Editorial
Nach einer kurzen Zeit relativer Ruhe stehen die
Zeichen wieder auf Sturm: Mit Blick auf die kommenden Wahlen, von
denen bis heute weder Datum noch Modalitäten bekannt sind,
und im Versuch, die Macht zu behalten, beginnt Zanu-PF wieder an
der Gewaltschraube zu drehen. Nicht nur werden NGO-Mitglieder oder
MDC-AktivistInnen willkürlich verprügelt und verhaftet,
sondern es werden auch Meetings von MDC-Ministern verboten oder
das MDC-Büro durchsucht und mit Tränengas eingenebelt.
Es soll offensichtlich wieder ein Klima der Gewalt geschaffen werden.
Als ob es davon in Zimbabwe nicht schon genug gegeben hätte.
Untersuchungen zeigen, dass mindestens 10 Prozent der Bevölkerung,
in einigen Regionen sogar 50 Prozent, an den Nachwirkungen von Gewalterlebnissen
leiden und dringend Behandlung benötigen.
Trotz diesem Klima der Gewalt gibt es immer noch
VertreterInnen der Zivilgesellschaft, die sich getrauen, ihre Rechte
auf Versammlungsfreiheit, freie Meinungsäusserung, gute Lebensbedingungen
oder Offenlegung der Einkünfte aus dem Diamantenverkauf einzufordern.
Sie nehmen dabei nicht nur Prügel und Gefängnisstrafen
in Kauf, sondern auch lebensgefährliche und bleibende Verletzungen.
Stellvertretend für diese AktivistInnen stehen die Mitglieder
von Woza (Frauen von Zimbabwe erhebt euch) oder der Diamantenexperte
Farai Maguwa.
Zanu-PF zweigt einen Teil der Einkünfte aus
dem Diamantenverkauf unrechtmässig ab. Diese Einkünfte
kommen nicht nur Privatpersonen zu Gute, sondern auch der Wahlkampfkasse
von Zanu-PF, die prallgefüllt ist. Auch Militär und Polizei
bedienen sich bei den Diamanten. Eine Anstellung dort ist plötzlich
wieder lukrativ und gibt Zanu-PF zusätzliche Macht. Um diese
Machenschaften zu verhindern, versuchen diverse NGOs, die Regierung
zu zwingen, alle Einkünfte aus den Diamanten offen zu legen.
Die Regierung bestreitet alle Vorwürfe, obwohl sie belegbar
sind.
Nach der Abstimmungsniederlage 2000, bei der die
von Mugabe vorbereitete Verfassungsreform abgelehnt wurde, startete
Mugabe zur Erhaltung der Macht die Landverteilungskampagne –
Ursache der heutigen desolaten Situation. Es sieht so aus, als ob
Mugabe zur „Vorbereitung“ der nächsten Wahlen wieder
eine Kampagne lanciert, die ihm Stimmen bringen soll: Die „Indigenisation“-Kampagne:
Grössere Firmen in ausländischem Besitz müssen 51%ihrer
Aktien an zimbabwische Firmen oder Private abtreten. Es bleibt ein
Geheimnis, wie diese Übertragungen finanziert werden sollen.
Aber heute schon klar ist, dass Zanu-PF damit Leute für sich
gewinnen kann.
Es ist unfassbar, wie ungeniert sich die Elite an
den Reichtümern des Landes bedient. Im letzten Rundbrief brachten
wir einen Artikel über die Plünderung der Städte,
in dem geschildert wurde, wie Stadträte innert kurzer Zeit
zu grossem Vermögen kamen, während der öffentliche
Dienst zusammenbrach. Im Sommer ist bekannt geworden, dass Mugabe
13 Farmen mit einer Fläche von 15'000 Hektaren besitzt, und
dass eine kleine Elite von 2200 Personen die Hälfte des fruchtbaren
Bodens besitzt. Es ist schon heute absehbar, dass das Thema Landverteilung
bei solchen Zahlen noch lange nicht erledigt ist.
Auffallend ist, dass in den letzten Monaten kaum
mehr über die chinesischen Investitionen berichtet wurde. Ein
Bericht zeigt, dass neuerdings chinesische und zimbabwische Firmen
bei der Ausbeutung der Diamanten in Marange zusammen arbeiten. In
einemanderen Bericht sind die zimbabwischen Arbeiter mit der chinesischen
Führung unzufrieden.
In letzter Zeit haben einige Gerichtsentscheide aufhorchen
lassen, nachdem es lange Zeit schien, die Gerichte seien Zanu-PF-hörig.
Am 27. September wurden Zanu- Mitglieder wegen dem Mord an einem
MDC-Aktivisten zu Gefängnisstrafen verurteilt und verhaftete
Woza-Mitglieder wurden schon von erstinstanzlichen Richtern aus
der Untersuchungshaft entlassen, weil offensichtlich kein Haftgrund
vorlag (früher war das kein Grund für eine Haftentlassung).
Trägt hier die unermüdliche Anrufung der Gerichte und
die Einforderung von rechtsstaatlichem Handeln Früchte? Hat
sich das Machtgefüge doch schon so verändert, dass langsam
auch einzelne Richter Stellung gegen unrechtmässiges Vorgehen
des Staates nehmen können?
Im vorliegenden Rundbrief beleuchten wir diese Aspekte
etwas näher.
Gertrud Baud,
Mitglied des Vorstandes
Der Rundbrief der Vereinigung Schweiz-Zimbabwe
ist zu Gast auf der Website des Afrika-Komitees.
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Rundbrief / Newsletter
Nr. 58, November 2011
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