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| China
und Afrika: Partnerschaft in wessen Interesse?
Beziehungen gewinnen immer mehr an Bedeutung
Chinas Handel
mit Afrika wächst stärker als jener mit den anderen
Regionen der Erde, er ist in 5 Jahren von 10 Mia. U$ auf 28
Mia. U$ (2005) gestiegen. China ist mittlerweile der grösste
Käufer von sudanesischem Erdöl und zimbabwischem Tabak.
Und auch die chinesischen Investitionen auf dem ressourcenreichen
Kontinent Afrika nehmen ständig zu. Chinas beinahe unersättlicher
Bedarf an Rohstoffen sowie die Suche nach Absatzmärkten
für seine Waren seien der Motor dieser Entwicklung, heisst
es. Doch Chinas Interessen in Afrika sind nicht nur wirtschaftlicher
Natur. Ein Beitrag von Ruedi Küng.
Wenn es Nacht wird
über Monrovia, taucht die Hauptstadt Liberias in ein unheimliches
Dunkel. Seit vielen Jahren gibt es in dem bürgerkriegsgeplagten
westafrikanischen Land keine Stromversorgung mehr. Die LURD-Rebellen,
die den ehemaligen Warlord und späteren Präsidenten
Charles Taylor erfolgreich bekämpft hatten, haben die Infrastruktur
zerstört, Fabrikanlagen demontiert und die Stromleitungen
heruntergeholt und als Altmetall verkauft. Strom hat nur, wer
einen Generator besitzt und zu betreiben vermag. Dank China
sind dies mehr und mehr Leute. Das Produkt heisst "Tiger",
und ist konkurrenzlos günstig. Und so beginnt, wenn es
Nacht wird über Monrovia, auch eine Kakophonie von Generatormotoren,
von denen viele nicht mehr als 1'500 Watt Leistung abgeben.
Im benachbarten Sierra Leone ist es nicht anders.
Ex oriente
lux – Licht dank China
Generatoren sind
nicht die einzigen chinesischen Güter, die man immer zahlreicher
auf afrikanischen Märkten findet, bei weitem nicht. Wie
bei uns werden auch in Afrika immer mehr Kleider, Haushaltgegenstände,
Werkzeuge, Apparate und so weiter aus China zum Kauf angeboten.
Oft tun dies chinesische Händler auf eigene Initiative
und Rechnung, und man findet sie mit ihren Shops auch in abgelegenen
Gebieten, die von den traditionellen Händlern libanesischer
oder indischer Abstammung gemieden werden, sagt Chris Alden
von der London School of Economics (vgl. dazu den folgenden
Artikel). Die chinesischen Händler treten denn auch oft
in direkte Konkurrenz mit den lokalen Marktleuten und sind deswegen
vielerorts in Afrika nicht gern gesehen. Darüber hinaus
haben sich seit 1995 rund 600 chinesische Unternehmen in Afrika
niedergelassen, und es kommen auch immer mehr Touristen aus
China nach Afrika.
Dann sind da auch
noch die staatlichen chinesischen Akteure. Sie sorgen etwa dafür,
dass heruntergekommene Regierungs- und Verwaltungsgebäude
sowie Sportstadien - oft chinesischer Bauart aus kommunistischer
Zeit - renoviert und wieder funktionstüchtig gemacht werden,
und sie investieren auch in die Landwirtschaft und in die Infrastruktur.
Die regierungsstützende Wirkung solcher Tätigkeit
wird von den afrikanischen Machthabern natürlich begrüsst,
und sie ist nach Chris Alden von der chinesischen Führung
auch beabsichtigt.
Strategische
Partnerschaften
Es handelt sich um
eine strategische Partnerschaft, die 2000 in Peking auf dem
ersten sino-afrikanischen Forum begründet und 2003 in Addis
Abeba bekräftigt wurde. Anlässlich seines Besuchs
in mehreren afrikanischen Ländern - Kapverden, Senegal,
Mali, Liberia, Nigeria und Libyen - versicherte Chinas Aussenminister
Li Zhaoxing anfangs dieses Jahres, dass diese Partnerschaft
für beide Seiten gewinnbringend sei. Sicher ist, dass sie
dem aufstrebenden Reich der Mitte, das an Afrikas unermesslichen
Ressourcen interessiert ist, Vorteile bringt.
Die Liste wichtiger Rohstoffe, die China für seine Entwicklung
benötigt, ist lang: Titan, Platin, Coltan, Erze und Hölzer
... An erster Stelle aber steht Erdöl, China ist mittlerweile
zweitgrösster Erdölkonsument der Welt. Chinesische
Grossinvestitionen in Sudan, Angola und Nigeria sind Ausdruck
dieses langfristigen Interesses, ebenso die guten Beziehungen
zu den Ländern am Golf von Guinea in Westafrika, deren
Erdölvorräte noch nicht erschlossen sind.
Mugabe: Look
East!
Dabei hält sich
Chinas Regierung strikt an das Prinzip der Nichteinmischung
in die inneren Angelegenheiten der betroffenen Länder und
stellt keinerlei Bedingungen in Bezug auf Menschenrechte. Einzige
Kondition für Beziehungen ist die Anerkennung des Ein-China-Prinzips,
das heisst der diplomatische Bruch mit Taiwan. Das eröffnet
afrikanischen Ländern wie etwa Zimbabwes neue Perspektiven.
So gab Robert Mugabe nach seinem Zerwürfnis mit dem Westen
als erster in Afrika die Parole: Look East! aus. Er stattete
China mehrere längere Besuche ab, führte trotz Flugzeug-
und Flugbenzinmangel Linienflüge zwischen Zimbabwe und
China ein und wies die Schulen an, Mandarin-Chinesisch als Pflichtfach
einzuführen.
Unklar ist bis heute,
ob chinesisches Geld Zimbabwe erlaubt hat, seine Schulden beim
IWF soweit abzubauen, dass es einen Ausschluss verhindern konnte.
Allerdings wird Mugabes Neuausrichtung nach Osten von einheimischen
Unternehmern belächelt, weil sie keinen Nutzen für
Zimbabwe erkennen können. "Die Chinesen tun nichts
umsonst, sondern wollen für alles Dollar sehen", meinte
vor kurzem einer von ihnen, dessen Geschäfte trotz - oder
wegen - des wirtschaftlichen Niedergangs gut laufen.
Dass China sich aber
durchaus als profitable Alternative zum Westen anbietet, zeigt
der Fall Sudan. Nachdem sich westliche Erdöl-Firmen unter
öffentlichem Druck wegen der kriegerischen und menschenrechtsverletzenden
Politik des sudanesischen Regimes aus dem grössten Land
Afrikas zurückziehen mussten, errichtete Chinas staatliche
Erdölindustrie noch während des Krieges im Süden
Erdölförderanlagen in den südlichen Ölfeldern
und baute eine Pipeline ans Rote Meer. Dass sie dafür ausschliesslich
chinesische Ingenieure und Arbeiter einsetzte - so wie es auch
andere chinesische Unternehmen in Afrika zu tun pflegen - ,
trug ihr bei der sudanesischen Bevölkerung wenig Sympathie
ein.
Ressourcen,
Märkte, Allianzen
Dafür stärkte
der Geldsegen das Regime in Khartum wie nie zuvor. Auch lassen
die schweren Menschenrechtsverletzungen des sudanesischen Regimes
in der Region Darfur Chinas Führung kalt. Vielmehr hat
China als Vetomacht im UNO-Sicherheitsrat energische Massnahmen
gegen Sudans Führung bis heute verhindert, und diese mit
Waffenverkäufen zusätzlich gestärkt. (Wobei festzuhalten
ist, dass China sich im Waffengeschäft nicht anders als
der Westen verhält, wenn es freundschaftlichen Regierungen
eigene Waffensysteme verkauft.)
China geht es in
Afrika eben um mehr als um Ressourcen, ist Chris Alden überzeugt.
Die chinesische Führung erkenne bei vielen afrikanischen
Regierungen eine ähnliche Interessenlage und sei deshalb
bestrebt, bestehende afrikanische Regime zu stützen. So
etwa verteidige Chinas Regierung die staatliche Souveränität,
die sie durch westliche Einmischung und Bedingungen - etwa in
der Frage der Menschenrechte und der guten Regierungsführung
- angetastet sehe. Das Selbe trifft auf afrikanische Länder
zu, die als Entwicklungsländer um ihre Souveränität
und um die Erhaltung ihrer Regime besorgt sind, und die die
Ungleichgewichte im internationalen Polit- und Wirtschafts-System
sowie die Dominanz des Westens, insbesondere der USA, mit Sorge
erfüllen. Insofern verfolge China mit seinem Engagement
in Afrika ein langfristiges Interesse, analysiert Chris Alden,
und sehe die afrikanischen Staaten als gute Partner auf internationaler
Ebene. Afrikas 53 Staaten seien in Organisationen wie der UNO
oder der Welthandelsorganisation ein gewichtiges Stimmpotenzial.
Versorgung mit Ressourcen,
Eröffnung neuer Märkte, politische Allianzen im internationalen
Kontext - dafür hat China in Afrika schon zahlreiche Partner
gefunden. Wenn umgekehrt viele afrikanische Staaten darauf hoffen,
dass China ihre Abhängigkeit vom Westen reduzieren werde,
dürfen sie sich keine allzu grossen Hoffnungen machen.
Denn für eine rasche, massive wirtschaftliche Entwicklung
des afrikanischen Kontinents fehlt es China an ökonomischer
Potenz. Und wohl auch an Interesse. Denn China geht es in erster
Linie um seine eigene Entwicklung zur Wirtschaftsmacht, ist
Chris Alden überzeugt und einer Meinung mit dem zitierten
zimbabwischen Unternehmer. China kann auf absehbare Zeit für
Afrikas Regierungen wohl ein neuer Partner, aber kein Ersatz
für den Westen sein.
Ruedi Küng
ist Afrikakorrespondent von Schweizer Radio DRS
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Chinas bedeutende Rolle in Afrika
Was steckt hinter den Wirtschaftsbeziehungen?
Das Kompetenzzentrum
Friedensförderung (KOFF) von swisspeace organisierte am 1. Dezember
2005 eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „China in Afrika
– mit Fokus auf Sudan und Angola“ mit Gastredner Chris Alden
von der London School of Economics. Eine Zusammenfassung.
Chinas Rolle in Afrika
gewann infolge der Krise in Darfur und der chinesischen Verhinderungspolitik
bezüglich UN-Sanktionen gegen den Sudan erstmals die internationale
Aufmerksamkeit und wurde im letzten Jahr zum Schwerpunktthema
einer Reihe von Denkfabriken und Publikationen. Die chinesische
Regierung begründete ihre neue Afrikapolitik allerdings
bereits Mitte der 1990er Jahre und zwar auf den „Fünf
Prinzipien des Friedlichen Zusammenlebens“: Freundschaft,
Gleichheit, Gegenseitigkeit, Souveränität und Nicht-
Einmischung in innere Angelegenheiten. Im Hinblick auf das 2006
in Beijing stattfindende multilaterale China-Afrika-Forum hat
das chinesische Aussenministerium am vergangenen 12. Januar
2006 in einem neuen Grundsatzpapier die Prinzipien und Ziele
seiner Afrikapolitik noch einmal öffentlich dargelegt.
Chinas Politik
und deren Vorteile für Afrika
Nach Alden beruhen
die Hauptinteressen von Chinas langfristig angelegter Afrikastrategie
auf vier Pfeilern: Ressourcensicherheit im Energiesektor und
in der Landwirtschaft, Erschliessung neuer Handelsmärkte
und Investitionsmöglichkeiten, Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit
und strategische Partnerschaften im Hinblick auf die Unterstützung
des afrikanischen Blocks in multilateralen Institutionen.
Seit dem ersten Forum
der China-Afrika-Zusammenarbeit im Jahr 2000 in Peking ist das
chinesische Handelsvolumen mit Afrika wie in keiner anderen
Weltregion explosionsartig in die Höhe geschnellt. Heute
ist China nach Frankreich und den USA der drittwichtigste Handelspartner
Afrikas. Im Erdölsektor deckt China bereits 30 Prozent
seines Bedarfs aus diesem Kontinent ab, zum grossen Teil aus
Sudan und Angola, bald auch aus Nigeria. In den nächsten
fünf Jahren soll sich der Handel mit Afrika gemäss
Chinas Plänen nochmals verdreifachen. Obwohl auch die Bevölkerung
vom Zustrom billiger chinesischer Waren profitiert, ist die
Zusammenarbeit mit China vor allem für die afrikanischen
Regierungseliten attraktiv. Für viele ist China ein Vorbild
wegen seines wirtschaftlichen Erfolgs ohne politische Reformen,
die gerade von schwachen afrikanischen Regierungen als Bedrohung
empfunden werden. Afrikanische Länder können zudem
ihre Verhandlungsposition gegenüber dem Westen verbessern,
indem sie China als mächtige Alternative herbeiziehen und
ihre Partnerschaften umstellen oder ausweiten. Anreize dazu
schafft China mit „weichen“ Krediten, Schuldenerlass,
Direktinvestitionen in Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie,
Militärhilfe sowie Stärkung der Kapazitäten von
Verwaltung, Militär und anderen Fachkräften.
Anders als viele
westliche Investoren und Geber investiert China zudem auch in
Hochrisikoländer und in prestigeträchtige Grossprojekte.
Ausserdem hebt sich die von China propagierte Süd-Süd-Zusammenarbeit
mit Wirtschafts- und Entwicklungshilfe ohne politische Bedingungen
für einige afrikanische Regierungen wohltuend von den Vorbehalten
westlicher Geber und „Bretton Woods“- Institutionen
ab. Schliesslich ist China für Afrika ein willkommener
strategischer Partner im UN-Sicherheitsrat, in der Welthandelsorganisation
und in anderen multilateralen Organisationen.
Chinas Griff
nach Afrika beunruhigt den Westen
In den USA gibt Chinas
rasanter Vorstoss in Afrikas Erdölsektor aus geostrategischer
und sicherheitspolitischer Sicht Anlass zur Besorgnis. Wie China
versuchen auch die USA in Afrika ihre Energiequellen zu diversifizieren.
2005 hielt der US-Kongress Hearings zum Einfluss Chinas in Afrika
ab, vor dem auch eine Studie des einflussreichen „Council
on Foreign Relations“ (vgl. Link) nachdrücklich warnt.
Auch westliche Nichtregierungsorganisationen
sind besorgt über Chinas Modell internationaler Zusammenarbeit
ohne politische Bedingungen. So wird China vorgeworfen, mit
seiner diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen
Unterstützung von so genannten „Pariaregimes“
wie im Sudan und in Zimbabwe den internationalen Druck zu Demokratisierung
und Einhaltung der Menschenrechte auszuhöhlen. Mitglieder
der Transparenzkampagne „Publish What You Pay“ warnen,
China untergrabe internationale Antikorruptionsbemühungen
im Erdölsektor. In Angola haben es beispielsweise ölgestützte,
„weiche“ chinesische „Jumbokredite“
der Regierung ermöglicht, Handlungsspielraum zu gewinnen,
ohne die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds
oder einer allfälligen internationalen Geberkonferenz erfüllen
zu müssen. Aus entwicklungspolitischer Sicht schadet ausserdem
das zunehmende Handelsungleichgewicht zugunsten Chinas langfristig
der Entwicklung in afrikanischen Ländern.
Das Ende
der Flitterwochen?
Diese alarmierenden
Perspektiven seien laut Alden insofern zu relativieren, als
die Darfurkrise die internationale Aufmerksamkeit auf Chinas
Afrikastrategie gelenkt und damit die ungestörten „Flitterwochen“
mit Afrika beendet habe. So sei es möglich, dass China
seine Afrikapolitik längerfristig den internationalen Normen
anpassen wird. Ein Anreiz dafür ist der Zugang zu den internationalen
Börsen, an welche chinesische Firmen drängen. Auch
haben Normen der Afrikanischen Union (AU) zu Menschenrechten,
„Guter Regierungsführung“ und einer aktiven
Friedenspolitik in vielen afrikanischen Ländern bereits
Wurzeln geschlagen. China könnte daher seine Afrikapolitik
der AU-Orientierung angleichen.
Für diesen Trend
spricht die Entsendung chinesischer UNO-„Peacekeeping“-
Einheiten in afrikanische Konfliktregionen, wie auch die chinesische
Unterstützung der Mission der Afrikanischen Union (AU)
im Sudan. In ihrem neuen Grundsatzpapier bekräftigt die
chinesische Regierung denn auch ihre Zusammenarbeit mit der
AU in allen Bereichen, verspricht, das Handelsungleichgewicht
zwischen China und afrikanischen Ländern zu verringern,
und erklärt die Erfüllung der „Millenium Development
Goals“ als ein Ziel der chinesischen Aussenpolitik in
Afrika.
Herausforderung
für westliche Akteure
Die Teilnehmenden
an der KOFF-Veranstaltung waren sich darin einig, dass es der
Westen generell vermeiden sollte, gegenüber Chinas Afrikapolitik
„doppelte Standards“ anzuwenden. Auch westliche
Firmen und multinationale Konzerne verpflichteten sich in Afrika
nicht immer gegenüber Transparenz, „Guter Regierungsführung“
und Menschenrechten. Auch westliche Staaten unterstützten
zuweilen aus macht- und interessenpolitischen Gründen korrupte
und autokratische Regimes. Zudem täten sie sich schwer
mit dem seit langer Zeit geforderten Schuldenerlass. Im Weiteren
sollte die Rolle anderer, nicht westlicher Akteure in Afrika
wie Brasilien, Japan und Indien nicht vernachlässigt werden,
hiess es an der Tagung. Die zunehmende Bedeutung Chinas und
anderer nicht westlicher Akteure in Afrika sei für Entscheidungsträger
in Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen in vielerlei
Hinsicht eine Herausforderung.
Dieser Artikel
von Lisa Rimli erschien im KOFF-Newsletter Nr. 44 vom 1. Februar
2006.
swisspeace / KOFF - Kompetenzzentrum Friedensförderung
: http://www.swisspeace.org/koff/default.htm
Literaturhinweise:
- Denis M. Tull,
Die Afrikapolitik der Volksrepublik China, Stiftung Politik
und Wissenschaft, Studie 20/2005.
- Der Überblick,
Schwerpunktthema: Chinas Griff nach Afrika (4/2005).
- Chris Alden,
China in Africa, Survival 3/2005, pp.147-164 (als PDF erhältlich
bei KOFF).
- Council on Foreign
Relations: More than Humanitarianism. A Strategic U.S. Approach
to Africa. Independent task force report, December 2005.
- Ministry of Foreign
Affairs of the People’s Republic of China: China’s
African Policy, January 2006. Im Hinblick auf das 2006 in
Bejing stattfindende multilaterale China-Afrika-Forum hat
das chinesische Aussenministerium in einem neuen Grundsatzpapier
die Prinzipien und Ziele seiner Afrikapolitik dargelegt: http://www.fmprc.gov.cn/eng/zxxx/t230615.htm
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Angolas
interessante Nachkriegswirtschaft
Der „sanfte“
Kampf um Einfluss in Angola
Nach dem Ende des 27 Jahre dauernden Bürgerkrieges
mit der UNITA bat die angolanische Regierung 2002 vergeblich
um eine internationale Geberkonferenz für den Wiederaufbau.
Nach Human Rights Watch „verschwanden“ 1997 bis
2002 mehr Erdöleinnahmen als an Hilfsgeldern ins Land flossen:
über vier Milliarden Dollar. Westliche Geber forderten,
Angola müsse zunächst die Regierungsführung und
Transparenz über Öleinnahmen verbessern und ein Beobachtungsprogramm
mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbaren.
Druckversuchen des Westens traditionell abgeneigt, wertete die
angolanische Regierung diese Vorbehalte als „Diskriminierung“
und „Einmischung in innere Angelegenheiten“. Ein
Bericht von Lisa Rimli.
Doch das anhaltende Ölpreishoch
und der zunehmende globale Verteilkampf um afrikanisches Erdöl
ermöglichten es Angola, an Einfluss zu gewinnen und den
Kreis seiner traditionellen Partner Portugal und Brasilien mit
China und Indien als neue Akteure zu erweitern. Während
die USA als Angolas wichtigste geostrategische Partner die Forderungen
des IWF unterstützten, schlug China einen anderen Weg ein.
2004 bot die chinesische Exim Bank einen Kredit von über
zwei Milliarden Dollar für den Wiederaufbau, um angolanische
Ölquellen vor der indischen Konkurrenz zu sichern. Dieser
„weiche“ Kredit legte den Grundstein für eine
neue strategische Partnerschaft in gegenseitigem Interesse.
Mit diesem „Entwicklungshilfeangebot“
stärkte China die Position der angolanischen Regierung
gegenüber westlichen Gebern und dem IWF und gewann innerhalb
kurzer Zeit Einfluss im Patronagenetzwerk um den angolanischen
Präsidenten. Der rasche Wiederaufbau in Form von grossen
Infrastrukturprojekten entspricht dem Bedürfnis der Regierungspartei
MPLA und des Präsidenten José Eduardo dos Santos,
ihr von Misswirtschaft und Korruption angeschlagenes Image zu
verbessern, und kommt ihrer Vision von „Entwicklung“
entgegen.
Erdöl als Dreh- und Angelpunkt
Bereits im Februar 2006 überrundete Angola
Saudi-Arabien als wichtigsten Erdöllieferanten Chinas und
liefert nun 15% der chinesischen Erdölimporte. Chinesische
Firmen renovieren nicht nur die Basisinfrastruktur, sondern
erhielten auch den Zuschlag für teure Prestigeprojekte,
wie die Ölraffinerie in Lobito für drei Milliarden
Dollar, oder den neuen Flughafen von Luanda. Chinesische Unternehmen
fassten auch Fuss im Diamantensektor, der Landwirtschaft, Industrie
und Telekommunikation. Bis zu 10'000 chinesische Unternehmer
sollen in den letzten Jahren Angola besucht haben, und die wichtigsten
in Angola tätigen chinesischen Firmen haben sich in einer
Handelskammer organisiert. Weitere chinesische Kredite für
den Wiederaufbau und Direktinvestitionen im Erdölsektor
mit einer Gesamtsumme von bis zu sechs Milliarden Dollar sind
zur Zeit in Verhandlung. Angola wird zudem wohl auch vom Schuldennachlass
profitieren, den China dieses Jahr den ärmsten portugiesischsprachigen
afrikanischen Ländern versprochen hat. Wie die USA, die
ihre Erdölimporte aus Angola bis 2010 auf 8% ihres Bedarfs
zu steigern planen, bietet unterdessen auch China militärische
Ausbildung.
Die neue Partnerschaft mit China hat für
die angolanische Gesellschaft aber auch Schattenseiten. Denn
weder die auf dem Erdöl basierende Hochkonjunktur noch
der Bauboom bringen der armen Bevölkerungsmehrheit eine
spürbare Verbesserung ihrer Lebensbedingungen. Chinesische
Firmen erhalten gemäss Kreditverträgen den Löwenanteil
der Bauaufträge und holen dafür eine grosse Zahl chinesischer
Vertragsarbeiter ins Land. Diese andere Art der „Diskriminierung“
führt allmählich zu Unmut bei Oppositionsparteien
und Gewerkschaften, aber auch innerhalb der MPLA-Basis. Die
chinesischen Kreditverträge wurden dem Parlament nie vorgelegt,
und es gilt als wahrscheinlich, dass davon auch Gelder in den
Wahlkampf fliessen werden. Doch während der Wiederaufbau
auf Hochtouren läuft, und die Wirtschaft dank dem Erdölboom
2007 voraussichtlich um 27% wachsen wird, zögert der angolanische
Präsident, einen Termin für die seit Kriegsende immer
wieder verschobenen Wahlen festzulegen. Denn nicht nur China
und Indien sehen in Angola trotz Korruption und extremer Armut
zur Zeit ein Eldorado, sondern zunehmend auch westliche Investoren,
Banken und Gläubigerländer. Letztere, wie unter anderen
bereits Portugal, Polen, Spanien und Deutschland, sehen in einer
bilateralen ölgestützten Umschuldung nicht zuletzt
auch einen Weg, um an lukrative Investitionsmöglichkeiten
in Angola zu gelangen.
Lisa Rimli ist wissenschaftliche Mitarbeiterin
von swisspeace in Bern. |
Prinzipien
und Pragmatismus
Gigantisches
Ausmass der wirtschaftlichen Beziehungen
Innerhalb
weniger Jahre ist China in Afrika zu einem unübersehbaren
Wirtschaftspartner aufgestiegen. Afrikanische Märkte werden
überschwemmt von chinesischen Produkten. Andererseits tritt
China als Käufer gigantischer Rohstoffmengen auf.
hus. Die Prinzipien
„Freundschaft, Gleichheit, Gegenseitigkeit, Souveränität
und Nicht-Einmischung in innere Angelegenheiten“ haben
Kontinuität: Bereits an der ersten Tagung der Blockfreien
in Bandung 1955 hat der Aussenminister der erst vor wenigen
Jahren ausgerufene Volksrepublik China, Tschou En-lai, proklamiert:
„Wenn wir den Prinzipien der gegenseitigen Achtung der
Souveränität und der territorialen Integrität,
des Nichtangriffs, der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten
anderer, der Gleichberechtigung und des gegenseitigen Vorteils
folgen, kann die friedliche Koexistenz von Ländern mit
unterschiedlicher Gesellschaftsordnung verwirklicht werden.“
Was früher insbesondere
für die politische und militärische gegenseitige Nichteinmischung
bestimmt war, kann heute bruchlos auch als Prinzip für
die weltweite chinesische Wirtschaftspolitik gelten: Nichteinmischung
in innere Angelegenheiten, Handel zum gegenseitigen Vorteil.
Exorbitante
Ausweitung im Handel
Die Beispiele sind
vielfältig. In afrikanischen Publikationen wird beinahe
wöchentlich über neue Handelbeziehungen oder Investitionen
eingegangen. Ein paar Beispiele: Die Baumwollexporte Afrikas
nach China haben sich von 15'000 Tonnen im Jahre 1999 auf 535'000
Tonnen 2005 explosionsmässig vervielfacht (im Vergleich:
Exporte aus den USA nach China: 1999: 13'000 Tonnen, 2005: 1'203'000
Tonnen!). Unmittelbar nach dem Beschluss, die nächste Commonwealth-Konferenz
2007 in Entebbe (Uganda) abzuhalten, haben chinesische Unternehmen
begonnen, den alten Präsidentenpalast zu renovieren. Der
Handel zwischen Algerien und China ist seit 2005 um 43% gestiegen
– China investiert zudem 500 Mio. US$ in Algerien.
Umgekehrt breitet
sich chinesische Handelsware über ganz Afrika – wie
auch sonst weltweit – aus. Dies bringt Vor- und Nachteile.
Billige, oft qualitativ minderwertige Produkte konkurrenzieren
direkt afrikanische Produzenten. Chinas Textilexporte nach Südafrika
haben in den letzten 9 Monaten 2005 um 40 Prozent zugenommen.
Grosse südafrikanische Texilfabriken stehen vor dem Aus
oder mussten bereits schliessen, so etwa KwaZulu-Natals grösste
Textilfabrik Whiteheads. Andererseits gelangen Massenkonsumgüter,
die es bisher nicht gab oder die sehr teuer waren, auf afrikanische
Märkte (vgl. dazu den Artikel: Beihuo-Shops in Afrika)
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Baihuo-Shops
auf Kapverde
Chinesische Händler in Afrika
Wer periodisch die kapverdischen Inseln
besucht, stellt verwundert fest, dass nahezu auf allen Inseln
immer mehr chinesische Läden existieren. Einzelne chinesische
Restaurants gab es schon vor zwanzig Jahren. Neu ist, dass es
„lojas chinês“ heute bald in jeder grösseren
Siedlung gibt.
hus. Eine chinesische Zuwanderung gab es in
der Zeit der portugiesischen Kolonialherrschaft und in den ersten
Jahren nach der Unabhängigkeit (1975) nicht. Kapverde als
kleine, abgeschiedene Inselrepublik war kein Ziel. Erst in den
90er Jahren kamen die ersten chinesischen Händler nach
Kapverde. Heute wird die Zahl chinesischer Einwanderer auf 200
bis 300 geschätzt, dies bei einer Gesamtbevölkerung
von 400'000 Menschen. In allen grösseren Städten wie
Praia, Mindelo, S. Felipe (Fogo), gibt es heute mehrere Beihuo-Läden,
die unübersehbar sind.
Nahezu alle der zugewanderten Chinesen stammen
aus der Region Wenzhou im Süden der Küstenprovinz
Zhejiang. Offensichtlich haben sich Verwandte und Bekannte im
Sinne einer Kettenimmigration nachgezogen. Dabei profitierten
sie von der seit 1978 liberalisierten Auswanderungspolitik der
VR China. Die ersten Destinationen waren jedoch nicht abgeschiedene
Gebiete wie Kapverde, sondern die Transformationsländer
Ost- und Mitteleuropas.
Grosse Nachfrage nach billigen Produkten
Erst nachdem diese Märkte gesättigt
waren, wurden „Nischenmärkte“ gesucht –
und in Kapverde gefunden. Hier bestand nicht schon ein grosses
Angebot, auch war der Markt nicht schon von anderen, früher
zugewanderten chinesischen Händlern besetzt. Neben dem
Vakuum an Angeboten gab es in Kapverde zudem eine – im
Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern – hohe
Kaufkraft. Wurden Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs
bislang meist von den Übersee-Kapverder nach Kapverde geschickt
oder bei ihren Heimaturlauben mitgebracht, werden diese Gegenstände
nun in den „lojas chinês“ gekauft.
Doch die Bäume wachsen nicht in den Himmel.
2003 gab es in der nördlichen Hafenstadt Mindelo bereits
27 chinesische Geschäfte. Dies führte zu verschärfter
Konkurrenz unter den Chinesen. Die Folge: Die Preise sinken.
Baihuo-Läden verkaufen meist die gleiche Ware: Kleider,
Schuhe, Reiseutensilien (Koffer, Taschen), Kleinkram, Küchengeschirr
etc. In der Weihnachtszeit wird das Angebot um Spielsachen erweitert.
Die Ware ist billig – und qualitativ meist schlecht.
Die meisten chinesischen Händler fahren
ein- bis zweimal jährlich nach China und kaufen dort direkt
jeweils einige hundert Exemplare in den Fabriken oder in den
Grossmärkten ein, am meisten auf dem Grossmarkt der Stadt
Yiwu. Dann wird die Ware per Container nach Kapverde verschifft.
Um alle Kosten zu decken, also auch Transport und Zoll, wird
die Ware in Kapverde etwa zum dreifachen Ankaufspreis verkauft.
Vor dem Aufkommen der Baihuo-Länden wurden
ähnliche Waren meist auf offenen Märkten angeboten.
Die vorwiegend auch aus Asien stammende Ware war jedoch durch
mehrere Hände gegangen und entsprechend verteuert. In den
Chinaläden wird nun die gleiche Ware spürbar billiger
angeboten. Die Markthändler können nicht mehr mit
den chinesischen Direktimporteuren konkurrieren. Traditionelle
Läden, die Waren im mittleren Preissegment führten,
haben ebenfalls ob der chinesischen Konkurrenz gelitten. Keine
Konkurrenz besteht zu Anbietern qualitativ hochwertiger und
entsprechend teurer Ware, die aus meist aus Europa kommt und
für eine kleine kaufkräftige Schicht angeboten wird.
In Kapverde geniessen chinesische Händler ein eher hohes
Ansehen. Sie gelten als Geschäftsleute, die etwas bewegen.
Das Angebot an billigen Waren wird geschätzt. Eine typische
Aussage: „Seit es Beihuo-Läden gibt, müssen
die Kinder nicht mehr barfuss zur Schule gehen.“
Sättigung des Marktes
Das Warnangebot hat sich im Verlauf der Jahre
gewandelt. Neu tauchen auch Kosmetik-Artikel auf. Oder Produkte
aus anderen Ländern, insbesondere aus Brasilien, werden
ins Sortiment aufgenommen. Nebst dem Einzelhandel ist zusätzlich
ein weiterer Absatzkanal aufgebaut worden: der Grosshandel.
Chinesische Händler beliefern afrikanische Kleinhändler.
Dabei handelt es sich um Einwanderer aus Westafrika. Diese ziehen
dann als fliegende Händler oder Hausierer durch das Inselinnere
und bieten ein Sammelsurium von Büstenhalter, Zahnpasta,
Gürtel und Sonnenbrillen an - gerade das, was sie auf ihre
Wanderschaften mitnehmen können. So werden ganz neue Märkte
erschlossen.
Die meisten Beihuo-Läden haben chinesisches
Personal. Nebst dem Firmeninhaber und seiner Familie werden
oft junge Chinesen engagiert. Ihnen wird Kost und Logis gegeben.
Für das Flugbillet arbeiten sie die ersten Monate, wenn
nicht gar Jahre gratis. Kapverder werden angestellt, um Kunden
zu beraten und darauf zu achten, dass nichts gestohlen wird.
Der Lohn für Kapverder liegt bei 7000 bis 8000 Escudos
im Monat (ca. 120 Franken), dies bei einer 45-Stunden-Woche.
Der kapverdische Markt ist nun gesättigt
und die Konkurrenz ist gross. Immer mehr chinesische Händler
versuchen nun, auf das afrikanische Festland auszuweichen. Dabei
stehen die portugiesischsprachigen Länder, namentlich Angola
und Mozambique, im Vordergrund. Ihren Laden auf Kapverde behalten
sie und lassen ihn durch Verwandte führen. Erst wenn auf
dem Festland Fuss gefasst und der neue Standort stabilisiert
ist, wird allenfalls das frühere Geschäft aufgegeben.
Diese Zusammenfassung
basiert auf einer Fallstudie aus den Jahren 2002 und 2003 von
Heidi Ostbo Haugen und Jorgen Carling, publiziert unter dem
Titel „On the edge of the Chinese diaspora: The surge
of baihuo business in an African City“, erschienen in
„Ethnic an Racial Studies“, Vol. 28; July 2005.
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| Afrika
in Kürze
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Afrika
Wirtschaftsfreiheit
Wie kann sich eine
nationale Wirtschaft entwickeln? Wie frei sind Unternehmer?
Seit 1993 ermittelt das Wall Street Journal im Auftrag der Heritage
Foundation die Rahmenbedingungen für unternehmerische Aktivitäten.
Rund zehn Kriterien werden dabei berücksichtigt, etwa die
Regierungspolitik, der Schutz des Eigentums, die Steuerlast
etc. 157 Länder wurden nun wieder geratet, anfangs Januar
wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Auch wenn fraglich
sein kann, ob schrankenlose Freiheiten für Unternehmer
per se erstrebenswert sind, gibt die Studie doch Hinweise auf
das Wirtschaftsklima. Oben aus schwingt Hong Kong, das auf der
Skala von 1 – 5 1,28 Punkte erhält. Grossbritannien
belegt Platz 5 mit 1,74 Punkten, die USA Platz 9 (1,84), die
Schweiz Platz 15 (1,89). Insgesamt werden 20 von 157 Staaten
als Freie Wirtschaften bezeichnet, 52 als „quasi-frei“,
73 als „quasi repressiv“ und 12 als „repressiv“.
Und wie schliessen
afrikanische Staaten ab? Als „wirklich frei“ –
also in die Spitzenklasse – fällt kein Land. Al „quasi
frei“ schaffen es immerhin 5 Länder: Botswana (30.
Rang; 2,29 – im Vergleich: wie Japan), Kapverde (46; 2,69
– im Vergleich: wie Frankreich), Südafrika (2,74),
Madagaskar (2,75) und Uganda (2,95). 37 Staaten fallen in die
Kategorie „quasi repressiv“, Nigeria (4,0), Libyen
(4,16) und als Schlusslicht Zimbabwe (4,23) fallen in die Kategorie
der repressiven Länder.
Link:
www.heritage.org/index
...........................................
Zimbabwe
Mugabes Sicht der Dinge
Am 23. Februar feierte
Zimbabwes Präsident Robert Mugabe seinen 82. Geburtstag.
In einem Fernsehinterview vermittelte er der Nation seine Sicht
der Dinge. So ist die Wirtschaftskrise im Land – Zimbabwe
ist eines von drei afrikanischen Ländern, in denen die
Wirtschaft schrumpfte, umliegende Länder weisen ein beachtliches
Wirtschaftswachstum auf - auf das schlechte Wetter und die internationalen
Sanktionen zurückzuführen. Der Druck von neuen Banknoten
zu immer höheren Nennwerten erleichtert nach Mugabe die
wirtschaftliche Lage – Zimbabwe hat heute die höchste
Inflationsrate der Welt! Kritisiert wurde US-Präsident
Bush, der britische Premierminister Blair und Homosexuelle.
Afrikanische Führer, die seine Wiederwahl 2002 kritisiert
hatten, nannte er Dummköpfe und wünschte ihnen, zur
Hölle zu fahren.
Trockene
Tankstellen
Anfangs Februar wurden
südafrikanische Firmen vom Departement für Mineralien
und Treibstoff aufgefordert, keine weiteren Treibstofflieferungen
nach Zimbabwe mehr vorzunehmen. Begründet wurde dies damit,
dass Südafrikas Raffineriekapazität ausgelastet sei
und Engpässe im eigenen Land drohen. Südafrika selbst
produziert 30 Mia. Liter Benzin im Jahr und braucht davon selbst
22 Mia. Liter. Der Rest ging in der Vergangenheit nach Namibia,
Botswana und Swaziland. Um ein Grounding zimbabwischer Flugzeuge
zu verhindern oder das Auftanken ausländischer Flugzeuge
für den Rückflug zu ermöglichen, hat Südafrika
auch verschiedentlich notfallmässig Flugbenzin auf dem
Landweg nach Harare und Victoria Falls bringen müssen.
Zimbabwische Tankstellen haben zudem zunehmend ihren Bedarf
durch südafrikanischen Zukäufe gedeckt, nachdem die
staatliche „National Oil Company“ bankrott ging.
Auch über die Beira-Öl-Pipeline, die zwischen dem
moçambiquanischen Hafen Beira und der ostzimbabwischen
Stadt Mutare besteht, gelangt kein Erdöl mehr ins Land.
Links:
www.zimbabwesituation.com
www.newzimbabwe.com
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Kapverde
Bestätigte
Regierungspolitik
Seit 1991 finden
auf der im Atlantik gelegenen Inselrepublik Kapverde Parlaments-
und Präsidentenwahlen statt, nachdem die ehemalige Befreiungsbewegung
PAICV durch eine Verfassungsänderung den Weg zur Mehrparteiendemokratie
frei gemacht hatte. Im Februar wurden zum vierten Mal Wahlen
für eine fünfjährige Amtsperiode abgehalten.
Sie brachten eine klare Bestätigung für die bisherige
Regierungspartei PAICV und den Präsidenten Pedro Pires,
nachdem diese in den letzten Wahlen von 2001 die bürgerliche
Regierung geschlagen hatten. Im neuen Parlament stellt die PAICV
sogar die absolute Mehrheit.
Kapverde gilt als
eines der politisch stabilsten Länder Afrikas. Das hat
Folgen: Wirtschaftlich legen die kapverdischen Inseln stetig
zu. Das Bruttosozialprodukt beträgt zur Zeit 5200 US-$
pro Einwohner. Damit liegt Kapverde auf dem vierten Rang bei
den afrikanischen Staaten. Für 2008 zeichnet sich ein Wechsel
von der Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder in
die Gruppe der Länder mit einer mittleren Entwicklung ab.
Entwicklungstreiber ist der Tourismus geworden, der mit 11 %
zum Bruttosozialprodukt beiträgt und rasch wächst.
Gegenwärtig reisen pro Jahr 170'000 Besucher nach Kapverde.
Neu soll nun auch der Bankensektor auf internationale Standards
ausgebaut werden. Die verarbeitende Industrie, die schon seit
längerem besteht, soll stabilisiert werden (Schuhproduktion,
Kleider, Elektronische Geräte).
Links:
• Offizielle Seite der Regierung der Republik Kap Verde:
www.governo.cv
• Nationalarchiv von Kapverde: www.ine.cv
• Wochenzeitschrift „A Semana“: www.asemana.cv
• Seite der UNDP für Kapverde: www.cv.undp.org
• Infoseite mit zahlreichen Links: www.caboverde24.com
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Südafrika
Strompannen verunsichern Investoren
Der südafrikanische
Stromversorger ESCOM steckt in einer Krise. In Kapstadt gingen
anfangs Jahr mehrmals die Lichter aus, einzelne Gebiete erhalten
nur noch stundenweise Strom. Der Grund: Ausfall der Stromproduktion
in Koeberg, dem Atomkraftwerk. Zudem sind die Überlandleitungen
zu schwach, um die in Kapstadt zur Vollversorgung benötigte
Energiemenge herbeizuführen. Nun wird geplant, ein Gaskraftwerk
zu bauen, doch das dauert Zeit. Die grosse Furcht: Der Stromkollaps
könnte sich auf das Ostkap und die dortigen Industrieanlagen
ausweiten.
Der Schaden ist aber
bereits angerichtet: Die Kapstädter Industrie verzeichnet
Millionenverluste. Und noch viel schlimmer: Verschiedentlich
ziehen sich ausländische Interessenten für Investitionen
zurück, da sie lieber dort ihre Arbeitsplätze ansiedeln
wollen, wo auch die Energieversorgung sicher gestellt ist. So
hat eine russische Aluminiumschmelze – die ein grosser
Stromfresser wäre – ihre Pläne für eine
Anlage in Südafrika aufgegeben. Industrielle befürchten
nun, das angestrebte hohe Wirtschaftswachstum Südafrikas
von 6 Prozent sei aufgrund der Stromausfälle nicht erreichbar.
Links:
•
www.suntimes.co.za: Sunday Times
• www.citizen.co.za:
The Citizen
• www.iol.co.za:
Cape Times, Pretoria News, Saturday Star, The Star, The Argus,
The Daily News, Business Report, The Mercury Cape Times, Sunday
Tribune, Sunday Independent
• www.news24.com:
Beeld, Die Burger, Volksblad, Natal Witness, Rapport, City Press
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Eritrea
Armut mit Kleinkrediten bekämpfen
Unter einem Patchworkdach
aus Säcken der Nahrungsmittelhilfe versammeln sich Frauen
mit bunten Schals. Das Gesprächsthema ist Geld, weil die
Frauen Mitglieder eines Kleinkreditprojektes sind, das von CARE
International und zwei nationalen NGOs – "Haben"
und "Vision Eritrea" – mit Mitteln von USAID
unterstützt wird. CARE leiht Geld an Spar- und Kreditvereinigungen,
die von der Gemeinde verwaltet werden und die wiederum Geld
an ihre Mitglieder verleiht. Jede der 21 Frauen nimmt ihre mageren
wöchentlichen Ersparnisse heraus und steckt sie in eine
verschlossene Dose, während sie sprechen. „Wir bekommen
viel von den Spar- und Kreditvereinigungen. Zunächst sparen
wir Geld. Dann haben wir leichteren Zugang zu Krediten,“
sagte Bottule Adem, Sekretärin der Kreditvereinigung in
Akurdet, ein paar Autostunden westlich der Hauptstadt Asmara.
Jede Woche hinterlegen die Mitglieder Geld bei der Vereinigung
und bekommen dafür reguläre Zinszahlungen. Mitglieder
können auch Kredite im Verhältnis zu ihren Ersparnissen
von der Vereinigung nehmen.
„Einige von
uns besitzen einen Laden, die meisten von uns haben Ziegen und
Schafe, und einige von uns arbeiten mit Bewässerung,“
sagt Bottule. Ihre Vereinigung ist eine von 88, die seit August
2001 gegründet wurden. Offizielle sagten, sie hätten
fast 311 000 US $ an etwa 2000 Mitglieder ausgeliehen, von denen
etwa 94 Prozent Frauen waren. „Die Frauen, die diese Vereinigungen
gründen, haben einen enormen Sinn für Ownership und
ein starkes Verantwortungsbewusstsein. Wir achten darauf, dass
wir Frauen erreichen, weil es viele notleidende Frauen in Eritrea
gibt,“ sagte David Gilmour, Landesdirektor von CARE International
in Eritrea. „Im Landesdurchschnitt haben etwa 37 Prozent
der Haushalte Frauen als Haushaltsvorstände – ein
Ergebnis von Kriegstoten und National Service – und einige
Dörfer haben keinen Zugang zum normalen Bankwesen,"
fügte er hinzu. Die Beziehungen unter den neun ethnischen
Gruppen in Eritrea sind harmonisch, und trotz Berichten über
Repressionen gegenüber religiösen Minderheiten ist
das Maß an Toleranz im allgemeinen hoch.
Die Kreditvereinigung
in Akurdet zum Beispiel hat sowohl christliche als auch muslimische
Frauen der Tigrinya und Tigre als Mitglieder. „Nach dem
Recht der Scharia dürfen keine Zinsen erhoben werden –
wir nennen es eine Servicegebühr, und Geld wird innerhalb
der Vereinigung weitergegeben. Wir haben keine Zinsen von Außenstehenden
genommen oder an sie gezahlt,“ erklärte Bottule.
Bisher gibt es eine nullprozentige Ausfallrate bei Krediten
zwischen Mitgliedern und ihren Vereinigungen oder zwischen den
Vereinigungen und CARE International.
Weiter westlich am
Stadtrand von Barentu haben 16 Mitglieder der Barentu Spar-
und Kreditvereinigung ihr Geld zusammengelegt, um ein Hühnerprojekt
aufzubauen. Die Nara Frauen verkaufen ihre Hühner in der
Stadt für fast 50 Nakfa pro Huhn (etwa 3 $) oder 1,90 Nakfa
pro Ei (etwa 0,13 $), aber Hühnerfutter zu bekommen war
in den vergangenen Monaten sehr schwierig. „Wenn die Preise
weiter ansteigen, werden wir Ziegen und Schafe handeln,“
sagte Hawa Mohamed, Sekretärin der Barentu Spar- und Kreditvereinigung,
als sie die Bedeutung des Projektes für die Frauen beschrieb.
„Wir decken jetzt unsere Haushaltsausgaben. Wir können
unsere Kinder zur Schule schicken, die Uniformen bezahlen und
die Schulgebühren,“ sagte sie. Nach Angaben von CARE
International haben die Kreditvereinigungen auch einen unschätzbaren
sozialen Nutzen: Der Schaffung von Vertrauen und sozialem Kapital
innerhalb der Vereinigungen, und sie sind ein wertvoller Einstieg
für andere Trainings, zum Beispiel in Genderthemen und
Gesundheitsfragen. „Diese Vereinigung hat eine sehr gute
Beziehung zwischen uns geschaffen. Wir legen Geld zusammen und
besuchen uns, wenn eine gute oder schlechte Ereignisse in ihrem
Leben hat,“ sagte Bottule.
Das Durchschnittseinkommen
pro Kopf in Eritrea ist etwa 130 US $ pro Jahr, berichtete der
Internationale Währungsfonds im Februar. Das Land sieht
sich mehreren Hindernissen für ein wirtschaftliches Wachstum
gegenüber, dazu gehören anhaltende Dürre, hohe
Verteidigungsausgaben, der Zusammenbruch des Handels mit dem
benachbarten Äthiopien und Sudan und die Schwäche
im wirtschaftlichen Management und der Regierungsführung.
Trotz der stagnierenden Wirtschaft in Eritrea, wo Rationierungen
und Knappheiten weit verbreitet sind, schaffen die 21 Mitglieder
der Sparvereinigung in Akurdet Arbeit und ein beträchtliches
Einkommen für sich selbst. „Was wir idealerweise
gerne sehen würden ist, dass diese Vereinigungen zu einer
kritischen Masse werden, mehr Kapital schaffen wollen und dann
in der Lage sind, für weitere Kredite zur Dorfbank zu gehen,“
sagte Gilmour.
Quelle: UN-Nachrichtenagentur
IRIN
Link: http://www.irinnews.org/frontpage.asp?SelectRegion=Horn_of_Africa |
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Im Urwald verschollen
red. Bruno
Manser. Spurlos verschwunden. Das letzte Lebenszeichen des Regenwaldschützers
und Menschenrechtlers stammt vom 23. Mai 2000. Seither gilt
er als verschollen. Er verschwand in der Baumwelt der Penan-Nomaden
im malaysischen Sarawak auf der Insel Borneo. Bei ihnen hat
er sechs Jahre verbracht (von 1984 bis 1990), mit ihnen das
entbehrungsreiche Leben eines Urwald-Jägers und -Sammlers
geteilt, gelernt, geforscht, 1000 Tagebuchseiten aufgezeichnet.
Bis die Holzkonzerne mit ihren Bulldozern und Kettensägen
auffuhren und die letzten Reviere der Penan angriffen. Manser
organisierte ihren Widerstand, wurde zum Staatsfeind erklärt
und musste flüchten. Von der Schweiz aus kämpfte er
weiter; für das Überleben seiner Freunde und gegen
das zerstörerische Wirtschaftssystem der technischen Zivilisation:
Mit dem Aufbau des Bruno-Manser-Fonds, mit politischen Vorstössen,
mit Aufklärung und spektakulären Aktionen, die national
und international Echo auslösten.
Bruno Manser war
ein Vielbegabter, ein Multitalent, der auch als Naturforscher,
Handwerker, Sportler verblüffte. Er war Maler, Kommunikator,
Schriftsteller. Ein Querdenker, hellwach, aneckend und unbequem.
Seit Bruno Manser nicht mehr da ist, hat die Welt einen ihrer
glaubhaftesten Verteidiger der bedrohten Lebensgrundlagen verloren.
Was aber hat er bewirkt, der Wagemutige? Was hat ihn angetrieben,
den humorvollen Grübler? Was ist mit ihm passiert? Und
weshalb meinen manche, er lebe noch?
Bruno Manser hat
gehandelt. Er hat sich kompromisslos für die Rechte der
indigenen Urwaldvölker eingesetzt. Ist ihm dies zum Verhängnis
geworden?
Ruedi Suter geht
diesen Fragen nach und versucht sie zu beantworten. Er folgt
Manser aber auch auf seinen Reisen nach Kongo-Kinshasa und Amerika,
beschreibt die Beziehungen zwischen den indigenen Völkern
und der Schweiz und den Kampf der Umweltschutzbewegungen. Gleichzeitig
nähert er sich mit kritischem Respekt der ausserordentlichen
Persönlichkeit des Verschollenen. In 23 Kapiteln zeichnet
Ruedi Suter – der übrigens Mitglied des Afrika-Komitee
ist – das Wirken von Manser nach. Dabei bettet er die
Person und die Arbeit Mansers in einen weiteren politischen
Zusammenhang ein, was auch eine gute Erinnerung an „damals“
ist. Leicht lesbar, absolut zu empfehlen, aber bedrückend
für alle, die Bruno Manser persönlich gekannt haben.
Ruedi Suter,
Bruno Manser, Die Stimme des Waldes, Oberhofen 2005 (Zytglogge)
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100 Jahre Genozid
in Südwestafrika
hus. Die deutsche
Kolonialgeschichte war im Vergleich zu derjenigen anderer europäischer
Mächte geschichtlich gesehen nur ein kurzes Intermezzo.
Vor allem in Afrika hat sie jedoch Spuren hinterlassen, die
bis heute sichtbar sind. Die sichtbarste Hinterlassenschaft
besteht in Namibia. Nebst all den leicht erkennbaren Hinterlassenschaften
– Sprache, Architektur, Infrastruktur – besteht
dieses Erbe jedoch auch in dem während Jahrzehnten totgeschwiegenen
Konflikte im ehemaligen „Deutsch Südwestafrika“.
Und dabei kommt dem vor über 100 Jahren stattgefundenen
Völkermord an den Hereros grosse Bedeutung zu. 2004 –
100 Jahre nach dem Genozid – sind verschiedene Publikationen
erschienen, die sich an eine vorurteilsfreie Aufarbeitung machen.
Dazu gehört der von Henning Melber, der selbst aus Namibia
stammt, herausgegebene Sammelband „Genozid und Gedenken“.
Darin sind acht Beiträge verschiedener AutorInnen vereint.
Mit den Beiträgen wird der Bogen gespannt von der geschichtlichen
Darstellung des Ablaufs des Genozids bis zur Frage nach Reparationen,
der bis heute ausgewichen worden ist.
Henning Melber
(Hg.), Genozid und Gedenken, Namibisch-deutsche Geschichte und
Gegenwart, Frankfurt/Main, 2005 (Brandes und Apsel)
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Schwarzes Gold
hus. Einzelne Gegenden
Afrikas sind reich an Bodenschätzen. Deren Abbau bringt
Millionen und Milliarden als Verkaufserlöse. Doch in den
allermeisten Fällen versickern diese Gelder. Wohin flossen
in den vergangenen Jahrzehnten die Erlöse aus der Erdölförderung
Nigerias? Wohin fliessen heute die Erdölgelder Angolas?
Sie erscheinen in keinem Staatshaushalt. Milliarden fliessen
so in private Taschen. Im Tschad wurde die internationale Hilfe
zur Erschliessung der Erdölfelder und für den Bau
der Pipeline durch Kamerun an die Bedingung geknüpft, dass
die Erlöse zur Entwicklung des Landes verwendet werden
müssen. Doch die entsprechende Gesetzgebung ist durch die
tschadischen Machthaber inzwischen annulliert worden. Die Grundlagen
zur Erdölförderung, die internationale Einbettung
der Erschliessung, die vereinbarte Verwendung der Erdölerträge
und die kritische Begleitung des gesamten Prozesses durch NGOs
ist Gegenstand des von „Brot für die Welt“
herausgegebenen und von Martin Petry verfassten Buches „Wem
gehört das schwarze Gold?“. Darin wird die Entwicklung
aus der Sicht eines internationalen Netzwerkes geschildert,
das während Jahren die Entwicklung kritisch begleitete
und sich oft zu Worte meldete. Dass heute das tschadische Modell
einer sozialverantwortlichen Rohstoffförderung durch die
Regierung einseitig aufgekündigt worden ist, konnte im
Buch noch nicht berücksichtigt werden. Das schadet jedoch
nicht, denn die sorgfältige Darstellung kann Grundlage
für ein besseres Verständnis ähnlicher Prozesse
und Entwicklungen bilden.
Brot für
die Welt (Hg.), Martin Petry (Verf.), Wem gehört das schwarze
Gold?, Engagement für Frieden und Gerechtigkeit in der
Auseinandersetzung mit dem Erdölprojekt Tschad-Kamerun,
Frankfurt/Main 2005 (Brandes und Apsel)
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Gesellschaft und Staat
in Afrika
hus. Afrika erscheint
oft als schlechte Grundlage für Gebilde, die wir als ordnungsgebende
Grössen akzeptieren: Staaten. Viel eher scheinen kleinräumigere
Gebilde, Familien oder Ethnien, Grundlagen eines geordneten
Zusammenlebens zu sein. Der Soziologe Gerhard Hauck geht von
vorkolonialen, kolonialen und postkolonialen Fallstudien aus
und hilft damit, aktuelle Probleme Afrikas besser zu verstehen.
Die Publikation zeichnet sich durch eine detaillierte, auf viel
Fachwissen basierenden Darstellung zahlreicher gesellschaftlicher
Entwicklungen aus.
Gerhard Hauck,
Gesellschaft und Staat in Afrika, Frankfurt/Main 2005 (Brandes
und Apsel)
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Klima der
Angst
bfr. Wole Soyinka, der erste afrikanische Nobelpreisträger,
nimmt in seinen politischen Einmischungen kein Blatt vor den
mund. Als Gastdozent eingeladen, seine Sicht auf den Zustand
der Welt darzustellen und neue Perspektiven daraus zu entwickeln,
hielt er 2004 die mit hohem Ansehen belegten Reith-Lectures
der BBC. Die hier versammelten Essays gründen auf dieser
Vorlesungsreihe.
Wole Soyinka,
Klima der Angst, Zürich 2005 (Ammann Verlag)
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Die Ausleger
bfr. Nigeria in den
sechziger Jahren, kurz nach der Erlangung der Unabhängigkeit.
Einige Freunde – ein Journalist, ein Angestellter im Auswärtigen
Amt, ein Maler und ein Universitätslehrer-, alle etwa Mitte
dreissig, versuchen, sich innerhalb der neuen nigerianischen
Gesellschaft zu etablieren. Doch für gut geschulte, aber
kritische Geister gibt es keinen Platz in der frisch geschaffenen
Bourgeoisie. Der Anblick von käuflichen Emporkömmlingen
und biegsamen Konformisten treibt sie zwangsläufig zur
Flucht in den Spott oder zur Verzweiflung.
Wole Soyinka,
Die Ausleger, Zürich 2002 (Ammann Verlag)
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Samarkand und andere
Märkte
bfr. Die Basare in
Samarkand und Teheran, die Suks von Algier und Beirut, aber
auch die Börse an der Wallstreet und andere Hochburgen
der Scharlatanerie, wo bis heute mit Menschen und Gottheiten
gehandelt wird: Soyinka kennt sie alle und beschreibt sie in
ganz und gar unkonventionellen Reisegedichten.
Wole Soyinka,
Samarkand und andere Märkte, Zürich 2004 (Ammann Verlag)
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Heimkehr nach Somalia
bfr. Zwanzig Jahre
hat der in Somalia geborene Jeebleh in New York im Exil gelebt
– jetzt nach dem Tod seiner Mutter, kehrt er in seine
Heimat zurück. Er möchte die Schulden seiner Mutter
begleichen, ihr Grab besuchen und „Frieden mit ihrem Geist“
schliessen. Bei seiner Ankunft in Mogadischu findet er eine
vom Bürgerkrieg zerrüttete und korrumpierte Stadt
vor. Kaum hat er seinen ehemals besten Freund Bile wieder gefunden,
erfährt er, dass dessen kleine Nichte immer noch verschwunden
ist. Jeebleh ist entschlossen, seinem Freund zu helfen. Er will
das Mädchen finden, gegen die Korruption und für die
Gerechtigkeit kämpfen. Doch in der Welt, die einst sein
Zuhause war, findet er sich nicht mehr zurecht. Nicht nur das
Land Somalia ist ein anderes als früher, auch Jeebeh hat
sich verändert, ja er ist selbst in den Augen seiner Familie
und Freunde nicht länger „einer von ihnen“.
Nuruddin Farah,
Links, Frankfurt 2005 (Suhrkamp Verlag)
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Faszination Namibia
bfr. Das soll Afrika
sein? Feuchter Nebel wabert von der Küste her, die Kälte
kriecht in alle Glieder, und an den Schildern mit deutschen
Strassennamen rüttelt der Wind –in Swakopmund hat
sich schon mancher verwundert die Augen gerieben. Das ferne
Echo der deutschen Kolonialgeschichte ist in Namibia überall
zu vernehmen. Doch der Autorin geht es bei ihrer Annäherung
nicht in erster Linie um die Aufarbeitung der Vergangenheit.
Sie will herausfinden, was die rätselhafte Faszination
dieses Landes ausmacht, will seine Gegensätze erkunden
und die Natur spüren.
Carmen Rohrbach,
Namibia, München 2005 (Frederking & Thaler)
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Reiseführer Kapstadt
und Garden Route
bfr. Die schroffe
Westküste bietet bezaubernde Küstenabschnitte und
im trockenen Hinterland einsame Berg-Landschaften. Eine Fahrt
in dem wenig besuchten Gebiet entlang der Küste bis Lambertsbay
und zurück über die Weinroute nach Kapstadt - dies
ist einer der vielen Tipps im vielfältigen Reiseführer.
Die sechste Auflage ist wiederum überarbeitet und aktualisiert
worden. Gehört ins Handgepäck für Garden Route-Reisende!
Etzbach, Brockmann,
Kapstadt und Garden Route, Dormagen 2006 (Iwanowski’s
Reisebuchverlag)
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Tabus brechen
bfr. Chanda ist 16
Jahre alt, als ihre kleine Schwester Sara stirbt. Auch ihre
beste Freundin Esther hat ihre Eltern verloren. Viele sterben,
doch nennt niemand die Ursache beim Namen. Alle möglichen
Krankheiten oder Unfälle werden herbeigeredet, um der Wahrheit
- Aids - auszuweichen, nicht nur aus Scham, sondern auch aus
Angst vor Ausgrenzung. Zuerst, als auch Chandas Mutter krank
wird, versucht Chanda, ihren Verdacht zu verdrängen, schreibt
es der grossen Trauer um Sara zu, glaubt und hofft immer wieder,
dass die Mutter wieder gesund wird. Auch ihre Freundschaft zu
Esther ist nicht unbelastet, und es wird viel gemunkelt. Als
ihre Mutter aber von der Reise zu ihrer Familie nicht zurückkehrt,
um Chanda und ihre Geschwister vor dem Aids- Stigma zu bewahren,
macht sie sich auf die Suche nach ihr. Sie besiegt ihre Angst
und ihre Scham und bricht mit dem Tabu: Sie holt die Mutter
nach Hause und stellt sich mutig vor sie, indem sie sich weigert,
sich und die anderen weiter zu belügen.
Ein sehr einfühlsamer
und realistischer Jugendroman über Mut und Tatkraft, über
eine Krankheit die durch ihre Tabuisierung viel unnötiges
zusätzliches Leid hervor bringt.
Allan Stratton,
Worüber keiner spricht, München 2005 (dtv junior;
ab 14 Jahren) |
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Ali Farka Touré gestorben
Der malische Gitarrist Ali Farka Touré,
einer der international bekanntesten Musiker Afrikas, ist nach
langer Krankheit am 7. März 2006 gestorben.
hus. Nachdem das Kulturministerium seines westafrikanischen
Heimatstaates Mali den Tod verkündet hatte, unterbrach
der nationale Radiosender sein Programm, um den typischen "Mali-Blues"
des Stars zu spielen. Eine verdiente Ehre für den wohl
berühmtesten Bürger Malis.
Tourés
genaues Geburtsdatum ist nicht bekannt. Er galt als 67 Jahre
alt. Auf seiner Visitenkarte stand „Ali Farka Touré
– Künstler und Landwirt“. Touré kam
1949 in Kanau, nahe von Timbuktu, zur Welt. Das genaue Geburtsdatum
wurde nicht verzeichnet. Schon als Kinder lernte er die Gurkel
zu spielen, das traditionelle Saiteninstrument seines Landes.
Die Schule besuchte er nicht allzu lange: Als Sohn eines Bauern
arbeitete er schon in jungen Jahren auch in der Landwirtschaft.
1956 hörte er ein Konzert des Guineaner Fodeba Keïta.
In der Folge begann er die Gitarre zu spielen. In den 70er Jahren
spielte er mit dem Orchester von Radio Mali. 1976 nimmt er seine
erste LP „Farka“ auf. Er wird national bekannt und
international gewinnt er Aufmerksamkeit.
Der bekannte britische
Musikjournalist und BBC-Moderator Andy Kershaw schreibt über
Ali Farka Tourés Musik: "Mir wurde ganz überraschend
eine Aufnahme von Ali Farka Touré zugeschickt. Ich hörte
sie mir an und war überwältigt. Ich war nicht der
einzige. Von allen Platten, die ich jemals im Radio gespielt
hatte, rief diese die meisten Anfragen hervor. Mit ihrem rhythmisch
gezupften Gitarrenstil und dem nasal und einsam klingendem Gesang
war dies die westafrikanische Version des Delta Blues von Lightnin'
Hopkins oder John Lee Hooker."
In den USA stellen
Musikbegeisterte mit Erstaunen fest, dass aus dem Innersten
Afrika ein Pendent zum Mississippi-Blues kommt. Der Grund mag
darin liegen, dass beide Musiken auf einer pentatonischen Musikleiter
aufbauen. Hat etwa der Blues der Sklaven der US-Südstaaten
seinen Ursprung in Afrika? International bekannt wurde Touré
mit seinem Album «Talking Timbuktu», bei dem er
mit dem amerikanischen Gitarristen Ry Cooder zusammenarbeitete.
Cooders Slide-Guitar-Klänge harmonieren perfekt zu Tourés
traditioneller Gitarre. Für dieses sensationelle Album
bekam er 1995 seinen ersten Grammy – der erste Grammy,
der je an einen afrikanischen Musiker ging.
An der 48. Grammy-Verleihung
im Februar dieses Jahres ging die Auszeichnung für die
beste Produktion traditioneller Musik an Ali Farka Touré
und seinen malischen Kollegen Toumani Diabaté für
ihr Album “In the Heart of the Moon“ (Label: World
Circuit). Das neue Album “In the Heart of the Moon“
kommt überraschend. Touré hatte nämlich angekündigt,
sich vom künstlerischen Schaffen zurück zu ziehen
und vermehrt auf seinem Bauernhof in der Nähe von Timbuktu
zu arbeiten. Doch nun trifft der begnadete Gitarrenspieler auf
einen exzellenten jungen Kora-Spieler.
Bis zu seinem Tod
blieb Touré seinen ländlichen Wurzeln treu. Er widmete
sich stets der Landwirtschaft. In Niafunke, 200 Kilometer südlich
von Timbuktu, baute er weiterhin Reis und Obst an. Dies war
seine Welt. Ihm wird nachgesagt, dass er nur dann auf Konzerttournee
ging, wenn er dringend Geld für einen neuen Traktor oder
ähnliches brauchte.
Ali Farka Touré
hat Afrika auf der Weltkarte der Musik unüberhörbar
platziert. Mali – vor allem das nördliche Mali mit
Niafunke und Timbuktu – ist für viele Musikliebhaber
ein Begriff geworden. Touré hat zum Verständnis
und zur Anerkennung seines Landes viel beigetragen. Ein Ehrenplatz
in der Galerie der grossen Söhne und Töchter Malis
und der Musikschaffenden Afrikas ist ihm sicher.
Discografie
Von Ali Farka
Touré sind folgende Titel erhältlich:
• Ali Farka
Toure & Toumani Diabaté: In the heart of the moon
• Ali Farka Touré: Red and green
• Ali Farka Touré: Niafunke
• Ali Farka Touré: Radio Mali
• Ali Farka Touré & Ry Cooder: Talking Timbuktu
• Ali Farka Touré: The source
• Ali Farka Touré: The river
• Ali Farka Touré: 10 songs from the legendary...
Im Sommer 2006
soll noch die allerletzte neue CD herauskommen.
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| Das Afrika-Bulletin |
Redaktion:
- Hans Ulrich
Stauffer, baud.stauffer@bluewin.ch
- Administration,
Abos und Bestellung von Einzelexemplaren des Bulletins;
Mitgliedschaft im Afrika-Komitee:
Abos und Einzelexemplare:
- Afrika-Komitee,
Postfach 1072, 4001 Basel
- oder: Beatrice
Felber Rochat, bfr@freesurf.ch, Telefon +41 61
692 51 88
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