Nachhaltige Entwicklung auf den Kapverdischen Inseln

Die Kapverdischen Inseln liegen leicht nördlich des Äquators. Sonne und steter Wind prägen das Klima. Diese beiden Ressourcen werden von der Regierung vermehrt genutzt. Erste grosse Erfolge sind sichtbar in dem Land, das über keinerlei natürliche Ressourcen oder Bodenschätze verfügt. In der Vergangenheit erfolgte die Stromproduktion durch thermische Kraftwerke. Vor zwei Jahrzehnten begann die Installation von Windkraftanlagen. Nun wird massiv in Photovoltaik investiert.

Kap Verde strebt an, bis 2030 mehr als 50 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen und sich bis 2040 der 100-Prozent-Marke zu nähern. Damit wird eine massive Verringerung der Abhängigkeit vom Ausland – derzeit werden etwa 80 % der für die Stromerzeugung benötigten Brennstoffe importiert –, eine geringere Anfälligkeit für externe Schocks sowie niedrigere Energiekosten für Unternehmen und Haushalte angestrebt. Die besondere Herausforderung ist, dass für die einzelnen Inseln «Insellösungen» realisiert werden müssen, da kein nationales Stromnetz besteht. Doch diese Insellösungen haben den Vorteil, dass auch schon mit kleinen Anlagen die Versorgung mit alternativer Energie erreicht werden kann und dass die jeweiligen Investitionen finanzierbar sind.

Internationaler Flughafen Boavista erreicht 100 % Energieautonomie durch erneuerbare Quellen

Der nach dem ersten Staatspräsidenten von Kapverde benannte Flughafen von Boa Vista – Aeroporto Aristides Pereira – hat im Februar 2026 eine vollständige Energieautonomie auf Basis erneuerbarer Energien erreicht. Durch Investitionen in einen Solarpark mit Batteriespeichersystem arbeitet der Flughafen inzwischen energetisch vollständig autark. Dazu erklärte Ulisses Correia e Silva, Premierminister der Republik Kapverde: „Der Einsatz erneuerbarer Energien, um den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu senken und das Flughafenmanagement nachhaltiger zu gestalten (…) all das wird zusammengerechnet einen sehr grossen Effekt auf unseren Beitrag zur Verringerung der CO₂-Emissionen haben“. Nach Angaben von Remi de Longevalle, dem CEO von VINCI Airports, welche den Flughafen betreibt, wird nach der erreichten Stromunabhängigkeit nun der Schutz und die effiziente Nutzung der Wasserressourcen im Mittelpunkt stehen.

Neues Kraftwerk auf Sal erhöht den Anteil erneuerbarer Energien auf über 40 Prozent

Auch auf der Insel Sal, die wie Boavista ein Tourismus-Hotspot ist, gewinnt die Solarenergie an Bedeutung. Bereits 40 Prozent des Strombedarfs der Insel werden durch Photovoltaik produziert.  Der Strombedarf der Insel ist seit 2016 um rund 60 Prozent gestiegen, vor allem durch das Wachstum des Tourismussektors und Investitionen in verschiedene Wirtschaftsbereiche. Die Zunahme konnte nicht mehr mit der bestehenden Infrastruktur gedeckt werden.

Bereits Ende 2024 wurde ein Solarpark mit einer Leistung von fünf Megawatt (MW) eingeweiht, ein Projekt im Wert von fünf Millionen Euro. Mit dem im Februar 2026 in Betrieb genommenen Batteriespeichersystem, das rund sechs Millionen Euro kostet, hat sich die Speicherkapazität für erneuerbare Energien auf der Insel versiebenfacht. Bei der Einweihung sagte Premierminister Ulisses Correia e Silva: „Mit den neuen Anlagen wird der Anteil erneuerbarer Energien auf Sal voraussichtlich über 40 Prozent steigen und damit das nationale Ziel von 35 Prozent für 2026 übertreffen“.

Ein weiteres Projekt ist in Palmeira im Bau. Dabei handelt es sich jedoch um ein thermisches Kraftwerk, das rund 30 Millionen Euro kostet. Dieses soll die bestehende thermische Kapazität verdoppeln, die Betriebskosten senken und mehr Flexibilität bei der Integration hoher Anteile erneuerbarer Energie bieten.

Neuer Solarpark macht Santiago erstmals energieautark

Zum ersten Mal wird auch die Insel Santiago über eine erneuerbare Energiekapazität verfügen, die ihren Spitzenverbrauch von rund 40 Megawatt (MW) übertrifft. Demnach wird Santiago künftig über 42 MW installierte erneuerbare Leistung verfügen – ein historischer Meilenstein. Das Projekt ist Teil des Elektrifizierungsplans von Kapverde 2018–2040, der eine ehrgeizige, aber realistische nationale Strategie für den Energiewandel vorgibt.

Die Investition für den Solarpark auf Santiago beläuft sich auf 750 Millionen kapverdische Escudos (rund 6,8 Mio. Euro). Neben dem Solarpark Palmarejo werden derzeit weitere strategische Projekte umgesetzt, darunter ein neuer 10-MW-Solarpark in Ribeira Grande de Santiago sowie die Erweiterung des bestehenden Windparks. Zusammengenommen werden diese Projekte die erneuerbare Produktionskapazität Santiagos verdreifachen. Um die neue Leistung optimal zu nutzen, werden derzeit Energiespeicher mit 6 MWh Kapazität fertiggestellt, die den Überschuss an Solar- und Windstrom speichern können. Damit kann Energie gespeichert werden, wenn weder Sonne noch Wind vorhanden sind. Prognosen zufolge wird Santiago bis 2026 47 Prozent des Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien decken können.

Und schon steht ein neues Projekt an: Portugal finanziert den Rückbau eines bestehenden 4,4-MW-Solarparks und den Neubau auf derselben Fläche von 3,15 Hektar, was die Leistung von 4,4 MW auf 10,9 MW mehr als verdoppelt, genug, um 20’000 bis 25’000 Einwohner mit Strom zu versorgen. Die jährliche Stromproduktion steigt damit von 5,5 GWh auf 21,5 GWh. Zudem soll das Projekt für dem Zentrum für Erneuerbare Energien und Industrielle Instandhaltung (CERMI als Schulungsfeld) dienen. Dieses Projekt ist das erste, das durch den Klima- und Umweltfonds finanziert wird, den das kapverdische Parlament im Juli 2024 genehmigte. Der Fonds hat ein Vermögen von 12,5 Millionen Euro, die aus der Schuldenumwandlung mit Portugal stammen. Eine weitere erfreuliche Nachricht: Im Januar 2026 wurde während des 7. bilateralen Gipfels Portugal-Kapverde in Lissabon das Schuldenumwandlungsprogramm von den ursprünglichen 12,5 Millionen Euro auf 42,5 Millionen Euro ausgeweitet mit einem Zeithorizont bis 2030. Damit besteht Spielraum für weitere Projekte alternativer Energiegewinnung.

Erfolgversprechender Weg

Schritt für Schritt geht der Umbau der Stromgewinnung weg von fossilen zu erneuerbaren Energien. Interessant ist, dass aus unserer Sicht mit relativ kleinen Investitionen eine grosse Wirkung erzielt werden kann, was mit dem Energiebedarf der kleinen Bevölkerungszahl auf den verschiedenen Inseln zusammenhängt. Kann der Schwung beibehalten werden, ist die anvisierte Energieautarkie um 2040 durchaus realistisch.