen wird beinahe wöchentlich über neue Handelbeziehungen oder Investitionen eingegangen. Ein paar Beispiele: Die Baumwollexporte Afrikas nach China haben sich von 15'000 Tonnen im Jahre 1999 auf 535'000 Tonnen 2005 explosionsmässig vervielfacht (im Vergleich: Exporte aus den USA nach China: 1999: 13'000 Tonnen, 2005: 1'203'000 Tonnen!). Unmittelbar nach dem Beschluss, die nächste Commonwealth-Konferenz 2007 in Entebbe (Uganda) abzuhalten, haben chinesische Unternehmen begonnen, den alten Präsidentenpalast zu renovieren. Der Handel zwischen Algerien und China ist seit 2005 um 43% gestiegen – China investiert zudem 500 Mio. US$ in Algerien.

Umgekehrt breitet sich chinesische Handelsware über ganz Afrika – wie auch sonst weltweit – aus. Dies bringt Vor- und Nachteile. Billige, oft qualitativ minderwertige Produkte konkurrenzieren direkt afrikanische Produzenten. Chinas Textilexporte nach Südafrika haben in den letzten 9 Monaten 2005 um 40 Prozent zugenommen. Grosse südafrikanische Texilfabriken stehen vor dem Aus oder mussten bereits schliessen, so etwa KwaZulu-Natals grösste Textilfabrik Whiteheads. Andererseits gelangen Massenkonsumgüter, die es bisher nicht gab oder die sehr teuer waren, auf afrikanische Märkte (vgl. dazu den Artikel: Beihuo-Shops in Afrika)

Baihuo-Shops auf Kapverde
Chinesische Händler in Afrika

Wer periodisch die kapverdischen Inseln besucht, stellt verwundert fest, dass nahezu auf allen Inseln immer mehr chinesische Läden existieren. Einzelne chinesische Restaurants gab es schon vor zwanzig Jahren. Neu ist, dass es „lojas chinês“ heute bald in jeder grösseren Siedlung gibt.

hus. Eine chinesische Zuwanderung gab es in der Zeit der portugiesischen Kolonialherrschaft und in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit (1975) nicht. Kapverde als kleine, abgeschiedene Inselrepublik war kein Ziel. Erst in den 90er Jahren kamen die ersten chinesischen Händler nach Kapverde. Heute wird die Zahl chinesischer Einwanderer auf 200 bis 300 geschätzt, dies bei einer Gesamtbevölkerung von 400'000 Menschen. In allen grösseren Städten wie Praia, Mindelo, S. Felipe (Fogo), gibt es heute mehrere Beihuo-Läden, die unübersehbar sind.

Nahezu alle der zugewanderten Chinesen stammen aus der Region Wenzhou im Süden der Küstenprovinz Zhejiang. Offensichtlich haben sich Verwandte und Bekannte im Sinne einer Kettenimmigration nachgezogen. Dabei profitierten sie von der seit 1978 liberalisierten Auswanderungspolitik der VR China. Die ersten Destinationen waren jedoch nicht abgeschiedene Gebiete wie Kapverde, sondern die Transformationsländer Ost- und Mitteleuropas.

Grosse Nachfrage nach billigen Produkten

Erst nachdem diese Märkte gesättigt waren, wurden „Nischenmärkte“ gesucht – und in Kapverde gefunden. Hier bestand nicht schon ein grosses Angebot, auch war der Markt nicht schon von anderen, früher zugewanderten chinesischen Händlern besetzt. Neben dem Vakuum an Angeboten gab es in Kapverde zudem eine – im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern – hohe Kaufkraft. Wurden Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs bislang meist von den Übersee-Kapverder nach Kapverde geschickt oder bei ihren Heimaturlauben mitgebracht, werden diese Gegenstände nun in den „lojas chinês“ gekauft.

Doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel. 2003 gab es in der nördlichen Hafenstadt Mindelo bereits 27 chinesische Geschäfte. Dies führte zu verschärfter Konkurrenz unter den Chinesen. Die Folge: Die Preise sinken. Baihuo-Läden verkaufen meist die gleiche Ware: Kleider, Schuhe, Reiseutensilien (Koffer, Taschen), Kleinkram, Küchengeschirr etc. In der Weihnachtszeit wird das Angebot um Spielsachen erweitert. Die Ware ist billig – und qualitativ meist schlecht.

Die meisten chinesischen Händler fahren ein- bis zweimal jährlich nach China und kaufen dort direkt jeweils einige hundert Exemplare in den Fabriken oder in den Grossmärkten ein, am meisten auf dem Grossmarkt der Stadt Yiwu. Dann wird die Ware per Container nach Kapverde verschifft. Um alle Kosten zu decken, also auch Transport und Zoll, wird die Ware in Kapverde etwa zum dreifachen Ankaufspreis verkauft.

Vor dem Aufkommen der Baihuo-Länden wurden ähnliche Waren meist auf offenen Märkten angeboten. Die vorwiegend auch aus Asien stammende Ware war jedoch durch mehrere Hände gegangen und entsprechend verteuert. In den Chinaläden wird nun die gleiche Ware spürbar billiger angeboten. Die Markthändler können nicht mehr mit den chinesischen Direktimporteuren konkurrieren. Traditionelle Läden, die Waren im mittleren Preissegment führten, haben ebenfalls ob der chinesischen Konkurrenz gelitten. Keine Konkurrenz besteht zu Anbietern qualitativ hochwertiger und entsprechend teurer Ware, die aus meist aus Europa kommt und für eine kleine kaufkräftige Schicht angeboten wird.

In Kapverde geniessen chinesische Händler ein eher hohes Ansehen. Sie gelten als Geschäftsleute, die etwas bewegen. Das Angebot an billigen Waren wird geschätzt. Eine typische Aussage: „Seit es Beihuo-Läden gibt, müssen die Kinder nicht mehr barfuss zur Schule gehen.“

Sättigung des Marktes

Das Warnangebot hat sich im Verlauf der Jahre gewandelt. Neu tauchen auch Kosmetik-Artikel auf. Oder Produkte aus anderen Ländern, insbesondere aus Brasilien, werden ins Sortiment aufgenommen. Nebst dem Einzelhandel ist zusätzlich ein weiterer Absatzkanal aufgebaut worden: der Grosshandel. Chinesische Händler beliefern afrikanische Kleinhändler. Dabei handelt es sich um Einwanderer aus Westafrika. Diese ziehen dann als fliegende Händler oder Hausierer durch das Inselinnere und bieten ein Sammelsurium von Büstenhalter, Zahnpasta, Gürtel und Sonnenbrillen an - gerade das, was sie auf ihre Wanderschaften mitnehmen können. So werden ganz neue Märkte erschlossen.

Die meisten Beihuo-Läden haben chinesisches Personal. Nebst dem Firmeninhaber und seiner Familie werden oft junge Chinesen engagiert. Ihnen wird Kost und Logis gegeben. Für das Flugbillet arbeiten sie die ersten Monate, wenn nicht gar Jahre gratis. Kapverder werden angestellt, um Kunden zu beraten und darauf zu achten, dass nichts gestohlen wird. Der Lohn für Kapverder liegt bei 7000 bis 8000 Escudos im Monat (ca. 120 Franken), dies bei einer 45-Stunden-Woche.

Der kapverdische Markt ist nun gesättigt und die Konkurrenz ist gross. Immer mehr chinesische Händler versuchen nun, auf das afrikanische Festland auszuweichen. Dabei stehen die portugiesischsprachigen Länder, namentlich Angola und Mozambique, im Vordergrund. Ihren Laden auf Kapverde behalten sie und lassen ihn durch Verwandte führen. Erst wenn auf dem Festland Fuss gefasst und der neue Standort stabilisiert ist, wird allenfalls das frühere Geschäft aufgegeben.

Diese Zusammenfassung basiert auf einer Fallstudie aus den Jahren 2002 und 2003 von Heidi Ostbo Haugen und Jorgen Carling, publiziert unter dem Titel „On the edge of the Chinese diaspora: The surge of baihuo business in an African City“, erschienen in „Ethnic an Racial Studies“, Vol. 28; July 2005.

 

Afrika in Kürze

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Afrika
Wirtschaftsfreiheit

Wie kann sich eine nationale Wirtschaft entwickeln? Wie frei sind Unternehmer? Seit 1993 ermittelt das Wall Street Journal im Auftrag der Heritage Foundation die Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten. Rund zehn Kriterien werden dabei berücksichtigt, etwa die Regierungspolitik, der Schutz des Eigentums, die Steuerlast etc. 157 Länder wurden nun wieder geratet, anfangs Januar wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Auch wenn fraglich sein kann, ob schrankenlose Freiheiten für Unternehmer per se erstrebenswert sind, gibt die Studie doch Hinweise auf das Wirtschaftsklima. Oben aus schwingt Hong Kong, das auf der Skala von 1 – 5 1,28 Punkte erhält. Grossbritannien belegt Platz 5 mit 1,74 Punkten, die USA Platz 9 (1,84), die Schweiz Platz 15 (1,89). Insgesamt werden 20 von 157 Staaten als Freie Wirtschaften bezeichnet, 52 als „quasi-frei“, 73 als „quasi repressiv“ und 12 als „repressiv“.

Und wie schliessen afrikanische Staaten ab? Als „wirklich frei“ – also in die Spitzenklasse – fällt kein Land. Al „quasi frei“ schaffen es immerhin 5 Länder: Botswana (30. Rang; 2,29 – im Vergleich: wie Japan), Kapverde (46; 2,69 – im Vergleich: wie Frankreich), Südafrika (2,74), Madagaskar (2,75) und Uganda (2,95). 37 Staaten fallen in die Kategorie „quasi repressiv“, Nigeria (4,0), Libyen (4,16) und als Schlusslicht Zimbabwe (4,23) fallen in die Kategorie der repressiven Länder.

Link:
www.heritage.org/index


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Zimbabwe
Mugabes Sicht der Dinge

Am 23. Februar feierte Zimbabwes Präsident Robert Mugabe seinen 82. Geburtstag. In einem Fernsehinterview vermittelte er der Nation seine Sicht der Dinge. So ist die Wirtschaftskrise im Land – Zimbabwe ist eines von drei afrikanischen Ländern, in denen die Wirtschaft schrumpfte, umliegende Länder weisen ein beachtliches Wirtschaftswachstum auf - auf das schlechte Wetter und die internationalen Sanktionen zurückzuführen. Der Druck von neuen Banknoten zu immer höheren Nennwerten erleichtert nach Mugabe die wirtschaftliche Lage – Zimbabwe hat heute die höchste Inflationsrate der Welt! Kritisiert wurde US-Präsident Bush, der britische Premierminister Blair und Homosexuelle. Afrikanische Führer, die seine Wiederwahl 2002 kritisiert hatten, nannte er Dummköpfe und wünschte ihnen, zur Hölle zu fahren.

Trockene Tankstellen

Anfangs Februar wurden südafrikanische Firmen vom Departement für Mineralien und Treibstoff aufgefordert, keine weiteren Treibstofflieferungen nach Zimbabwe mehr vorzunehmen. Begründet wurde dies damit, dass Südafrikas Raffineriekapazität ausgelastet sei und Engpässe im eigenen Land drohen. Südafrika selbst produziert 30 Mia. Liter Benzin im Jahr und braucht davon selbst 22 Mia. Liter. Der Rest ging in der Vergangenheit nach Namibia, Botswana und Swaziland. Um ein Grounding zimbabwischer Flugzeuge zu verhindern oder das Auftanken ausländischer Flugzeuge für den Rückflug zu ermöglichen, hat Südafrika auch verschiedentlich notfallmässig Flugbenzin auf dem Landweg nach Harare und Victoria Falls bringen müssen. Zimbabwische Tankstellen haben zudem zunehmend ihren Bedarf durch südafrikanischen Zukäufe gedeckt, nachdem die staatliche „National Oil Company“ bankrott ging. Auch über die Beira-Öl-Pipeline, die zwischen dem moçambiquanischen Hafen Beira und der ostzimbabwischen Stadt Mutare besteht, gelangt kein Erdöl mehr ins Land.

Links:
www.zimbabwesituation.com
www.newzimbabwe.com

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Kapverde
Bestätigte Regierungspolitik

Seit 1991 finden auf der im Atlantik gelegenen Inselrepublik Kapverde Parlaments- und Präsidentenwahlen statt, nachdem die ehemalige Befreiungsbewegung PAICV durch eine Verfassungsänderung den Weg zur Mehrparteiendemokratie frei gemacht hatte. Im Februar wurden zum vierten Mal Wahlen für eine fünfjährige Amtsperiode abgehalten. Sie brachten eine klare Bestätigung für die bisherige Regierungspartei PAICV und den Präsidenten Pedro Pires, nachdem diese in den letzten Wahlen von 2001 die bürgerliche Regierung geschlagen hatten. Im neuen Parlament stellt die PAICV sogar die absolute Mehrheit.

Kapverde gilt als eines der politisch stabilsten Länder Afrikas. Das hat Folgen: Wirtschaftlich legen die kapverdischen Inseln stetig zu. Das Bruttosozialprodukt beträgt zur Zeit 5200 US-$ pro Einwohner. Damit liegt Kapverde auf dem vierten Rang bei den afrikanischen Staaten. Für 2008 zeichnet sich ein Wechsel von der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder in die Gruppe der Länder mit einer mittleren Entwicklung ab. Entwicklungstreiber ist der Tourismus geworden, der mit 11 % zum Bruttosozialprodukt beiträgt und rasch wächst. Gegenwärtig reisen pro Jahr 170'000 Besucher nach Kapverde. Neu soll nun auch der Bankensektor auf internationale Standards ausgebaut werden. Die verarbeitende Industrie, die schon seit längerem besteht, soll stabilisiert werden (Schuhproduktion, Kleider, Elektronische Geräte).

Links:
• Offizielle Seite der Regierung der Republik Kap Verde: www.governo.cv
• Nationalarchiv von Kapverde: www.ine.cv
• Wochenzeitschrift „A Semana“: www.asemana.cv
• Seite der UNDP für Kapverde: www.cv.undp.org
• Infoseite mit zahlreichen Links: www.caboverde24.com


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Südafrika
Strompannen verunsichern Investoren

Der südafrikanische Stromversorger ESCOM steckt in einer Krise. In Kapstadt gingen anfangs Jahr mehrmals die Lichter aus, einzelne Gebiete erhalten nur noch stundenweise Strom. Der Grund: Ausfall der Stromproduktion in Koeberg, dem Atomkraftwerk. Zudem sind die Überlandleitungen zu schwach, um die in Kapstadt zur Vollversorgung benötigte Energiemenge herbeizuführen. Nun wird geplant, ein Gaskraftwerk zu bauen, doch das dauert Zeit. Die grosse Furcht: Der Stromkollaps könnte sich auf das Ostkap und die dortigen Industrieanlagen ausweiten.

Der Schaden ist aber bereits angerichtet: Die Kapstädter Industrie verzeichnet Millionenverluste. Und noch viel schlimmer: Verschiedentlich ziehen sich ausländische Interessenten für Investitionen zurück, da sie lieber dort ihre Arbeitsplätze ansiedeln wollen, wo auch die Energieversorgung sicher gestellt ist. So hat eine russische Aluminiumschmelze – die ein grosser Stromfresser wäre – ihre Pläne für eine Anlage in Südafrika aufgegeben. Industrielle befürchten nun, das angestrebte hohe Wirtschaftswachstum Südafrikas von 6 Prozent sei aufgrund der Stromausfälle nicht erreichbar.

Links:
www.suntimes.co.za: Sunday Times
www.citizen.co.za: The Citizen
www.iol.co.za: Cape Times, Pretoria News, Saturday Star, The Star, The Argus, The Daily News, Business Report, The Mercury Cape Times, Sunday Tribune, Sunday Independent
www.news24.com: Beeld, Die Burger, Volksblad, Natal Witness, Rapport, City Press


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Eritrea
Armut mit Kleinkrediten bekämpfen

Unter einem Patchworkdach aus Säcken der Nahrungsmittelhilfe versammeln sich Frauen mit bunten Schals. Das Gesprächsthema ist Geld, weil die Frauen Mitglieder eines Kleinkreditprojektes sind, das von CARE International und zwei nationalen NGOs – "Haben" und "Vision Eritrea" – mit Mitteln von USAID unterstützt wird. CARE leiht Geld an Spar- und Kreditvereinigungen, die von der Gemeinde verwaltet werden und die wiederum Geld an ihre Mitglieder verleiht. Jede der 21 Frauen nimmt ihre mageren wöchentlichen Ersparnisse heraus und steckt sie in eine verschlossene Dose, während sie sprechen. „Wir bekommen viel von den Spar- und Kreditvereinigungen. Zunächst sparen wir Geld. Dann haben wir leichteren Zugang zu Krediten,“ sagte Bottule Adem, Sekretärin der Kreditvereinigung in Akurdet, ein paar Autostunden westlich der Hauptstadt Asmara. Jede Woche hinterlegen die Mitglieder Geld bei der Vereinigung und bekommen dafür reguläre Zinszahlungen. Mitglieder können auch Kredite im Verhältnis zu ihren Ersparnissen von der Vereinigung nehmen.

„Einige von uns besitzen einen Laden, die meisten von uns haben Ziegen und Schafe, und einige von uns arbeiten mit Bewässerung,“ sagt Bottule. Ihre Vereinigung ist eine von 88, die seit August 2001 gegründet wurden. Offizielle sagten, sie hätten fast 311 000 US $ an etwa 2000 Mitglieder ausgeliehen, von denen etwa 94 Prozent Frauen waren. „Die Frauen, die diese Vereinigungen gründen, haben einen enormen Sinn für Ownership und ein starkes Verantwortungsbewusstsein. Wir achten darauf, dass wir Frauen erreichen, weil es viele notleidende Frauen in Eritrea gibt,“ sagte David Gilmour, Landesdirektor von CARE International in Eritrea. „Im Landesdurchschnitt haben etwa 37 Prozent der Haushalte Frauen als Haushaltsvorstände – ein Ergebnis von Kriegstoten und National Service – und einige Dörfer haben keinen Zugang zum normalen Bankwesen," fügte er hinzu. Die Beziehungen unter den neun ethnischen Gruppen in Eritrea sind harmonisch, und trotz Berichten über Repressionen gegenüber religiösen Minderheiten ist das Maß an Toleranz im allgemeinen hoch.

Die Kreditvereinigung in Akurdet zum Beispiel hat sowohl christliche als auch muslimische Frauen der Tigrinya und Tigre als Mitglieder. „Nach dem Recht der Scharia dürfen keine Zinsen erhoben werden – wir nennen es eine Servicegebühr, und Geld wird innerhalb der Vereinigung weitergegeben. Wir haben keine Zinsen von Außenstehenden genommen oder an sie gezahlt,“ erklärte Bottule. Bisher gibt es eine nullprozentige Ausfallrate bei Krediten zwischen Mitgliedern und ihren Vereinigungen oder zwischen den Vereinigungen und CARE International.

Weiter westlich am Stadtrand von Barentu haben 16 Mitglieder der Barentu Spar- und Kreditvereinigung ihr Geld zusammengelegt, um ein Hühnerprojekt aufzubauen. Die Nara Frauen verkaufen ihre Hühner in der Stadt für fast 50 Nakfa pro Huhn (etwa 3 $) oder 1,90 Nakfa pro Ei (etwa 0,13 $), aber Hühnerfutter zu bekommen war in den vergangenen Monaten sehr schwierig. „Wenn die Preise weiter ansteigen, werden wir Ziegen und Schafe handeln,“ sagte Hawa Mohamed, Sekretärin der Barentu Spar- und Kreditvereinigung, als sie die Bedeutung des Projektes für die Frauen beschrieb. „Wir decken jetzt unsere Haushaltsausgaben. Wir können unsere Kinder zur Schule schicken, die Uniformen bezahlen und die Schulgebühren,“ sagte sie. Nach Angaben von CARE International haben die Kreditvereinigungen auch einen unschätzbaren sozialen Nutzen: Der Schaffung von Vertrauen und sozialem Kapital innerhalb der Vereinigungen, und sie sind ein wertvoller Einstieg für andere Trainings, zum Beispiel in Genderthemen und Gesundheitsfragen. „Diese Vereinigung hat eine sehr gute Beziehung zwischen uns geschaffen. Wir legen Geld zusammen und besuchen uns, wenn eine gute oder schlechte Ereignisse in ihrem Leben hat,“ sagte Bottule.

Das Durchschnittseinkommen pro Kopf in Eritrea ist etwa 130 US $ pro Jahr, berichtete der Internationale Währungsfonds im Februar. Das Land sieht sich mehreren Hindernissen für ein wirtschaftliches Wachstum gegenüber, dazu gehören anhaltende Dürre, hohe Verteidigungsausgaben, der Zusammenbruch des Handels mit dem benachbarten Äthiopien und Sudan und die Schwäche im wirtschaftlichen Management und der Regierungsführung. Trotz der stagnierenden Wirtschaft in Eritrea, wo Rationierungen und Knappheiten weit verbreitet sind, schaffen die 21 Mitglieder der Sparvereinigung in Akurdet Arbeit und ein beträchtliches Einkommen für sich selbst. „Was wir idealerweise gerne sehen würden ist, dass diese Vereinigungen zu einer kritischen Masse werden, mehr Kapital schaffen wollen und dann in der Lage sind, für weitere Kredite zur Dorfbank zu gehen,“ sagte Gilmour.

Quelle: UN-Nachrichtenagentur IRIN
Link: http://www.irinnews.org/frontpage.asp?SelectRegion=Horn_of_Africa

Buchbesprechungen

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Im Urwald verschollen

red. Bruno Manser. Spurlos verschwunden. Das letzte Lebenszeichen des Regenwaldschützers und Menschenrechtlers stammt vom 23. Mai 2000. Seither gilt er als verschollen. Er verschwand in der Baumwelt der Penan-Nomaden im malaysischen Sarawak auf der Insel Borneo. Bei ihnen hat er sechs Jahre verbracht (von 1984 bis 1990), mit ihnen das entbehrungsreiche Leben eines Urwald-Jägers und -Sammlers geteilt, gelernt, geforscht, 1000 Tagebuchseiten aufgezeichnet. Bis die Holzkonzerne mit ihren Bulldozern und Kettensägen auffuhren und die letzten Reviere der Penan angriffen. Manser organisierte ihren Widerstand, wurde zum Staatsfeind erklärt und musste flüchten. Von der Schweiz aus kämpfte er weiter; für das Überleben seiner Freunde und gegen das zerstörerische Wirtschaftssystem der technischen Zivilisation: Mit dem Aufbau des Bruno-Manser-Fonds, mit politischen Vorstössen, mit Aufklärung und spektakulären Aktionen, die national und international Echo auslösten.

Bruno Manser war ein Vielbegabter, ein Multitalent, der auch als Naturforscher, Handwerker, Sportler verblüffte. Er war Maler, Kommunikator, Schriftsteller. Ein Querdenker, hellwach, aneckend und unbequem. Seit Bruno Manser nicht mehr da ist, hat die Welt einen ihrer glaubhaftesten Verteidiger der bedrohten Lebensgrundlagen verloren. Was aber hat er bewirkt, der Wagemutige? Was hat ihn angetrieben, den humorvollen Grübler? Was ist mit ihm passiert? Und weshalb meinen manche, er lebe noch?

Bruno Manser hat gehandelt. Er hat sich kompromisslos für die Rechte der indigenen Urwaldvölker eingesetzt. Ist ihm dies zum Verhängnis geworden?

Ruedi Suter geht diesen Fragen nach und versucht sie zu beantworten. Er folgt Manser aber auch auf seinen Reisen nach Kongo-Kinshasa und Amerika, beschreibt die Beziehungen zwischen den indigenen Völkern und der Schweiz und den Kampf der Umweltschutzbewegungen. Gleichzeitig nähert er sich mit kritischem Respekt der ausserordentlichen Persönlichkeit des Verschollenen. In 23 Kapiteln zeichnet Ruedi Suter – der übrigens Mitglied des Afrika-Komitee ist – das Wirken von Manser nach. Dabei bettet er die Person und die Arbeit Mansers in einen weiteren politischen Zusammenhang ein, was auch eine gute Erinnerung an „damals“ ist. Leicht lesbar, absolut zu empfehlen, aber bedrückend für alle, die Bruno Manser persönlich gekannt haben.

Ruedi Suter, Bruno Manser, Die Stimme des Waldes, Oberhofen 2005 (Zytglogge)


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100 Jahre Genozid in Südwestafrika

hus. Die deutsche Kolonialgeschichte war im Vergleich zu derjenigen anderer europäischer Mächte geschichtlich gesehen nur ein kurzes Intermezzo. Vor allem in Afrika hat sie jedoch Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind. Die sichtbarste Hinterlassenschaft besteht in Namibia. Nebst all den leicht erkennbaren Hinterlassenschaften – Sprache, Architektur, Infrastruktur – besteht dieses Erbe jedoch auch in dem während Jahrzehnten totgeschwiegenen Konflikte im ehemaligen „Deutsch Südwestafrika“. Und dabei kommt dem vor über 100 Jahren stattgefundenen Völkermord an den Hereros grosse Bedeutung zu. 2004 – 100 Jahre nach dem Genozid – sind verschiedene Publikationen erschienen, die sich an eine vorurteilsfreie Aufarbeitung machen. Dazu gehört der von Henning Melber, der selbst aus Namibia stammt, herausgegebene Sammelband „Genozid und Gedenken“. Darin sind acht Beiträge verschiedener AutorInnen vereint. Mit den Beiträgen wird der Bogen gespannt von der geschichtlichen Darstellung des Ablaufs des Genozids bis zur Frage nach Reparationen, der bis heute ausgewichen worden ist.

Henning Melber (Hg.), Genozid und Gedenken, Namibisch-deutsche Geschichte und Gegenwart, Frankfurt/Main, 2005 (Brandes und Apsel)

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Schwarzes Gold

hus. Einzelne Gegenden Afrikas sind reich an Bodenschätzen. Deren Abbau bringt Millionen und Milliarden als Verkaufserlöse. Doch in den allermeisten Fällen versickern diese Gelder. Wohin flossen in den vergangenen Jahrzehnten die Erlöse aus der Erdölförderung Nigerias? Wohin fliessen heute die Erdölgelder Angolas? Sie erscheinen in keinem Staatshaushalt. Milliarden fliessen so in private Taschen. Im Tschad wurde die internationale Hilfe zur Erschliessung der Erdölfelder und für den Bau der Pipeline durch Kamerun an die Bedingung geknüpft, dass die Erlöse zur Entwicklung des Landes verwendet werden müssen. Doch die entsprechende Gesetzgebung ist durch die tschadischen Machthaber inzwischen annulliert worden. Die Grundlagen zur Erdölförderung, die internationale Einbettung der Erschliessung, die vereinbarte Verwendung der Erdölerträge und die kritische Begleitung des gesamten Prozesses durch NGOs ist Gegenstand des von „Brot für die Welt“ herausgegebenen und von Martin Petry verfassten Buches „Wem gehört das schwarze Gold?“. Darin wird die Entwicklung aus der Sicht eines internationalen Netzwerkes geschildert, das während Jahren die Entwicklung kritisch begleitete und sich oft zu Worte meldete. Dass heute das tschadische Modell einer sozialverantwortlichen Rohstoffförderung durch die Regierung einseitig aufgekündigt worden ist, konnte im Buch noch nicht berücksichtigt werden. Das schadet jedoch nicht, denn die sorgfältige Darstellung kann Grundlage für ein besseres Verständnis ähnlicher Prozesse und Entwicklungen bilden.

Brot für die Welt (Hg.), Martin Petry (Verf.), Wem gehört das schwarze Gold?, Engagement für Frieden und Gerechtigkeit in der Auseinandersetzung mit dem Erdölprojekt Tschad-Kamerun, Frankfurt/Main 2005 (Brandes und Apsel)


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Gesellschaft und Staat in Afrika

hus. Afrika erscheint oft als schlechte Grundlage für Gebilde, die wir als ordnungsgebende Grössen akzeptieren: Staaten. Viel eher scheinen kleinräumigere Gebilde, Familien oder Ethnien, Grundlagen eines geordneten Zusammenlebens zu sein. Der Soziologe Gerhard Hauck geht von vorkolonialen, kolonialen und postkolonialen Fallstudien aus und hilft damit, aktuelle Probleme Afrikas besser zu verstehen. Die Publikation zeichnet sich durch eine detaillierte, auf viel Fachwissen basierenden Darstellung zahlreicher gesellschaftlicher Entwicklungen aus.

Gerhard Hauck, Gesellschaft und Staat in Afrika, Frankfurt/Main 2005 (Brandes und Apsel)

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Klima der Angst

bfr. Wole Soyinka, der erste afrikanische Nobelpreisträger, nimmt in seinen politischen Einmischungen kein Blatt vor den mund. Als Gastdozent eingeladen, seine Sicht auf den Zustand der Welt darzustellen und neue Perspektiven daraus zu entwickeln, hielt er 2004 die mit hohem Ansehen belegten Reith-Lectures der BBC. Die hier versammelten Essays gründen auf dieser Vorlesungsreihe.

Wole Soyinka, Klima der Angst, Zürich 2005 (Ammann Verlag)

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Die Ausleger

bfr. Nigeria in den sechziger Jahren, kurz nach der Erlangung der Unabhängigkeit. Einige Freunde – ein Journalist, ein Angestellter im Auswärtigen Amt, ein Maler und ein Universitätslehrer-, alle etwa Mitte dreissig, versuchen, sich innerhalb der neuen nigerianischen Gesellschaft zu etablieren. Doch für gut geschulte, aber kritische Geister gibt es keinen Platz in der frisch geschaffenen Bourgeoisie. Der Anblick von käuflichen Emporkömmlingen und biegsamen Konformisten treibt sie zwangsläufig zur Flucht in den Spott oder zur Verzweiflung.

Wole Soyinka, Die Ausleger, Zürich 2002 (Ammann Verlag)

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Samarkand und andere Märkte

bfr. Die Basare in Samarkand und Teheran, die Suks von Algier und Beirut, aber auch die Börse an der Wallstreet und andere Hochburgen der Scharlatanerie, wo bis heute mit Menschen und Gottheiten gehandelt wird: Soyinka kennt sie alle und beschreibt sie in ganz und gar unkonventionellen Reisegedichten.

Wole Soyinka, Samarkand und andere Märkte, Zürich 2004 (Ammann Verlag)

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Heimkehr nach Somalia

bfr. Zwanzig Jahre hat der in Somalia geborene Jeebleh in New York im Exil gelebt – jetzt nach dem Tod seiner Mutter, kehrt er in seine Heimat zurück. Er möchte die Schulden seiner Mutter begleichen, ihr Grab besuchen und „Frieden mit ihrem Geist“ schliessen. Bei seiner Ankunft in Mogadischu findet er eine vom Bürgerkrieg zerrüttete und korrumpierte Stadt vor. Kaum hat er seinen ehemals besten Freund Bile wieder gefunden, erfährt er, dass dessen kleine Nichte immer noch verschwunden ist. Jeebleh ist entschlossen, seinem Freund zu helfen. Er will das Mädchen finden, gegen die Korruption und für die Gerechtigkeit kämpfen. Doch in der Welt, die einst sein Zuhause war, findet er sich nicht mehr zurecht. Nicht nur das Land Somalia ist ein anderes als früher, auch Jeebeh hat sich verändert, ja er ist selbst in den Augen seiner Familie und Freunde nicht länger „einer von ihnen“.

Nuruddin Farah, Links, Frankfurt 2005 (Suhrkamp Verlag)

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Faszination Namibia

bfr. Das soll Afrika sein? Feuchter Nebel wabert von der Küste her, die Kälte kriecht in alle Glieder, und an den Schildern mit deutschen Strassennamen rüttelt der Wind –in Swakopmund hat sich schon mancher verwundert die Augen gerieben. Das ferne Echo der deutschen Kolonialgeschichte ist in Namibia überall zu vernehmen. Doch der Autorin geht es bei ihrer Annäherung nicht in erster Linie um die Aufarbeitung der Vergangenheit. Sie will herausfinden, was die rätselhafte Faszination dieses Landes ausmacht, will seine Gegensätze erkunden und die Natur spüren.

Carmen Rohrbach, Namibia, München 2005 (Frederking & Thaler)

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Reiseführer Kapstadt und Garden Route

bfr. Die schroffe Westküste bietet bezaubernde Küstenabschnitte und im trockenen Hinterland einsame Berg-Landschaften. Eine Fahrt in dem wenig besuchten Gebiet entlang der Küste bis Lambertsbay und zurück über die Weinroute nach Kapstadt - dies ist einer der vielen Tipps im vielfältigen Reiseführer. Die sechste Auflage ist wiederum überarbeitet und aktualisiert worden. Gehört ins Handgepäck für Garden Route-Reisende!

Etzbach, Brockmann, Kapstadt und Garden Route, Dormagen 2006 (Iwanowski’s Reisebuchverlag)

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Tabus brechen

bfr. Chanda ist 16 Jahre alt, als ihre kleine Schwester Sara stirbt. Auch ihre beste Freundin Esther hat ihre Eltern verloren. Viele sterben, doch nennt niemand die Ursache beim Namen. Alle möglichen Krankheiten oder Unfälle werden herbeigeredet, um der Wahrheit - Aids - auszuweichen, nicht nur aus Scham, sondern auch aus Angst vor Ausgrenzung. Zuerst, als auch Chandas Mutter krank wird, versucht Chanda, ihren Verdacht zu verdrängen, schreibt es der grossen Trauer um Sara zu, glaubt und hofft immer wieder, dass die Mutter wieder gesund wird. Auch ihre Freundschaft zu Esther ist nicht unbelastet, und es wird viel gemunkelt. Als ihre Mutter aber von der Reise zu ihrer Familie nicht zurückkehrt, um Chanda und ihre Geschwister vor dem Aids- Stigma zu bewahren, macht sie sich auf die Suche nach ihr. Sie besiegt ihre Angst und ihre Scham und bricht mit dem Tabu: Sie holt die Mutter nach Hause und stellt sich mutig vor sie, indem sie sich weigert, sich und die anderen weiter zu belügen.

Ein sehr einfühlsamer und realistischer Jugendroman über Mut und Tatkraft, über eine Krankheit die durch ihre Tabuisierung viel unnötiges zusätzliches Leid hervor bringt.

Allan Stratton, Worüber keiner spricht, München 2005 (dtv junior; ab 14 Jahren)

Ali Farka Touré gestorben

Der malische Gitarrist Ali Farka Touré, einer der international bekanntesten Musiker Afrikas, ist nach langer Krankheit am 7. März 2006 gestorben.

hus. Nachdem das Kulturministerium seines westafrikanischen Heimatstaates Mali den Tod verkündet hatte, unterbrach der nationale Radiosender sein Programm, um den typischen "Mali-Blues" des Stars zu spielen. Eine verdiente Ehre für den wohl berühmtesten Bürger Malis.

Tourés genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Er galt als 67 Jahre alt. Auf seiner Visitenkarte stand „Ali Farka Touré – Künstler und Landwirt“. Touré kam 1949 in Kanau, nahe von Timbuktu, zur Welt. Das genaue Geburtsdatum wurde nicht verzeichnet. Schon als Kinder lernte er die Gurkel zu spielen, das traditionelle Saiteninstrument seines Landes. Die Schule besuchte er nicht allzu lange: Als Sohn eines Bauern arbeitete er schon in jungen Jahren auch in der Landwirtschaft. 1956 hörte er ein Konzert des Guineaner Fodeba Keïta. In der Folge begann er die Gitarre zu spielen. In den 70er Jahren spielte er mit dem Orchester von Radio Mali. 1976 nimmt er seine erste LP „Farka“ auf. Er wird national bekannt und international gewinnt er Aufmerksamkeit.

Der bekannte britische Musikjournalist und BBC-Moderator Andy Kershaw schreibt über Ali Farka Tourés Musik: "Mir wurde ganz überraschend eine Aufnahme von Ali Farka Touré zugeschickt. Ich hörte sie mir an und war überwältigt. Ich war nicht der einzige. Von allen Platten, die ich jemals im Radio gespielt hatte, rief diese die meisten Anfragen hervor. Mit ihrem rhythmisch gezupften Gitarrenstil und dem nasal und einsam klingendem Gesang war dies die westafrikanische Version des Delta Blues von Lightnin' Hopkins oder John Lee Hooker."

In den USA stellen Musikbegeisterte mit Erstaunen fest, dass aus dem Innersten Afrika ein Pendent zum Mississippi-Blues kommt. Der Grund mag darin liegen, dass beide Musiken auf einer pentatonischen Musikleiter aufbauen. Hat etwa der Blues der Sklaven der US-Südstaaten seinen Ursprung in Afrika? International bekannt wurde Touré mit seinem Album «Talking Timbuktu», bei dem er mit dem amerikanischen Gitarristen Ry Cooder zusammenarbeitete. Cooders Slide-Guitar-Klänge harmonieren perfekt zu Tourés traditioneller Gitarre. Für dieses sensationelle Album bekam er 1995 seinen ersten Grammy – der erste Grammy, der je an einen afrikanischen Musiker ging.

An der 48. Grammy-Verleihung im Februar dieses Jahres ging die Auszeichnung für die beste Produktion traditioneller Musik an Ali Farka Touré und seinen malischen Kollegen Toumani Diabaté für ihr Album “In the Heart of the Moon“ (Label: World Circuit). Das neue Album “In the Heart of the Moon“ kommt überraschend. Touré hatte nämlich angekündigt, sich vom künstlerischen Schaffen zurück zu ziehen und vermehrt auf seinem Bauernhof in der Nähe von Timbuktu zu arbeiten. Doch nun trifft der begnadete Gitarrenspieler auf einen exzellenten jungen Kora-Spieler.

Bis zu seinem Tod blieb Touré seinen ländlichen Wurzeln treu. Er widmete sich stets der Landwirtschaft. In Niafunke, 200 Kilometer südlich von Timbuktu, baute er weiterhin Reis und Obst an. Dies war seine Welt. Ihm wird nachgesagt, dass er nur dann auf Konzerttournee ging, wenn er dringend Geld für einen neuen Traktor oder ähnliches brauchte.

Ali Farka Touré hat Afrika auf der Weltkarte der Musik unüberhörbar platziert. Mali – vor allem das nördliche Mali mit Niafunke und Timbuktu – ist für viele Musikliebhaber ein Begriff geworden. Touré hat zum Verständnis und zur Anerkennung seines Landes viel beigetragen. Ein Ehrenplatz in der Galerie der grossen Söhne und Töchter Malis und der Musikschaffenden Afrikas ist ihm sicher.

Discografie

Von Ali Farka Touré sind folgende Titel erhältlich:

• Ali Farka Toure & Toumani Diabaté: In the heart of the moon
• Ali Farka Touré: Red and green
• Ali Farka Touré: Niafunke
• Ali Farka Touré: Radio Mali
• Ali Farka Touré & Ry Cooder: Talking Timbuktu
• Ali Farka Touré: The source
• Ali Farka Touré: The river
• Ali Farka Touré: 10 songs from the legendary...

Im Sommer 2006 soll noch die allerletzte neue CD herauskommen.

Das Afrika-Bulletin
Redaktion:
  • Hans Ulrich Stauffer, baud.stauffer@bluewin.ch
  • Administration, Abos und Bestellung von Einzelexemplaren des Bulletins; Mitgliedschaft im Afrika-Komitee:

Abos und Einzelexemplare:

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