| Afrique-à-midi vom 26.
Februar 2003 im Afrika Zentrum Basel: Stimmt
unser "Wissen" über Afrika?
Ein Gespräch mit Rev. Pasteur Richard Ondj I'I Toung aus Kamerun
Afrika
wird analysiert, interpretiert, erklärt, wird seziert, eingeordnet und beschrieben - z.B.
von europäischen Diplomaten, Reisenden, Medienleuten und Gebildeten an den Universitäten
Europas. So haben wir alle, die sich ehrlich um das Verstehen der afrikanischen Kulturen
bemühen, ein ziemlich differenziertes Bild über Afrika und die AfrikanerInnen im Kopf.
Doch stimmen diese Bilder auch? Werden wir mit
unserer Fragekultur, unserer Forschung, unserer Denkweise und unserer Mentalität auch
tatsächlich diesem Kontinent mit seinen in wesentlichen Bereichen anders strukturierten
Menschen gerecht? Bauen wir nicht unsere "Erkenntnisse" immer noch in erster
Linie auf unserem Hintergrund auf? Sollten wir nicht viel misstrauischer uns gegenüber
sein, Fragen mehr offen lassen und unsere Denkweise radikal in Frage stellen, bevor wir
uns anmassen, ein Urteil über jene zu fällen, die womöglich grundlegend
"anders" sind?
Afrika muss seinen eigenen Weg (wieder-)finden,
heisst es. Kann es das aber in der heutigen Lage? Braucht Afrika Universitäten? Braucht
es die Einsätze, Interventionen oder Invasionen der Konzerne, Entwicklungshelfer,
Hilfsorganisationen und Armeen aus anderen Kontinenten? Und sollten wir uns als Individuen
nicht besser dem Zweifel und des Offenlassens aussetzen, als Rezepte und Erklärungen zu
formulieren, die in Schwarzafrika letzten Endes vielleicht gar nichts wert sind? Antworten
darauf, können uns bestenfalls die AfrikanerInnen selbst geben.
Richard Ondj I'I Toung aus Kamerun schreibt
zurzeit seine Dissertation in Basel. Seine Erfahrungen als Afrikaner mit dem westlichen
Bildungssystem, sein Wissen, sein kritisches Denken und der Wille, seine afrikanischen
Wurzeln zu verteidigen, machen ihn zu einem besonders interessanten Gesprächspartner. Er
wird uns auch sagen, was ihm an uns und bei uns gefällt - oder eben missfällt. Nicht
verpassen! |